Archiv für Juni 2005

Zur Causa Krafzik…

… und warum ich keine Hemmungen habe, solche Leute anzuzeigen:

Aber wir haben es nicht nur mit Menschen zu tun, die wir bilden oder verändern können, sondern auch mit solchen, bei denen die Würfel bereits ausgespielt sind, vielfach solchen, für deren besondere Persönlichkeitsstruktur es charakteristisch ist, daß sie in einem gewissen Sinn verhärtet, nicht eigentlich der Erfahrung offen sind, nicht recht flexibel, kurz: unansprechbar. Diesen Menschen gegenüber, die im Prinzip selber lieber auf Autorität ansprechen und die sich in ihrem Autoritätsglauben auch nur schwer erschüttern lassen, darf auf Autorität auch nicht verzichtet werden. Wo sie sich ernsthaft vorwagen bei antisemitischen Manifestationen, müssen die wirklich zur Verfügung stehenden Machtmittel ohne Sentimentalität angewandt werden, gar nicht aus Strafbedürfnis oder um sich an diesen Menschen zu rächen, sondern um ihnen zu zeigen, daß das einzige, was ihnen imponiert, nämlich wirkliche gesellschaftliche Autorität, einstweilen noch gegen sie steht.
[…]
Einmal bin ich an einer Gruppe von Chauffeuren vorbeigekommen, die damals in dem Pool für die amerikanische Besatzungsmacht beschäftigt waren. Sie schimpften untereinander wüst auf die Juden. Ich ging zum nächsten Schutzmann und ließ sie verhaften.

Theodor W. Adorno, in: Zur Bekämpfung des Antisemitismus heute.
(via Volker Radke)

Buffy im Bann der Dämonen

Harharhar, diese Konservativen und Liberalen sind schon urkomisch! The ugly toad halluziniert eine Christenverfolgung in den USA, weil die Gerichte dort noch immer auf die Trennung von Staat und Religion pochen, während das antibuerokratieteam Bloggern wie SpexX, Maledei und mir ein „Wehret den Anfängen!“ entgegenschleudert, weil wir seine rechtsextremen Freunde daran hindern, ihre bodenlose Hetze zu verbreiten.

Ja, so ist das, und ich warte bloß noch auf den Moment, an dem das antibuerokratieteam die Ära der Entnazifizierung als „Hexenjagd“ tituliert, vor der seinerzeit allein die liberalen Parteien Schutz gewährten. Womit er uns dann zugleich erklärt hätte, warum FPÖ und F.D.P. nach 1945 zum bevorzugten Sammelbecken für Altnazis geworden sind.

Aber Polemik mal beiseite: worin liegt denn der inhaltliche Fehler des antibuerokratieteams? Er liegt darin, dass er das Recht, seine Meinung frei zu äußern, abtrennen will von der Möglichkeit, diese Meinung auch in die Tat umzusetzen. Jeder soll sagen können, was er will, solange das nur keine praktischen Folgen hat. Deshalb setzt er die Behauptungen von Jürgen Krafzik über Lesben und Schwule (sie seien „obszöne Horrorgestalten“, die „unsere Kinder versauen“ und kein „Recht“ hätten, Europa mitzugestalten) zu einer bloßen Meinung herab, die man gefälligst tolerieren müsse, auch wenn sie darauf hinausläuft, „Homosexuellen“ entweder das Bürgerrecht zu entziehen oder sie gleich totzuschlagen. Wenn sich aber die Leute, die von Jürgen Krafzik für vogelfrei erklärt werden, gegen dessen Hetze zur Wehr setzen, indem sie beispielsweise die Schließung seines Blogs veranlassen, dann verhalten sie sich in den Augen des antibuerokratieteams intolerant; denn schließlich belässt es the ugly toad bei seinem Geschreibsel, während wir „totalitären Blockwarte“ daraus reale Konsequenzen ziehen!

Psychiatrisierung als Mittel der sozialen Kontrolle

Die AUF, eine traditionsreiche feministische Frauenzeitschrift aus Wien, bittet um Unterstützung und Solidarität.

Billy’s legacy

Another scrap from the infamous Andrew Sullivan:

MISSING BILLY GRAHAM: It may or may not be his last crusade, but I have always admired Bill Graham’s passionate but humane evangelicalism, his ability to reach out rather than condemn, his call to overcome our own deficiencies before we point out and excoriate others‘. His refusal to meld his religion with a political ideology is now an anachronism, as contemporary Christianism has fused with a political party in condemnatory bitterness. But Graham shows what true Christianity is. And how it has become in danger of being eclipsed by the hubris of Dobson and the expedience of Rove.

All’s forgotten. To homocons like Sullivan Billy Graham has become the role model of a „compassionate evangelism.“ For in his 1997 San Francisco Crusade (sic!) he declared that „whatever your background, whatever your sexual orientation, we welcome you here tonight.“

Only one year before, there had been a very embarrassing moment in Graham’s life: the secret Nixon tape recordings were released from the archives. In one snippet, dating from 1972, Rev. Billy Graham talks to President Richard Nixon about the Jews in the media:

BG: This stranglehold has got to be broken or the country’s going down the drain.

RN: You believe that?

BG: Yes, sir.

RN: Oh, boy. So do I. I can‘t ever say that, but I believe it.

BG: No, but if you get elected a second time, then we might be able to do something.

Later, in the course of the same conversation, Graham says:

„A lot of the Jews are great friends of mine. They swarm around me and are friendly to me because they know that I‘m friendly with Israel. But they don‘t know how I really feel about what they are doing to this country. And I have no power, no way to handle them, but I would stand up if under proper circumstances.“

Perhaps Graham has changed his mind since then. After all, he apologized for these remarks when they became public more than 30 years later. And on a different occasion he also apologized for once saying that „all homosexuals should be castrated“. But does he really mean it?

Probably that doesn‘t matter anyway, because this weekend Graham finally stepped down from his religious mission due to age and disease. He leaves behind the Billy Graham Evangelist Association. In August 2000 it invited Rev. Tim Wilkins to a mass event at Amsterdam:

Wilkins, once gay, is now happily married with an infant daughter. He spoke on „Loving and Reaching the Gay Community.“ Said Wilkins, „I am ashamed of my past homosexuality, but I am not ashamed of the gospel of Jesus Christ!“
[…]
Wilkins said, „The Bible is clear that homosexuality is sin, but forgiveness of sin and freedom from sin are available in Christ.“ Because many ministers are unaware of gays in their churches or audiences, evangelists were told that many gays are „invisible“; said Wilkins, „those with unwanted same-sex attractions do not wear signs on their clothing reading ‘I am gay.‘ They need you to tell them that Christ loves them and wants to restore them.“

Oh Andrew, you‘re such a cuckold!

Ugly Germans I

This is how a racist and homophobic bitch looks like:

Jürgen Krafzik

Juergen Krafzik, discovered in the blogroll of Davids Medienkritik.

Islam und Homosexualität

Einen ausgewogenen und durchaus tauglichen Artikel zu diesem Thema hat Hans Markus Herren im lesbisch-schwulen Stadtmagazin Our Munich veröffentlicht. Dort heißt es einleitend:

„Der Islam verbietet…“, „Der Islam unterdrückt…“, „Der Islam schürt…“, „Der Islam sagt…“. In unzähligen Variationen kann man in letzter Zeit Neuigkeiten über diese Weltreligion vernehmen. Glücklicherweise lassen sich im Blätterwald auch differenzierte Aussagen finden, doch allzu häufig trifft man auf allumfassende Weisheiten der oben zitierten Art, und dies beileibe nicht nur bei Gerhard Konzelmann… Dabei müsste es doch eigentlich erstaunen, dass einer Religion ungefragt derart allumfassende Erklärungskraft zugebilligt wird. Aussagen der Art „Der Islam sagt“ sind schon aus Gründen der sprachlichen Logik höchst erstaunlich: Der Islam hat, ganz im Gegensatz zu den Musliminnen und Muslimen, noch nie etwas gesagt. Das sind nicht semantische Haarspaltereien, sondern wesentliche Kategorien der Vorstellung, die sich durchschnittliche MitteleuropäerInnen vom Orient machen. Wenn „der“ Islam das hiesige Bild des Nahen Ostens derart unreflektiert bestimmt, dient er nur noch zur Etikettierung, zur Kennzeichnung des Fremden. Fast könnte man meinen, die Orientalismuskritik von Edward Said sei spurlos an uns vorbeigegangen. Und die FundamentalistInnen dürfte es freuen, wenn die Europäer ihnen ihre Propaganda des Typs „Der Islam sagt…“ nachreden.

Weiter geht’s hier… (PDF-Dokument)

Poverty in developing countries explained

A really fine piece of Marxist theory, which was originally published in German, has now become available in English as well. It’s been titled „Why are many people in developing countries poor?“ I promise you won‘t regret the reading.

Keep Your Jesus Off My Penis

Eric Schwartz, who’s produced Feminem, has another funny movie out there called „Keep Your Jesus Off My Penis And Your Bible Off My Balls“. Enjoy!

(via Freethought Weekly)

[Edit: I was mistaken when I attributed the two clips to the same person. Obviously there is more than one musician called Eric Schwartz…]