Ich bin meine eigene Frau

Es ödet einen schon irgendwie an, dass Anhänger der Schwulenbewegung seit etwa 35 Jahren den immer gleichen Käse erzählen, wie z.B. djane teutonia:

während ab den 1890er jahren der sozialistische jüdische Arzt und Sexualforscher Magnus Hirschfeld mit der Gründung des Wissenschaftlich-Humanitären Komitees mittels der Erforschung „sexueller Zwischenstufen“ und der Propagierung des „dritten Geschlecht“ die Homo-Frage anging – und somit als früher Wegbereiter einer queeren identitätskritischen und antiheteronormativen Geschlechterkonstruktions-Kritik betrachtet werden kann – etablierten sich zeitgleich innnerhalb der Homo-Bewegung um die Jahrhundert-Wende verstärkt die arischen „echten“ Männer, die z.b. um den „der Eigene“– Herausgeber Adolf Brand und den „Wandervogel“-Prediger Hans Blüher, Kameradschaft, Männlichkeit, Jugendlichkeit, Frauenfeindlichkeit und rassische Ideologie propagierten.

Um Magnus Hirschfeld als Helden aufzubauen, wird er gleich eingangs als jüdisch und sozialistisch vorgestellt. Beides grenzt jedoch an eine Lüge. Hirschfeld war ein rechter Sozialdemokrat, der während des ersten Weltkriegs militaristische Gedichte verfasste und für die Zwangssterilisierung des Lumpenproletariats eintrat. Gegen die Zuschreibung, jüdisch zu sein, setzte er sich sogar explizit zur Wehr. Nur wer auf der Basis der Nürnberger Rassengesetze urteilt, kann ihn – den Atheisten und Anhänger eines weltanschaulichen Monismus –, der bereits 1932 aus Deutschland emigriert war, gegen seinen erklärten Willen, aber im Einklang mit den antisemitischen Hetzern der Weimarer Republik als Juden bezeichnen.

In seinem Institut für Sexualwissenschaft führte er erbhygienische Eheberatungen durch und lehrte, dass die Kinder von Homosexuellen schwachsinnig seien. In seinem Hauptwerk Die Homosexualität des Mannes und des Weibes von 1914 findet sich folgendes Schaubild, das die vorgebliche Funktion der Homosexualität für die Reinigung der menschlichen Keimbahnen von „entartetem Erbgut“ erklären sollte:

aus: Hirschfeld, Magnus: Die Homosexualität des Mannes und des Weibes, Berlin 1914, S. 391

In den 20er Jahren vermittelte der wissenschaftlich bereits ins Abseits geratene Forscher schwule Männer für Menschenversuche an den Chirurgen Eugen Steinach, der mittels Hodentransplantationen den Nachweis zu führen versuchte, dass Homosexualität ein angeborenes Phänomen sei. Seine Mitarbeiter verbreiteten indes via Fotoausstellungen rassistisches Gedankengut über die „Hässlichkeit“ bestimmter Menschenrassen, während Hirschfeld selber dem zahlenden Publikum entwürdigende Bilder von Hermaphroditen und anderen Personen mit geschlechtsuneindeutigen Merkmalen präsentierte. Noch in seinem posthum in englischer Übersetzung erschienenen Buch mit dem Titel Racism bezeichnete er die Sterilisierung geistig und körperlich Behinderter durch die Nazis als „an interesting experiment … but it will be a long while before the results can be judged on their merits“.

All dies ist u.a. in einem Artikel von Peter Kratz mit der Überschrift Ein Rassenhygieniker als Ahnherr der Schwulenbewegung: Magnus Hirschfeld – das falsche Idol für sexuelle Emanzipation nachzulesen. Doch wo das Motto: „queerer tuntismus versus kameraden-sex und gay-male-power“ heißt, da gehen solche historischen Feinheiten schon mal flöten.

Wer jetzt allerdings noch immer glaubt, dass „Tuntismus“ und Deutschtum, Frauenpower und White Pride einen notwendigen Widerspruch bilden, dem sei zu guter Letzt ein Artikel von Eike Stedefeldt in der jungen Welt vom 23. 8. 2000 über die selige Charlotte von Mahlsdorf ans Herz gelegt:

Ungebrochen ist bis heute das Interesse an Lottchens schlimmem Schicksal. Zu Hunderten strömt man herbei, wenn Charlotte, was hierzulande selten geworden ist, erzählt. Nur die wenigsten hören genauer hin, welch krauses Weltbild sich da Gehör verschafft: […] »Was in der DDR an Kunstraub geschah, also das eigene Volk derartig auszuplündern, das stellte selbst den größten Kunsträuber aller Zeiten namens Hermann Göring in den Schatten. Und die Nazis hatten ja nur zwölf Jahre Zeit dazu.« Schalck beats Göring? Alle Achtung!

[…] Natürlich ist es ungerecht, von der Herzensguten zu verlangen, sich selbst in Frage zu stellen, während es sonst keiner tut. Niemand etwa konfrontierte sie bisher mit dem Umstand, daß ihrer frühen Leidenschaft fürs Mobiliar der historische »Zufall« durchaus zupaß kam: Den Grundstock ihrer Sammlung verdankt die Nicht-Jüdin, die am dezenten Goldkettchen zuweilen den Davidstern trägt, Haushaltsauflösungen bei deportierten Juden; Teile der Nachlässe konnte die jugendliche Charlotte für einen Spottpreis erwerben. Einer Lesben- und Schwulenszene, der in der letzten Dekade von einer durch und durch mediokeren Führungsclique systematisch das historische Bewußtsein, ja das politische Denken überhaupt ausgetrieben wurde, käme nie in den Sinn, diese Tatsachen in Beziehung zu setzen zur Verhöhnung jener Millionen jüdischer Nazi-Opfer, die in den Vernichtungs- und Konzentrationslagern ermordet wurden. […]

Und auch sonst finden sich in Charlottes Büchern und Erzählungen Ungereimtheiten und dummes Zeug zuhauf, aber wer wollte schon zur Kenntnis nehmen, daß ihr geistiger Horizont faktisch an der Mauer ihres ehemaligen Gutshofes bzw. seit ihrer Auswanderung vor drei Jahren am Waldrand von Porla Brunn endet – oder bereits auf der Freitreppe, sofern nur irgendein TV-Team davor steht? Doch nirgends ist Lottchen so heilig wie in der Schwulenszene. An dieser Figurine wurde so lange herumgewienert, bis ihr die Politur ins Oberstübchen stieg. Welchen Kämpfer fürs schwule Bürgerrecht störte auch schon, daß sie in ihrem Märchenbuch »Ich bin meine eigene Frau« Russen zu Idioten stempelt, die keine Sicherung überbrücken können und sich angesichts eines Gummisaugers zur Behebung einer Kloverstopfung in Hochachtung vor Charlottes hausfraulichen Künsten überschlagen? Oder daß sie ihr museales Lebenswerk zur Folge ihres »weiblichen« Gemüts deklariert? Charlotte genießt Narrenfreiheit, denn sie ist alt und schwul, und ihr Ruhm ist unvergänglich, selbst wenn sie weiter solch hanebüchenen Unsinn verbreitet wie den: »Daß die Lesben und Schwulen keine Kinder kriegen, das ist doch ganz natürlich. Die Natur sucht sich ja auch aus, was sie gebrauchen kann, was sie sich vermehren läßt und was nicht. Und wenn wir’s mal so nehmen: Wenn die Lesben und Schwulen nun auch noch Kinder kriegen würden, dann hätten wir heute noch viel mehr Arbeitslose.«