Aus dem iranischen Strafgesetzbuch

>>>

hadd für liwat

138/139/108 liwat ist das Koitieren (wat‘) eines Männlichen (insan mudakkar) [durch Eindringen mit dem Glied].
139/140/109 Wenn jemand einen Männlichen koitiert, sollen beide, der Aktive und der Passive, zur hadd-Strafe verurteilt werden. [ … ]
140/141/110 Die hadd-Strafe für liwat ist die Tötung;
—/141/110 der schari‘a-Richter entscheidet über die Tötungsart.
141/142/111 Auf liwat steht die Tötung, wenn Aktiver und Passiver volljährig und geistig gesund sind und freiwillig (handelten).
141/—/— Deshalb zieht liwat einer minderjährigen, schwachsinnigen oder dazu gezwungenen Person nicht die Tötung nach sich.
142/143/112 Wenn ein volljähriger und geistig gesunder Mann einen Minderjährigen koitiert, soll der Aktive getötet werden, und der Passive soll nach dem Ermessen des Richters gezüchtigt werden [mit bis zu 74 Peitschenhieben], so er nicht dazu gezwungen wurde.
143/144/113 Wenn ein Minderjähriger einen andern Minderjährigen koitiert, sollen sie nach dem Ermessen des Richters gezüchtigt werden, es sei denn, einer von beiden wurde dazu gezwungen.
143/144/— Anmerkung: Samenerguß während des Aktes erweist die Volljährigkeit des Aktiven.

Art und Weise des Beweises von liwat

A. Geständnis

144/145/114 Wenn der Aktive oder Passive viermal [vor dem Richter] gesteht, so ist liwat für den Geständigen erwiesen.
145/146/116 Das Geständnis ist gültig, wenn der Geständige volljährig und geistig gesund ist und freien Willen und Vorsatz hat.
146/147/115 Wenn der Aktive oder der Passive weniger als viermal gesteht, so gilt liwat nicht als bewiesen, aber der Richter soll nach seinem Ermessen züchtigen.

B. Zeugnis

147/148/117 liwat wird durch das Zeugnis vier rechtschaffener Männer erwiesen, die ihn (den liwat) mit eigenen Augen gesehen haben.
148/149/118 Wenn weniger als vier rechtschaffene Männer das bezeugen, so ist liwat nicht bewiesen, und die Zeugen sollen zum hadd für Verleumdung verurteilt werden.
149/150/119 Das Zeugnis von Frauen beweist liwat nicht — weder allein, noch zusammen mit Männern.

C. Das Wissen des Richters

150/151/120 Der Richter kann ein Urteil auf Grundlage seines Wissens, das er auf allgemein üblichem Wege (az tariq-i muta‘arif) erlangt hat, fällen.

Schenkelverkehr (tafhid)

151/152/121 Die Strafe für tafhid und Ähnliches begangen von zwei Männlichen ohne Eindringen, ist 100 Hiebe für den Aktiven und den Passiven. Anmerkung: Wenn der Aktive kein Muslim ist und der Passive es ist, wird der Aktive getötet.
152/153/122 Wenn tafhid oder Ähnliches dreimal wiederholt wird und die hadd-Strafe jedesmal verhängt worden ist, sollen beide beim vierten Mal getötet werden.
153/154/123 Wenn zwei nicht blutsverwandte Männer ohne Not (d.h. ohne guten Grund) nackt unter einer Decke liegen, sollen sie [mit bis zu 99 Peitschenhieben] (nach dem Ermessen des Richters) gezüchtigt werden.
154/155/124 Wenn jemand eine andere Person lüstern küsst, soll er [mit bis zu 60 Peitschenhieben] (nach dem Ermessen des Richters) bestraft werden.

Bedingungen der Strafaufhebung und der Vergebung bei liwat

155/156/126 Falls der Begeher von tafhid oder Ähnlichem oder der luti seine Handlung — ob mit oder ohne Eindringen — bereut, bevor die Zeugen Zeugnis abgelegt haben, soll die hadd-Strafe fallengelassen werden, und falls er bereut, nachdem Zeugnis abgelegt wurde, soll die hadd-Strafe nicht fallengelassen werden.
156/156161/125 Falls die Handlungen durch Geständnis bewiesen werden, kann der Richter vergeben [bei wali al-amr den Antrag auf Begnadigung stellen] … … …

Kuppelei

165/135 Kuppelei ist das Zusammenführen oder In-Verbindung-Bringen von zwei Personen zum Zwecke von zina oder liwat.
166/136 Kuppelei wird durch zweimaliges Geständnis bewiesen, sofern der Geständige volljährig, geistig gesund und freien Willens ist.
167/137 Kuppelei wird durch das Zeugnis zweier unbescholtener Männer bewiesen.
168/138 Die Strafe für Kuppelei ist siebzig [75] Peitschenhiebe und Verbannung vom Wohnort für einen vom Richter festzusetzenden Zeitraum. Beachte: Die Strafe für Kuppelei (begangen) von einer Frau ist fünfundsiebzig Peitschenhiebe.

Verleumdung (qadf)

169/139 Verleumdung (qadf) ist jemandem zina oder liwat nachzusagen.
170/140 Die hadd-Strafe für qadf ist achtzig Peitschenhiebe gleich ob ein Mann oder eine Frau verleumdet. [Erläuterung 1: Die Verhängung der hadd-Strafe für Verleumdung hängt vom Antrag des Verleumdeten ab.] Beachte: Wer eine Person nicht wegen zina oder liwat verleumdet, sondern anderer Vergehen wie etwa Tribadie, wird mit dreißig bis fünfzig [bis zu 74] Peitschenhieben bestraft … … …
174/143 Wer jemandem nachsagt, er habe zina mit einer Frau oder liwat mit einem Mann begangen, macht sich der Verleumdung schuldig; er wird mit hadd bestraft … … …
195/160 Wer jemanden mehrmals wegen verschiedener Dinge wie zina oder liwat verleumdet, wird mit mehreren hadd-Strafen bestraft.

<<<

Übersetzung von Arno Schmitt (PDF)


1 Antwort auf „Aus dem iranischen Strafgesetzbuch“


  1. 1 Aus dem iranischen Strafgesetzbuch II // Lysis Pingback am 08. Dezember 2006 um 23:45 Uhr
Die Kommentarfunktion wurde für diesen Beitrag deaktiviert.