Archiv für Juli 2005

The Repression in Iran

What, then, of the executions of homosexuals in Iran between 1979 and 1984? The problem is a confusion of terms, because the „homosexuality“ meant in Iran is far different from the western concept of it. In Iran „homosexuality“ has become a negative label, as it has in other Islamic countries, but fortunately with less extreme consequences. The label „homosexuality“ refers to behavior that clashes with the God-given order of society and with the social role pattern, it is behavior that violates public decency, and is moreover seen as a typical example of western decadence. […]

In past centuries the Arabs ascribed homosexual behavior to Persian influence, and nowadays it is mostly regarded as originating from the West — a rather paradoxical viewpoint, because it used to be the other way around. Western society is viewed as shameless and depraved, permissiveness making license public and ultimately leading to social chaos. „Homosexuality“ epitomizes this western decadence, this „unbridled riot of wantonness.“

[…] As is the story of Lot, it is today „homosexuality“ that has become symptomatic of evil behavior in general. „Homosexuality“ would inevitably lead to chaos and decay, and therefore „homosexuals“ are considered as antisocial, and as a threat to social order. Ayatollah Khomeini (who died in 1989) alluded to this idea, asserting that „homosexuals“ had to be exterminated because they were parasites and corruptors of the nation by spreading the „stain of wickedness.“ „Homosexuality“ not only is seen as evil in itself, but provides a convenient label for stigmatizing bad people in general. This broad-gauge definition underpinned what happened in Iran, where „homosexuality“ was often deployed as a generic label to be applied at will to persons adjudged criminals, whether rightly or wrongly. It did not matter much what they did, it was enough to know that they were antisocial and therefore evil. In this way, for example, political opponents could be eliminated without any legal justification. […]

But what occurred in Iran is certainly not typical of the attitude toward homosexual behavior in the whole spectrum of Islamic countries. Even in Iran it may be regarded as exceptional. The executions of „homosexuals“ took place in an atmosphere of revolutionary turbulence, with strong reactionary and anti-western accents that led to excesses and an overall atmosphere of terror. […] In practice homosexual behavior is usually treated tolerantly [in Islam] as long as it is discrete and harms no one. This tolerance was well characterized by the words of an unknown Arab poet: „As the boy looked at it, my thing moved, and he whispered: ‚It is splendid! Do let me try its love making.‘ I answered ‚Such an act is reprehended, in fact many people call it unlawful.‘ He said: ‚Oh them; oh them! With me all things are lawful.‘ And I was too polite to disobey.“

From: Maarten Schild, Islam, in: The Encyclopedia of Homosexuality.

Aus dem iranischen Strafgesetzbuch


hadd für liwat

138/139/108 liwat ist das Koitieren (wat‘) eines Männlichen (insan mudakkar) [durch Eindringen mit dem Glied].
139/140/109 Wenn jemand einen Männlichen koitiert, sollen beide, der Aktive und der Passive, zur hadd-Strafe verurteilt werden. [ … ]
140/141/110 Die hadd-Strafe für liwat ist die Tötung;
—/141/110 der schari‘a-Richter entscheidet über die Tötungsart.
141/142/111 Auf liwat steht die Tötung, wenn Aktiver und Passiver volljährig und geistig gesund sind und freiwillig (handelten).
141/—/— Deshalb zieht liwat einer minderjährigen, schwachsinnigen oder dazu gezwungenen Person nicht die Tötung nach sich.
142/143/112 Wenn ein volljähriger und geistig gesunder Mann einen Minderjährigen koitiert, soll der Aktive getötet werden, und der Passive soll nach dem Ermessen des Richters gezüchtigt werden [mit bis zu 74 Peitschenhieben], so er nicht dazu gezwungen wurde.
143/144/113 Wenn ein Minderjähriger einen andern Minderjährigen koitiert, sollen sie nach dem Ermessen des Richters gezüchtigt werden, es sei denn, einer von beiden wurde dazu gezwungen.
143/144/— Anmerkung: Samenerguß während des Aktes erweist die Volljährigkeit des Aktiven.

Art und Weise des Beweises von liwat

A. Geständnis

144/145/114 Wenn der Aktive oder Passive viermal [vor dem Richter] gesteht, so ist liwat für den Geständigen erwiesen.
145/146/116 Das Geständnis ist gültig, wenn der Geständige volljährig und geistig gesund ist und freien Willen und Vorsatz hat.
146/147/115 Wenn der Aktive oder der Passive weniger als viermal gesteht, so gilt liwat nicht als bewiesen, aber der Richter soll nach seinem Ermessen züchtigen.

B. Zeugnis

147/148/117 liwat wird durch das Zeugnis vier rechtschaffener Männer erwiesen, die ihn (den liwat) mit eigenen Augen gesehen haben.
148/149/118 Wenn weniger als vier rechtschaffene Männer das bezeugen, so ist liwat nicht bewiesen, und die Zeugen sollen zum hadd für Verleumdung verurteilt werden.
149/150/119 Das Zeugnis von Frauen beweist liwat nicht — weder allein, noch zusammen mit Männern.

C. Das Wissen des Richters

150/151/120 Der Richter kann ein Urteil auf Grundlage seines Wissens, das er auf allgemein üblichem Wege (az tariq-i muta‘arif) erlangt hat, fällen.

Schenkelverkehr (tafhid)

151/152/121 Die Strafe für tafhid und Ähnliches begangen von zwei Männlichen ohne Eindringen, ist 100 Hiebe für den Aktiven und den Passiven. Anmerkung: Wenn der Aktive kein Muslim ist und der Passive es ist, wird der Aktive getötet.
152/153/122 Wenn tafhid oder Ähnliches dreimal wiederholt wird und die hadd-Strafe jedesmal verhängt worden ist, sollen beide beim vierten Mal getötet werden.
153/154/123 Wenn zwei nicht blutsverwandte Männer ohne Not (d.h. ohne guten Grund) nackt unter einer Decke liegen, sollen sie [mit bis zu 99 Peitschenhieben] (nach dem Ermessen des Richters) gezüchtigt werden.
154/155/124 Wenn jemand eine andere Person lüstern küsst, soll er [mit bis zu 60 Peitschenhieben] (nach dem Ermessen des Richters) bestraft werden.

Bedingungen der Strafaufhebung und der Vergebung bei liwat

155/156/126 Falls der Begeher von tafhid oder Ähnlichem oder der luti seine Handlung — ob mit oder ohne Eindringen — bereut, bevor die Zeugen Zeugnis abgelegt haben, soll die hadd-Strafe fallengelassen werden, und falls er bereut, nachdem Zeugnis abgelegt wurde, soll die hadd-Strafe nicht fallengelassen werden.
156/156161/125 Falls die Handlungen durch Geständnis bewiesen werden, kann der Richter vergeben [bei wali al-amr den Antrag auf Begnadigung stellen] … … …


165/135 Kuppelei ist das Zusammenführen oder In-Verbindung-Bringen von zwei Personen zum Zwecke von zina oder liwat.
166/136 Kuppelei wird durch zweimaliges Geständnis bewiesen, sofern der Geständige volljährig, geistig gesund und freien Willens ist.
167/137 Kuppelei wird durch das Zeugnis zweier unbescholtener Männer bewiesen.
168/138 Die Strafe für Kuppelei ist siebzig [75] Peitschenhiebe und Verbannung vom Wohnort für einen vom Richter festzusetzenden Zeitraum. Beachte: Die Strafe für Kuppelei (begangen) von einer Frau ist fünfundsiebzig Peitschenhiebe.

Verleumdung (qadf)

169/139 Verleumdung (qadf) ist jemandem zina oder liwat nachzusagen.
170/140 Die hadd-Strafe für qadf ist achtzig Peitschenhiebe gleich ob ein Mann oder eine Frau verleumdet. [Erläuterung 1: Die Verhängung der hadd-Strafe für Verleumdung hängt vom Antrag des Verleumdeten ab.] Beachte: Wer eine Person nicht wegen zina oder liwat verleumdet, sondern anderer Vergehen wie etwa Tribadie, wird mit dreißig bis fünfzig [bis zu 74] Peitschenhieben bestraft … … …
174/143 Wer jemandem nachsagt, er habe zina mit einer Frau oder liwat mit einem Mann begangen, macht sich der Verleumdung schuldig; er wird mit hadd bestraft … … …
195/160 Wer jemanden mehrmals wegen verschiedener Dinge wie zina oder liwat verleumdet, wird mit mehreren hadd-Strafen bestraft.


Übersetzung von Arno Schmitt (PDF)

Iranian Mullahs Execute Two Teenagers For Gay Sex

Iranian Mullahs Execute Two Teenagers For Gay Sex

„Even kissing ‚with lust‘ (Article 155) is forbidden. This bizarre law works to eliminate old Persian male-bonding customs, including common kissing and holding hands in public. […] In the case of the two teens hanged in Mashhad, ‚they admitted having gay sex (probably under torture) but claimed in their defense that most young boys had sex with each other and that they were not aware that homosexuality was punishable by death.“

(via direland)

Die Menschenrechte – Passepartout der bürgerlichen Staatskritik

Die Exekution zweier iranischer Jugendlicher wegen gleichgeschlechtlicher „Sodomie“ hat die US-amerikanische Lobbyorganisation Human Rights Campaign — sonst hauptsächlich damit beschäftigt, Spenden für Politiker zu sammeln, die sich in ihren Wahlprogrammen für die Gleichberechtigung von Lesben und Schwulen aussprechen — zu der folgenden pathetischen Erklärung veranlasst:

The Universal Declaration of Human Rights, which was signed by the UN General Assembly in 1948, declares that every human should be guaranteed the fundamental right to life, liberty, and security of person and every human should be free from torture and cruel, inhuman or degrading treatment or punishment. Tragically, this guarantee of basic human rights does not exist for GLBT individuals in certain regions of the globe. […] As we have seen in recent weeks, the barbarous punishments for sexual acts in these countries run contrary to the letter and the spirit of the Universal Declaration of Human Rights. For that reason, these acts must be condemned.

Es handelt sich um eine Aufforderung an die amerikanische Außenministerin Condoleezza Rice, die Hinrichtungen durch das Mullah-Regime öffentlich zu verurteilen. Lassen wir einmal die kleinliche Betrachtung der Gesetze beiseite, die Matthew Limon für 17 Jahre hinter Gitter gebracht haben — ein Fall, für den sich die Human Rights Campaign nie sonderlich interessiert hat —, so bleibt doch erstaunlich, was den Menschenrechten hier alles zugetraut wird. So sollen sie etwa den Maßstab liefern, um die in zahlreichen Ländern verhängten Todes- und Gefängnisstrafen für gleichgeschlechtlichen Sex zu skandalisieren. Seltsam daran ist nur, dass die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte aus dem Jahr 1948 von Nationen erlassen wurde, die damals homosexuelle Handlungen fast alle auf die eine oder andere Weise verfolgt haben. Genau genommen fällt die Deklaration sogar in eine Zeit, als diese Verfolgung sich in den westlichen Industriestaaten gerade anschickte, ihren historischen Höhepunkt zu erreichen.

Etwas merkwürdig ist diese Sichtweise aber auch deshalb, weil „das Recht auf Leben, Freiheit und Sicherheit der Person“ bisher noch niemanden dazu veranlasst hat, das Einsperren und Hinrichten von Gesetzesübertretern für eine Verletzung der Menschenrechte zu halten. Gefordert wird dort ja auch nur: „Jeder hat bei der Feststellung seiner Rechte und Pflichten sowie bei einer gegen ihn erhobenen strafrechtlichen Beschuldigung in voller Gleichheit Anspruch auf ein gerechtes und öffentliches Verfahren vor einem unabhängigen und unparteiischen Gericht.“ (Art. 9). Gesetzt den Fall, dies wäre im Iran geschehen, so wäre auf der Basis der Menschenrechte an der Exekution zweier Jugendlicher, die miteinander Sex hatten, gar nichts auszusetzen. Das ist die ganze Wahrheit über die Erklärung von 1948, denn ein „Recht auf einverständlichen Sex“ ist dort weit und breit nicht zu finden.

Ja schlimmer noch postuliert Art. 16 Abs. 3:

Die Familie ist die natürliche Grundeinheit der Gesellschaft und hat Anspruch auf Schutz durch Gesellschaft und Staat.

Und genau dieser Schutzanspruch der bürgerlichen Keimzelle war die Ideologie, mit der die Bestrafung homosexueller Handlungen seinerzeit gerechtfertigt wurde. Das ist also der „Geist“ der Menschenrechte und zeigt doch recht deutlich, dass sie das Lob der Human Rights Campaign gar nicht verdient haben. Es ist auch bis in die 90er Jahre hinein niemand auf die Idee gekommen, die antihomosexuellen Strafgesetze anhand der UNO-Deklaration von 1948 kritisieren zu wollen. Das ist komischerweise erst der Fall, seitdem sie in fast allen Industrieländern (so z.B. 1994 in Deutschland und 2001 in England) aus den Gesetzbüchern gestrichen wurden. Seitdem gilt die Straffreiheit einverständlicher Sexualität allen Ernstes für eine Forderung — wenn nicht gar für das Verdienst! — der universellen Menschenrechte. Nur eben ganz zu unrecht, wie sich zeigt.

Quote of the day

Under Sharia law = it sucks to be gay. Under Saddam’s secularized dictatorship = it sucked to be gay. I was hardly trying to make the point that Saddam was some hero of gay rights and the coalition fucked it up. Of course, under American theocratic law, it sucks to be gay too — but the executions are freelance rather than official.

(digaman via maledei)

The Politics of Hysteria

Manche scheinen sich den Tod von Schwulen so sehr herbeizuwünschen, dass sie sich die Nachricht dazu gleich selber ausdenken, wie z.B. Tzach, der unter dem perfiden, weil auf die Anwesenheit von „Fremden“ umgemünzten Titel „Der Hauptfeind steht im eig’nen Land“ folgende Falschmeldung verbreitet:

Islamisterroristen [sic!] bedrohen Schwule mit Bomben

Dabei verlinkt er auf eine Presseerklärung von OutRage!, einer Schwulengruppe, die nicht nur für ihre unseriösen, hysterischen und manchmal sogar über Leichen gehenden* PR-Aktionen, sondern auch für ihren merkwürdigen Personenkult um den ex-linken Homo-Aktivisten Peter Tatchell bekannt ist. Wie üblich, ist sich OutRage! nicht zu schade, die Terrorakte in London zu missbrauchen, um sich mal wieder selber in den Mittelpunkt zu stellen. Und so ergeht sich Anführer Peter Tatchell in wüsten Spekulationen über die angebliche Gefahr, die der gay community in England jetzt durch islamische Fundamentalisten drohe:

„Gay venues could be bombed by Islamic terrorists. All gay bars and clubs should introduce bag and body searches. Muslim fundamentalists have a violent hatred of lesbians and gay men. They believe we should be killed. Our community could be their next target. This is no time for complacency.“

Abhilfe soll die flächendeckende Installation von Überwachungskameras sowie die Einführung von Leibesvisitationen an sämtlichen schwulen Orten schaffen:

„All gay venues throughout the country should install CCTV and search everyone who enters.“

Mit einem Wort: Tatchell führt sich auf, als wär er Scotland Yard persönlich und könnte offizielle „Terrorwarnungen“ aussprechen. Eine reale Bombendrohung liegt dem nicht zugrunde, nur eine von jenen hate calls, die er regelmäßig über Handy erhält:

The threats have been reported to the police. Officers have identified the phone number but have been unable to trace the owner, as it is a pay-as-you-go mobile phone.

Andere schaffen sich eine Privatnummer an, um sich vor Stalkern zu schützen — Tatchell dagegen wartet nur darauf, sich bei passender Gelegenheit (hier: die Terroranschläge in London) durch Verweis auf solche Anrufe wieder ins Gespräch zu bringen und mit der Angst der Leute Politik zu machen. Und es ist kein Wunder, dass Menschen, die der Sprache nicht ganz mächtig sind — neben Bildzeitungs-Redakteuren auch so mancher libertäre Blogger —, den Konjunktiv vor Tatchells ganzem Dünnpfiff einfach übersehen.

Also, Tzach: es gibt sie nicht, die Bombendrohung islamistischer Terroristen gegen englische Schwule! Das ist bloß Teil einer Hysterie, die von Tatchell geschürt wird, weil er meint, damit seine politischen Interessen besser durchsetzen zu können. Und ein ganz ähnliches Motiv steckt dahinter, wenn eine Presseerklärung, die allen Ernstes für die Horrorvision einer totalen Überwachung schwuler Clubs und Bars wirbt, unter deinen liberalen Kollegen so begierig weitergereicht wird. Ja manchem scheint bereits der bloße Gedanken an die Wörter „Sicherheit“ und „Polizei“ zu genügen, dass es aus ihm nur so herausspritzt.

* Siehe hierzu Wikipedia: „Some activities of OutRage! have been highly controversial. It unveiled placards naming 10 Church of England Bishops as gay in 1994. Shortly after it wrote to twenty-five Members of Parliament urging them to publicly reveal their homosexuality in 1995, one of those in receipt of the letter died of a sudden heart attack. Tatchell was [therefore] denounced as a ‚homosexual terrorist‘ by the Daily Mail.“

Dandies für den Sozialismus

A propos Oscar Wilde — von diesem Schriftsteller stammt einer der schönsten Essays gegen die Lebenslüge des Liberalismus, das Privateigentum befördere die Entfaltung des Individuums.

Which literature classic are you?

The picture of dorian gray
You are a horror novel from the world of dandies,
rich pretty boys, art and aesthetics, and intellectual
debates between ethical people and decadent
pleasure-seekers. You value beauty and pleasure
but realize their dangers, as well.

Which literature classic are you?
brought to you by Quizilla

(via Maledei and Ascetonym)