Der Heidegger des Werts nobilitiert die christliche Rechte

Dass Gerhard Scheit einen ordentlichen Lattenschuss hat, wusste ich schon lange. In der neuen BAHAMAS toppt er mit seinem Plädoyer für eine Rechristianisierung des Westens jedoch alles bisher Dagewesene. Die Religion sei einfach die bessere Wahl als der in den USA vorherrschende linke Liberalismus, wenn es darum gehe, „den Feind der Demokratie deutlich zu markieren“:

Allein auf diese Weise kann die Religion ihrer von der Aufklärung für sie vorgesehenen Aufgabe nachkommen: die Menschen nicht einer je eigenen Abstammung zu versichern, sondern sie zur universellen Moral hinzuführen; sie nicht voneinander ethnisch zu trennen, sondern füreinander „angenehm“ zu machen. So erscheint Religion als Antidot gegen die Selbstzerstörung des Liberalismus. […] Die Liberalen hingegen, die sich auf Europa berufen, gefallen sich darin, die Renaissance der Religion in den USA und in Israel unter dem Schlagwort des Fundamentalismus mit der weltweiten des Islam gleichzusetzen. […] Der Jargon der Demokratie jedenfalls hat für diesen Feind [gemeint ist der Islam — Lysis] keine Begriffe, und das ist es, was in den linksliberalen Kreisen Europas demonstriert wird. […] Vor diesem Hintergrund treten die „secularist habits“ in Kerneuropa nur umso deutlicher als Ausdruck eines umfassenden Appeasements hervor, das den aktuellen islamistischen und panarabischen Untaten entgegenkommt […].


4 Antworten auf „Der Heidegger des Werts nobilitiert die christliche Rechte“


  1. Gravatar Icon 1 doesn t mind 25. Oktober 2005 um 16:33 Uhr

    Sach mal, du kennst schon den unterschied zwischen einem Plädoyer und Ideologiekritik? Du darfst ja letztere meinetwegen für Mumpitz halten, aber denjenigen die dies nicht tun, solltest du nichts anderes unterstellen als dass, was sie meinen. Und wenn du meinst, dass ein solcher Text objektiv (!) für Rechristianisierung plädiert, dann solltest du dein Verhältnis zur Ideologiekritik doppelt in Frage stellen.

    Was in obigen Sätzen versucht wird ist eine Erklärung, unter welchen allgemeinen Bedingungen (erster Teil des Textes) partikulare Phänomene (zweiter Teil, Der Islamismus, der europäische Liberalismus, die amerikanischen Neokonservativen etc. ppp.) zueinander verhalten und wie diese Relationen aus der Perspektive der Kritik des Allgemeinen erscheinen (!!). Wenn da zum Beispiel steht, Religion erscheine als Antidot gegen die Selbstzerstörung des Liberalismus dann ist dass keine Parteinahme für die Religion. Dass lässt sich schon ganz leicht daraus ersehen, dass das Ergebnis einer solchen Parteinahme paradox wäre. Wer die Selbstzerstörung des Liberalismus bemängelt und sich daher auf die Seite des Antidots begibt, hat dessen Selbstzerstörung wohl eher beschleunigt.

    Und was „Feind“ meint, kannst du dem ersten Teil des Textes entnehmen, in dem es über des Verhältnis der Staaten zueinander geht. Dort gibt es, vermittelt durch die Kritik des falschen Ganzen, die Begriffe, deren Fehlen in den von dir zitierten Abschnitten festgestellt wird. Dass der Begriff durch Ressentiment und Kulturalismus ersetzt wird, steht dort nicht, kannst du dir aber gerne dazu denken.

    Nun scheint mir an dem Gedanken, den der Text verfolgt, so manches nicht auf zu gehen. Denn auf irgendeine magische Weise scheint sich der Liberalismus in Europa, der aufgrund der Voraussetzungen, die der Text macht, eigentlich schon zerstört sein müsste, doch noch zerstören zu können. Aber das ist eine andere Geschichte.

    Wenn Scheit in dem Text für etwas plädiert, dann steht dieses Plädoyer im letzten Satz, der da lautet: „Wer nicht zu ihnen gehört, der kann, ohne den Atheismus zu opfern, auf eine einzige Art der Verharmlosung des vergangenen wie des fortgesetzt drohenden Schreckens entgehen – und hier nimmt die materialistische Kritik im Geist von Marx den messianischen Impuls auf, der in Christentum und Islam veruntreut wurde: intransigent zu verneinen, daß es bereits Versöhnung gebe.“

    Wo genau steckt hier die „Rechristianisierung“, die du behauptest?

  2. Gravatar Icon 2 lysis 25. Oktober 2005 um 17:09 Uhr

    Man muss ja nicht jeden Schwachsinn in die Würde einer Theorie erheben. Scheit ist ein dilettierender Volldepp, der sich aus bunt zusammengewürfelten Zitaten seiner Meister eine heideggerisierte Fassung der Kritischen Theorie gezimmert hat. Eine etwas auführlichere Kritik an Scheit findet sich u.a. hier (ab 24. 9. 2005), hier (ab 21. Aug. 2003, 00:50) und hier. In den nächsten Tagen werde ich wohl auch in diesem Blog noch einige Marginalia zu den abstrusen Auswürfen dieses Österreichers zusammentragen.

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