Archiv für Januar 2006

Moslem-Experten unter sich

Hermann und Horst über den Muslim-Test:

Keiner hält muslimische Männer, die einen deutschen Paß beantragen, für zu blöde, die gestellten Fragen brav zu beantworten, zumal ihre Religion im Umgang mit Ungläubigen so ziemlich alles erlaubt und die fromme Lüge fast zur Pflicht macht.

(Hermann L. Gremliza, konkret-Herausgeber)

Die Gefahr, dass aufgrund falscher Angaben potentielle Ehrenmörder die Befragung positiv passieren, kann hingegen als gering eingeschätzt werden. Zum Selbstverständnis der Islamanhänger zählt die unbedingte Übereinstimmung von Denken, Sprechen und Handeln: Man sagt, was man tun wird und man tut auch, was man gesagt hat.

(Horst Pankow, regelmäßiger konkret-Autor)

Das letzte Zitat stammt übrigens aus einem Fanzine mit dem treffenden Titel PRODOMO (z. dt. „Für die eigene Scholle“), in dem Pankow für ein Bündnis mit der „traditionellen Rechten“ wirbt (gemeint sind die politischen Zöglinge des NS-Marinerichters Hans Filbinger): www.prodomo-online.org/aktuell-muslim-test.html

Antisemit aus Abstammung

Lathandir zitiert Horst Pankows Auswürfe in der neuen KONKRET, dem Fachmagazin für deutsche Rassisten:

Anlass für diesen rasanten Kursschwenk war ein Sprengstoffanschlag auf russisch-jüdische Einwanderer in Düsseldorf. Bis heute sind Urheber und Ausführende des Anschlags nicht ermittelt, fest steht nur, dass er aus antisemitischen Motiven begangen wurde. Ausser Nazis können also auch andere Antisemiten am Werk gewesen sein — z.B. Muslime. (Horst Pankow in konkret 2/06, Gnade in Arabien, S. 12.)

Man gewahre bitte die Logik dieser Äußerung: Wenn ein Deutscher ein Antisemit ist, dann weil er sich individuell dafür entschieden hat. Er ist es, weil er einer bestimmten politischen Anschauung, wie z.B. dem Nazismus, anhängt. Ganz anders der Moslem (der ja bekanntlich an seiner Haarfarbe zu erkennen ist und, selbst nachdem er seiner Religion abgeschworen hat, nie ganz aufhört, Moslem zu sein). Er ist Antisemit, weil ihm das seine Kultur nahelegt. Er ist es, weil er in ein antisemitisches Kollektiv hineingeboren wurde. (Und nicht zuletzt wohl auch deshalb, weil er zu lange an der Mutterbrust gesaugt hat.)

Was ist Gremliza eigentlich für ein Sackgesicht, dass er so einen pathologischen Dreck veröffentlicht?

Germany remembers

„From Luneburg To Auschwitz“ — „E.ON already today sees for the gas of tomorrow!“

From Luneburg To Auschwitz

(via Germanophobia)

Presserat lobt BILD-Zeitung

Presserat lobt BILD-Zeitung für ihre „vorurteilsfreie Berichterstattung“ über die iranische Justiz.

LSVD-Rassismus

„Moslem-Fragebogen“: Homopolitiker Beck gegen, LSVD für Gesinnungsschnüffelei

Nachtrag

Achja, zur Illustration meiner letzten Story hier ein paar Cover von Heavy Metal bzw. Schwermetall. Ich glaube nicht, dass man Kunst oder Literaturwissenschaft studiert haben muss, um den sexistischen Gehalt dieser Bilder zu entschlüsseln. /:) (mehr…)

Zwischen Sexismus und Antisexismus

Ein bisschen ein schlechtes Gewissen hab ich schon, dass ich auf meinen einstigen Lieblingszeichner Enki Bilal so eingedroschen habe. Vergleicht man den von mir geposteten Bild-Ausschnitt beispielsweise mit Szenen aus Frank Herberts „Dune“, so ist der homophobe Subtext doch kaum der Rede wert.

Auch den Vorwurf, Bilal sei in seiner objektivierenden Darstellung des Weiblichen ein wenig sexistisch, muss ich relativieren. Ich empfehle einmal zum Vergleich, die Bände des berühmten Heavy Metal Magazines zur Hand zu nehmen, in dem seit Mitte der 70er einige der besten Phantasy und Science Fiction Comics der Zeit — neben Moebius unter anderem auch Enki Bilal — erschienen sind. Das Magazin war im Vergleich zum gängigen Massenramsch von Spider Man bis Donald Duck natürlich verflucht teuer und konnte überhaupt nur dadurch bestehen, dass es immer wieder den letzten pornographischen Dreck ins Heft nahm. Ein Titelbild, auf dem keine prallen Möpse zu sehen waren, bedeutete sofortigen Umsatzeinbruch. Der durchschnittliche Leser war eben nicht bereit, so viel Geld für ein „bloßes“ Comic-Heft auszugeben, sehr wohl aber für die Inszenierung männlicher Sex- und Vergewaltigungsphantasien.

Enki Bilal gehörte zu denjenigen Zeichnern, die sich nie auf eine solche Ebene herabließen, die aber, wie viele andere, damals noch auf dieses abstoßende Publikationsumfeld angewiesen waren. Die Darstellung einer ausschließlich heterosexuell konnotierterten Erotik, in der Frauen nur als Objekte des männlichen Begehrens existierten, gehörte zwar auch für ihn zum Standardrepertoir; sie wurde aber an einigen Stellen, so z.B. in Die Frau aus der Zukunft, dem zweiten Band seiner großen Science-Fiction-Trilogie, durchaus von antisexistischen Aussagen unterbrochen. Wie z.B. in dieser Szene:

Enki Bilal, Die Frau aus der Zukunft

Das alles ändert jedoch wenig an der erzählerischen Schwäche von Bilals Comics, die auch durch die großartigen Zeichnungen nicht wettzumachen ist.

„Schwulenwitze sind immer gleich“

Ich hege zwar einigen Groll gegen Herrn Kunstreich, aber seine Besprechung der Serie „Queer as Folks“ in der Jungle World (die ich leider nie gesehen habe) ist einfach nur genial:

»Queer as Folk« versucht beides, die Serie will ein queeres und ein heterosexuelles Publikum zugleich ansprechen – und beweist nebenbei, dass die Vorliebe für schlechten Humor unabängig von der sexuellen Orientierung ist. Das Klischee über die Schwulen hat es zu weitgehender Deckungsgleichheit mit dem schwulen Klischee gebracht. So ist es auch stimmig, dass »Queer as Folk« bei ProSieben läuft. Der Sender versucht, sich mit tumben sexgeladenen Komödien zu profilieren. […]

Ende Dezember kam dann der Tiefpunkt. Hier bewies das unterirdisch schlechte Fernsehspiel »Andersrum« mit Heiner Lauterbach als dauergeilem Vorzeige-Macho und Mark Keller als tuntigem Heterosexuellen, wie eng schwuler und homophober Humor zusammenhängen. »Es gibt Judenwitze und es gibt jüdische Witze. Schwulenwitze sind immer gleich«, hat Ronald M. Schernikau einmal geschrieben. […]

Nun ist »Queer as Folk« nicht mit der ekelerregenden Lauterbach-Klamotte zu vergleichen. Allerdings gelingt es ProSieben, durch die Synchronisation das Niveau der Serie noch weiter abzusenken. [….]

Dennoch wird »Queer as Folk« als ein weiterer Meilenstein der homosexuellen Emanzipation gefeiert, weil Schwule als Protagonisten auftreten und nicht nur als Stichwortgeber wie bei unzähligen Sitcoms. […]

Nach diesem Prinzip arbeitete das britische Original von »Queer as Folk«, das in den neunziger Jahren von Channel 4 produziert wurde. Allerdings stand hier der erklärte Wille dahinter, die schwul-homophobe Witzigkeit zu denunzieren und das Bild vom gut gelaunten, wohlhabenden, sorgenfreien Großstadtschwulen zu zerstören. In der Hochzeit der Political Correctness ging es um die Korrektur einer Sichtweise. Den Anspruch hat die amerikanische Version dann aufgegeben; in den USA ist die Selbstethnisierung viel weiter vorangeschritten als in Europa, die Identität wird als eigene Schöpfung wahrgenommen und zelebriert. US-Serien sind deswegen häufig unfreiwillige Ethnografien, eben so, wie sich verschiedene Gruppen präsentieren und repräsentiert werden. […]

So aber sind Brian, Ted, Michael und Emmett nicht nur einfach Schwule, sondern Angehörige einer quasi ethnischen Minderheit, mit ihren eigenen Sprachregelungen, Ritualen und Schwierigkeiten; sie sind Exemplare, im Moment der Konfrontation sowohl mit der Homophobie als auch mit der »eigenen Kultur«. […]

Hier sehen sich die Schwulen, wie sie gesehen werden wollen, und sie sehen sich, wie andere sie sehen, und es gibt keinen Unterschied. Wenn sowohl der Homophobe wie der Schwule von den gleichen Annahmen und Bildern ausgehen und nur deren Bewertung sich partiell noch unterscheidet, ist die Aufklärung an ihrem Ende angekommen, denn Bewertungen sind Meinungen, Meinungen Projektionen und Projektionen nicht aufklärbar, sondern nur in einer unverstellten Erfahrung aufhebbar.

Genau diese liefert aber kein Produkt der Kulturindustrie. Erst gar nicht so zu tun, als könne sie Erfahrung substituieren, diesen Vorteil hat die amerikanische Version von »Queer as Folk« gegenüber der britischen, die immer dann unerträglich wurde, wenn sie subversiv sein wollte und tatsächlich nur belehrend war. […]