Das linke Stereotyp vom homosexuellen Faschisten (1, 2, 3, 4, 5), das sich prima zur Abspaltung von Verdrängtem eignet und unter antideutschen Antifas als Denunziationsmodus derzeit eine ungeahnte Renaissance (1, 2, 3) erlebt, hat es natürlich auch ins Comic geschafft.
Hier am Beispiel des Zeichners Enki Bilal, der — obwohl seine Comics sonst absolut straight und (in der Objektivierung von Frauen auch ein wenig sexistisch) daherkommen — sich just dann in homosexuellen Andeutungen ergeht, wenn es sich bei den Charakteren um faschistische Finstermänner handelt:

Bilal hat für mich deshalb eine gewisse Bedeutung, weil er der Lieblingszeichner meiner Jugend war. Ich kann gar nicht sagen, als wie niederschmetternd ich solche Stereotypen damals empfand. Allerdings hab ich mich von ihm schnell emanzipiert, denn bereits der zweite Band seiner Trilogie „Die Geschäfte der Unsterblichen“ (aus dem ersten stammt die oben abgebildete Zeichnung) war so unglaublich fad, dass ich schnell einsah, dass es für ein gutes Comic mehr bedarf, als schöne Bilder zu malen.

die assoziationskette „böse, pervers, dekadent, krank, eklig“ usw ist ja ganz allgemein öfter in unterhaltungsliteratur (oder auch filmen) anzutreffen, auch wenn es nicht um faschisten geht, gerade auch bei SF. ich denke da zb an die Harkonnen in Frank Herberts „Dune“…
Hi Lysis,
auch wenn aufgrund mangelnder Französischkenntnisse nur auf lokale Bilalberichterstattung angewiesen bin, muss man doch vielleicht erwähnen, dass das gemeinsame Bad eher die Verbundenheit der beiden zum Ausdruck bringen soll. Weiters sind Frauen in diesem Zukunftsentwurf auch in eine unetrirdische Gebärklinik gespärt und werden erst am Ende – einer kleinen sozialistischen Revolution seis Gedank – daraus befreit. Ich denke man kann Bilal eine Menge vorwerfen, Frauenfeindlichkeit und Homophobie gehören allerdings nicht dazu. Dies hätte man natürlich auch selbst herausfinden können, wenn man nicht nach der (gewissermaßen voreingenommenen) Lektüre eines Bandes aufegegeben hätte.
Dein Krzyszek