Zwischen Sexismus und Antisexismus

Ein bisschen ein schlechtes Gewissen hab ich schon, dass ich auf meinen einstigen Lieblingszeichner Enki Bilal so eingedroschen habe. Vergleicht man den von mir geposteten Bild-Ausschnitt beispielsweise mit Szenen aus Frank Herberts „Dune“, so ist der homophobe Subtext doch kaum der Rede wert.

Auch den Vorwurf, Bilal sei in seiner objektivierenden Darstellung des Weiblichen ein wenig sexistisch, muss ich relativieren. Ich empfehle einmal zum Vergleich, die Bände des berühmten Heavy Metal Magazines zur Hand zu nehmen, in dem seit Mitte der 70er einige der besten Phantasy und Science Fiction Comics der Zeit — neben Moebius unter anderem auch Enki Bilal — erschienen sind. Das Magazin war im Vergleich zum gängigen Massenramsch von Spider Man bis Donald Duck natürlich verflucht teuer und konnte überhaupt nur dadurch bestehen, dass es immer wieder den letzten pornographischen Dreck ins Heft nahm. Ein Titelbild, auf dem keine prallen Möpse zu sehen waren, bedeutete sofortigen Umsatzeinbruch. Der durchschnittliche Leser war eben nicht bereit, so viel Geld für ein „bloßes“ Comic-Heft auszugeben, sehr wohl aber für die Inszenierung männlicher Sex- und Vergewaltigungsphantasien.

Enki Bilal gehörte zu denjenigen Zeichnern, die sich nie auf eine solche Ebene herabließen, die aber, wie viele andere, damals noch auf dieses abstoßende Publikationsumfeld angewiesen waren. Die Darstellung einer ausschließlich heterosexuell konnotierterten Erotik, in der Frauen nur als Objekte des männlichen Begehrens existierten, gehörte zwar auch für ihn zum Standardrepertoir; sie wurde aber an einigen Stellen, so z.B. in Die Frau aus der Zukunft, dem zweiten Band seiner großen Science-Fiction-Trilogie, durchaus von antisexistischen Aussagen unterbrochen. Wie z.B. in dieser Szene:

Enki Bilal, Die Frau aus der Zukunft

Das alles ändert jedoch wenig an der erzählerischen Schwäche von Bilals Comics, die auch durch die großartigen Zeichnungen nicht wettzumachen ist.


3 Antworten auf „Zwischen Sexismus und Antisexismus“


  1. Gravatar Icon 1 kivi 24. Januar 2006 um 2:26 Uhr

    „Die Darstellung einer ausschließlich heterosexuell konnotierterten Erotik, in der Frauen nur als Objekte des männlichen Begehrens existierten, gehörte zwar auch für ihn zum Standardrepertoir; sie wurde aber an einigen Stellen, so z.B. in Die Frau aus der Zukunft, dem zweiten Band seiner großen Science-Fiction-Trilogie, durchaus von antisexistischen Aussagen unterbrochen. Wie z.B. in dieser Szene:“

    Weder das eine noch das andere lässt sich ohne weiteres mit Ausschnitten belegen. Das Problem, welches Du ja auch offensichtlich selber siehst ist, dass Du in Stereotypen denkst, die Du so natürlich an einem Paneel als Beleg beliebig vorführen kannst. Diese Betrachtungsweise wird weder dem Medium Comic gerecht noch führt sie eigentlich überhaupt zu einem Ergebnis. Du hast dabei die Story nicht analysiert, die Wort/Bild-Dynamik, die Bezüge zu anderen KünstlerInnen, den Entstehungsprozeß mit ihren aktuellen Bezügen, das Spiel mit Fiktion und Realität.
    Genausogut könnte der Bildausschnitt übrigens als Mahnmal gegen Genmanipulation und ihre Verharmlosung gelten. Wie gesagt – ab einem bestimmten Punkt wird es beliebig mit den Aussagen. Entweder versuchst Du den gesamten Comic zu betrachten – oder es wird zwangsläufig ins Elend herkömlicher bürgerlicher Comicbetrachtung hinabgerutscht.

  2. Gravatar Icon 2 lysis 24. Januar 2006 um 7:07 Uhr

    Tut mir leid, das ist mir zu akademisch.

    Davon abgesehen ist in einem Blogbeitrag auch kaum der Raum für eine eingehende literaturwissenschaftliche Analyse, zu der ich mich ohnehin nicht berufen fühle.

    Was ich aber mit dem hegemonialen Sexismus in Science-Fiction- und Phantasy-Comics meine, werde ich demnächst anhand einiger Schwermetall-Cover vorführen, die mich als Jugendlicher besonders abgestoßen haben.

    Wenn Sexismus nur mit einem universitär vorgebildeten Sensorium wahrzunehmen wäre, dann bräuchte es im Übrigen auch dessen Kritik nicht. Die Literaturwissenschaft soll doch dem, was man empfindet, Sprache verleihen, nicht eine Erfahrung erst konstituieren!

  1. 1 Nachtrag // Lysis Pingback am 24. Januar 2006 um 14:23 Uhr
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