Archiv für Februar 2006

Karnevalshit „Die Jüdde wandern uss“

I.
Et deit sich alles freue,
Mir sinn jetz bahl su wick,
Mir wäde jetz in Deutschland,
Die Jüdde endlich quwitt.

Refrain:
Hurra mer wäde jetz de Jüdde loss,
Die ganze koschere Band,
Trick nohm gelobte Land.
Mir laache uns für Freud noch halv kapott,
Der Izig und die Sahra die träcke fott!

II.
Wenn die Jüdde bei uns kohme,
Mett neh‘m lange Rock un Flüh,
Fingen die an zu hausiere,
Arbeide deit der Jüdd doch nie.
Mit Knoche, Lumpe, Iser,
Un watt et söns noch jitt,
Un mett nehm Sack om Röcke,
Häh durch die Strosse trick.
Mett dem Handel iss jetz Schluss,
Dröm wandern die jetz uss.
(Refrain)

III.
Wenn die ganze koschere Jüdde,
us Deutschland sinn erus,
Zwei mir dann he behalde,
Die stelle mir dann uus.
Eine enn de Schreckenskammer,
Eine ett Museum kritt geschenk,
Datt mir an die Judenplage,
Mett Schrecke später denk.
Wenn man die zwei dann sieht,
Singt man för Freud dat Leed:
(Refrain)

Text: Jean Müller, Quelle: Günther Bernd Ginzel: Jüdischer Alltag in Deutschland 1933-1945, Düsseldorf 1984.

Vgl. hierzu auch „De Nazis nit op d‘r Schlips getrodde“ (taz, 7. 2. 05):

Zudem zeigten etliche Karnevalisten bereits zu Zeiten der Weimarer Republik eine deutliche Affinität zu völkisch-nationalistischer Ideologie. Mit ihren Verhaltensmustern und ihrer öffentlich vertretenen Meinung boten die Karnevalsaktiven ein Forum, um unter dem Mantel ausgelassener Fröhlichkeit Ideologie und „Werte“ des Nationalsozialismus zu verbreiten. […] Der inhaltliche Gleichklang mit den Interessen der Nazis manifestierte sich auch im Antisemitismus. Bezeichnend ist hier das damals beliebte Lied „Die Jüdde wandern uss“ des Kölner Musikers und Texters Jean Müller (siehe Kasten).

„Der Faschismus der Affen“

Peter Bergh: Die satanische Ferse. Zur Psychopathologie des Islamfaschismus und seiner deutschen Freunde. Bd.1. 2003. 381 S. 21 cm.

Was Abdel da ausgegraben hat und nicht zitieren wollte, um ihm keine publizistische Aufmerksamkeit zu schenken, hört sich auf den ersten Blick an wie antideutsche Dutzendware, stellt sich aber auf den zweiten Blick als ein Machwerk heraus, in dem Moslems zu Affen degradiert werden. Der Autor, obwohl nicht in der linken Szene beheimatet, erweist sich dabei als beflissener BAHAMAS-Leser. So spielt bereits der Untertitel auf ein völkerpsychologisches Elaborat der Autorin Natascha Wilting an, die in der Bahamas Nr. 38 eine „Psychopathologie des Islam“ betreiben wollte. Auch sonst lassen sich in jenem Machwerk zahlreiche der Stichwörter wiederentdecken, die antideutsche Autoren in den letzten Jahren popularisiert haben, wie etwa die Rede vom „Islamfaschismus“ und seinen „deutschen Freunden“.

Auch wenn es sich beim Autoren wohl eher um einen verrückt gewordenen Antimarxisten als um einen Parteigänger des „antideutschen Kommunismus“ handelt, ist doch verblüffend, wie perfekt der antideutsche Diskurs in etwas hineingeklont wurde, das ansonsten eher Ähnlichkeiten mit dem wilhelminischen Kolonialrassismus und seiner Fortsetzung in der NS-Rassenlehre hat — so etwa, wenn „die Moslems“ gleich in mehreren Kapitelüberschriften als Primaten, Untermenschen und Kamelficker angesprochen werden:

  • Totalitäre Stammesregression im Islam — Der Faschismus der Affen
  • Theopornokratie und Sodomie mit dem Kamel
  • Freuds Trieb zum Tode und der Schimpansenkrieg

Es ist, als hätte da mal jemand ausgesprochen, was Antideutsche die ganze Zeit schon meinen, aber sich nicht zu sagen trauen. Dazu haben sie auch allen Grund, denn dass solche Äußerungen aufgrund der Erfahrungen mit dem deutschen Faschismus heute strafbar sind und als „Aufstachelung zum Rassenhass“ geahndet werden, sollte allgemein bekannt sein.

Beitrag zum antideutschen Karikaturenwettbewerb

Philipp stellt sich selbst als Mohammed dar und macht sich dabei vor Lachen in die Hose [1, 2]:

Philipp macht sich vor Lachen in die Hose

Türken-Phobie in der Teuto-Lobby

Necati Mert: Türken-Phobie in der Teuto-Lobby

Ich dachte immer …

Sabine Kebir: „Ich dachte immer, der Grad von Pressefreiheit misst sich an der ungestraften Möglichkeit, vor allem die eigenen Herrscher zu kritisieren und zu karikieren. Den vermeintlichen Feind zu reizen und zu verhöhnen, war und ist schließlich auch in Diktaturen erlaubt, oft sogar ausdrücklich erwünscht.“

„Dänen, kauft nicht bei Moslems!“

Die Dänische Volkspartei, drittstärkste Kraft im Parlament und Königsmacher der amtierenden Rechtsliberalen, reüssiert mit strukturell antisemitischer Hetze gegen die muslimische Minderheit (via ascetonym):

Im „Wochenbrief” der Parteivorsitzenden heißt es dieses Mal, wie der „Samen des Unkrauts” seien „Islamisten und Lügner” mit den Einwanderern nach Dänemark hereingeweht worden. Feinde von außen, so Frau Kjarsgaard, und — schlimmer noch — nun auch von innen wollten die Dänen auf ihre Knie zwingen, um den Rechten und Werten abzuschwören, für die viele Generationen gekämpft hätten.

Die islamische Glaubensgemeinschaft bezeichnet sie als mafiose fünfte Kolonne, die von erbärmlichen, lügnerischen Männern mit einer abschätzigen Haltung zu Demokratie und Frauen geleitet werde. Ihr Führer Imam Abu Laban, der möglichst als erster aus dem Land geworfen werden sollte, sei ein Lügner an der Spitze eines Trojanischen Pferdes. Hier gehe es nicht mehr um zwölf Karikaturen, sondern um einen Wertekampf gegen totalitäre, dogmatische islamische Gedankengänge. […]

Begonnen hat die vor zehn Jahren gegründete Partei […] mit dem Protest gegen eine erdrückende Steuerlast. Bald kamen nationalistisches und pietistisches Gedankengut hinzu. Die Souveränität des dänischen Volkes, das dänische Kulturerbe, die Monarchie, die Volkskirche sowie Gesetz und Ordnung sind Grundwerte des Parteiprogramms.

Immer wieder will die Dänische Volkspartei die ohnehin strengen Einwanderungsgesetze weiter verschärfen, mal durch obligatorische DNA-Tests für Einwanderungswillige (was auch die Sozialdemokraten vor der Kommunalwahl unterstützten), mal durch die Festlegung einer Obergrenze für Einwanderer und jetzt mit dem Vorschlag, radikale Imame aus Dänemark auszuweisen. […]

Dabei steht Frau Kjarsgaard noch nicht einmal auf dem rechten Flügel ihrer Partei: Louise Frevert, erfolglose Spitzenkandidatin ihrer Partei für das Amt des Oberbürgermeisters von Kopenhagen, forderte in den vergangenen Tagen über SMS Dänen auf, nicht in Läden von Muslimen zu kaufen — als Reaktion auf den arabischen Handelsboykott gegen dänische Waren.

Noch vor wenigen Monaten hatte Frevert vorgeschlagen, junge muslimische „Mörder und Vergewaltiger” sollten gegen Bezahlung in russische Gefängnissen abgeschoben werden, da die dänische Gesetzgebung es verbiete, „unsere Gegner offiziell zu töten”.

Blog-Empfehlung

Äußerst witzig kommentiert Chuzpe den Umgang rechter Blogs mit der Affäre um die Mohammed-Karikaturen.

Babylonischer Talmud

„Schabbat, Sonne und Beischlaf sind Vorboten der kommenden Welt.“ (bBerachot 57b)