„Ungute Erinnerungen“

Die taz zur Affäre um die Mohammed-Karikaturen:

Sie wusste, was für ein Süppchen sie da kochte: Die dänische Zeitung Jyllands-Posten (JP), die als Sprachrohr des rechtsreaktionären Dänemark gilt, kann auf eine ungute Vergangenheit des unverblümten Antisemitismus in den Dreißigerjahren zurückblicken. Heute kühlt sie ihr Mütchen lieber an Einwanderern mit einem publizistischen Kurs, der sich vor allem gegen Muslime richtet.

Im vergangenen Herbst veröffentlichte die JP-Redaktion ein Dutzend Karikaturen, die den muslimischen Propheten Mohammed mal mit Bombe im Turban, mal mit anderen Araberstereotypen in Verbindung brachten und die manche Betrachter an Zeichnungen aus dem nationalsozialistischen Stürmer erinnerten. Das schien gut ins Konzept der Zeitung zu passen, konnte man sich doch damit als vermeintliche Speerspitze der Pressefreiheit profilieren und die Proteste, die so erwartbar waren wie das „Allah ist groß“ in der Moschee, dann schnurstracks zu einem Angriff auf die Meinungsfreiheit umdeuten.

Nun darf Satire bekanntlich alles, auch geschmacklos sein. Doch die kalkulierte Provokation der JP geschah nicht im luftleeren Raum. Dänemark hat sich in den vergangenen Jahren mit einem offen ausländerfeindlichen Kurs profiliert, der nicht nur in Politik und Recht, sondern auch im öffentlichen Diskurs deutliche Spuren hinterlassen hat. Führende dänische Politiker können hier ganze Gruppen von Migranten als Menschen zweiter Klasse bezeichnen und den Islam mit Pest und Cholera vergleichen, ohne dass dies größeren Protest erregt. Erst am vergangenen Samstag traten deshalb nun zwölf dänische Schriftsteller an die Öffentlichkeit, um in einem offenen Brief einen „Verfall humanistischer Werte“ zu beklagen und eine öffentliche Debatte zu kritisieren, die „Erinnerungen an totalitäre Bewegungen aus anderen geschichtlichen Epochen weckt“.


1 Antwort auf „„Ungute Erinnerungen““


  1. Gravatar Icon 1 Rainer S. 02. Februar 2006 um 20:54 Uhr

    Peter Scholl-Latour in Bild:

    Jegliche Darstellung des Propheten Mohammed ist von Anfang an im Islam sehr rigoros verboten worden, um auf keinen Fall einen Götzenkult aufkommen zu lassen. Jeder, der sich mit dem Islam auch nur oberflächlich befaßt, weiß, daß die Darstellung des Propheten die Moslems schon empört und provoziert.

    Wer den Mann aber in einer Karikatur lächerlich macht, sogar als Brutalo oder Terroristen abbildet, fordert die Moslems extrem heraus.

    Und als gläubiger Katholik sage ich: Wenn man im Fernsehen oder in der Zeitung die christliche Religion derart verhohnepipelt, schockiert mich das auch zutiefst.

    Die Dänen kämpfen im Irak an der Seite der Amerikaner. Da ist die Veröffentlichung der Karikaturen eine günstige Gelegenheit, die ohnehin schon feindliche Stimmung gegen jeden Staat, der sich im Irak engagiert, zusätzlich anzuheizen.

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