Nachhilfe

Da äußert sich wieder mal ein Unbedarfter, diesmal der Pfarrerssohn Tobias Kaufmann von der Achse des Guten:

Es ist überhaupt nicht verboten … Mohammed abzubilden. Das Bilderverbot der monotheistischen Religionen bezieht sich nicht darauf, dass man keine Bilder malen dürfte, sondern, dass man sich kein „Bildnis“ machen soll — also keinen götzenartigen Gegenstand, der anstelle des einen Gottes angebetet wird. Das Bilderverbot ist also theologisch eine Abkehr von Personen- oder Götzenverehrung — die in der Bibel ihren Höhepunkt hat, als Moses vom Berg Sinai zurückkehrt und feststellt, dass die Israeliten inzwischen das vielzitierte „Goldene Kalb“ gebastelt haben.

Mensch, Tobias! Da hast du jetzt Bibel und Koran total miteinander verwechselt. Dabei hätte dir schon ein bisschen Googlen auf die journalistischen Sprünge geholfen. Naja, macht nichts, ich zitiere für dich ein paar der Hadithen, die das totale Bilderverbot im Islam belegen:

Ibn Umar berichtete, dass der Gesandte Allahs (saw) gesagt hat: „Wahrlich, diejenigen, die diese Bilder herstellen, werden am Tag der Auferstehung bestraft. Es wird ihnen gesagt: ‚Haucht Leben ein in das, was ihr geschaffen habt!‘“

Ibn Abbas berichtete: Ich hörte den Gesandten Allah (saw) sagen: „Jeder Bilderhersteller kommt in die Hölle, und es wird ihm für jedes Lebewesen seiner Schöpfung eine Seele gegeben, dann wird diese darin schmoren.“ Ibn Abbas fügte hinzu: Wenn du aber dies unbedingt tun musst, dann stelle Pflanzen und leblose Gegenstände dar!

Abu Talha berichtete, dass der Gesandte Allahs (saw) gesagt hat: „Die Engel betreten kein Haus, in dem es einen Hund oder ein Bild gibt.“

Der Hintergrund für das Bilderverbot ist übrigens auch nicht der biblische Tanz ums goldene Kalb, sondern die byzantinische Ikonenmalerei, deren Heiligenkult — genau wie die christliche Trinitätslehre — als Abkehr vom radikalen Monotheismus verstanden wurde. Allerdings heißt das nicht, dass es in der islamischen Welt nie Abbildungen von Menschen und Tieren gegeben hätte. Sogar im Iran schaut man Fernsehen. Die Taliban waren bisher die ersten und einzigen, die dieses Bilderverbot konsequent durchzusetzen versuchten. Wenn es also auch nie befolgt wurde, so wäre es doch einigermaßen kühn zu behaupten, dass es überhaupt nicht existiert!

Und das nächste Mal erledigt der Tobias seine Hausaufgaben selber.