„Dänen, kauft nicht bei Moslems!“

Die Dänische Volkspartei, drittstärkste Kraft im Parlament und Königsmacher der amtierenden Rechtsliberalen, reüssiert mit strukturell antisemitischer Hetze gegen die muslimische Minderheit (via ascetonym):

Im „Wochenbrief” der Parteivorsitzenden heißt es dieses Mal, wie der „Samen des Unkrauts” seien „Islamisten und Lügner” mit den Einwanderern nach Dänemark hereingeweht worden. Feinde von außen, so Frau Kjarsgaard, und — schlimmer noch — nun auch von innen wollten die Dänen auf ihre Knie zwingen, um den Rechten und Werten abzuschwören, für die viele Generationen gekämpft hätten.

Die islamische Glaubensgemeinschaft bezeichnet sie als mafiose fünfte Kolonne, die von erbärmlichen, lügnerischen Männern mit einer abschätzigen Haltung zu Demokratie und Frauen geleitet werde. Ihr Führer Imam Abu Laban, der möglichst als erster aus dem Land geworfen werden sollte, sei ein Lügner an der Spitze eines Trojanischen Pferdes. Hier gehe es nicht mehr um zwölf Karikaturen, sondern um einen Wertekampf gegen totalitäre, dogmatische islamische Gedankengänge. […]

Begonnen hat die vor zehn Jahren gegründete Partei […] mit dem Protest gegen eine erdrückende Steuerlast. Bald kamen nationalistisches und pietistisches Gedankengut hinzu. Die Souveränität des dänischen Volkes, das dänische Kulturerbe, die Monarchie, die Volkskirche sowie Gesetz und Ordnung sind Grundwerte des Parteiprogramms.

Immer wieder will die Dänische Volkspartei die ohnehin strengen Einwanderungsgesetze weiter verschärfen, mal durch obligatorische DNA-Tests für Einwanderungswillige (was auch die Sozialdemokraten vor der Kommunalwahl unterstützten), mal durch die Festlegung einer Obergrenze für Einwanderer und jetzt mit dem Vorschlag, radikale Imame aus Dänemark auszuweisen. […]

Dabei steht Frau Kjarsgaard noch nicht einmal auf dem rechten Flügel ihrer Partei: Louise Frevert, erfolglose Spitzenkandidatin ihrer Partei für das Amt des Oberbürgermeisters von Kopenhagen, forderte in den vergangenen Tagen über SMS Dänen auf, nicht in Läden von Muslimen zu kaufen — als Reaktion auf den arabischen Handelsboykott gegen dänische Waren.

Noch vor wenigen Monaten hatte Frevert vorgeschlagen, junge muslimische „Mörder und Vergewaltiger” sollten gegen Bezahlung in russische Gefängnissen abgeschoben werden, da die dänische Gesetzgebung es verbiete, „unsere Gegner offiziell zu töten”.


6 Antworten auf „„Dänen, kauft nicht bei Moslems!““


  1. Gravatar Icon 1 der nestscheisser 10. Februar 2006 um 17:54 Uhr

    die daenische volkspartei entstand als „gemaessigte abspaltung“ der (heute bedeutungslosen) „fortschrittspartei“ des als „steuerrebellen“ in den 1970er jahren populaeren trashpolitikers mogens glistrup (der in den 80ern schon einmal fuer einige jahre aus der partei geworfen wurde und ein erfolgloses querfrontexperiment mit einer rechtsabspaltung der daenischen kp namens „gemeinschaftskurs“ anfang der 1990er absolvierte). glistrup wurde vor allem durch seine forderung die einkommenssteuer und die armee abzuschaffen und letztere durch einen anrufbeantworter mit dem satz „wir kapitulieren“ auf russisch zu ersetzen populaer, vor einigen jahren hatte glistrup im wahlkampf fuer aufsehen gesorgt, als er meinte, man muesse alle muslimischen frauen in daenemark an bordelle verkaufen.

    in den letzten jahren haben sich die buergerlichen mainstream-parteien kf (konservative volkspartei) und venstre (heisst uebersetzt so viel wie „linke“, handelt sich um eine rechtsliberale partei mit starken baeuerlichen wurzeln) der daenischen volkspartei ideologisch angenaehert, zumal sie im parlament auf deren unterstuetzung angewiesen sind

  2. Gravatar Icon 2 ascetonym 10. Februar 2006 um 18:06 Uhr

    Deren „Grundsatzprogramm“ kann man sich auch auf deutsch durchlesen, by the way.
    hxxp://www.danskfolkeparti.dk/sw/frontend/show.asp?parent=6549

  3. Gravatar Icon 3 Nemesis 12. Februar 2006 um 3:03 Uhr

    Das dürfte sicherlich interessieren:

    http://www.radikalkritik.de/

    Stimme der Vernunft

    Stellungnahme von Prof. Muhammad Kalisch
    zum „Karikaturenstreit“

    Berlin, 11.02. 2006 – Der Münsteraner Lehrstuhlinhaber für Religion des Islam, Prof. Muhammad Kalisch, zuständig für die Ausbildung islamischer Religionslehrer in Deutschland, hat mit einer persönlichen Stellungnahme in den eskalierenden „Karikaturenstreit“ eingegriffen. Kalisch, der sich selber als „zaiditischen Schiiten“ bezeichnet (die zaiditische Schia ist eine rationalistisch geprägte Strömung innerhalb des Islam), fordert Selbstkritik sowohl von islamischer wie auch nichtislamischer Seite und eine Rückkehr zum friedlichen Dialog. Obwohl die Karikaturen die Empfindungen vieler Muslime verletzt hätten, rät er davon ab, auftretende Konflikte mit dem Strafrecht zu lösen und den Gotteslästerungsparagraphen zu bemühen. Statt dessen tritt er für die ersatzlose Streichung des § 166 StGB ein.

    „Meines Erachtens zeigt uns alle historische Erfahrung, dass ein besonderer strafrechtlicher Schutz von Religion stets missbraucht wurde und im Übrigen mit der Freiheit der Meinungsäußerung und der Freiheit der Wissenschaft nicht zu vereinbaren ist. Ich bin daher auch für eine ersatzlose Streichung des § 166 StGB… Ein strafrechtlicher Schutz von Religion und religiösen Gefühlen ist schon deswegen unsinnig und abzulehnen, weil sich der Tatbestand niemals genau definieren lässt und dadurch automatisch immer in die Nähe von Willkür gelangt. Willkür aber ist für einen rechtsstaatlichen Juristen das schärfste Unwerturteil überhaupt“.

    Gewalt als Reaktion auf die Veröffentlichung der Karikaturen könne bei Nichtmuslimen nur Angst, aber keinen Respekt erzeugen. Kalisch verweist auf das Koranwort: „Wehre mit einer besseren Tat ab, dann wird der, zwischen dem und dir Feindschaft herrscht, wie ein enger Freund“ (Sure
    41, Vers 34). Die „Diskussion über den Islam oder irgendeine andere Religion kann nur als freie und tabulose Diskussion geführt werden, in der einzig die Argumente für die jeweils angeführten Behauptungen zählen“. Nur die Freiheit der Meinung und der Wissenschaft werde dafür sorgen „dass Hetzer und Demagogen nicht die Oberhand gewinnen“.
    Zur Notwendigkeit einer historisch-kritischen Exegese auch des Koran schreibt Kalisch:

    „Wenn die islamische Theologie nicht in einer Liga mit evangelikalen Erweckungspredigern spielen, sondern ernsthaft wissenschaftliche
    Theologie betreiben möchte, dann muss sie sich den Herausforderungen stellen, die die moderne wissenschaftliche Forschung zur Religionsgeschichte aufwirft. Alttestamentler und Archäologen wie Thomas Thompson, Philip Davies, Niels Peter Lemche oder Israel Finkelstein haben uns in den letzten Jahrzehnten gezeigt, dass wir Abraham, Moses und manche anderen biblischen und koranischen Gestalten aus der Liste der real existierenden historischen Personen streichen können. Solche Erkenntnisse fordern eine Weiterentwicklung der Hermeneutik des Koran, eine neue Beschäftigung mit dem Offenbarungsbegriff und neue Ansätze einer islamischen Theologie der Religionen. Hier kann man insbesondere auf Ansätzen der muslimischen Philosophen und Mystiker aufbauen“.

    Kalisch schließt seine Stellungnahme mit der Hoffnung auf gegenseitige Verständigung und Toleranz: „Der Kampf der Kulturen, scheint mir daher längst nicht zwangsläufig zu sein, auch wenn mancher das gerne so hätte“.

    Die ganze Stellungnahme:
    http://www.radikalkritik.de/Stellung_Karik.htm

    Außerdem eine Interview mit ihm in der FAZ:
    http://tinyurl.com/crdfk

  4. Gravatar Icon 4 besserezeiten 15. Februar 2006 um 22:34 Uhr

    m.e. sieht das eher nach stinknormalem rassismus aus. wo ist da die identifikation der muslime mit dem geld, der zirkulationssphäre, mithin der moderne, der dekadenz usw. die den strukturellen antisemitismus auszeichnet?

  5. Gravatar Icon 5 jensito 16. Februar 2006 um 5:09 Uhr

    Das ist mir bei Anhängern der Neorassismus Theorie schon öfter aufgefallen, dass Antisemitismus und Rassismus in eins gesetzt werden. Keine Ahnung, ob Lysis zu diesen dazu zu zählen ist oder nicht. Aber Balibar beispielsweise hat schon Anfangs der Neunziger so Zeug losgelassen, von wegen die „Araber“ wären die Juden von heute, und wiederholt diesen Unsinn bisweilen auch gern bereitwillig. Mittlerweile sind’s die Moslems als Ganzes. Lieber besserezeiten, da braucht es kein „Geld“ und „Zirkulationssphäre“ und ähnlichen Kram mehr!

  6. Gravatar Icon 6 lysis 16. Februar 2006 um 13:10 Uhr

    Das ist natürlich interessant, dass struktureller Antisemitismus darauf reduziert wird, dass jemand die Geldsphäre personifiziert. Passt ja auch so schön in den Versuch, das Ganze wertkritisch abzuleiten. Ebenso die Gleichsetzung der Juden mit der Moderne. Nur leider stimmt das einfach nicht so ganz. Schaut man sich beliebige antisemitische Karikaturen an, ist das Auffällige daran, dass Juden überwiegend mit der Vormoderne in Verbindung gebracht werden. Mit ihren Löckchen und Kaftanen, in ihrer Funktion als gewitzte Händler, die von Stadt zu Stadt ziehen, um ihren billigen Tand loszuwerden, verkörpern sie die Zeit vor der großen Industrie, die mit dem Nationalsozialismus angebrochen ist. Der berüchtigte „Ostjude“, der fast allen antisemitischen Karikaturen als Folie dient, hat nichts, aber auch gar nichts von einer „Identifikation der Juden mit der Moderne und der Dekadenz“, die so schön ins postantideutsche Weltbild passt. Wie Judenkarikaturen das Bild des Händlers in Szene setzen, der die im Spätkapitalismus auszuschaltende Zirkulationssphäre repräsentiert, zeigt u.a. mein Beitrag Rassismus meets Judenkarikatur, dort am Beispiel eines „satirischen“ Textes über die „Zigeuner“ in der Altstadt von Palma.

    Der ganze Witz ist doch, dass der Nationalsozialismus sich gar nicht als Rückgriff in die Vormoderne verstanden hat, sondern als deren Überwindung. Die Juden verkörperten für ihn eine vergangene Zeit und nicht die Gegenwart der großen Industrie und der fordistischen Fabriken. Das, was du als „Identifikation der Juden mit der Moderne“ beschreibst, bezieht sich auf die NS-Wanderausstellung über „entartete Kunst“. Diese wurde von den Nazis mit den Werken von Behinderten und Geisteskranken analogisiert. Auch hier schielt nicht die Sympathie mit der Vormoderne durch, sondern es wird vielmehr die klassische Moderne, d.h. die Kunst seit der Renaissance mit ihren wissenschaftlichen Darstellungsprinzipien (Studium der Anatomie und der menschlichen Muskulatur sowie der räumlichen Perspektive) gegen den Rückgriff Chagalls und anderer „jüdischer“ Maler auf die Ikonographie des Mittelalters verteidigt. Auch die „Argumentation“, hier handle es sich um die Werke „entarteter“ Großstadt-Naturen, ist keine Plänkelei der Nazis mit der ländlichen Idylle eines Stedls, sondern greift auf den rassenhygienischen Diskurs des ausgehenden 19. Jahrhunderts zurück, der die Armut der Städte nicht als soziologisches Problem, sondern als Resultat einer biologischen Degeneration innerhalb des Lumpenproletariats fasst. Die Ausstellung war zugleich eine Werbekampagne für Zwangssterilisierung und Euthanasie.

    Was den Diskurs der Dänischen Volkspartei strukturell antisemitisch macht, ist die Fiktion eines in die Poren der Moderne eindringenden Ungeziefers, ähnlich wie man seinerzeit die nach Deutschland strömenden „Ostjuden“ zu betrachten pflegte. Auch diesen unterstellte man, Teil einer internationalen Verschwörung zu sein, so wie heute die ehemaligen Gastarbeiter aus der Türkei als unbemerkte Vorhut einer islamischen Infiltration konstruiert werden, die von Anfang an geplant gewesen sei.

    Wertkritiker können diese ideologische Parallele nicht verstehen, weil sie eine reduzierte Auffassung des Antisemitismus haben, die das christliche Bild vom „Juden“ immer nur als durch den Versuch charakterisiert sieht, die Geldware zu personifizieren. Das mag durchaus eine Rolle spielen, aber es ist eben nur ein Aspekt des europäischen Antisemitismus und nicht unbedingt sein zentralster.

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