Archiv für Februar 2006

Islamophiles Deutschland

Indymedia: „In der sowieso schon aufgeheizten Atmosphäre um die beleidigenden dänischen Hetzschmierereien gegen den Propheten Mohammad wurden gestern in Berlin offenbar dutzende Aufkleber verbreitet, die den Propheten als Schwein beim Schreiben des heiligen Qur-ân abbilden!“

Crusaders‘ Cross

Isn‘t it slightly out of taste to use the symbol of the crusaders to campaign against Islamic countries?

Karikaturen in der Türkei

„Ich erinnere mich an einen Cartoon Ihres Kollegen Erdil Yasaroglu. Darauf ist ein Gläubiger zu sehen, der im Paradies erschrocken feststellt, dass es sich bei den versprochenen Jungfrauen um lüsterne Eselinnen handelt.“ (Deniz Yücel im Interview mit Karikaturist Metin Üstündag)

Arab blasphemy

You know that those cartoons were published for the 1st time months ago and we here in the Middle East have tonnes of jokes about Allah, the prophets and the angels that are way more offensive, funny and obscene than those poorly-made cartoons, yet no one ever got shot for telling one of those jokes or at least we had never seen rallies and protests against those infidel joke-tellers.“

A Case of Misunderstanding?

Hier mal übrigens die Originalseite mit den Karikaturen von Jyllands-Posten:

Jyllands-Posten Muhammed drawings

Den Skandal scheinen aber, nach neuesten Meldungen, weniger diese im Ganzen doch recht harmlosen Zeichnungen ausgelöst zu haben, sondern drei weitere, die dänische Imame in einem 43-seitigen Dossier hinzugefügt hatten, um den dänischen Rassismus im Allgemeinen zu dokumentieren. Sie stammten aus rechtsextremen Magazinen und stellten den islamischen Propheten als Pädophilen und als Schwein dar. Außerdem zeigten sie einen betenden Muslim, den gerade ein Hund besteigt. Die ägyptische Presse schrieb diese Zeichnungen, offenbar aufgrund eines Missverständnisses, ebenfalls der Zeitung Jyllands-Posten zu und löste damit in der arabischen Welt eine Art Buschfeuer aus, das sich schließlich auch auf andere islamische Länder sowie islamistische Gruppen in England und Australien übertrug.

Den umfassendsten Überblick über die Ereignisse bietet ein englischer Wikipedia-Artikel, der im Augenblick ständig aktualisiert wird. Eine kulturgeschichtlich aufschlussreiche Sammlung persischer und europäischer Mohammed-Darstellungen liefert das Mohammed Image Archive.

„Islamkritische Linke“

Rassistische Schmiererei im Besucher-WC des Rathauses Neukölln. Das Anarchie-Zeichen verweist auf einen linken Täterhintergrund:

"Moslem = Schweine !!! Tötet sie"

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Der Iran und die Bombe

Wenn man so manchen antideutschen Artikel liest, könnte man denken, der Iran wolle sich Nukleartechnik zulegen, um damit Israel einzuäschern. Die Mullahs seien so verrückt, dass sie es sogar auf einen Krieg ankommen ließen, um ihren eliminatorischen Wahn zu befriedigen. Wie wenig das mit der Realität zu tun hat, demonstriert eine (zugegeben etwas längliche, aber bereits am Anfang sehr aufschlussreiche) Analyse des GegenStandpunkt mit dem Titel „Iran — Aufsichtsobjekt der Großmächte“ (22,9 MB, 1:40 h), in dem sowohl der amerikanische als auch der iranische und der europäische Imperialismus auf seine Zwecke hin untersucht werden.

Selbstverständlich geht es dem Iran zunächst einmal darum, durch den Aufstieg zur Atommacht einen Regimewechsel abzuwenden, den die US-Regierung bereits annonciert hat, als sie diesen Staat offiziell auf die „Achse des Bösen“ setzte — eine Liste von Feindstaaten, die sie in den nächsten Jahrzehnten mit militärischen Mitteln abzuarbeiten gedenkt. Darüber hinaus versucht der Iran durch Beherrschung von Nukleartechnologie, sein imperialistisches Gewicht in der Region zu erhöhen. Der GegenStandpunkt zieht hier einen interessanten Vergleich zu Deutschland, das sich zur Zeit des seligen Franz Josef seine Kernkraftwerke nicht etwa aus rein energiepolitischen Gründen zugelegt habe, sondern um in den Kreis der Atommächte aufzusteigen, die wenigstens prinzipiell über das Wissen und die nötige Technik verfügen, eine Atombombe zu bauen.

Israels Sicherheitsbedenken werden dadurch sicher nicht gegenstandslos, sehr wohl aber das dämliche Argument von Antideutschen, beim Iran hätte man es mit einem Staat zu tun, der nach völlig anderen Maßstäben kalkuliert als seine westlichen Konkurrenten.

Nachhilfe

Da äußert sich wieder mal ein Unbedarfter, diesmal der Pfarrerssohn Tobias Kaufmann von der Achse des Guten:

Es ist überhaupt nicht verboten … Mohammed abzubilden. Das Bilderverbot der monotheistischen Religionen bezieht sich nicht darauf, dass man keine Bilder malen dürfte, sondern, dass man sich kein „Bildnis“ machen soll — also keinen götzenartigen Gegenstand, der anstelle des einen Gottes angebetet wird. Das Bilderverbot ist also theologisch eine Abkehr von Personen- oder Götzenverehrung — die in der Bibel ihren Höhepunkt hat, als Moses vom Berg Sinai zurückkehrt und feststellt, dass die Israeliten inzwischen das vielzitierte „Goldene Kalb“ gebastelt haben.

Mensch, Tobias! Da hast du jetzt Bibel und Koran total miteinander verwechselt. Dabei hätte dir schon ein bisschen Googlen auf die journalistischen Sprünge geholfen. Naja, macht nichts, ich zitiere für dich ein paar der Hadithen, die das totale Bilderverbot im Islam belegen:

Ibn Umar berichtete, dass der Gesandte Allahs (saw) gesagt hat: „Wahrlich, diejenigen, die diese Bilder herstellen, werden am Tag der Auferstehung bestraft. Es wird ihnen gesagt: ‚Haucht Leben ein in das, was ihr geschaffen habt!‘“

Ibn Abbas berichtete: Ich hörte den Gesandten Allah (saw) sagen: „Jeder Bilderhersteller kommt in die Hölle, und es wird ihm für jedes Lebewesen seiner Schöpfung eine Seele gegeben, dann wird diese darin schmoren.“ Ibn Abbas fügte hinzu: Wenn du aber dies unbedingt tun musst, dann stelle Pflanzen und leblose Gegenstände dar!

Abu Talha berichtete, dass der Gesandte Allahs (saw) gesagt hat: „Die Engel betreten kein Haus, in dem es einen Hund oder ein Bild gibt.“

Der Hintergrund für das Bilderverbot ist übrigens auch nicht der biblische Tanz ums goldene Kalb, sondern die byzantinische Ikonenmalerei, deren Heiligenkult — genau wie die christliche Trinitätslehre — als Abkehr vom radikalen Monotheismus verstanden wurde. Allerdings heißt das nicht, dass es in der islamischen Welt nie Abbildungen von Menschen und Tieren gegeben hätte. Sogar im Iran schaut man Fernsehen. Die Taliban waren bisher die ersten und einzigen, die dieses Bilderverbot konsequent durchzusetzen versuchten. Wenn es also auch nie befolgt wurde, so wäre es doch einigermaßen kühn zu behaupten, dass es überhaupt nicht existiert!

Und das nächste Mal erledigt der Tobias seine Hausaufgaben selber.