Phase 2, you are out!

Ein Berliner Redaktionsmitglied der Phase 2, das wohl etwas zu viel in der BAHAMAS geschmökert hat, bringt die Aufstände in den französischen Banlieues ganz unverhohlen mit Auschwitz in Verbindung:

Der mit der Krise entstehende und sich mehrende Unmut und spontane Antikapitalismus »der Massen«, hingewiesen sei hier nur auf die jüngsten Aufstände in Frankreich, ist Widerstand gegen die Zumutungen der Kapitalverwertung auf der Basis der Affirmation des Kapitalismus selbst und tendiert durch diesen Selbstwiderspruch zum mörderischen Wahnsinn, der sich schon einmal in der Shoa ausagierte.

Phase 2, you are out! Zumindest out of my link list.


7 Antworten auf „Phase 2, you are out!“


  1. Gravatar Icon 1 Nemesis 02. April 2006 um 14:36 Uhr

    Man ist sich zwar nicht so schade, bis ins letzte Detail den Unterschied zwischen KONKRET und STÜRMER zu betonen, weil einem sonst kein Argument einfällt. Aber plötzlich fällt dieses Aufmerksamkeit weg, wenn wieder Auschwitz für was anderes herhalten muss.

  2. Gravatar Icon 2 weiterlesen hilft 02. April 2006 um 18:11 Uhr

    Hier das komplette Zitat:

    „Der mit der Krise entstehende und sich mehrende Unmut und spontane Antikapitalismus »der Massen«, hingewiesen sei hier nur auf die jüngsten Aufstände in Frankreich, ist Widerstand gegen die Zumutungen der Kapitalverwertung auf der Basis der Affirmation des Kapitalismus selbst und tendiert durch diesen Selbstwiderspruch zum mörderischen Wahnsinn, der sich schon einmal in der Shoa ausagierte. Das Elende für kommunistische Kritik ist, dass die antisemitische Ideologie, der barbarische Antikapitalismus, genau an jenem Ort entspringt, aus dem auch eine kommunistische Kritik an diesen Verhältnissen erwächst: aus dem spontanen Widerstand gegen das Leiden an ihnen. Der Moment der Bewusstwerdung der gesellschaftlichen Widersprüche, wird er nicht vermittelt durch die politische Tradition bestimmter Negation, fällt so unmittelbar mit seinem Gegenteil in eins, mit Ideologie, die zur Shoa tendiert und sich über die Anschläge in New York freut.“

    Wenn hier etwas an der Analogie zu kritisieren ist, dann umgekehrt, d.h. die Implikation, dass das „Elende für kommunistische Kritik“ angesichts der Shoa genauso gegeben gewesen wäre. Will heißen der Nationalsozialismus war nun wirklich kein „spontaner Widerstand gegen das Leiden an den Verhältnissen“.

  3. Gravatar Icon 3 alltagstrauma 02. April 2006 um 19:41 Uhr

    Die Aufstände in den Banlieus direkt mit Auschwitz in Verbindung zu bringen mag zwar etwas daneben sein, ich glaube aber kaum, dass der Autor hier beabsichtigte irgendetwas gleichzusetzen. Im Grunde geht es doch darum, dass eine verkürzte Kapitalismuskritik dazu führt, dass Schuldige ausgemacht werden, die direkt für die Mißstände verantwortlich sind. Die Jugendlichen in den Ghettos kritisieren eben nicht den Kapitalismus, sie kritisieren das sie nicht am Wohlstand teilhaben dürfen. Schuldige sind dafür schnell ausgemacht: Bonzen, Unternehmer und Politiker. Das die Jugendlichen in den Banlieus tatsächlich solche Feindbilder pflegen müsste der Autor nachweisen, für unwahrscheinlich halte ich es aber nicht. Auch glaube ich nicht, dass der Autor meinte das die Jugendlichen tatsächlich diejenigen wären, die da ein neues Auschwitz errichten wollen. Es geht vielmehr um diesen strukturellen Antisemitismus der nicht nur von Ghettokids, sondern auch von Münterfering und vielen Linken geäussert wird. Und eine so verkürzte Denke ist nunmal gefährlich. Schuldige kann man, wenn sie erstmal ausgemacht sind, auch bestrafen. Was du da wieder hineinliest, ist sicherlich, dass der Autor einzig durch den Islam geprägte Jugendliche meinte. Schon komisch warum da einzig die Aufstände in Frankreich genannt werden, aber so hab ich das nicht verstanden. Aber du siehst und liest ja eh überall rein, was dir gerade in den Kram passt.

    Aber trotzdem: Lass dich von diesen deutschen Spinnern, die dir da mit Gewalt und sogar Mord drohen nicht einschüchtern. Schon krass, wie Leute abgehen die wirklich keine Argumente mehr haben und ihren Vernichtungswahn auf vermeintliche politische Gegner projezieren. (Anti)deutschland, du Opfer!

  4. Gravatar Icon 4 ascetonym 02. April 2006 um 20:47 Uhr

    Die Aufstände in den Banlieus direkt mit Auschwitz in Verbindung zu bringen mag zwar etwas daneben sein, ich glaube aber kaum, dass der Autor hier beabsichtigte irgendetwas gleichzusetzen.

    Diese Verbindung aufzumachen ist doch das A und O der Texte die aus dieser Ecke kommen, drunter geht’s nämlich offenbar nicht. Da immer noch über die Absicht zu zweifeln ist echt müßig.

    Im Grunde geht es doch darum, dass eine verkürzte Kapitalismuskritik dazu führt, dass Schuldige ausgemacht werden, die direkt für die Mißstände verantwortlich sind. Die Jugendlichen in den Ghettos kritisieren eben nicht den Kapitalismus, sie kritisieren das sie nicht am Wohlstand teilhaben dürfen.

    Verkürzt ist da aber nichts, es ist halt schlicht keine Kritik am Kapitalismus und auch durch die Verlängerung wird ja nichts tolles draus. Nur, so eine affirmatives Beschwerdeführen ist doch weder eine Besonderheit von Banlieue-Bewohnern noch besteht da eine Zwangsläufigkeit in Richtung Shoa (als würde da überhaupt eine Notwendigkeit bestehen…). Übrigens: Eine Zeitschrift die in ihrem Editorial Leuten „Liberty and Justice for all“ an den Hals wünscht, kritisiert den Kapitalismus auch nicht…

    Schuldige sind dafür schnell ausgemacht: Bonzen, Unternehmer und Politiker. Das die Jugendlichen in den Banlieus tatsächlich solche Feindbilder pflegen müsste der Autor nachweisen, für unwahrscheinlich halte ich es aber nicht.

    Und das soll jetzt die Mordsentdeckung des Autors sein? Genörgel über „Politiker die unverantwortlich handeln“, „Bonzen, die ihren Beitrag zum Ganzen nicht leisten“ musste nicht erst in Banlieues erfunden werden.

    Auch glaube ich nicht, dass der Autor meinte das die Jugendlichen tatsächlich diejenigen wären, die da ein neues Auschwitz errichten wollen. Es geht vielmehr um diesen strukturellen Antisemitismus der nicht nur von Ghettokids, sondern auch von Münterfering und vielen Linken geäussert wird. Und eine so verkürzte Denke ist nunmal gefährlich. Schuldige kann man, wenn sie erstmal ausgemacht sind, auch bestrafen. Was du da wieder hineinliest, ist sicherlich, dass der Autor einzig durch den Islam geprägte Jugendliche meinte.

    Tja, warum beschränkst du diese „verkürzte Denke“ denn auf diesen Personenkreis? Ist denn jemand, der die „Marktwirtschaft“ für die beste aller Welten hält, etwa weniger dabei für sein Scheitern und Zukurzkommen in der Konkurrenz schuldige Personen zu suchen? Das ist doch gerade die Geisteshaltung schlechthin in dieser Gesellschaft und nichts was ihr von „außen“ (Islam, Linke) herangetragen werden müsste. Der Phase Zwo-Typ will aber gerade das stark machen, da er seiner idealisierten bürgerlichen Gesellschaft einiges abgewinnen kann. Jemand (wie man es bei Phase 2, CEE IEH usw. lesen kann), der die bürgerlichen Verhältnisse allen ernstes für die verteidigenswerte Bedingungen der Möglichkeit zur Emanzipation hält, will es auch nicht anders wissen…

    Schon komisch warum da einzig die Aufstände in Frankreich genannt werden, aber so hab ich das nicht verstanden. Aber du siehst und liest ja eh überall rein, was dir gerade in den Kram passt.

    Sei nicht böse über die kommende Empfehlung aber das erscheint mir bei deinem exegetischen Bedürfnis passend: Ab sofort sollten die entsprechenden Magazine nur noch mit beigefügter alltagstraumatischer Übersetzung erscheinen… Damit die AutorInnen auch wirklich wissen was sie eigentlich sagen wollen.

  5. Gravatar Icon 5 alltagstrauma 02. April 2006 um 21:08 Uhr

    Ich habe mich lediglich an das Zitat gehalten, was Lysis hier reingestellt hat. Darin kann ich nunmal nicht das sehen, was Lysis darin sieht. Das was du tust ist unterstellen, weil der Text aus einer bestimmten Ecke kommt. Ich will auch garnicht bestreiten, das die Intention des Autors genau in diese Richtung gehen könnte. Das ist aber aus dieser Textstelle nicht ersichtlich, Lysis führt sie aber an. Das eine verkürzte Kapitalismuskritik nicht aus einer islamischen Ecke kommen muss habe ich ebenfalls geschrieben, ich weiss also nicht warum du da nochmal meinst das wiederholen zu müssen bzw. mir nun meinst unterstellen zu müssen ich würde dieses Spielchen ebenfalls mitmachen und eine „verkürzte Denke“ auf einen bestimmten Personenkreis beschränken. Das Gegenteil habe ich geschrieben. Und das diese verkürzte Kritik nicht unbedingt in einem erneuten Holocaust enden muss ist auch vollkommen klar, aber die Unterscheidung zwischen raffenden Juden und schaffenden Deutschen hat nunmal einen nicht unbeutenden Teil zu diesem Massenmord beigetragen. Wer sagt also, dass sowas sich nicht wiederholen könnte ? Deine Empfehlung kann ich nur an dich zurückgeben. Bei soviel Mutwilligkeit zum Mißverstehen helfen aber wohl auch keine „ascetonymischen Übersetzungen“ mehr.

  6. Gravatar Icon 6 ascetonym 02. April 2006 um 22:09 Uhr

    Um von „schaffendes“ vs. „raffendes Kapital“ hin zu „schaffenden Deutschen“ und „raffenden Juden“ zu kommen bedarf es eben eines weiteren falschen Urteils. Dem Unwerturteil der NS-Antisemiten über Juden lag eben nicht bloss eine „verkürzte Kapitalismuskritik“ zugrunde, sonden die „Identifizierung“ eines Volksfeinds den man vernichten müsste. Auch das Kapital wurde dann eben nach der Maßgabe „deutsch“ vs. „undeutsch=jüdisch“ in gut und böse sortiert und eben nicht umgekehrt aus dem Scheinwiderspruch Industrie- vs. Finazkapital die Sortierung „deutsch“ vs. „jüdisch“ aufgemacht. Das aber nur am Rande…

    Das was der Autor da beschreibt: „Widerstand gegen die Zumutungen der Kapitalverwertung auf der Basis der Affirmation des Kapitalismus selbst“ ist erstens komisch, da ich jetzt nicht wüsste welche Aktion in den Riots als „Widerstand gegen die Zumutungen der Kapitalverwertung“ gelten soll. Die Leute dort werden doch idR doch gar nicht einmal vom Kapital verwertet, sondern vor allem in dieser Lage als kapitalistischer Ausschuss vom Staat drangsaliert – darüber haben die sich empört. Da nimmt sich der Autor eben auch ein denkbar schlechtes Beispiel um affirmative Kritik zu veranschaulichen. Und zweitens, „Widerstand… auf Basis der Affirmation des Kapitalismus“ ist die Verlaufsform von Unmut schlechthin in dieser Gesellschaft und ehrlich gesagt alles andere als eine Gefahr sondern eben eine Bestätigung der Zustände.

    Will man nun etwas gegen eine mögliche faschistische Ausrichtung dieser falschen Kritik an Staat und Kapital sagen, dann muss man diese falsche Kritik auseinandernehmen und zwar wie sie hier auch von lupenrein demokratischen Staatsfans gefahren wird und sie nicht, wie es die entsprechenden Presseerzeugnisse gerne tun, die Befassung mit dem zweifelhaften Hinweis auf irgendwelche vermeintlichen strukturelle Ähnlichkeiten zum NS suspendieren. Das Kühlen des eigenen Mütchens durch die rassistische Sortierung „zivilisiert“ vs. „barbarisch“ taugt als Analyse und Kritik der Zustände in Paris und sonstwo überhaupt nichts.

  7. Gravatar Icon 7 Dr. Dean 14. April 2006 um 22:36 Uhr

    Den typischen antideutschen Schwurbelsprech sollte man m.E. nicht so ernst nehmen. Wenn ein Phase2-Autor meint (mit seinem zu lang geratenen Satz), dass Antikapitalismus zur Shoah führe, dann darf man das einfach nicht ernst nehmen.

    Es ist halt ein exklusiver Standpunkt, und ich bin mir bei der Sprach- und Gedankenmacht (*räusper*) des Autors ziemlich sicher, dass er morgen bereits das Gegenteil behaupten wird, und zwar, ohne den Unterschied auch nur zu ahnen.

    Anyway, gibt es bei den antideutschen Beißreflexen und Ideologie-Versatzstücken eigentlich auch etwas Spannendes? Ich mein, die Aussage, dass Nationalismus nicht so der Bringer ist, darüber lohnt kein langes Sprechen. Das ist so. Punkt. Die Attitüde mancher Antideutscher, sich als Sprecher des Judentums zu gebären, und dort dann des Likudblocks, okay: Das ist ganz originell.

    Aber, ich meine, gibt es da aus der antideutschen Ecke irgendetwas, was intellektuell herausfordernd ist? Ich meine hier keine verschwurbelt-unlesbaren, schlecht geschriebenen Texte, keine Auseinandersetzung mit irgendwelchen Linken, die man nicht mag, sondern frische Ideen. Eine gesellschaftliche Perspektive zum Beispiel.

    Gibt es das dort?

    Oder ist die ganze Veranstaltung kaum mehr als die Zusammenrottung (sorry!) gutmeinender Antifas, anti-linker Provokateure und pseudointellektueller Empörer, deren vereinigendes Band der Gestus der Feindseligkeit ist?

    Man verzeih mir meine abwertenden Wortwidmungen und Wendungen, sie mögen auch etwas ungerecht sein, aber seit dem Ausknipsen des Sinistra-Forums habe ich kaum noch etwas Intelligentes (und ich meine: intelligent) dort gelesen. Dafür aber Morddrohungen und Adressschnüffelei aus der antideutschen Szene gegen mich…

    Die Neigung zur Gewalt, beginnend mit der Sprache: Vielleicht findet sich hier so allmählich eine ungeahnte gemeinsame Linie der antideutschen Bewegung. Ja, die Antideutschen können mich mal!

    Und nein: Ich bin kein Rechter. Ich bin auch kein „pro-westlicher“ Nationalist, welcher sein Heil in der neoliberalen Antimuslimfront sucht.

    Mein Ideal geht mehr in Richtung einer solidarischen Gesellschaft.

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