Der Mohr hat seine Schuldigkeit getan, der Mohr kann gehen

„Es ist egoistisch, nicht rassistisch sein zu wollen.“ (Ayaan Hirsi Ali)

Ayaan Hirsi Ali ist aus den Niederlanden ausgewiesen worden. Ihr wurde die Staatsbürgerschaft aufgrund falscher Angaben bei der Einbürgerung aberkannt. Die Frau, die den niederländischen Rechtsliberalen wie kaum eine andere zur rassistischen Stimmungsmache diente, ist nun von ihrer eigenen Parteigenossin Rita Verdonk, einer ehemaligen Gefängnisdirektorin und der heutigen Integrationsministerin, im Schnellverfahren ausgebürgert worden. Hirsi Ali, die mit den Mitteln des Repressionsstaats gegen MigrantInnen vorgehen wollte, ist nun selbst zu dessen prominestem Opfer geworden. Zwei Drittel der Niederländer begrüßen die Entscheidung, ihr die Nationalität zu entziehen. Und auch Nasr Joemann vom Contactorgaan Moslims en Overheid weint ihr keine Träne nach: „Sie hat viel Schaden angerichtet.“ Als Resultat ihres Weggangs ergebe sich jetzt vielleicht die Chance, eine harmonischere Gesellschaft zu errichten. „Konfrontation ist gut, solange sie in respektvoller Weise geschieht.“

Unglücklich sind vor allem die rechtsliberalen Hardliner, denen Respekt vor Menschen islamischer Herkunft wie ein Fremdwort erscheint. Mit Hirsi Ali wollten sie eine Verschärfung des Ausländerrechts durchsetzen. Nun fordern sie, wie Leon de Winter, Nachsicht — selbstverständlich nicht für alle „Schummler“, die sich den holländischen Pass „erschlichen“ haben (denn für ein schlimmes Vergehen hält man das in solchen Kreisen allemal!), sondern nur für ihre Kronzeugin Hirsi Ali, die Propagandistin einer etwas härteren Gangart im Umgang mit den Neuzugewanderten. Finanzminister Gerrit Zalm kann seine Enttäuschung nicht verhehlen: „Ich wundere mich vor allem über das enorme Tempo, mit der die Entscheidung gefällt wurde“. Freilich: würde mit allen so rapide verfahren, „hätten wir weniger Probleme“. „Warum jetzt? Warum sie? Warum so?“, wundert sich auch Willibrord van Beek, Fraktionsvorsitzender der „Partei für Freiheit und Demokratie“, über die unterschiedslose Anwendung der Gesetze in einem Rechtsstaat. Haben denn Rassisten, die wie die Abgeordnete Hirsi Ali eine solche Rechtslage erst in die Welt gesetzt haben, überhaupt keine Privilegien mehr gegenüber denen, welchen sie dieses „Recht“ zufügen? Soll Hirsi Ali jetzt etwa das gleiche schlechte Schicksal ereilen, das sie vorher bloß andern zugedacht hat?

Nein, keine Angst, Hirsi Ali wird nicht das gleiche Fatum erleiden wie Tausende von Abschüblingen, die von einem Rechts- in einen Folterstaat verbracht werden. Zwar wird auch sie nun in einen Staat umsiedeln müssen, der die Folter praktiziert, aber sie ist dort von Rechts wegen auf jene beschränkt, die auch Hirsi Ali zu ihren Feinden zählt: den Moslems, die ohne Prozess und oft willkürlich, weil sie sich am falschen Ort zur falschen Zeit aufhielten, in Guantanamo und anderen US-amerikanischen Gefangenenlagern rund um den Erdball interniert wurden. Die „Jeanne d‘Arc“ der Neokonservativen wird im Einwanderungsland USA sicher weniger Schaden anrichten als im xenophoben Europa. Und das ist doch allemal ein Fortschritt. Einer, der mich, wenn ich nicht Atheist wäre, wieder an die himmlische Gerechtigkeit glauben ließe.

Ein letztes noch: Lieber Gott, wenn es dich, entgegen meiner bisherigen Annahme, wirklich gibt, dann berufe doch bitte auch die Superdeutsche Necla Kelek ab und versetze sie in ein zivilisierteres Land, wo man sie als die dumme, rassistische Schranze behandeln wird, die sie ist.

(Nachricht via subwave)


5 Antworten auf „Der Mohr hat seine Schuldigkeit getan, der Mohr kann gehen“


  1. Gravatar Icon 1 Huib Riethof, Brüssel 17. Mai 2006 um 1:30 Uhr

    Sehr gut gesehen. Meine Kommentare auf (EN, USA) und: .

  2. Gravatar Icon 2 MPunkt 17. Mai 2006 um 15:40 Uhr

    Verstehe ich nicht. Wieso kann sie denn mit ihrer Hetze gegen das Feindbild Islam in den USA weniger Schaden anrichten? Als würde sie dort niemand finden, der sich darauf einlässt und als wären dort keine Rassisten am Start. Wer zur Nation gehört und wer nicht, ist jedenfalls auch dort ständig Thema, s. z.B. gerade die Debatte um die lateinamerikanischen (illegalen[!]) Einwanderer. Von wegen also, dort würden Rassisten als eben solche einfach ausgelacht werden.

  3. Gravatar Icon 3 Externspeicher 18. Mai 2006 um 14:00 Uhr

    Was geschieht eigentlich mit ihren islamistischen Verfolgern, die sie mit Mord bedrohen? Findest Du es gerecht, dass diese nicht abgeschoben werden?

  4. Gravatar Icon 4 lysis 18. Mai 2006 um 16:34 Uhr

    Wohin soll man sie denn abschieben? In die USA?

    Dummkopf, als ob radikale Islamisten anderswo weniger Schaden anrichten würden! Aber du siehst Abschiebung ja offenbar als eine Bestrafungsmethode an, die du als solche für gerechtfertigt hältst.

  5. Gravatar Icon 5 bigberta 18. Mai 2006 um 23:10 Uhr

    Ein ganz hervorragender Artikel, desgleichen auch der auf der Seite von Huib Riethof. Ich bastele gerade an einer „Presseschau“ mit Übersetzungen aus u.a. Trouw (Huib, Sie kennen doch sicher (www.kranten.com), die ich dann hoffe, kommende Woche fertig zu haben. Ja, Huib, ik was echt bang omdat ik al vreesde dat zij toch mogelijk representatif zou zijn. Maar nu bin ik blij omdat het niet zo is.

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