Islamophobie — eine Definition

Neu in meinem Blogroll: Islamophobia Watch.

Besonders beeindruckend fand ich die saubere Definition des Begriffs Islamophobie entsprechend den Kriterien des Runnymede Trusts. Demnach unterscheidet sich Islamophobie als Spielart des kulturalistischen Rassismus von legitimen Formen der Religionskritik (bzw. einer Kritik des Islamismus als rechts-religiöser Bewegung) durch folgende ideologische Komponenten:

  1. Islam is seen as a monolithic bloc, static and unresponsive to change.
  2. Islam is seen as separate and ‚other‘. It does not have values in common with other cultures, is not affected by them and does not influence them.
  3. Islam is seen as inferior to the West. It is seen as barbaric, irrational, primitive and sexist.
  4. Islam is seen as violent, aggressive, threatening, supportive of terrorism and engaged in a ‚clash of civilisations‘.
  5. Islam is seen as a political ideology and is used for political or military advantage.
  6. Criticisms made of the West by Islam are rejected out of hand.
  7. Hostility towards Islam is used to justify discriminatory practices towards Muslims and exclusion of Muslims from mainstream society.
  8. Anti-Muslim hostility is seen as natural or normal.

Die acht Kriterien gehen auf den Report Islamophobia: A Challenge for Us All zurück. Besonders die ersten drei Punkte halte ich für glänzend, und sie fassen, denke ich, meine bisherige Kritik am antiislamischen Rassismus (ein Begriff, den ich dem der Islamophobie entschieden vorziehe) auf sehr präzise und eindringliche Art zusammen.


6 Antworten auf „Islamophobie — eine Definition“


  1. Gravatar Icon 1 bigmouth 26. Mai 2006 um 23:58 Uhr

    zu3): „irrational“ & „sexist“ beschreibt aber nun mal mind. die 3 abrahamasreligionen in ihren grundlagen ganz gut. ich würde hier eher gucken, ob die leute kontrafaktisch den islam als fundamental besonders schlimm rausstellen im vergleich zu juden- und christentum. und ob fälschlicherweise gewisse soziale praktiken („ehrenmorde“, klitorisbeschneidungen) auf „den“ islam zurück geführt werden

  2. Gravatar Icon 2 lysis 27. Mai 2006 um 1:20 Uhr

    also, „irrational“ halte ich für eine — in ihrer historischen verallgemeinerung — völlig falsche zuschreibung. vernunft war nicht nur der wichtigste begriff der mutaziliten, die im 9. jahrhundert die buchstabengläubigen wegen ihrer auffassung von der „unerschaffenheit des koran“ verfolgten, während sie gleichzeitig der griechischen philosophie zu füßen lagen. vernunft stand auch im zentrum der lehre des thomas von aquin. du kannst der theologie des mittelalters nicht einfach unterstellen, dass sie „irrational“ gewesen sei, während sie den begriff der vernunft in wirklichkeit genauso für sich in beschlag nahm, wie du das vor dem hintergrund eines modernen, wissenschaftlichen weltbilds tust. die theologen haben jahrhundertelang um die versöhnung von vernunft und glauben gerungen. dass sie diesen kampf verloren haben, ist eine andere frage. aber sie erlaubt es nicht, islam und christentum retrospektiv als „irrational“ zu bezeichnen. das wäre völlig unhistorisch.

  3. Gravatar Icon 3 Lathandir 29. Mai 2006 um 11:22 Uhr

    Auch wenns aus dem Konkret Literatur Verlag kommt:
    „Feindbild Islam oder Dialog der Kulturen“

    Einige Beiträge sind recht brauchbar“

  4. Gravatar Icon 4 egal 29. Mai 2006 um 19:31 Uhr

    Erschienen ist die Broschüre „Islamismus – Kulturphänomen oder Krisenlösung“
    Erhältlich in allen gut sortierten Buchläden für 2 Euro oder direkt bei uns zu bestellen.

    Aus dem Inhalt

    Aziz Al-Azmeh „Der Islamismus und die Araber“
    Jörn Schulz „Die islamistische Ethik und der Geist des Kapitalismus“
    Sabah Alnasseri „Zur Krisensituation der arabischen Gesellschaften“
    Moishe Postone „Geschichte und Ohnmacht: Massenmobilisierung und gegenwärtige Formen des Antikapitalismus“
    Udo Wolter „Universalistischer Rassismus, getarnt als „Islamkritik“?
    Jochen Müller „»Ein Schandmal auf der Stirn der Araber« Antisemitismus im arabischen Nationalismus
    Kritik&Praxis „Islamismuskritik – Jenseits von Rassismus und Antisemitismus?“

    Hrsg.: Kritik & Praxis
    Berlin

  5. Gravatar Icon 5 Serdar 07. Oktober 2007 um 4:31 Uhr
  6. Gravatar Icon 6 Serdar 07. Oktober 2007 um 4:34 Uhr

    Ups, sorry, falsch verlinkt. Hab etwas schwierigkeiten mit den Tags. Hoffentlich jetzt richtig:
    Wer hat Angst vor Differenz?

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