„Nichtassimilierbar“: Hirsi Ali über MigrantInnen aus ihrer „Herkunftskultur“

In der aktuellen Jungle World beschert uns der Antirassismuskritiker Udo Wolter eine weitere Lobeshymne auf die niederländische „Islamkritikerin“ Ayaan Hirsi Ali. Letztlich nur eine Verlängerung von Ivo Bozics hier bereits besprochener Kolumne aus der letzten Ausgabe, reicht Wolters Verteidigungsschrift Hirsi Alis persönlichen Einsatz für eine junge Frau aus dem Kosovo abermals als Beleg herum, dass ihre Ansichten zur Asyl- und Einwanderungspolitik trotz ihrer Mitgliedschaft in einer ausländerfeindlichen Partei doch eigentlich ganz nett und liberal seien.

Tatsächlich hat die willkürliche Intervention Hirsi Alis in migrantische Einzelschicksale (ganz nach dem Motto: „Wer Jude ist, bestimme ich!“) nicht das geringste mit einer grundsätzlichen Kritik am niederländischen Abschiebestaat zu tun. Bestenfalls geht es ihr um eine Neuaufstellung der ausländerrechtlichen Sortierweise zu Lasten islamischer ZuwanderInnen „aus ländlichen Gebieten“, denen sie in bester kulturalistischer Manier attestiert, sich „in einer bestimmten Phase des Zivilisationsprozesses“ zu befinden, die „weit hinter derjenigen der Gastländer“ zurückhinke: „Die Niederländer und die Deutschen und die Franzosen haben alle diesen riesigen Fehler gemacht, als sie sagten: in Ordnung, ihre Kinder werden zu Schulen gehen und liberalere oder säkularere Sichtweisen annehmen, und stattdessen bekommt man Bouyeri [den Mörder von Theo van Gogh]“. Man fragt sich, wie die Frau sich selbst erklärt, da sie MigrantInnen aus peripheren und/oder islamischen Ländern doch eigentlich für inkonvertibel hält. Aber nach solchen logischen Ungereimtheiten braucht man Hirsi Ali nicht zu fragen. In ihrer Kultur ist man offenbar noch nicht so weit, auf die innere Schlüssigkeit und Selbstrefentialität von Argumenten zu achten.

PS: Über die Männer, die Ayaan Hirsi Ali zurzeit mit Elogen überschütten, hat Islamophobia Watch eine wunderschöne Story zusammengestellt. Es ist bezeichnend, dass die wenigen kritischen Stimmen, die es in die Medien schaffen, allesamt von feministischen Frauen stammen.


1 Antwort auf „„Nichtassimilierbar“: Hirsi Ali über MigrantInnen aus ihrer „Herkunftskultur““


  1. 1 Das geprüfte Argument Trackback am 01. Februar 2007 um 13:20 Uhr
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