Peace, Propaganda & the Promised Land

Lathandir hat bei Google-Video diesen interessanten Film von Bathsheba Ratzkoff und Sut Jhally ausgegraben, der die US-amerikanische Berichterstattung über den Konflikt zwischen Israel und den Palästinensern vornehmlich aus der Perspektive besatzungskritischer Juden fokussiert. Was ein bisschen stört, ist die Tatsache, dass „die Palästinenser“ nur als reaktive Gestalten vorkommen, aber nicht als Akteure mit eigenen Zielen, die es sich einmal zu hinterfragen lohnte. So wird beispielsweise über den Tugendterror der Islamisten kein Wort verloren, und das letzte Statement stellt die nationalistische Sehnsucht nach einem eigenen Staat sogar als irgendwie natürlich dar. Dass sich diese „Sehnsucht“ bei manchen Gruppen wie der Hamas auch auf das israelische Staatsgebiet richtet, fällt dem Sprecher dabei schon gar nicht mehr auf. Von einer allgemeinen Staats- und Nationalismuskritik kann also keine Rede sein. Trotzdem erfährt man einige Fakten über die Okkupation, die in der antideutschen Debatte gern mal unterschlagen werden. Das macht den Film auch außerhalb der USA sehenswert, an deren Medienpublikum er von Anfang bis Ende adressiert bleibt.


15 Antworten auf „Peace, Propaganda & the Promised Land“


  1. Gravatar Icon 1 Lathandir 20. September 2006 um 19:52 Uhr

    Das ist eine Haltung, die ich schon sehr oft bei israelischen Linken erlebt habe. Auf einer Lesung von Michel Warschawski sagte dieser auf eine Anfrage zum Terror der Palästinenser gegen die Israelis, dass er auf so eine Frage nicht antworten würde, denn erst einmal kämen die Palästinenser, dann die Palästinenser, dann lange nichts und dann könne man sich mit dem Terror/Antisemitismus etc. auseinandersetzen, da die Hauptleidenden nach seiner Ansicht die Palästinenser seien und erst einmal nicht die Israelis. Wohl weniger eine Verleugnung der Ziele der Hamas und Co, sondern wohl vielmehr ein seltsamer praktischer Ansatz an das Problem.

  2. Gravatar Icon 2 Nemesis 20. September 2006 um 23:16 Uhr

    Naja die müssen es ja wissen

  3. Gravatar Icon 3 bigmouth 21. September 2006 um 1:25 Uhr

    nö, die können doch auch einfach doof sein.

  4. Gravatar Icon 4 Nemesis 21. September 2006 um 3:03 Uhr

    Na und? Die müssen sich ja nicht den deutschen Kopf zerbrechen. Sie leben dort, sie leiden dort und sie sterben dort. Ich denke sie können die Lage dort besser einschätzen.

  5. Gravatar Icon 5 lysis 21. September 2006 um 3:27 Uhr

    Naja, der überwiegende Teil der Leute, die an dem Film teilgenommen haben, leben in den USA und nicht in Israel.

  6. Gravatar Icon 6 Nemesis 21. September 2006 um 15:00 Uhr

    Ich meinte das eher allgemein. Man muss z.b Uri Avnery nicht mögen, aber ich denke er kann die Lage viel viel besser einschätzen, weil er immer vor Ort ist.

    Hier redet man immer abstrakt über „Israel“ und „Palästinenser“. Im Alltag dort geht es doch nicht um die Regierung sondern um die Konfrontation der Checkpoint-Soldaten mit einfachen Menschen. Das ganze Felder der Palästinenser einfach von Siedler benutzt werden, oder das Straßenbau für Siedlungen die natürlich Infrastruktur zerstören, die eigentlich den anderen zusteht und sie davon leben. Das Ernten willkürlich zerstört werden, in dem man es verhindert das der Bauer seinen Ertrag verkaufen und liefern kann. Die Wirtschaft hängt von der Gunst der Israelis ab. Welche Instanz bestraft denn Siedler, die unrechtmäßig Olivenhaine zerstören? Die werden ja sogar noch von der IDF beschützt. Solange wir immer NUR von Antisemitismus sprechen, anstatt von diesem täglichen Frust, die diese Menschen erleiden, geht es in solchen Diskussionen immer um deutsche Befindlichkeit und nicht um Israel oder Palästina.

  7. Gravatar Icon 7 bigmouth 21. September 2006 um 16:10 Uhr

    „Ich denke sie können die Lage dort besser einschätzen.“ na, die meisten israelis sind da aber ganz ganz anderer meinung, was man so von den palästinensern hin nehmen sollte. das argument geht gar nicht auf – dann dürfte ich mir ja keien meinung zu nichts mehr bilden, was ausserhalb „meines“ landes (oder gar stadtteil) gescheiht

  8. Gravatar Icon 8 Nemesis 21. September 2006 um 16:33 Uhr

    Ich hatte einen langen Kommentar gepostet, aber nicht erschienen. Wie geht das?

  9. Gravatar Icon 9 lysis 21. September 2006 um 16:54 Uhr

    [quote comment=“5210″]Ich hatte einen langen Kommentar gepostet, aber nicht erschienen. Wie geht das?[/quote]

    Mein Spam-Filter hat zugeschlagen:

    -2: Browser unterstützt kein JavaScript
    -2.5: Verschlüsselte Nutzlast gültig: IP nicht korrekt.

    Musste deinen Kommentar erst aus der Moderationsschlange befreien.

  10. Gravatar Icon 10 lysis 21. September 2006 um 17:03 Uhr

    [quote comment=“5208″]Ich meinte das eher allgemein. Man muss z.b Uri Avnery nicht mögen, aber ich denke er kann die Lage viel viel besser einschätzen, weil er immer vor Ort ist.[/quote]
    Also ich denke, dass die Berufung auf Autoritäten bei sowas immer scheitert. Du findest doch genug Israelis, die auch „vor Ort“ sind und die zu ganz anderen Schlüssen kommen. Allerdings heißt in Israel zu leben ja auch nicht unbedingt, die Situation in den besetzten Gebieten zu erfassen. Du kannst höchstens umgekehrt einen Schuh draus machen: in Deutschland zu leben bedeutet, den Konflikt nur aus Zeitungsberichten und dem Fernsehen zu kennen. Und dort kommt der Alltag der Palästinenser eben kaum vor.

  11. Gravatar Icon 11 bigmouth 21. September 2006 um 17:51 Uhr

    aber halt auch nicht weniger als der der israelis, würde ich sagen. die deutsche presse ist da wirklich nicht einseitig

  12. Gravatar Icon 12 Nemesis 21. September 2006 um 18:49 Uhr

    Das Problem ist doch, dass der Israeli nur 5-10km entfernt von den besetzten Gebieten wohnt und keine Ahnung hat, wie es dort aussieht. Also die Israelis sind eben nicht vor Ort, sondern nur die Soldaten. Die die vor Ort sind, sind Israelis die die Lage sehr kritisch einschätzen und der Bevölkerung helfen.

    Im Grunde geht es darum, dass zwei Bevölkerungsgruppen sehr nahe beieinander leben, nur mit riesigen Unterschieden der ökonomischen Verhältnisse.

    Nach Beendigung des ersten Weltkrieges, hat man die Deutschen Unterhändler extra mit Zügen durch Frankreich gefahren, damit sie sehen, was sie dort angerichtet haben.
    Sowas könnte man mit einigen Israel-Freunden auch machen, indem man sie durch die besetzten Gebiete kutschiert. Bin mal gespannt ob sie ihre „Unfähigkeit zu Trauern“ verlieren.

  13. Gravatar Icon 13 bigmouth 21. September 2006 um 22:54 Uhr

    was heisst hier „nur die soldaten“? das ist ein beträchtlicher teil der bevölkerung! und die medien da unten sind ja auch nich gleichgeschaltet, dazu brauch man nur mal die haaretz sich angucken. und uri avnery is ja nun in israel kein völlig unbekannter.

    es ist doch einfach so: die meisten israelis haben angst und/oder wut auf die palästinenser, oder hassen sie gar. so wie umgekehrt halt auch

  14. Gravatar Icon 14 not-wendig 22. September 2006 um 3:47 Uhr

    @ Nemesis:

    1. Uri Averny labert allerdings ziemlich viel Scheiße. Da hat beispielsweise Moshe Zuckermann eine sehr viel reflektiertere Position.

    2. Ich fine es bemerkenswert wie immer wieder der NS als Vergleichsfolie für den Nahostkonflikt herhalten muss. Bei dir scheint es ja auch ein bestimmtes Bedürfnis in der Richtung zu geben: „Nach Beendigung des ersten Weltkrieges, hat man die Deutschen Unterhändler extra mit Zügen durch Frankreich gefahren, damit sie sehen, was sie dort angerichtet haben.
    Sowas könnte man mit einigen Israel-Freunden auch machen, indem man sie durch die besetzten Gebiete kutschiert. Bin mal gespannt ob sie ihre ‚Unfähigkeit zu Trauern‘ verlieren.“

    3. Und noch was. Es hat ja niemand behauptet, dass die realität frei von widersprüchen sei, aber das was du da produziert hast ist keine Dialektik. Zitat:

    „Sie leben dort, sie leiden dort und sie sterben dort. Ich denke sie können die Lage dort besser einschätzen.“

    „Das Problem ist doch, dass der Israeli nur 5-10km entfernt von den besetzten Gebieten wohnt und keine Ahnung hat, wie es dort aussieht.“

  15. Gravatar Icon 15 Nemesis 22. September 2006 um 5:01 Uhr

    NS als Vergleichsfolie? Ich habe vom Ersten Weltkrieg gesprochen. Das Lesen kann ich dir nicht abnehmen.
    Und das was ich sage soll keine Dialektik sein? Na und ich praktiziere eben nicht eine zur Methode und zum Ritual erhobene Dialekterei.

    Das du Uri scheiß findest ist eben ein Geschmacksurteil, nicht mehr, geschweige denn Beweis für etwas.

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