Habemus Pinocchio

Grad komm ich nicht mehr so viel zum Bloggen. Trotzdem möchte ich als eine Nachlese kurz auf drei historische Artikel aufmerksam machen, die sich mit dem verlogenen Vortrag des unter dem Künstlernamen „Papst Benedikt XVI.“ firmierenden Sektengurus Joseph Ratzinger auseinandersetzen. Der Hintergrund ist vermutlich hinreichend bekannt: Ratzinger, vormals Chef der Kongregation für die Glaubenslehre, bis 1965 bekannt als Congregatio Romanae et universalis Inquisitionis oder auch kurz: Inquisition (den Zusatz „heilig“ bekam sie erst 1908 durch Papst Pius X.), wusch die Geschichte seiner Kirche weiß, indem er alles Übel auf Mohammed, den Religionsstifter des Islam, projizierte. Dieser habe, so zitierte er den byzantinischen Kaiser Manuel II. Palaeologos, „nur Schlechtes und Inhumanes“ gebracht, insbesondere indem er angeblich vorschrieb, „den Glauben, den er predigte, durch das Schwert zu verbreiten“. Nun gibt es eine solche Vorschrift im Islam nirgendwo zu finden. Nicht einmal einen Missionsauftrag hat er seinen Gläubigen erteilt. Aber mehr noch sprechen die historischen Tatsachen Bände, wie Uri Avnery mit Blick auf die jüdische Verfolgungsgeschichte demonstriert:

Jesus sagte: „An ihren Früchten werdet ihr sie erkennen.“ Die Behandlung anderer Religionen durch den Islam, muß mittels eines einfachen Tests beurteilt werden: Wie haben sich die muslimischen Herrscher mehr als tausend Jahre lang verhalten, als sie die Macht hatten, „den Glauben mit dem Schwert zu verbreiten“?

Nun, sie haben es einfach nicht getan.

Viele Jahrhunderte lang herrschten Muslime über Griechenland. Wurden die Griechen Muslime? Versuchte jemand auch nur, sie zu islamisieren? Im Gegenteil, christliche Griechen besetzten die höchsten Ämter in der ottomanischen Regierung. Die Bulgaren, Serben, Rumänen, Ungarn und andere europäische Nationen lebten zeitweise unter ottomanischer Herrschaft und hielten an ihrem christlichen Glauben fest. Keiner zwang sie, Muslime zu werden und alle blieben gläubige Christen.

Die Albaner konvertierten zwar zum Islam und auch die Bosniaken. Aber niemand behauptet, daß dies unter Zwang geschehen sei. Sie nahmen den Islam an, um Vergünstigungen der Regierung zu erlangen und sich der Früchte zu erfreuen.

1099 eroberten die Kreuzfahrer Jerusalem und massakrierten willkürlich seine muslimischen und jüdischen Einwohner, im Namen des sanften Jesus. Zu jener Zeit, 400 Jahre nach der muslimischen Besetzung Palästinas, waren die Christen noch die Mehrheit im Lande. Während dieser langen Periode wurden keine Anstrengungen unternommen, ihnen den Islam aufzuzwingen. Erst nach der Vertreibung der Kreuzfahrer aus dem Land begann die Mehrheit der Bewohner damit, die arabische Sprache und den muslimischen Glauben anzunehmen – und sie sind die Vorfahren der meisten heutigen Palästinenser.

Es gibt auch keinen Beweis für einen Versuch, den Juden den Islam aufzuzwingen. Wie allgemein bekannt ist, erlebten die Juden Spaniens während der muslimischen Herrschaft eine Blütezeit, wie sie sie nirgendwo anders beinahe bis in unsere Zeit erlebten. Dichter wie Yehuda Halevy schrieben arabisch, genau wie der große Maimonides. Im muslimischen Spanien waren Juden Minister, Dichter, Wissenschaftler. Im muslimischen Toledo arbeiteten christliche, muslimische und jüdische Gelehrte zusammen und übersetzten die antiken griechischen philosophischen und wissenschaftlichen Texte. Das war wirklich das Goldene Zeitalter. Wie hätte das nur möglich sein können, hätte der Prophet die “Verbreitung des Glaubens mit dem Schwert” verordnet?

Was dann geschah, ist aber noch aufschlußreicher. Als die Katholiken Spanien von den Muslimen zurückerobert hatten, begannen sie eine Herrschaft des religiösen Terrors. Juden und Muslime wurden vor eine grausame Wahl gestellt: entweder zum Christentum zu konvertieren, massakriert zu werden oder das Land zu verlassen. Und wohin flohen die hunderttausenden von Juden, die sich weigerten, ihren Glauben aufzugeben? Fast alle von ihnen wurden mit offenen Armen in den muslimischen Ländern aufgenommen. Die sephardischen („spanischen“) Juden siedelten in der ganzen muslimischen Welt von Marokko im Westen bis zum Irak im Osten, von Bulgarien (damals ein Teil des ottomanischen Reiches) im Norden bis in den Sudan im Süden. Nirgendwo wurden sie verfolgt. Sie kannten nichts wie die Folterungen der Inquisition, die Flammen der Ketzerverbrennungen, die Pogrome, die schrecklichen Massenvertreibungen, die in fast allen christlichen Ländern bis zum Holocaust stattfanden.

Warum? Weil der Islam ausdrücklich jede Verfolgung der „Völker des Buches“ verboten hat. In der islamischen Gesellschaft war ein besonderer Platz für Juden und Christen reserviert. Sie hatten zwar nicht völlig die gleichen Rechte, aber beinahe. Sie mußten eine besondere Steuer bezahlen, waren aber vom Militärdienst befreit – eine Übereinkunft, die vielen Juden sehr willkommen war. Es wurde gesagt, daß muslimische Herrscher vor jedem Versuch – selbst mit sanfter Überzeugung – Juden zum Islam zu konvertieren, zurückschreckten, weil das den Verlust von Steuern nach sich zog.

Jeder ehrliche Jude, der die Geschichte seines Volkes kennt, kann nicht anders, als gegenüber dem Islam große Dankbarkeit zu empfinden, da er die Juden 50 Generationen lang geschützt hat, während die christliche Welt die Juden verfolgte und viele Male „mit dem Schwert“ versuchte, sie von ihrem Glauben abzubringen.

Die Geschichte über die „Verbreitung des Glaubens mit dem Schwert“ ist eine üble Legende, eine der Mythen, die in Europa während der großen Kriege gegen die Muslime – die Rückeroberung Spaniens durch die Christen, der Kreuzfahrten und die Zurückschlagung der Türken, die beinahe Wien erobert hätten – wuchsen. Ich habe den Verdacht, daß auch der deutsche Papst ehrlich an diese Märchen glaubt. Das bedeutet, daß das Oberhaupt der katholischen Kirche, der selbst ein namhafter Theologe ist, sich nicht die Mühe gemacht hat, die Geschichte anderer Religionen zu studieren.

Nun, ich glaube, dass Joseph Ratzinger sehr genau über die Kriminalgeschichte des Christentums bescheid weiß, dass er aber, wie schon der Kirchenvater Clemens von Alexandrien1, die Lüge für eine fromme Pflicht hält, wenn es um die Interessen und den Ruf seiner Religion geht.

Einem anderen Aspekt des historischen Schauermärchens, das der Papst in Regensburg ausbreitete, widmet sich Juan Cole, Professor für moderne Geschichte des Mittleren Ostens und Südostasiens an der Historischen Abteilung der Universität von Michigan/USA: der Frage, welche Rolle der Vernunft, dem Logos, im historischen Islam eingeräumt wurde, vergleicht man ihn mit der christlichen Scholastik und Theologie. Doch zunächst geht Cole noch einmal auf die erlogene Behauptung ein, der Koranvers „Es gibt keinen Zwang in der Religion“ stamme aus einer Zeit, als Mohammed noch machtlos gewesen sei:

Aber am meisten irritiert, dass der Papst einiges am Islam sachlich falsch auffasst. Er stellt fest, dass in dem von ihm angeführten Text, der Polemik eines byzantinischen Kaisers gegen den Islam, der Koran (2:256) mit der Aussage zitiert wird: „Es gibt keinen Zwang in Glaubenssachen“. Benedikt behauptet, dass dies ein früher Vers aus der Zeit sei, als Mohammed noch machtlos war.

Seine Behauptung ist nicht korrekt. Die Zweite Sure ist eine Medina-Sure aus der Zeit, als Mohammed bereits als Führer der Stadt Yathrib (später als Mekka oder ”die Stadt” des Propheten bekannt) fest etabliert war. Der Papst meint, dass ein junger Mohammed in Mekka vor dem Jahr 622 (ohne Macht) Gewissensfreiheit zuließ, aber später im Leben befahl, dass seine Religion mit dem Schwert ausgebreitet würde. Aber da die Zweite Sure tatsächlich aus der Medina-Periode stammt, als Mohammed bereits an der Macht war, ist diese Theorie nicht haltbar.

Tatsächlich drängt der Koran an keiner Stelle darauf, dass der religiöse Glaube irgend jemandem mit Gewalt aufgezwungen wird. Was er über die Religion sagt, ist folgendes:

„(2:62) All denen – seien es Gläubige, Juden, Christen oder Sabäer (Mohammed hält sie für die Johanneschristen / Anm. in ”Der Koran – Das heilige Buch des Islam”, München 1959) –, wenn sie nur an Gott glauben, an den Jüngsten Tag und das Rechte tun, wird einst Lohn von ihrem Herrn, und weder Furcht noch Traurigkeit wird über sie kommen.“

Die Idee des heiligen Krieges oder Djihad (bei der es um die Verteidigung der Gemeinschaft oder um die Errichtung der Herrschaft der Muslime geht, aber nicht um das zwangsweise Bekehren einzelner zum Glauben oder die Verbreitung des Glaubens durch Gewalt) ist also keine koranische Lehre. Die Doktrin wurde viel später ausgearbeitet, und zwar an der Front zwischen der Umayyaden-Dynastie und dem Kaiserreich von Byzanz, lange nach dem Tode des Propheten. Tatsächlich war es im Anfang schwer, sich dem Islam anzuschließen, und Christen, die Muslime werden wollten, wurden routinemäßig abgewiesen. Der tyrannische Gouverneur des Irak, al-Hajjaj, war berüchtigt für seine Zurückweisung von Antragstellern, weil er Nicht-Muslime höher besteuern konnte. Arabische Muslime hatten den Irak erobert, der damals weitgehend heidnisch, zoroastrisch, christlich oder jüdisch war. Aber man warb nicht um Konvertiten und mit Sicherheit setzte man nicht die eigene Religion zwangsweise durch.

[…]

Der Papst sagt, dass Gott im Islam transzendent und jenseits der Vernunft ist, und von ihm nicht erwartet werden kann, dass er vernünftig handelt. Er stellt dieser Konzeption von Gott die des Johannesevangeliums gegenüber, wo Gott der Logos, die dem Universum innewohnende Vernunft ist.

Doch in der muslimischen Theologie und Philosophie gab es viele Schulen. Die Mu`tazilitische Schule behauptete genau das, was der Papst sagt, nämlich dass Gott handeln muss, so wie es der Vernunft und dem Guten des Menschen entspricht. Die Herangehensweise der Mu`tazlitischen Schule ist im Zaidismus und in der Zwölferschia irakischer und iranischer Art noch lebendig. Dagegen besteht die Aschari-Schule darauf, dass Gott jenseits der menschlichen Vernunft ist und daher nicht rational erfasst werden kann. (Ich denke, dass der Papst finden dürfte, dass Tertullian und vielleicht auch Johannes Calvin mehr mit dieser Ansicht sympathisieren als er selbst.)

Was den Koran betrifft, so appelliert dieser ständig an die Vernunft beim Erkennen Gottes, lehnt Götzendienst und Heidentum ab und fragt: „Urteilt Ihr nicht vernünftig?“, „Versteht Ihr nicht?“ (a fala ta`qilun?)

[…]

Eine weitere Ironie besteht darin, dass das mit Vernunft argumentierende scholastische Christentum ein wichtiges Erbe aus dem Islam bezog. Im 10. Jahrhundert gab es sehr wenig Scholastik in der christlichen Theologie. Der Einfluss muslimischer Denker wie Averroes (Ibn Rushd) and Avicenna (Ibn Sina) bewirkte, dass Aristoteles und Plato in die christliche Theologie eingeführt wurden. An einem bestimmten Punkt hatten sich christliche Theologen in Paris sogar gespalten in Anhänger des Averroes und solche des Avicenna, und sie lieferten sich gegenseitig heftige Polemiken.

Einem dritten Aspekt widmet sich schließlich Deniz Yücel in der Jungle World: der Frage, was der Islam, verglichen mit dem Christentum, auf dem Gebiet der Lust gebracht habe (wenngleich der Autor darin irrt, dass die Bejahung der Fleischesfreuden den Islam von allen anderen abrahamitischen Religionen unterscheide. Sie unterscheidet ihn bloß vom Christentum, nicht aber von den Juden):

Jenseits davon gibt es eine weitere Möglichkeit, wie die Muslime auf die aus dem Munde Benedikts XVI. vorgetragene Kritik von Manuel II. antworten könnten. Sie könnten Zeugnis darüber ablegen, dass Mohammed etwas gebracht hat, das, zumindest im Vergleich zu den anderen abraha­mi­tischen Religion, tatsächlich neu, aber weder schlecht noch inhuman war: dass er nämlich der sexuellen Lust zu ihrem Recht verholfen und sie gar zu einem Akt der Gottesverehrung erhoben hat.

Schon der Koran spricht von der Sexualität wie von einer Nahrung, die der Mensch nicht als verbo­ten betrachten solle. Und unter den vom Propheten überlieferten Taten und Worten findet sich folgende Begebenheit: Einmal beschwerten sich seine Anhänger darüber, dass sie als arme Men­schen nicht dazu in der Lage seien, der Almosen­pflicht nachzukommen, was sie gegenüber ihren reichen Glaubensbrüdern benachteilige. Mohammed antwortete: »Jede Lobpreisung Gottes ist ein Almosen! (… ) Jede Wohltat ist ein Almosen! Und mit jedem Akt der Fleisches­lust gebt Ihr einander Almosen!« Auf Nachfrage erläuterte er, dass diejenigen, die ihre Bedürfnisse auf unerlaubte Weise befriedigten, bestraft, diejenigen aber, die dies in der erlaubten Form täten, belohnt würden.

In den Jahrhunderten nach dem Tod Mo­ham­meds scheuten selbst strenggläubige Theo­lo­gen nicht davor zurück, die Sexualität zu verherrlichen, und eine Reihe namhafter und gottesfürchtiger Männer befasste sich gar mit ihren praktischen Aspekten. So ermahnte der tunesische Scheich Nefzaui, der im 13. Jahrhundert am Hofe der Hafsiden lebte, die Gläubigen dazu, nicht blind drauflos zu rammeln, und gab genaue Anweisungen für das Vorspiel. (»Die Frau gleicht einer Frucht, die ihre Lieblichkeit erst preisgibt, wenn man sie mit der Hand reibt«.)

Besonders hervor tat sich in diesem Zusammenhang einer der bedeutendsten islamischen Theologen überhaupt, der Perser Hamid al-Ghazali, der Ende der 11. Jahrhunderts in Bag­dad lehrte. Er erkannte in der sexuellen Lust nicht weniger als einen Beweis für die Existenz Gottes: »Freilich soll der Geschlechtstrieb nicht lediglich der Kindererzeugung dienen, sondern ist auch in anderen Hinsicht eine weise Einrich­tung: Die mit seiner Befriedigung verbundene Lust, mit der sich, wenn sie von Dauer wäre, keine andere vergleichen ließe, soll nämlich auf die im Paradies verheißenen Wonnen hindeuten. Denn es wäre nutzlos, einem eine Wonne in Aussicht zu stellen, die er niemals empfunden hat. (… ) Die irdischen Vergnügungen sind daher auch insofern von Bedeutung, als sie das Verlangen nach dem dauernden Genuss derselben im Paradies wecken und so einen Ansporn für den Dienst Gottes bilden.«

Über welche Autorität aber kann für jemanden, der derlei Erkenntnisse besitzt, eine Person verfügen, die sich und seinesgleichen die obskure Pflicht zur sexuellen Enthaltsamkeit auferlegt? Was kann nach al-Ghazali ein katho­lischer Priester schon vom Paradies ahnen? Die Muslime bräuchten nur ihre alten Lehrmeister – nicht die einfältigen wahhabitischen aus den vergangenen beiden Jahrhunderten – zu studieren, um für Benedikt XVI. keinen Groll, sondern Mitleid aufzubringen. So könnten sie, anstatt sich mit ihrem Krakeel zum Schrecken und Spott des 21. Jahrhunderts zu machen, den Papst einen armseligen Ungläubigen sein lassen und sich ungetrübt und voller Wonne dem Dienst an Allah hingeben.

Ich denke, das reicht aus, um zu zeigen, dass der Papst nicht nur ein verlogener Hundsfott, sondern — selbst als Theologe — eine wandelnde wissenschaftliche Katastrophe ist. Als der gute Mann noch der „Kongregation für die Glaubenslehre“ vorstand, hat er einmal in einem Interview gesagt, dass die Inquisition ein Fortschritt gewesen sei, weil erstmals für eine Verurteilung eine Untersuchung durchgeführt werden musste.2 Wir alle kennen diese Untersuchungen: Man wirft eine gefesselte Person in tiefes Wasser. Geht sie unter und ertrinkt, war sie unschuldig. Schwimmt sie oben, ist sie eine Hexe. Rudi Thiessen vergleicht in der Jungle World diese Art der Vernunft mit der der Kritischen Theorie. Das ist gemein. Nicht jeder Kritische Theoretiker hat einen so verkorksten Zugang zur Wahrheit wie Scheit, Pankow oder Wertmüller. Und nicht alle tun es Kunstreich gleich, der Adorno für so unfehlbar hält wie die Katholen den Papst. Aber beschränkt man die Frankfurter Schule auf ihre Rezeption durch die Antideutschen, hat Thiessen natürlich vollkommen recht.

  1. Clemens in einem Brief an einen gewissen Theodoros:

    Ihnen darf man daher, wie ich oben sagte, nie nachgeben, noch auch sollte man, wenn sie ihre Fälschungen herausstellen, ihnen zugeben, daß das Geheime Evangelium von Markus ist, sondern sollte es sogar unter Eid verneinen. „Nicht alles Wahre muß allen Menschen gesagt werden.“ Aus diesem [Grund] rät die Weisheit Gottes durch Salomon „Antworte dem Toren aus seiner Torheit“ und lehrt damit, daß das Licht der Wahrheit vor denjenigen verborgen bleiben sollte, die geistig blind sind. Und wieder sagt sie „Von dem, der nicht hat, soll genommen werden“ und „Laßt den Toren in Dunkelheit wandeln“.

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  2. Ratzinger am 3. 3. 2005 in der Sendung „Kontraste“:

    wir versuchen heut‘, das was nach damaligen Methoden, zum Teil kritisierbar, gemacht worden ist, jetzt aus unserem Rechtsbewusstsein zu machen. Aber man muss doch sagen, dass Inquisition der Fortschritt war, dass nichts mehr verurteilt werden durfte ohne Inquisitio, dass heißt, dass Untersuchungen statt finden mussten.

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12 Antworten auf „Habemus Pinocchio“


  1. Gravatar Icon 1 lysis 08. Oktober 2006 um 7:28 Uhr

    Zur Relativierung sollte man allerdings auch das hier lesen:

    „Der Islam will die Welteroberung“ Von Egon Flaig, Prof. für Altertumswissenschaften an der Uni Greifswald. Erschienen in der FAZ vom 15. September 2006.

    Auch wenn ich es für eine krude, populistische Aufrechnerei halte, ist es doch mit einigen Fakten getränkt, die der Idealisierung der Geschichte des Islam (oder auch des biblischen Judentums) vorbeugen können.

  2. Gravatar Icon 2 bigmouth 08. Oktober 2006 um 11:46 Uhr

    der witz ist aber doch, dass der koran aber sehr wohl so verstanden werden kann, dass der islam seine machtsphäre ausdehnen soll – keien zwangskonversion, aber eine kriegerische ausweitung des Dar al-Islam, der politischen herrschaft muslimischer herrscher. die haben die spanier nicht zwangskonvertiert, aber trotzdem spanien erobert. oder indien. da sind aber natürlich auch weltliche, machtpolitische und wirtschaftliche gründe vorhanden gewesen.

  3. Gravatar Icon 3 bigmouth 08. Oktober 2006 um 12:06 Uhr
  4. Gravatar Icon 4 lysis 08. Oktober 2006 um 13:54 Uhr

    der witz ist aber doch, dass der koran aber sehr wohl so verstanden werden kann, dass der islam seine machtsphäre ausdehnen soll – keien zwangskonversion, aber eine kriegerische ausweitung des Dar al-Islam, der politischen herrschaft muslimischer herrscher.

    Das bestreitet doch auch niemand, aber das hat der Papst ja auch nicht behauptet. Er redet von der Ausbreitung des Glaubens mit dem Schwert und spricht davon, dass das darauf zurückzuführen sei, dass Gott als jenseits menschlicher Vernunft gedacht werde, weshalb die Konversion zum Islam kein rationaler Übergang sei, der als solcher nicht erzwungen werden könne. Nun ist das aber eine Argumentation, die den von dir dargelegten Sachverhalt völlig auf den Kopf stellt. Oder um es mit Flaig zu sagen, der nun wahrlich nicht Position für den Islam und gegen den Papst ergreift:

    Lautete der Missionsauftrag Jesu, alle Völker zu bekehren, ihnen aber ihre politische Ordnung zu lassen, so besteht das Ziel des Islam darin, alle Nichtmuslime politisch zu unterwerfen, ihnen aber ihre Religion zu lassen, falls es Buchreligionen sind.

    Tatsächlich hat Zwangskonversion hauptsächlich (und regelmäßig, nämlich schon seit den Eroberungen Karls des Großen) auf christlicher Seite stattgefunden. Und indem der Papst das leugnet, verdreht er die Geschichte.

  5. Gravatar Icon 5 mkb 10. Oktober 2006 um 16:30 Uhr

    Seltsam: immer wenn a) negative Dinge über das Christentum und/oder b) positive Dinge über den Islam berichtet werden, taucht ein Schema auf, wieder und wieder: es wird eine weit entfernte Vergangenheit bemüht. Herr Avnery macht da keine Ausnahme.

  6. Gravatar Icon 6 lysis 11. Oktober 2006 um 1:58 Uhr

    Entschuldige, aber du solltest mal den Ausgang der Debatte zur Kenntnis nehmen. Dabei ging es um die Vergangenheit, insbesondere um ein Zitat des byzantinischen Kaisers Manuel II. Palaeologos.

    Darüber hinaus kann die Kirche nun wirklich nichts dafür, dass sie ihre gesellschaftliche Machtstellung verloren hat. Inhaltlich geändert hat sie sich jedenfalls nicht.

    Und dort, wo Christen noch Einfluss haben, ist es zum Kotzen!

  7. Gravatar Icon 7 lysis 11. Oktober 2006 um 2:09 Uhr

    Beispiel gefällig?

    In Namibia, homosexuals have been blamed for severe drought by religious leaders, who insist their wicked behavior displeases God. Government officials, who have threatened to deport gays, accuse them of trying to depopulate the country and describe their lifestyle as a kind of cancer, threatening to spread and lead to „social disorder.“

    […] Some Namibian gays find themselves subject to brutal „cures.“ Families arrange to have lesbian daughters raped to show them the „right“ way to behave. Gay men are held down by police and earrings are ripped from their ears. A leading government official has written a treatise describing how homosexuals can be „cured“ by sawing off the top of the skull and washing the brain with a chemical solution.

    What is remarkable is that Namibia’s outspoken homophobia is relatively new. A decade ago, gay men held hands on the streets of Windhoek, seen as a homosexual mecca for southern Africa. For generations lesbians and to a lesser extent gay men were quietly accepted in at least some of Namibia’s ethnic cultures.

    […] Since then government officials — most of them from northern Owamboland, Namibia’s richest, most populous and most traditionally homophobic region — have tried to criminalize gay sex and threatened to deport homosexuals. In heavily Christian Namibia, the government has promoted a view of homosexuality as un-Christian and as an imported European deviation.

    The problem with that view, gay-rights activists say, is that Christianity itself is a European import in much of Africa. Over centuries of colonization most of the continent’s rich oral tradition was lost, making Africa’s traditional views on homosexuality unclear. What is evident, however, is that gays were an accepted part of at least some African societies.

    […] „People say it’s imported colonial behavior,“ Somerville [editor of Behind the Mask, a Web site for gay Africans] said. „But in fact the opposite is true. The colonialists, if anything, tried to stamp it out. They were, after all, the Victorians.“

  8. Gravatar Icon 8 Gast 14. Oktober 2006 um 7:41 Uhr

    Na da musstest du aber lange suchen, um eine geeignetes Beispiel zu finden, gelle? Wenn man sich mal die Karte auf der verlinkten Seite anschaut:

    http://www.sodomylaws.org/world/world.htm

    zeigt sich eine große rote Zone der Homosexuellenverfolgung von Marokko bis Indonesien, fast alles Länder mit muslimischer Bevölkerungsmehrheit.

    Passte aber so offenbar nicht ins Bild.

  9. Gravatar Icon 9 lysis 14. Oktober 2006 um 17:48 Uhr

    Für wie realistisch hältst du denn eine Karte, in der Kansas, Polen, Rußland und ganz Osteuropa weiß sind, während z.B. Ägypten, in dem es überhaupt keine Strafgesetze gegen „Homosexualität“ gibt, ein rotes Land ist?

    Ich würde mal sagen, so eine Karte ist a) nicht zu gebrauchen und b) politisch extrem verzerrt.

    Aber davon abgesehen lernt jeder, der sich mit der „Geschichte der Homosexualitäten“ beschäftigt, als erstes, dass der Text von Strafgesetzen relativ irrelevant ist, um zu beurteilen, ob so etwas wie „Verfolgung“ vorliegt.

    In Skandinavien galt zum Teil unmittelbar biblisches Recht, „Sodomie“ war in jedem Fall verboten, aber eine Verfolgung fand dort bis ins 20. Jahrhundert einfach nicht statt.

  10. Gravatar Icon 10 lysis 14. Oktober 2006 um 17:59 Uhr

    Das Absurdeste ist aber, dass die Kartenmacher noch nicht einmal selbst ihren Standpunkt stringent durchhalten, nach dem westliche Staaten vorzugsweise als weiß einzuzeichnen seien. Man schaue sich nur mal diese Karte der USA an, die sich auf der gleichen Seite findet!

  11. Gravatar Icon 11 kranich05 14. Oktober 2006 um 21:41 Uhr

    Ich spar mir mal alle gelehrte Argumentation.
    Ist das sehr schlimm?
    http://opablog.twoday.net/stories/2770521/

  1. 1 subwave - exakt neutral :: die letzte waffe der aufklärung Pingback am 20. Dezember 2006 um 23:52 Uhr
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