Wow, eigentlich war es genau das, worüber ich als nächstes eine Story schreiben wollte: das unsägliche Interview von Klaus-Michael Mallmann, Koautor des Buchs Halbmond und Hakenkreuz, mit der postantideutschen Jungle World. Nun hat das suqong schon sehr viel besser — und mit mehr Faktenwissen — erledigt, als ich das je könnte. Trotzdem möchte ich es mir nicht ganz nehmen lassen, noch etwas bei den Absurditäten dieses Gesprächs zu verweilen.
Eigentlich kann man zu dem ganzen Thema nur noch Folgendes sagen: Wem bei dem Interview überhaupt nichts aufgefallen ist, dem muss irgendeiner gründlich in den Kopf geschissen haben. Das fängt schon mal bei der Tatsache an, dass alle relevanten historischen Aussagen im Konjunktiv formuliert sind, auch wenn der Herr seine Fragen von den Starjournalistinnen Kerstin Eschrich und Heike Runge ausnahmsweise einmal im Indikativ gestellt bekommt:
JW: Sie stellen dar, dass es Deutschland […] mittelfristig darum ging, den Holocaust im Nahen Osten zu organisieren. Inwiefern war die arabische Seite in diese Planungen einbezogen?
Wie weit die Ermordung gegangen wäre, ist eine offene Frage. Dass sich die Araber in Palästina auf die Juden gestürzt hätten, steht aber außer Frage. […] Dass die arabische Seite bewaffnet war, Erfahrung hatte im Umgang mit Waffen, steht auch außer Frage. Von jüdischer Seite wäre natürlich auch bewaffnete Gegenwehr gekommen, aber auf einem relativ schwachen Niveau. Der Holocaust in Palästina hätte mutmaßlich, so er stattgefunden hätte, weit militärischere Formen angenommen als etwa in der Sowjetunion, wo das Judentum weitgehend unbewaffnet war.
Fällt jemandem was auf? Die Antwort hatte gar nichts mit der Frage zu tun. Wen wundert’s, denn der Lehrstuhl-Historiker hätte sie, wenn er ehrlich gewesen wäre, mit einem kurzen und knappen „Überhaupt nicht“ beantworten müssen. Stattdessen posaunt er heraus, was laut seinen Annahmen passiert wäre, wenn Erwin Rommel bis nach Palästina vorgestoßen wäre. Nun, vermutlich dasselbe wie in Frankreich und Polen, ohne dass man je Bücher mit Titeln wie „Hakenkreuz und Trikolore“ oder „Hakenkreuz und weißer Adler“ gelesen hätte (obwohl doch der Antisemitismus in diesen Ländern geradezu sprichwörtlich ist): Die Deutschen hätten, ob unter bewaffneter Gegenwehr oder nicht, versucht, jeden einzelnen Juden zu ermorden, und das mit genauso wie ohne arabische Kollaboration.
Da wir uns aber schon mal auf der Ebene kontrafaktischer — also wissenschaftlich nicht falsifizierbarer — Geschichtsschreibung befinden, passen sich unsere Starjournalistinnen, flexibel wie sie sind, prompt an den Konjunktiv ihres Gesprächspartners an:
JW: Gibt es Zahlen darüber, wie viele Opfer der Genozid gefordert hätte und welche Länder neben Palästina betroffen gewesen wären?
Zahlen? Über etwas, das gar nicht stattgefunden hat? Doch unser Lehrstuhl-Historiker gerät auch hier nicht in Bedrängnis, sondern setzt seine Rede im Konditional fort:
Im Grunde wäre das ganze sephardische Judentum betroffen gewesen, mit relativ großen Gemeinden in Ägypten, im Irak, im Iran, partiell auch in Syrien. […] Ob man von deutscher und arabischer Seite einzelne »Kompromisse« gemacht hätte wie in Polen, also gesagt hätte, arbeitsfähige Juden lassen wir leben, kann man nicht beantworten. Tendenziell wäre es aber wie in Europa auf eine Gesamtliquidierung des Judentums der Region hinausgelaufen.
Dass der Holocaust auf totale Vernichtung der Juden zielte, ob es sich nun um Sephardim oder Aschkenasim handelte, ist sehr richtig. Nur was ist an dieser Erkenntnis neu? Waren sich die Jungle World-
JW: Auch von arabischer Seite soll es keine Berührungsängste gegenüber den selbst ernannten Herrenmenschen gegeben haben.
Jedenfalls keine allzu großen. Ab 1933 ließ der Mufti von Jerusalem regelmäßig an die Türen der Deutschen klopfen, um seine Bereitschaft zum Bündnis anzubieten.
Mallmann setzt also, ohne mit der Wimper zu zucken, die Einzelperson des Muftis mit der arabischen Seite gleich. Dass führende Araber wie der Sultan von Marokko, der Bei von Tunis und der Vorsteher der Großen Moschee von Paris den Juden gegen die Deutschen halfen, interessiert ihn nicht, und er weiß es vermutlich auch gar nicht. Klingt nach seriöser Forschung, nicht wahr? Mindestens so seriös wie der folgende Offenbarungseid:
Die Frage nach der Beschaffenheit des arabischen Antisemitismus konnten und wollten wir nicht lösen. Das müssten die Arabisten beantworten, die mit ihren Sprach- und Quellenkenntnissen an den arabischen Urquellen arbeiten.
Die beiden Autoren des Buchs — Klaus-Michael Mallmann und Martin Cüppers — können also nicht nur kein Arabisch, sie haben auch gar keine Quellen außerhalb bundesdeutscher Archive gesichtet. Ist es da nicht eine Unverschämtheit, eine Studie über die deutschen Holocaust-Planungen im Nahen Osten, in die kein einziger Araber eingeweiht war, unter einem Titel wie Halbmond und Hakenkreuz zu veröffentlichen und damit das Symbol einer 1400 Jahre alten Religon mit dem Zeichen der Nazi-Mörder auf eine Stufe zu stellen? Aber nein doch, was man braucht, ist Phantasie:
Historiker hängen sich gerne an das Faktische. Wirklich geschehen ist etwas in Europa, in Osteuropa usw., aber nicht im Nahen Osten. Historiker sind auch nicht unbedingt sehr phantasievoll. Sie sehen, dass Rommel in El Alamein geschlagen wurde, damit war er militärgeschichtlich abgehakt.
Die Studie von Mallmann und Cüppers ist demnach eines der ersten Werke in einem neuen, parawissenschaftlichen Genre, das sich nicht mehr mit der Geschichte befasst, „wie sie wirklich gewesen ist“, sondern mit der Geschichte, wie sie hätte sein können und wie sie sich die beiden Autoren bar jeden Zugangs zu „den arabischen Urquellen“ in ihrer Phantasie ausgemalt haben.
Stellt sich nur noch die Frage, ob jemand außerhalb der Jungle World wirklich so dumm sein kann, so etwas ernst zu nehmen. Aber ja doch, auch die ZEIT ist auf die beiden Hochstapler hereingefallen, was aber angesichts eines durch neokonservative Kolumnen einschlägig vorbekannten Herausgebers wie Josef Joffe nicht wirklich zu erstaunen vermag. Und die KONKRET — auch das kein Wunder — wirft das Buch ihren Neuabonnent_innen sogar kostenlos als Prämie hinterher.

„Die Studie von Mallmann und Cüppers ist demnach eines der ersten Werke in einem neuen, parawissenschaftlichen Genre, das sich nicht mehr mit der Geschichte befasst, “wie sie wirklich gewesen ist”, sondern mit der Geschichte, wie sie hätte sein können“
Ich kenne mich im Wissenschaftsbetrieb der Historiker nicht so aus, aber ich habe mal gehört, es gäbe tatsächlich so eine Richtung, die Aussagen nach dem Schema „was wäre gewesen, wenn (nicht)…“ probiert. Demnach käme Mallmann und Cüppers noch nicht mal die Ehre zu die „Ersten“ gewesen zu sein.
Nun, du hast recht. Wikipedia notiert dazu:
Dass in bestimmten Zweigen der Geschichtswissenschaft, vor allem der polit-ideologisch durchtränkten „Neuesten Geschichte“, allerhand Blödsinn unterwegs ist, hätte ich mal bedenken sollen.
Das Buch von Mallmann und Cüppers erscheint ja auch nicht umsonst gerade jetzt, wo’s darum geht, Kriege zu legitimieren und die Araber als Feindbild zu zementieren.
A propos Araber: Das Interview ist ja nahe dran, den Iran der sog. arabischen Welt zuzuschlagen. Ein Perser in der damaligen Zeit hätte sich vermutlich die Augen gerieben, dass dieser Ludwigsburger Professor einen von den Briten widerrechtlich eingesetzten sunnitischen Provinzmufti, der schon unter den palästinensischen Arabern äußerst umstritten und bekämpft war, den die meisten Iraner aufgrund seiner fremden Sprache niemals verstehen konnten und von dem sie vermutlich auch noch nie etwas gehört hatten, zu ihrem national-religiösen Sprachrohr küren würde! Aber so geht eben deutscher Orientalismus: er versagt den Moslems die Ehre, sie zu differenzieren.
Sehr schön, freut mich, dass du dich auch mit den Revisionisten auseinandergesetzt hast!
Bei dir aber auch bei suquong hat sich ein kleiner linguistischer Lapsus eingeschlichen. Bei euch beiden steht diese „Was wäre wenn-“ Historiker würden ihre Aussagen im Konditional formulieren. Dann folgen aber Aussagen im Konjunktiv Plusquamperfekt(wäre/hätte + Partizip Perfekt). Der Konditional ist im Deutschen gar keine real existierende Zeitform, wie z.B. im Französischen und anderen romanischen Sprachen. Das Deutsche kennt nur die (immer mehr aus dem Sprachgebrauch verschwindenden) Konjunktivformen I + II.
Der Konjunktiv des Interviews war mir auch unangenehm aufgefallen. Ich denke, es läßt sich auf den Umschlagpunkt in El Alamein mit dem Verweis auf das möglicherweise Abgewendete eingehen, aber dann ist auch gut damit. Alles andere muß in einem größeren Rahmen faschistischen Antiimperialismus verhandelt werden, in dem dann die arabische, besonders die irakische Kollaboration mit den Deutschen neben der indischen mit Japan stehen müßte. Sonst hängt das wirklich böse durch.
So absurd, wie du es hinstellen möchtest, ist es denn aber auch wieder nicht, da wir nicht von „Hakenkreuz und Trikolore“ sprechen, weil heute keine französischen Terrorbrigaden unter Berufung auf Naziideologie Juden umbringen.
Erstens ist die Hamas eine palästinensische Nationalbewegung und kann ja wohl nicht sämtlichen Arabern (respektive Muslimen) in die Schuhe geschoben werden. Zweitens beruft sich auch die Hamas nicht auf die Nazi-Ideologie, sondern auf die „Protokolle der Weisen von Zion“. Und die sind ja nun wahrlich kein deutsches Fabrikat. Drittens ist es trotz ihres virulenten Antisemitismus nicht das Ziel der Hamas, alle Juden umzubringen, sondern „die zionistischen Besatzer“ aus dem Land zu werfen. Selbstmordanschläge richten sich ähnlich nicht nur gegen Juden, sondern auch gegen Russen, Amerikaner und Briten, was eine rein antisemitische Verursachung dieser abscheulichen Praxis eher implausibel erscheinen lässt. Viertens wird „Mein Kampf“ auch in Polen überall feilgeboten, nur dass der Antisemitismus dort trotzdem eher katholisch als nazistisch geprägt ist. Ein Hinweis darauf, sich die Sache mit dem Ideologieimport nicht zu einfach vorzustellen.
historische spekualtion ist im angelsächsischen sprachraum übrigens durchaus verbreitet
wo is denn nemesis? der hatte sich doch positiv zu dem buch geäussert, seine meinung würde mich mal interessieren – immerhin hat er das buch auch gelesen
Es gibt übrigens ein Sammelband mit dem Titel „Was wäre Wenn…“. Es geht dort explizit darum, wie sich die Geschichte entwickelt hätte bei alternativem Ausgang berühmter Ereignisse. Nicht zu erwähnen, das hier die Wissenschaft einen interessanten Impuls aus der Sifi-Literatur bekommen hat mit ihren Alternativ-Welten-Romanen. Siehe „Vaterland“, „Orakel am Berge“ & Co.
Das nur so am Rand…
[quote comment=“7214″]historische spekulation ist im angelsächsischen sprachraum übrigens durchaus verbreitet[/quote]
aber nicht in den büchern, die ich kenne. generell ist die angelsächsische geschichtswissenschaft der deutschen bei weitem überliegen, weil sie methodisch offener ist. mag sein, dass als schattenseite davon so ein hanebüchener blödsinn wie kontrafaktische geschichtsschreibung möglich wird, ohne dass er von fachkollegen sofort in den boden getrampelt wird. allerdings kann ich mir nicht vorstellen, dass so etwas kritiklos durchgeht oder gar in der lage wäre, schule zu machen. das scheinen mir dann doch eher außenseiterphänomene zu sein.
das problem an kontrafaktischer geschichte ist ganz einfach: sie entzieht sich der falsifizierung. eine phantasie kann nicht überprüft werden. deshalb ist das keine wissenschaftliche methode, sondern gehört in den bereich „historischer roman“ bzw. „science-fiction-literatur“. natürlich ist es legitim, so etwas zu publizieren, aber es hat halt keinerlei wahrheitsverbürgende bedeutung, sondern ist, wie bei niall ferguson, nichts als eine politische provokation. als solche sollte man es dann allerdings auch kennzeichnen!
natürlich hab ich das buch von mallmann und cüppers nicht gelesen. ich kann es nicht beurteilen, aber was ich beurteilen kann, ist das interview, das mallmann der jungle world gegeben hat und also die konkrete ideologievermittlung, die damit betrieben wird.
nemesis, schreib‘ doch mal was zum buch!
dass geschichtswissenschaft immer falsifizierbar wäre, wäre mir ebenfalls neu…
[quote comment=“7222″]dass geschichtswissenschaft immer falsifizierbar wäre, wäre mir ebenfalls neu…[/quote]
also geschichtswissenschaft ist ja nun wohl die empirischste sozialwissenschaft, die es so gibt! und selbst in der physik gibt es einen theoretischen überschuss, der sich nicht falsizifieren lässt, so dass ich dein argument zugunsten gezielt unwissenschaftlicher literatur, die mit fiktiven geschichtsverläufen arbeitet, nicht so richtig begreifen kann.
was in der geschichtswissenschaft problematisch ist, ist die ebene der kausalität und der verallgemeinerbarkeit. es ist halt keine experimentelle wissenschaft, aber deswegen sollte man es auch bleiben lassen, fiktive experimente anzustellen.
Selten so einen Unsinn gelesen. Ja, es sind Vermutungen, aber diese Vermutungen basieren auf fakten. Man kannte die Zahl der Juden in Nahost und deshalb kann man schätzen,glauben etcpp dass alle Ermordet worden wären!
Zudem: Er redet nicht am Thema vorbei, er erklärt es nur Ausführlich.
Wage zu denken!
[quote comment=“7440″]Selten so einen Unsinn gelesen.[/quote]
Dito!
[quote]Ja, es sind Vermutungen, aber diese Vermutungen basieren auf fakten. Man kannte die Zahl der Juden in Nahost und deshalb kann man schätzen, glauben etcpp dass alle Ermordet worden wären![/quote]
Und woher nimmst du diese Vermutung? Was veranlasst dich zu der Annahme, dass, wie Herr Mallmann allen Ernstes behauptet, im Iran die Juden umgebracht worden wären, wenn die Wehrmacht Palästina erreicht hätte? Was hat bitteschön das eine mit dem andern zu tun? Da ist doch überhaupt keine Logik in den Sätzen dieses Mannes!
Und bitte: die Nazis waren zumindest in Nordafrika, nur wo war das der Anlass für Pogrome der arabischen Bevölkerung gegen die dort lebenden sephardischen Juden? Gewiss, es hat Araber gegeben, die mit den Nazis kollaboriert haben, mehr aber auch nicht.
[quote]Zudem: Er redet nicht am Thema vorbei, er erklärt es nur Ausführlich.[/quote]
Doch das tut er. Er beantwortet die ihm gestellte Frage: „Inwiefern war die arabische Seite in diese Planungen einbezogen?“ mit keinem Wort. Und warum nicht? Weil die Antwort gelautet hätte: „Überhaupt nicht. Es gab keine Beteiligung ‚der‘ arabischen Seite an den Holocaust-Planungen der Nazis. Es existiert keine einzige Quelle, die so etwas belegen würde.“
[quote]Wage zu denken![/quote]
Dito!
Ihre Dialektik ist nicht ernst gemeint, oder? Muslimische SS gab es nicht, der Mufti hat sie nie besucht, so wird´s sein. So muss man mit ihnen also annehmen, die antisemitischen Araber (die pro-zionistischen, es gab sie auch, waren längst unter dem Mantel und ohne Einfluß) wären wie Jean in Frankreich beim Weissbrot in Jerusalem sitzen geblieben, wenn Rommel und die Sondereinsatztruppen durch´s Stadttor marschiert wären. So als wäre der eliminatorische Antisemitismus nicht im Koran selber als Bestandteil verankert. Sicher nicht. Genau.
PS. Natürlich gab es eine harsche Beteiligung von Arabern am Holocaust. Machen sie sich mit den Interventionen des Muftis Husseini vertraut, als es um „Austausch-Juden“ ging, denen dieser Mensch, verankert in der Tradition und Ideologie der Muslimbrüder, nach Intervention bei den Deutschen ein sicheres Grab in Auschwitz verschaffte. Also reden sie nicht solch unqualifizierten Unsinn, nur weil ihnen dies ideologisch in den Kram passt. Das, worunter Israel heute leidet, ist derselbe mörderische Wahn, dem der Anhänger und Onkel Arafats damals verfallen war und den dieser nach dem Krieg noch stärker in die Region einpflanzen durfte und konnte. Die Situation ist die gleiche: würden heute die Juden alle Waffen weglegen, wären sie morgen nicht mehr. Würden Araber ihre Waffen niederlegen, könnten sie übermorgen arbeiten gehen. Wer das leugnet, ist ein Narr.
[quote comment=“7463″]PS. Natürlich gab es eine harsche Beteiligung von Arabern am Holocaust. Machen sie sich mit den Interventionen des Muftis Husseini vertraut, als es um „Austausch-Juden“ ging[/quote]
Sie können nicht lesen, oder? Es ging, in der Frage der Jungle World, um die Beteiligung an Holocaust-Planungen, und zwar genauer noch: an den Holocaust-Planungen im Nahen Osten. Am Holocaust selbst waren zahllose Menschen beteiligt, darunter auch viele Nichtdeutsche: Ukrainer, Franzosen, Griechen. Und natürlich auch der Mufti von Jerusalem. Nur die Planungen dazu, die organisatorische Federführung, lag allein in deutscher Hand. Diese Schuld Ihrer Vorfahren werden Sie nicht über den Mufti auf die Araber abschieben können. Das funktioniert nicht. Mit dieser nationalen Schande müssen Sie schon selber leben!
Noch einmal für Sie zusammengefasst: Es gibt keine belegbare Beteiligung von Arabern an den Holocaust-Planungen im Nahen Osten. Nehmen Sie das mal zur Kenntnis, bevor Sie anderen
attestieren! Sowas ist nämlich eine Unverschämtheit, wenn man daraufhin selber mit unqualifiziertem Unsinn aufwartet.
Wenn Israel unter etwas leidet, dann ist es seine eigene Besatzungspolitik. Es kann nicht fremde Gebiete annektieren wollen und gleichzeitig den darin lebenden Menschen die Bürgerrechte verweigern und sie wie den letzten Dreck behandeln. Für einen Staat, der versucht, das Apartheidsmodell im Nahen Osten einzuführen, hege ich nur gedämpfte Sympathien. Bis vor kurzem hielt ich solche Vergleiche noch für Propaganda. Aber dann las ich die Ha‘aretz und das hat mich wahrlich umgehauen:
Diese antideutsche Umkehrung, die aus den Palästinensern die Aggressoren und aus den Besatzern und Landdieben die bemitleidenswerten Opfer macht, werde ich nicht mitmachen. No way!
Ich geb hier mal eben den Kommentar weiter, den mir Lathandir per Instant Messaging hat zukommen lassen:
Warum er nicht mehr kommentieren kann, weiß ich nicht. Im Spamfilter hab ich jedenfalls keinen Kommentar von ihm gefunden …
Die Kritik am Jungle Interview ist nicht schlecht. Allerdings wirst du, wenn du dich für die Geschichte Israels, des Nahostkonflikts und der islamistischen Bewegung interessierst, nicht drum rum kommen auch in das Buch reinzuschauen. Darin Ungenauigkeiten und Spekulationen zu finden dürfte etwas schwerer fallen.
on dit ‚révisionnisme à l‘allemande‘, wenn schon!