Der Amokdeutsche von Emsdetten

Hier stand mal eine Story über den Amokdeutschen von Emsdetten, die ich dann aber rückwirkend in ihrer Aufmachung selber zu blöd fand. Um die durchaus interessante Diskussion, die sich daran anschloss, nicht ins Nirwana zu schicken, hab ich daraus eine SideNote gemacht. Es ging im Wesentlichen um den Abschiedsbrief, in dem der Amokläufer Elemente linker Herrschaftskritik mit Vernichtungswahn und eliminatorischem Rassismus verband. Der Vergleich, den ich daraufhin mit der KONKRET anstellte, ist nach meinem jetzigen Gefühl schlicht und einfach „over the top“ gewesen.


53 Antworten auf „Der Amokdeutsche von Emsdetten“


  1. Gravatar Icon 1 Isnogud 21. November 2006 um 23:10 Uhr

    „Ekelerregend“ bist ehrlich gesagt manchmal auch du (die Konkret? geschenkt), wenn du solche Vorfälle nur als Anlass nimmst, um deine politischen Feinde zu dissen und deine intellektuelle Eitelkeit zu pflegen. Albern wirds dann zudem noch, wenn die Verbindungen so bemüht und spekulativ daher kommen wie hier. Du bist echt einer der Antideutschesten.

  2. Gravatar Icon 2 bigmouth 21. November 2006 um 23:27 Uhr

    das problem ist, dass im kontext deines blogs satirische überhöhung manchmal schwer zu erkennen ist…

    ich kenne muchel als slangausdruck f türkische eckensteher und wannabe-gangsta, die im winter diese dicken daunenjacken tragen, und einen auf dicke hose machen. die wortherkunft ist mir auch nach googlen nicht klar

  3. Gravatar Icon 3 lysis 22. November 2006 um 0:51 Uhr

    @Isnogud: Es war mir klar, dass der grenzpolemische Charakter dieses Beitrags nicht bei jedem gut ankommen würde. Worum’s mir aber vor allem ging, war genau diese Überhöhung eines Massenmords zum unerklärlichen „Unfall“ anzugreifen, so als wäre 1. das keine bewusst überlegte Tat gewesen, 2. der Typ irgendwie irre und 3. seine Gedanken nicht von dieser Welt.

    Um den innerweltlichen Charakter seines Vernichtungsrassismus („Sie sollten alle vergast werden“) zu kennzeichnen, hätte es wahrscheinlich genauso getan, die BILD-Zeitung und ihre notorische Dauerhetze gegen Nichtdeutsche anzuführen. Bei einem Menschen mit derart linken Hintergrund fällt einem allerdings eher die KONKRET ein, deren Aufstachelung zum Hass gegen muslimische ImmigrantInnen nicht weniger notorisch ist. Dass der Typ die KONKRET wahrscheinlich gar nicht gekannt hat, ist mir schon klar. Es geht mir ja auch eher um die Tatsache, dass die Amalgamierung eines emanzipatorischen Wertesystems mit einem eliminatorischen Rassismus nichts Außerirdisches ist, sondern in großen Teilen der Linken zum guten Ton gehört. Und dass mit dieser Ideologie mal einer zum Selbstmordattentäter wird, weil sein Leben nunmal tatsächlich objektiv beschissen ist und er im Suizid die passende Gelegenheit findet, seine Phantasien in die Tat umzusetzen, ist, finde ich ehrlich gesagt, nicht so ungeheuer schwer zu erklären.

    Dass ich diesen Gedankengang ausgerechnet an KONKRET und BAHAMAS exemplifiziert habe — mit ihrer Verteidigung von Fallaci und deren Drohung, Flüchtlingszelte in Brand zu setzen —, ist, wie bigmouth richtig bemerkt hat, die kleine satirische Spitze, die ich mir erlaubt habe. Wenn du darüber nicht schmunzeln kannst, ist das dein Problem und nicht meins. Immerhin hat dieses Arschloch es nicht geschafft, jemanden anderen als sich selbst zu töten, was doch allemal Anlass zu einem kleinen, aber lehrreichen Späßken geben sollte.

    Was mich aber wirklich nervt, ist, wenn Rassismus nicht ernst genommen wird, so als handelte es sich dabei gar nicht um einen Aufruf zum Mord, so als ging’s bei meiner Auseinandersetzung mit „anti“deutschen Hetzern bloß um deren Hang zur verbalen Diskriminierung und ihren zersetzenden Einfluss auf die deutsche Friedenslinke; so als wär‘ die implizite Aufforderung eines Justus Wertmüller, Molotow-Cocktails in islamische Gebetshäuser zu werfen, bloß ein Eklat, weil er sich dabei nicht an die gängigen Sprachnormen für den innerlinken Diskurs hält.

    Und was deinen Satz angeht:

    Du bist echt einer der Antideutschesten.

    hast du natürlich vollkommen recht. Hab ich das je in Frage gestellt? Was glaubst du, warum ich bei antiislamischen Hetzern vom Schlage Pankows und Kunstreichs das „antideutsch“ in Anführungszeichen schreibe?

    @Bigmouth: Der Typ spricht in dem Zitat explizit von „Türken“, so dass ich ehrlich gesagt nicht weiß, wo dein Verständnisproblem liegt, zumal er mit dem, was er ihnen vorwirft, nicht hinter dem Berg hält: sie „kommen […] nach Deutschland, dem Sozialamt der Welt, und lassen hier die Sau raus. Sie sollten alle vergast werden“. Gibt’s da noch irgendwo offene Fragen? Der Typ hält ihnen vor, MigrantInnen zu sein, den „deutschen Sozialstaat auszunutzen“ (was für ein Vorwurf aus dem Munde eines Massenmörders!) und sich nicht so devot zu verhalten, wie sich das für „Gastarbeiter“ gebührt. Dass der vielleicht auch „gute Türken“ anzuführen weiß und ein bisschen herumzudifferenzieren versucht, indem er das Ganze auf die „HipHopMuchels“ und „Kleingangster“ zuschneidet, ist auch nur eine Variante der altbekannten Verteidigungsmasche von Rassisten: „Ich bin kein Ausländerfeind, einige meiner besten Freunde sind Ausländer, aber diese Muchels, die den deutschen Sozialstaat ausnutzen, gehören alle vergast!“

    Allgemein: Gewöhnt euch halt mal an, Texte cum grano salis zu lesen. Es ist echt überflüssig, bei einer offenkundigen Polemik auf die sicher richtige, aber irrelevante Tatsache gestoßen zu werden, dass der Typ vermutlich gar kein KONKRET-Abo hatte — wo’s doch tatsächlich darum geht, wie man der Vermischung eines linken mit einem eliminatorisch-rassistischen Weltbild einen Riegel vorschiebt.

    So, ihr Spaßbremsen, das war’s jetzt aber!

  4. Gravatar Icon 4 phex 22. November 2006 um 10:58 Uhr

    ein eliminatorischer rassismus… das grenzt ja an relativierung

  5. Gravatar Icon 5 besserscheitern 22. November 2006 um 11:21 Uhr

    Wieso „grenzt“ der Begriff nur daran?

  6. Gravatar Icon 6 Lathandir 22. November 2006 um 12:39 Uhr

    Phex, du bist ja ne Pfeife. Wie soll man das denn nennen, wenn einer zum Massenmord an MuslimInnen aufruft?

  7. Gravatar Icon 7 lysis 22. November 2006 um 13:22 Uhr

    [quote comment=“7415″]Wieso „grenzt“ der Begriff nur daran?[/quote]

    Klar, eliminatorisch ist’s nur, wenn einer Juden vergasen will! Bei Türken muss das schon mal erlaubt sein.

  8. Gravatar Icon 8 Isnogud 22. November 2006 um 13:35 Uhr

    „wie man der Vermischung eines linken mit einem eliminatorisch-rassistischen Weltbild einen Riegel vorschiebt.“

    Ja, dann rette das linke Weltbild mal vor dem rassistischen. Das ist zwar zumindest beim Antideutschtum ein Widerspruch in sich, aber viel Spass bei Weltbilderei.

  9. Gravatar Icon 9 lysis 22. November 2006 um 13:40 Uhr

    Ja klar, „antideutsch“ ist eigentlich Rassismus gegen Deutsche! Schon gut.

  10. Gravatar Icon 10 phex 22. November 2006 um 14:33 Uhr

    nur weil ein dummer Junge „Türken Veragsen“ sagt, was ihn auf jeden fall zu einem rassisten macht, schliesst du gleich ohne nähere Betrachtung auf einen „eliminatorischen Rassismus“.
    Hast du dich schonmal damit auseinandergesetzt, was eliminatorischen Antisemitismus ausmacht? Wahrscheinlich nicht!
    Wenn der deutsche Mob für Ordnung sorgen würde und „die Türken“ wieder in ihre Schranken weisen würde, also wenn die „Gangster“ nicht mehr die coole checker sind sondern die Opfer, wie es sich für Fremde in Deutschland gehört, dann wären die ihm völlig egal.
    Der Antisemit muss auch den letzten Juden umbringen, da der Jude hinterhältig und zersetzend ist und nicht unterworfen werden kann.

    Nur kurz angerissen… wenn du mehr wissen willst musst du selber weiterlesen.

    und die verknüpfung eines pubertären Amokläufers mit Antideutschen Zeitschriften ist nicht komisch, sondern lächerlich!

  11. Gravatar Icon 11 besserscheitern 22. November 2006 um 15:05 Uhr

    Der Kunde aus Emsdetten hat über Türken vergasen geschwafelt und sich selbst umgebracht. Der Antisemitismus des Nationalsozialismus hat Millionen Juden das Leben gekostet.

    Mag sein, dass es Ressentiments gegen Muslime gibt. Mag sein, dass die sich bisweilen zur Ideologie verhärten. Nur kostet diese Ideologie nicht Millionen Muslime das Leben.

    - darum ging es mir

  12. Gravatar Icon 12 abdel kader 22. November 2006 um 17:44 Uhr

    [quote comment=“7426″]nur weil ein dummer Junge „Türken Veragsen“ sagt, was ihn auf jeden fall zu einem rassisten macht, schliesst du gleich ohne nähere Betrachtung auf einen „eliminatorischen Rassismus“.
    Hast du dich schonmal damit auseinandergesetzt, was eliminatorischen Antisemitismus ausmacht? Wahrscheinlich nicht!
    [/quote]

    Inwiefern hast du das gemacht?
    Wenn jemand sagt, dass „alle Türken vergast werden sollen“, dann ist das eine Vernichtungsphantasie und es gibt nicht sehr viel daran herumzuinterpretieren.
    Du kannst nicht sagen, dass das *eigentlich* ja gar nicht gemeint wäre. Hättest du auch von einem „dummen Jungen“ (=Verharmlosung, er weiß gar nicht richtig, was er sagt) geschrieben, wenn er gesagt hätte, dass man „die Juden alle vergasen soll“?

  13. Gravatar Icon 13 abdel kader 22. November 2006 um 17:56 Uhr

    [quote comment=“7426″]
    Wenn der deutsche Mob für Ordnung sorgen würde und „die Türken“ wieder in ihre Schranken weisen würde, also wenn die „Gangster“ nicht mehr die coole checker sind sondern die Opfer, wie es sich für Fremde in Deutschland gehört, dann wären die ihm völlig egal.
    Der Antisemit muss auch den letzten Juden umbringen, da der Jude hinterhältig und zersetzend ist und nicht unterworfen werden kann.
    [/quote]

    Du tust so als könnte man Gesellschaftskritik wie eine Naturwisschenschaft betreiben. Da gibt es dann einen Antisemitismus, der ist objektiv so und so und bleibt dann immer so. Genauso der Rassismus.

    Das funktioniert aber nicht. Du musst dir die jeweilige Sache anschauen. Wenn jemand auf die Idee kommt, dass man „alle Türken ausrotten muss“, dann kannst nicht unter Berufung auf einen „ewigen Rassismus“ ableiten, dass es nicht ernstgemeint sein kann.
    Zum anderen funktioniert dieses Modell auch deshalb nicht, weil man davon ausgehen kann, dass „der Antisemit“ und „der Rassist“ in den meisten Fällen die gleiche Person ist.

    Hier habe ich auch schon was zu diesem Thema geschrieben:
    Rassismus und Antisemitismus

  14. Gravatar Icon 14 abdel kader 22. November 2006 um 18:13 Uhr

    [quote comment=“7428″]Der Kunde aus Emsdetten hat über Türken vergasen geschwafelt und sich selbst umgebracht. Der Antisemitismus des Nationalsozialismus hat Millionen Juden das Leben gekostet.
    [/quote]

    Das hat ja auch niemand gleichgesetzt.
    „Eliminatorischer Rassismus“ bezeichnet eine Ideologie, nicht eine Handlung. Inwieweit sie wirklich umgesetzt wird, ist eine ganz andere Frage.

    Der eliminatorische Antisemitismus begann ja auch vor dem Bau des ersten Vernichtungslagers.

  15. Gravatar Icon 15 lysis 22. November 2006 um 22:33 Uhr

    [quote comment=“7426″]Hast du dich schonmal damit auseinandergesetzt, was eliminatorischen Antisemitismus ausmacht?[/quote]

    Ja, und ich bin zu folgendem Schluss gekommen: Es war die Rassenideologie der Nazis, die ihren Antisemitismus zum exterminatorischen gemacht hat. Erst als die Juden nicht mehr als Glaubensgemeinschaft, sondern als „Rasse“ imaginiert wurden, hieß die Lösung der „Judenfrage“ Vernichtung und nicht mehr Konversion. Das ist nämlich genau der Witz am Rassismus: du wirst nicht aufgrund dessen verfolgt, was du glaubst, und auch nicht aufgrund dessen, was du getan hast, sondern aufgrund dessen, was du bist. Deswegen ist der Antisemitismus der Nazis korrekt bestimmt als ein exterminatorischer Rassismus.

    Von der elementar rassistischen Dimension des Nazi-Antisemitismus abzusehen, ohne den sein exterminatorischen Charakter doch gar nicht zu denken wäre, gehört wirklich zum größten Blödsinn, den Antideutsche je verbockt haben.

    Zum Rest hat Abdel schon alles Nötige geschrieben.

  16. Gravatar Icon 16 classless 22. November 2006 um 22:34 Uhr

    diese Überhöhung eines Massenmords zum unerklärlichen „Unfall“

    Entweder ich versteh dich falsch oder ich hab was nicht mitbekommen. Von welchem Massenmord sprichst du? Der Amokläufer hat es doch nicht hinbekommen, oder?

  17. Gravatar Icon 17 lysis 22. November 2006 um 22:38 Uhr

    PS: Ja, ich geb’s zu, der letzte Satz mit der KONKRET war einfach „over the top“. Den hätt ich mir besser sparen sollen. Nicht dass ich an meiner Kritik der KONKRET etwas zurückzunehmen hätte, aber das war wirklich eine höchst unpassende Gelegenheit für einen Diss.

    Nun, Selbstkritik muss sein…

  18. Gravatar Icon 18 lysis 22. November 2006 um 22:48 Uhr

    [quote comment=“7446″]Entweder ich versteh dich falsch oder ich hab was nicht mitbekommen. Von welchem Massenmord sprichst du? Der Amokläufer hat es doch nicht hinbekommen, oder?[/quote]
    Jap, du hast recht, ich meinte allerdings sowas wie Amoklauf in genere und hab mich da sehr irreführend ausgedrückt. Immerhin aber war es ein versuchter Massenmord, und für die Beurteilung dessen, was der Täter im Kopf hatte, macht es nun wirklich keinen Unterschied, ob ihm dieser Versuch geglückt ist oder nicht.

  19. Gravatar Icon 19 besserscheitern 23. November 2006 um 2:03 Uhr

    „du wirst nicht aufgrund dessen verfolgt, was du glaubst, und auch nicht aufgrund dessen, was du getan hast, sondern aufgrund dessen, was du bist.“ – aber das haben wir doch schon bei Horkheimer und adorno gelernt, dass es den antisemiten scheiß egal ist was man ist.

    hab ich was nicht mitbekommen oder ist der unterschied zwischen als rassisch minderwertig imaginierten feindbildern und als geradezu übermächtig vorgestellten juden (,welche – wgeen ihrer „allmacht“ hinter liberalismus, kapital und kommunismus gleichermaßen stehen können,) nicht mehr hinweis darauf das antisemitismus nicht einfach unter rassismus wegsortiert werden kann?

    und geht es nicht sowieso nur die ganze zeit darum einen begriff von goldhagen umzudeuten um den antideutschen mal schön vor den koffer zu scheißen?

  20. Gravatar Icon 20 lysis 23. November 2006 um 4:05 Uhr

    [quote comment=“7452″]aber das haben wir doch schon bei Horkheimer und adorno gelernt, dass es den antisemiten scheiß egal ist was man ist.[/quote]

    Wir haben das gelernt? Ich weiß noch nicht mal, auf welche These der beiden du anspielst. Wie könnte es den Nazi-Antisemiten egal gewesen sein, ob jemand in ihrer Definition — die selbstverständlich eine rassistische war — ein Jude gewesen ist oder nicht? Schließlich haben sie an genau diesem Kriterium die Entscheidung über Leben und Tod festgemacht.

    [quote]hab ich was nicht mitbekommen oder ist der unterschied zwischen als rassisch minderwertig imaginierten feindbildern und als geradezu übermächtig vorgestellten juden (,welche – wgeen ihrer „allmacht“ hinter liberalismus, kapital und kommunismus gleichermaßen stehen können,) nicht mehr hinweis darauf das antisemitismus nicht einfach unter rassismus wegsortiert werden kann?[/quote]

    die juden wurden nicht als „rassisch minderwertig“ betrachtet? das ist mir jetzt aber wirklich neu. für die nazi-deutschen waren juden „untermenschen“ und nicht etwa „übermenschen“ (nietzsche), als welche sich die „arischen herrenmenschen“ vielmehr selbst halluzinierten. ohne dass die juden zu „tieren“, „ratten“, „ungeziefer“ und „bazillen“ entwertet worden wären, hätte der vernichtungsprozess kaum so stattfinden können, wie er es getan hat. rassismus ist eine zentrale voraussetzung für das funktionieren der staatlichen tötungsmacht, oder wie foucault analysierte:

    Was ist der Rassismus letztendlich? Zunächst ein Mittel, um in diesen Bereich des Lebens, den die Macht in Beschlag genommen hat, eine Zäsur einzuführen: die Zäsur zwischen dem, was leben und dem, was sterben muß. […] Rasse, Rassismus ist die Bedingung für die Akzeptanz des Tötens in einer Normalisierungsgesellschaft. Dort, wo eine Normalisierungsgesellschaft vorliegt, dort, wo Sie eine Macht vorfinden, die zumindest auf ihrer Oberfläche und in erster Instanz, in erster Linie, eine Bio-Macht ist, dort ist der Rassimus notwendige Bedingung dafür, jemanden dem Tod auszuliefern oder die anderen zu töten. Die Tötungsfunktion des Staates kann, sobald der Staat nach dem Modus der Bio-Macht funktioniert, nicht anders gesichert werden als durch Rassismus.

    ohne die sozialdarwinistische rassenideologie („das lebensrecht höherer völker gegenüber den niederen rassen“), die sich um 1900 mit der medizinischen eugenik („ausmerzung minderwertigen lebens“) und dem nationalliberalen antisemitismus (die juden als „volkszersetzer“) zu einem einheitlichen konglomerat, nämlich der völkischen ideologie, verband, lässt sich das, was die deutschen dann ins werk setzten: die vernichtung der europäischen juden — aber auch der roma und der behinderten —, überhaupt nicht denken. über diesen einfachen historischen befund gehen sämtliche antideutschen artikelschreiber wortlos hinweg. ihre marxisierenden theorien über den nazi-antisemitismus (die juden als „verkörperung des werts“) sind ein einziges hohngelächter auf den konstellativ-fragmentarischen ansatz der von ihnen angerufenen kritischen theorie, die eines ganz bestimmt nicht sein wollte: eine monokausale erklärung.

    natürlich hat der antisemitismus bestimmte spezifika wie das verschwörungsdenken, die anderen formen des rassismus komplett abgehen. aber die hat, obgleich weniger ausgeprägt, auch der antiislamismus, etwa wenn oriana fallaci die immigration der sich „wie die ratten vermehrenden“ moslems und ihre „einnistung“ in die europäische zivilgesellschaft als geheimen plan zur islamischen welteroberung dechiffriert. das ist struktureller antisemitismus, und er ist sofort wieder ein rassismus: nicht nur hinterhältig, lügnerisch und intellektuell verschlagen sind die moslems, sondern auch „dreckig“, „unzivilisiert“ und „rückständig“ — eben wie die ostjuden. die einen wollen sich nicht anpassen und die anderen, die es tun, sind noch gefährlicher, weil sie schläfer sind, die die taqiyya (verstellung) praktizieren.

    [quote]und geht es nicht sowieso nur die ganze zeit darum einen begriff von goldhagen umzudeuten um den antideutschen mal schön vor den koffer zu scheißen?[/quote]

    es tut mir leid, mein junge, wer die existenz eines eliminatorischen rassismus leugnet, der leugnet auch die vernichtung der sinti und roma. das hat mit strategischen überlegungen vis-à-vis den antideutschen überhaupt nichts zu tun. spätestens dort, wo einer sagt, dass türken „vergast gehören“, ist es eine unverschämtheit von „relativierung“ zu sprechen, wenn man das als vernichtungsdenken bezeichnet.

  21. Gravatar Icon 21 abdel kader 23. November 2006 um 23:37 Uhr

    [quote comment=“7452″]
    hab ich was nicht mitbekommen oder ist der unterschied zwischen als rassisch minderwertig imaginierten feindbildern und als geradezu übermächtig vorgestellten juden (,welche – wgeen ihrer „allmacht“ hinter liberalismus, kapital und kommunismus gleichermaßen stehen können,) nicht mehr hinweis darauf das antisemitismus nicht einfach unter rassismus wegsortiert werden kann?
    [/quote]

    Ich habe ja selbst darauf hingewiesen (siehe von mir verlinkter Beitrag), dass Antisemitismus und Rassismus nicht identisch sind. #
    Sie haben aber sehr wohl sehr viel miteinander zu tun, wie hier schon erläutert wurde.

    [quote comment=“7452″]
    und geht es nicht sowieso nur die ganze zeit darum einen begriff von goldhagen umzudeuten um den antideutschen mal schön vor den koffer zu scheißen?[/quote]

    Nein, darum geht es nicht.
    Es geht darum, dass du eine falsche Sichtweise von Rassismus hast, ähnlich wie der ursprüngliche Text aus dem Sinistra!-Umfeld, den ich hier verlinkt habe.

    Wenn du schreibst:

    [quote comment=“7433″][quote comment=“7426″]
    Wenn der deutsche Mob für Ordnung sorgen würde und „die Türken“ wieder in ihre Schranken weisen würde, also wenn die „Gangster“ nicht mehr die coole checker sind sondern die Opfer, wie es sich für Fremde in Deutschland gehört, dann wären die ihm völlig egal.
    [/quote]

    dann stellst du die Behauptung auf, dass der Antisemitismus unabhängig von seinem „Objekt“ wäre (Der Antisemitismus ist das Problem der Antisemiten, Adorno), dagegen die „Objekte“ des Rassismus schon irgend etwas machen könnten, damit der Rassimus aufhört und sie nicht mehr verfolgt werden.
    Sollen die Türken halt nicht mehr so türkisch sein, und die Neger sich halt weiß anmalen, dann hört auch der Rassismus auf, oder wie?

  22. Gravatar Icon 22 abdel kader 23. November 2006 um 23:50 Uhr

    Um das obige zu verdeutlichen ein
    Zitat aus dem Kf:
    [quote]

    GSP:
    “Na gut, was rät man einem Juden, der von Verfolgung bedroht ist? Als erstes doch wohl: Spar dir deine ganz spezielle religiös-völkische Spinnerei, setzt das Käppi ab, und versuch, auf diese Weise nicht mehr aufzufallen. Solange es keine staatlich-systematische Judenverfolgung mit Geburtsregister-Verfolgung usw. gibt, sollte das helfen“.

    Clandestino Illegal
    Das ist wirklich der größte Schrott, den ich seit langem gelesen hab. Ist das von einem GSP´ler? Diese Diskrepanz zwischen durchaus auch mal treffender Kritik und bodenlosem Schwachsinn verwundert mich beim GSP ja desöfteren.
    Die Schuld am Antisemitismus tragen die Antisemiten und nicht ihre Opfer. Was sagt der „Genosse“ denn zu Afrikanern, die in Deutschland von Mord und Totschlag bedroht sind? Wahrscheinlich Folgendes: „Ja, so wie du aussiehst, brauchst du dich ja nun wirklich nicht wundern! Spar dir doch deine auffällige Hautfarbe und pinsel dich weiß an! Schließlich bist du hier in Deutschland.“[/quote]

  23. Gravatar Icon 23 MPunkt 24. November 2006 um 1:29 Uhr

    Naja abdel, die Kritik von clandi ging aber auch ganz schön an der Aussage vorbei. In dem Zitat vom „GSP“ (klar, die Redax schreibt bestimmt im KF …) ging es doch gar nicht um die „Schuld“ am Antisemitismus, sondern wie man sich vor ihm schützen kann. Und zumindest solange dieser nicht staatlich, mit Ahnenlisten und dergleichen, sondern auf der Ebene individueller Verprügelei stattfindet, entgeht man ihm eben, wenn man nicht als Jude auffällt. Wohlgemerkt: das ist kein Vorgehen gegen Antisemitismus, welches selbstverständlich beim Antisemiten ansetzen müsste, sondern zum puren Selbstschutz von Juden. Bei nem Dunkelhäutigen geht diese Taktik zum Selbstschutz halt nicht – nur was soll denn da der Einwand dagegen sein, dass sie bei Juden geht?

  24. Gravatar Icon 24 bigmouth 24. November 2006 um 2:10 Uhr

    so ein scheiß. meinst du, die vergasten deutschen juden haben sich „als juden zu erkennen gegeben“? antisemiten _suchen_ juden

  25. Gravatar Icon 25 lysis 24. November 2006 um 3:00 Uhr

    Ach, MPunkt, die Reaktion auf Hass und Vorurteile besteht also darin, sich wegzuducken und das berühmte „Passing“ zu betreiben: versuch als jemand durchzugehen, der hetero, deutsch und nicht-jüdisch ist!

    Und was ist mit Leuten, die eine jüdischen Nachnamen haben? Glaubst du, denen gelingt dieses Unsichtbarmachen? Nein, es gelingt eben nie ganz. Es bleiben immer noch genug Leute über, die eine aufs Maul bekommen, wenn sie als Juden „entlarvt“ werden. Und was ist das auch für ein Zustand, sich ständig verstecken zu müssen, sein ganzes Leben lang?

    Wie einer damit umgeht, dass er das prospektive Opfer von „Hate Crimes“ ist, musst du ihm schon selbst überlassen. Dazu braucht es keinen guten Rat von jemandem, der diese Situation überhaupt nicht kennt und nicht weiß, wie es sich anfühlt, im Versteck zu leben.

    Und manche würden sogar behaupten, dass es gerade dieses freiwillige Unsichtbarmachen ist, das dazu beiträgt, dass auch alle anderen im Versteck bleiben müssen und somit die Existenz von Juden in dieser Gesellschaft niemals als normal und selbstverständlich wahrgenommen werden wird, sondern eine Art permanenter Ausnahmezustand bleibt.

    Dass sich Leute nicht absichtlich einer Gefahr aussetzen, indem sie mit jüdischem Käppi in den deutschen Browntowns herumlaufen, ist ’ne ganz andere Sache. Das ist gesunder Menschenverstand, und dafür braucht es euren dämlichen Rat nicht!

    Kommen wir jetzt aber mal zu dem richtig Ekelhaften dieses Kommentars, nämlich dem Satz:

    Spar dir deine ganz spezielle religiös-völkische Spinnerei

    Was soll das bitte? Eine religiöse Überzeugung ist kein völkisches Bekenntnis. Völkisch sind vielmehr diejenigen, die meinen, dass Juden hier nichts verloren hätten. Indem das Attribut „völkisch“ auf die Opfer eben dieser völkischen Ideologie übertragen wird, findet genau jene Schuld-Umkehrung statt, die du nicht wahrhaben willst.

    Hinzu kommt, dass es echt mal albern ist, religiösen Menschen zu sagen, sie sollten sich ihre „Spinnerei“ doch gefälligst sparen, weil die Bewertung als „Spinnerei“ natürlich einen atheistischen Standpunkt voraussetzt, den der Angeredete ja gerade durchgestrichen hat, indem er sich als religiösen Menschen definiert.

    Das ist aber das, was mich grundsätzlich schon immer gestört hat, wenn ich einmal das Vergnügen hatte, mit einem GSP-Fan im KF zu diskutieren. Es reicht nicht, dass er sein Argument darlegt und schaut, ob es den andern überzeugt; er muss auch immer gleich auf die Metaebene gehen und hinzufügen, dass er selbst im Recht ist und der andere ein Idiot!

  26. Gravatar Icon 26 MPunkt 24. November 2006 um 10:33 Uhr

    @ Großmaul: Lies Dir die Sachen doch wenigstens erstmal durch, bevor Du dazwischenplapperst. Sowohl in diesem Ratschlag von irgendwem (aus dem MDF?) als auch in meinem Kommentar geht es gerade nicht um staatliche Judenverfolgung, sondern um die privat betriebene Judenverprügelei.

    @ lysis: Stimmt schon, dass so ein Rat überflüssig ist. Die Interessensabwägung, zwischen sich als Angehöriger der jüdischen Religion präsentieren zu wollen und nicht von Antisemiten verdroschen zu werden, muss schon jeder Betroffene selbst vornehmen; solange diese beiden Interessen vorhanden sind, lässt die sich schlicht nicht theoretisch auflösen. Und dass die Möglichkeit der Tarnung besteht, muss man tatsächlich niemand sagen, weil man das ruhig als bekannt voraussetzen kann. Richtig ist ebenfalls, dass mit dem religiösen Bekenntnis zum Judentum nicht automatisch ein notwendig ein Bekenntnis zum Judentum als Volk einhergeht.

    Na und dass man niemand seine Religion damit austreibt, dass man sie als Spinnerei bezeichnet, dürfte auch den Verfasser des Zitierten klar sein. Wie Religionskritik geht, war da nur vermutlich nicht sein Thema, so dass er das mal eben knackig so zusammengefasst hat. Sein Fehler liegt dabei m.E. woanders, nämlich in der Verknüpfung von Selbstschutz und Agitation. Wenn man jemand seine Religion austreiben will, dann doch, weil diese ein Fehler ist. Also muss man diesen widerlegen. Mit dem Selbstschutz verknüpft, wird hingegen ein völlig sachfremdes Argument eingeführt: Wenn du dir die Agitation einleuchten lässt und dich nicht mehr als Jude präsentierst, dann hast du auch bessere Chancen, von Antisemiten nicht als deren Zielobjekt erkannt zu werden. Klar, das wird der Zitierte sicher nicht so gemeint haben, aber mal konsequent durchdacht, will man dann an der antisemitischen Bedrohung schmarotzen, um jemand vom Fehler religiös zu sein, abzubringen.

    Insofern kann man da tatsächlich einiges kritisieren – nur macht das clandis damalige Kritik eben nicht richtiger (s.o.). Ach, und zum KF sage ich lieber nichts …

  27. Gravatar Icon 27 abdel kader 24. November 2006 um 12:12 Uhr

    Oh, ein Kommentar von mir, der sich an „Besserscheitern“ richtete, ging wohl verloren. „Das obige“ bezog sich auf diesen Kommentar.

    Lysis: schwirrt der Kommentar noch irgendwo rum?
    Ansonsten versuche ich das noch mal zu schreiben.

  28. Gravatar Icon 28 besserscheitern 24. November 2006 um 23:08 Uhr

    „“du wirst nicht aufgrund dessen verfolgt, was du glaubst, und auch nicht aufgrund dessen, was du getan hast, sondern aufgrund dessen, was du bist.” – aber das haben wir doch schon bei Horkheimer und adorno gelernt, dass es den antisemiten scheiß egal ist was man ist.“

    Was ich meine ist die pathische Projektion. Es macht keinen Sinn die Ursache des Antisemitismus in den Juden zu suchen. Antisemiten legen durch die pathische Projektion erst das in die Juden hinein, was sie später vorgeben, vernichten zu wollen. Sie sind allerdings nicht in der Lage dies selbst zu reflektieren.

    Viel kürzer hat es noch Sartre getroffen, indem er sagte wenn es keine juden geben würde, der Antisemit würde sie erfinden.

    Zur (durch die Antisemiten herbeiphantasierte) „Übermächtigkeit der Juden bleibe ich bei meiner Position. Gerade deshalb musste die Vernichtung der Juden total sein. Weil sie als „Gegenrasse“ gefährlicher waren als die „minderwertigen Rassen“. Wenn du Marx und den Kapitalismus dabei ausklammern willst, ist es natürlich sehr viel einfacher darauf zu beharren, es sei nur besonders aggressiver Rassismus gewesen.

  29. Gravatar Icon 29 lysis 25. November 2006 um 15:51 Uhr

    [quote comment=“7535″]Lysis: schwirrt der Kommentar noch irgendwo rum?[/quote]

    Ja, irgendwie bist du in meinen Spam-Filter reingerutscht, und er hat sogar deine IP temporär in die Blacklist gesetzt! Daher musste ich deine letzten Kommentare erst raussuchen und wieder herstellen. Sorry!

  30. Gravatar Icon 30 lysis 25. November 2006 um 16:47 Uhr

    [quote comment=“7521]Was ich meine ist die pathische Projektion. Es macht keinen Sinn die Ursache des Antisemitismus in den Juden zu suchen. Antisemiten legen durch die pathische Projektion erst das in die Juden hinein, was sie später vorgeben, vernichten zu wollen. Sie sind allerdings nicht in der Lage dies selbst zu reflektieren.[/quote]

    Ich hab im Moment nicht so viel Lust zu diskutieren, aber das krasse Missverständnis, das deinem letzten Kommentar zugrundeliegt, möchte ich dann doch noch aufklären. Ich schrieb:

    Es war die Rassenideologie der Nazis, die ihren Antisemitismus zum exterminatorischen gemacht hat. Erst als die Juden nicht mehr als Glaubensgemeinschaft, sondern als “Rasse” imaginiert wurden, hieß die Lösung der “Judenfrage” Vernichtung und nicht mehr Konversion. Das ist nämlich genau der Witz am Rassismus: du wirst nicht aufgrund dessen verfolgt, was du glaubst, und auch nicht aufgrund dessen, was du getan hast, sondern aufgrund dessen, was du bist.

    Das hat überhaupt nichts damit zu tun, die Ursache für die Verfolgung in die Juden hineinzulegen, sondern den Grund anzugeben, warum sie verfolgt wurden, und zu zeigen, dass die Art der Verfolgung von diesem Grund abhängig war. Im Mittelalter wurden Juden verfolgt, weil sie den „falschen“ Glauben hatten. Deswegen konnten sie sich durch Übernahme des „richtigen“ Glaubens von dieser Verfolgung freimachen. Auch andersherum: wenn jemand, wie etwa beim Homosexuellenstrafrecht, verfolgt wird für das, was er getan hat, dann ist diese Verfolgung an den Nachweis einer bestimmten Tat geknüpft und die Konsequenz eine Strafe, die auf Abschreckung und/oder Rehabilitation setzt.

    Beim Rassismus ist das anders: wenn jemand verfolgt wird, weil er die falsche „Rasse“ hat, dann geht es weder um die Verhängung einer Strafe aufgrund persönlicher Schuld, noch um den Zwang, seine Glaubensüberzeugungen zu ändern. Dann gibt es überhaupt gar keine Möglichkeit, der Verfolgung durch Tun oder Unterlassen zu entrinnen, weil der Einzelne gar nicht als schuldiges Subjekt, sondern als Exemplar einer biologischen Spezies, d.h. einer unabänderlichen Seinskategorie, betrachtet wird. Und genau das ist den Juden passiert, als man anfing, den modernen Rassismus auf sie anzuwenden: man dachte nicht mehr daran, sie zur Konversion zu zwingen, man wollte sie als Vertreter ihrer „Rasse“ ausrotten. Daher war die Frage, ob sie glaubten oder nicht (und was sie glaubten), ohne Belang. Die Vernichtung der Juden war eine Konsequenz der Verwandlung des Antijudaismus in einen Rassismus. Und deswegen ist deine feinsäuberliche Unterscheidung zwischen Rassismus und Antisemitismus, wie du sie von den Antideutschen gelernt hast, nichts als Humbug.

  31. Gravatar Icon 31 lysis 25. November 2006 um 17:17 Uhr

    [quote comment=“7521″]Zur (durch die Antisemiten herbeiphantasierte) „Übermächtigkeit der Juden bleibe ich bei meiner Position. Gerade deshalb musste die Vernichtung der Juden total sein. Weil sie als „Gegenrasse“ gefährlicher waren als die „minderwertigen Rassen“.[/quote]

    Du gehst einfach darüber hinweg, dass nicht alle Antisemiten die Juden ausrotten wollen, sondern dass das die spezifisch deutsche Fassung des Antisemitismus seit Treitschke war. Genauso ist auch nicht jeder Rassismus eliminatorisch, aber es gibt auch nichts Objektives im Rassismus, das seiner eliminatorischen Fassung im Wege stünde.

    [quote]Wenn du Marx und den Kapitalismus dabei ausklammern willst, ist es natürlich sehr viel einfacher darauf zu beharren, es sei nur besonders aggressiver Rassismus gewesen.[/quote]

    Marx hat sich nicht mit Antisemitismus beschäftigt. Vielmehr hat er die Juden selber verachtet und das mit rassistischen Stereotypen gekoppelt, etwa wenn er Ferdinand Lassalle in privaten Briefen als „jüdischen Nigger“ titulierte.

  32. Gravatar Icon 32 lysis 25. November 2006 um 17:23 Uhr

    PS: Café Morgenland dazu:

    Der Versuch, all diese Erscheinungsformen des deutschen Treibens zu „spezifizieren“, ist zum Scheitern verurteilt.
    Es genügt nicht (ist sozusagen die halbe Wahrheit) die Tat nach der Opferherkunft zu bewerten: wenn Kanaken angegriffen wurden, war es Rassismus; wenn Schwule/Lesben angegriffen wurden, war es Homophobie; wenn Juden angegriffen wurden, war es Antisemitismus; wenn Roma oder Sinti angegriffen wurden, war es Antiziganismus usw. Somit wurde die tatsächliche Triebkraft, das tatsächliche Motiv und die Entscheidung der Täter „verschleiert“, mit solchen wie o.g. und anderen Adjektiven versehen und erklärt.

    Denn das, was an der Oberfläche ersichtlich wird, speist sich aus der gleichen, absolut gleichen Substanz, aus dem Vernichtungsdrang einer Population, die es nicht lassen kann. Verbal und praktisch. All die o.g. Formen sind längst zusammengeschmolzen in einer einzigen Vernichtungsfixierung.
    Lange bevor überhaupt die Tat begangen wird, steht das Ergebnis, steht der Beschluss des revolutionären deutschen Subjekts schon fest. In völliger Unabhängigkeit von Tatzeitpunkt und Opfer ist längst die Entscheidung für die Umsetzung der Wahnvorstellung getroffen. Welche nun die Opfer sein werden, ob Kanaken, Juden, Schwule/Lesben, Obdachlose, Andere überhaupt, hängt einzig und allein von Örtlichkeit, Gelegenheit und Zeitpunkt ab. Von sonst nichts!

  33. Gravatar Icon 33 Isnogud 26. November 2006 um 6:55 Uhr

    Morgenland-Esoterik. Eine „Population“, die einen Zweck verfolgt: die Vernichtung. Nein, ich mag ebenfalls deutsche Nationalisten und Rassisten allgemein nicht. Aber den umgedrehten Rassismus gegen eine Mehrheit von Rassisten à la Malcolm X und Morgenland macht das nicht weniger verkehrt. Er ist ebenfalls blödsinniger Scheißdreck und erklärt rein gar nichts.

  34. Gravatar Icon 34 lysis 26. November 2006 um 9:42 Uhr

    „Umgedrehter Rassismus“ — ach geh mir aus den Augen, das ist mir schlicht zu blöd. Als ob Rassisten eine Rasse wären, die man rassistisch diskriminieren könne!

  35. Gravatar Icon 35 Isnogud 26. November 2006 um 16:10 Uhr

    Ach, Lsysis, lass doch die albernen Intellektuellen-Spielchen und schieb mir jetzt nicht den Rassismus so billig unter, nur um vor deinen Fans nicht doof da zu stehen. Aber dass es das, was ich kritisiere, in deiner Welt selbstverständlich gar nicht gibt, das wollte ich selbstverständlich auch gar nicht in Frage stellen.

  36. Gravatar Icon 36 Erika 26. November 2006 um 16:50 Uhr

    Isnogud hat recht: Wenn man an Rassismus lediglich meint, dass die Diskriminierung von Ausländern der Inhalt ist und dann einfach nur Inländer-Hass betreibt, dann ist das nix weiter als umgekehrter Rassismus. Statt böse Ausländer, böse Deutsche…

    Blödes Argument von Dir, Lysis gg. Isnogud: Indem Du die Deutschen als Rassisten brandmarkst, meinst Du ihm das Argument entziehen zu können…tja, das fällt Dir locker zurück…überleg mal, ob ausländische Staatsbürger, die Du vor den Rassisten schützen willst, alle rassismuskritische Kommunisten sind?! Wohl kaum…

  37. Gravatar Icon 37 lysis 26. November 2006 um 17:07 Uhr

    Was ist denn ein Deutscher? Hast du dir das mal überlegt? Ist das eine objektiv in der Realität existierende Essenz? Sind Ausländer gar keine Inländer, sondern leben hier nur virtuell?

    Ich glaube, dass ihr das noch überhaupt nicht begriffen habt: dass das Deutschtum als völkische Kategorie nur durch das rassistische Bekenntnis zu eben diesem zustande kommt. Denn am Pass macht sich ja bekanntlich die Frage, wer hier als „deutsch“ gilt, am allerwenigsten fest.

  38. Gravatar Icon 38 bigmouth 26. November 2006 um 20:34 Uhr

    trotzdem ist es unsinn, dass der gesamten „population“ (was eigentlich „bevölkerung“ bedeutet) anzuhängen

  39. Gravatar Icon 39 lysis 26. November 2006 um 21:14 Uhr

    wo steht denn da was von „gesamter population“?

  40. Gravatar Icon 40 bigmouth 26. November 2006 um 21:30 Uhr

    sie schreiben „Denn das, was an der Oberfläche ersichtlich wird, speist sich aus der gleichen, absolut gleichen Substanz, aus dem Vernichtungsdrang einer Population, die es nicht lassen kann.“ population ist nun die bevölkerung – sowohl in geowissenschaften als auch biologie – die einen bestimmten raum bewohnt – hier deutschland. wenn sie das nicht einschränken, dann ist die lesart naheliegend, dass doch eigentlich alle deutschen gemeint sind

  41. Gravatar Icon 41 lysis 26. November 2006 um 21:40 Uhr

    bigmouth, das ist mir echt zu albern. tut mir leid! auf eine solche dämliche diskussion hab ich im moment wirklich keinen bock.

  42. Gravatar Icon 42 the-mule 28. November 2006 um 21:05 Uhr

    Zitat:
    Bei einem Menschen mit derart linken Hintergrund fällt einem allerdings eher die KONKRET ein, deren Aufstachelung zum Hass gegen muslimische ImmigrantInnen nicht weniger notorisch ist.

    Tschuldigung: wer so ne Behauptung aufstellt, der sollte mindestens ein Argument/Beipsiel bringen, die a) eine derartige Hetzerei und b) eine deratige abstruse Verbindung von dem Typen zu konkret rechtfertigen könnte.

  43. Gravatar Icon 43 lysis 29. November 2006 um 1:58 Uhr

    Du willst Beispiele? Gern. 1234.

    Ich hoffe, das reicht.

  44. Gravatar Icon 44 mule 29. November 2006 um 9:27 Uhr

    mit Verlaub, aber diese Beispiele sind Geschwafel. Ich meinte ne richtige Quelle mit ner überzeugenden Argumentation, kein an den Haaren herbeigozogenes Zeugs, wo sich einer an der symbolischen Rekonstruktion von Kopfwindeln ergeht. Die man übrigens nicht um, sondern über dem Kopf trägt.

  45. Gravatar Icon 45 lysis 29. November 2006 um 16:24 Uhr

    Pass mal auf, mule, für dich mag das keine „richtige Quelle“ sein. Du brauchst wahrscheinlich das offene Bekenntnis, dass Türken vergast gehören (wovor sich die KONKRET aufgrund des Volksverhetzungsparagraphen hüten muss). Mir reicht es vollkommen aus, wenn Stammautor Horst Pankow in der KONKRET für die pauschale Abschiebung aller Muslime wirbt, um diese Zeitschrift als das Junge-Freiheit-taugliche Hetzblatt zu erkennen, das es ist.

  46. Gravatar Icon 46 mule 29. November 2006 um 16:30 Uhr

    und was hat die Abschiebung von Muslimen mit der Vergasung von Türken zu tun? Vermutlich nichts. Aber so geht die gesamte »Argumentation« in diesen Beiträgen.

  47. Gravatar Icon 47 lysis 29. November 2006 um 16:42 Uhr

    Ach, du bist für die Abschiebung von Muslimen? Verpiss dich!

  48. Gravatar Icon 48 mule 29. November 2006 um 16:51 Uhr

    danke daß Du mir Deinen Irrsinn so schnell und zielsicher vor Augen geführt hast. Denn das steht da nämlich nicht geschrieben. Aber Differenzierungsvermögen ist bei Berliner Linken seit Jahrzehnten nicht gefragt.

  49. Gravatar Icon 49 lysis 01. Dezember 2006 um 0:39 Uhr

    Ich weiß, dass das da nicht geschrieben steht. Deshalb ist es ja auch mit einem Fragezeichen versehen, d. h. als schließende Unterstellung kenntlich gemacht. Ich weiß nicht, ob du Satzzeichen lesen kannst, aber es ist eigentlich für jeden, der eine europäische Sprache beherrscht, ziemlich evident, was einen derart markierten Fragesatz von einem Aussagesatz unterscheidet.

    Jetzt möchte ich mal umgekehrt von dir wissen, wo ich gesagt hätte, die KONKRET sei für die Vergasung von Türken eingetreten. Wo steht das denn bitteschön geschrieben? Ich hab sie mit der BILD-Zeitung und ihrer notorischen Dauerhetze gegen Nichtdeutsche verglichen. Und behauptet, dass sich aus solchen propagandistischen Quellen auch der mörderische Rassismus speist, der auf deutschen Straßen unterwegs ist.

    Nun kommst du und hältst mir vor, dass die KONKRET ja „nur“ die Abschiebung aller Muslime zur Diskussion stellt. Und angesichts eines solchen „Differenzierungsvermögens“ stellt sich mir echt die Frage, wieviel Rassismus es denn sein muss, dass du die KONKRET durch so etwas ernsthaft diskreditiert siehst!? Ihr Vorschlag, sämtliche Muslime abzuschieben, scheint dir ja nicht im Entferntesten auszureichen, um deine absonderliche Parteinahme für dieses langweilige und intellektuell anspruchslose Hetzblättchen zu beenden.

  50. Gravatar Icon 50 mule 07. Dezember 2006 um 0:39 Uhr

    hat das eigentlich einen Grund, daß mein letzter kommentar gelöscht wurde?

  51. Gravatar Icon 51 lysis 07. Dezember 2006 um 0:52 Uhr

    ja, du gehst mir auf den keks!

  52. Gravatar Icon 52 mule 14. Dezember 2006 um 18:21 Uhr

    meine Güte, bist Du ein Wicht. Aber manchmal ist die Wahrheit halt schwer zu ertragen. Ich schreib Dir mal wahrhaft große Worte ins Stammbuch, vielleicht hilft’s:

    »Versuche nicht, die Leute zu überzeugen; ihr Glaube an die Verworfenheit der Anderen dient ihnen zum Leben […]. Wenn Du Ihnen diesen Glauben nimmst, so nimmst Du ihnen etwas, das Du nicht ersetzen kannst; auch wenn es Haß ist, so wärmt er sie fast so wie Liebe. Übrigens trennt sich keiner so leicht von dem Gespenst, an das er sein Leben gehängt hat; und willst Du es ihm rauben, um ihn gesund zu machen, so ist es vergeblich, und seine Rache unerbittlich.»

    Walter Rathenau an Wilhelm Schwaner, 1916

  53. Gravatar Icon 53 lysis 14. Dezember 2006 um 20:02 Uhr

    hammers jetzt?

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