„Black is Beautiful“ — Ein Araber entdeckt Paris (I)

Zwischen 1826 und 1831 erfüllte Scheich Rifa‘a al-Tahtawi von der al-Azhar-Universität in Kairo auf Geheiß von Muhammad Ali Pascha, dem Vizekönig von Ägypten, eine Studienmission, die ihn zusammen mit anderen Gelehrten nach Frankreich führte. Ihr Ziel war, von den Europäern zu lernen, um an ihre ökonomischen und wissenschaftlich-technischen Erfolge anknüpfen zu können. 1834 veröffentlichte al-Tahtawi ein Reisetagebuch, das er, in dem für die arabische Literatur kennzeichnenden poetischen Stil, Die Läuterung des Goldes in einer zusammenfassenden Darstellung von Paris nannte. Der Pascha hielt es für so bedeutsam, dass er es seiner Beamtenschaft zur Pflichtlektüre machte. Jedoch gab es, trotz seiner ausgeprägten Frankophilie, einige Dinge, die al-Tahtawi an den Franzosen befremdete und die er folglich nicht zur Nachahmung empfehlen konnte — wie zum Beispiel ihr absonderlicher Rassismus gegen Schwarze:

Die Hautfarbe der Pariser ist ein mit Rot durchsetztes Weiß, und nur selten wird man bei der angestammten Bevölkerung eine dunkle Hautfarbe antreffen. Der Grund für deren Seltenheit ist der, dass sie für gewöhnlich, um sich vor jeglicher Mischung der Hautfarben zu wahren, keine Heirat zwischen einer Schwarzen und einem Weißen, oder einer Weißen mit einem Schwarzen, gestatten. Mehr noch, sie denken nicht einmal, dass die Schwarzen überhaupt irgendwelche Schönheit besitzen könnten, gilt doch vielmehr die schwarze Hautfarbe bei ihnen als ein Merkmal der Hässlichkeit. So gibt es denn auch bei ihnen in der Erotik keine zwei Richtungen, und nach ihrer Ansicht ist gar unschicklich, was ein (arabischer) Dichter von einem schwarzen Knaben sagte:

Dein Antlitz ist, als hätt mein Finger es geschrieben
als Wort, das meine Hoffnungen diktierten.
Des vollen Mondes Schönheit ist sein Sinn, nur hat
die Nacht erst ihr Pigment darauf gestäubt.

[…]

Andererseits gilt bei den Franzosen als unpassend, ein schwarzes Mädchen für Küchendienste und dergleichen anzustellen, da bei ihnen die Vorstellung fest verwurzelt ist, daß es den Schwarzen an der nötigen Reinlichkeit gebräche.


1 Antwort auf „„Black is Beautiful“ — Ein Araber entdeckt Paris (I)“


  1. 1 Ein Araber entdeckt Paris (II): Prüfungen — wtf? // Lysis Pingback am 20. Juli 2007 um 18:27 Uhr
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