Antisemitic Turn: Das neue Gesicht der Antideutschen

Der Generalsekretär [des Zentralrats der Juden]“ als Strippenzieher: Klassischer Antisemitismus in Reinformat!


8 Antworten auf „Antisemitic Turn: Das neue Gesicht der Antideutschen“


  1. Gravatar Icon 1 steff 29. Januar 2007 um 19:14 Uhr

    Wohl eher einfach nur völlig durchgeknallt:

    Gegen den Widerstand vieler jüdischer Organisationen setze Stephan J. Kramer Anfang 2006 beim »European Jewish Congress« die Forderung nach Einrichtung eines europaweiten Forschungszentrums gegen ›Diskriminierung‹ durch. Was genauer darunter zu verstehen sei, vermeldete der Tagesspiegel: »Zum ersten Mal wollen jüdische Organisationen in Europa gemeinsam mit muslimischen Partnern Antisemitismus und Islamophobie bekämpfen. Das kündigte Stephan Kramer, der Generalsekretär des Zentralrats der Juden in Deutschland […] an.«

  2. Gravatar Icon 2 nachdenklich 30. Januar 2007 um 2:14 Uhr

    „Wohl eher einfach nur völlig durchgeknallt“

    Nein, konsequent. Im Tagesspiegel sagte er (Kramer) im Mai letzten Jahres:

    „Wir machen uns große Sorgen. Uns macht nicht der antisemitische Drohbrief zu schaffen, sondern die stereotype Fremdenfeindlichkeit in den mittleren Bereichen der Gesellschaft, also Antisemiten mit Anzug und Krawatte. Es sind die Wohlsituierten, die Verständnis haben für rechte Sprüche, die akzeptieren, wenn man sagt: Naja, die Juden machen ja auch dieses oder jenes. Vordergründig geht es derzeit um Muslime und um Ausländergruppen in der Gesellschaft. Aber keiner von uns weiß, ob es in zwei, drei Jahren nicht wieder die Juden sind, die am Pranger stehen.“

    Kramer sagt viele fragwürdige Dinge. Er will den „gesunden (sic!) Patriotismus“ und ist ein klassischer Anhänger des Antitotalitarismus im schlechtesten Sinne. Aber er ist offenbar auch schlau genug zu erkennen, dass die Hetze gegen Muslime und andere als „fremd“ und „antizivilisatorisch“ gebranntmarkte „Kulturen“ (gemeint sind letztendlich immer einzelne Menschen) stark antisemitische Züge trägt. Das ist eine Form des Antisemitismus im eigentlichen Sinne, die so legitim und wichtig ist zu erforschen, wie jede andere Form des Antisemitismus.

    Das Schlusswort überlasse ich den Herren Adorno und Horkheimer, da ich es immer wieder spannend find, dass gerade jene, die die (frühe) kritische Theorie vor sich hertragen wie eine Monstranz, offenbar wenig gelesen und noch weniger verstanden haben.

    „Die Juden werden zu einer Zeit ermordet, da die Führer die antisemitische Planke so leicht ersetzen könnten, wie die Gefolgschaften von einer Stätte der durchrationalisierten Produktion in eine andere überzuführen sind. […] Nicht erst das antisemitische Ticket ist antisemitisch, sondern die Ticketmentalität überhaupt. Jene Wut auf die Differenz, die ihr teleologisch innewohnt, steht als Ressentiment der beherrschten Subjekte der Naturbeherrschung auf dem Sprung gegen die natürliche Minderheit, auch wo sie fürs erste die soziale bedrohen.“

  3. Gravatar Icon 3 steff 30. Januar 2007 um 10:20 Uhr

    Vielleicht ist dir ja trotz meiner Hervorhebungen entgangen, das calvelli sich selbst widerspricht.

    Im übrigen: bitte erläutere mal näher, was du an dem von dir zitierten Satz Kramers fragwürdig findest. Für mich ist dieser Satz sehr richtig, weil Antisemitismus im speziellen oder Rassismus im allgemeinen nun mal nicht erst bei Mord un Totschlag anfängt, und sich vor allem gerade auf etwas subtilerer Basis „prima“ in weiten Kreisen verankern lässt – und so u.U. eine breite Basis für Mord und Totschlag schafft. Das ist seit einiger Zeit bspw. in Meck-Pomm gut zu beobachten.

  4. Gravatar Icon 4 nachdenklich 30. Januar 2007 um 14:15 Uhr

    Naja, erstens ist die von Steff zitierte Aussage nicht widersprüchlich, weil ja zum einen nur zum Teil Zitat von Kramer und zum anderen gehe ich mal davon aus, dass Kramer das schon nicht diktatorisch entschieden haben wird.

    Zweitens hat Steff wohl etwas missverstanden. Fragwürdig ist nicht das, was ich von Kramer zitiert hatte, sondern die Aussagen von Kramer zum „gesunden“ Patriotismus.

    In der zitierten Aussage geht es aber eben nicht nur um den von Steff beschriebenen Sachverhalt sondern darum, dass die Hetze gegen Muslime auch gegen Juden (oder andere Minderheiten) umschlagen könnte.

  5. Gravatar Icon 5 think tank 30. Januar 2007 um 17:56 Uhr

    Die Moslem-Hetze muss auf Dauer auf JüdInnen umschlagen, spätestens dann wenn die „Argumente“ sich auf breiter Front durchgesetzt haben und unangreifbarer Konsens sind. Die vorgebrachten Anti-Islam-Argumentationen behalten ja allesamt folgendes:
    - Individuen werden Kollektiven zugeordnet, ihr Verhalten aus ihrer Religionszugehörigkeit abgeleitet.
    - ob das Individuum tatsächlich Anhänger der Religion ist, was sie daraus ableitet, etc, spielt keine Rolle, statt dessen wird die religiöse Zuschreibung rassifiziert und die Abstammung zur zentralen Kategorie
    - Zwischen den so konstruierten Kollektiven werden angeblich unüberwindliche Gegensätze herausgestellt. Die Zuschreibungen werden dichotomisiert (z.B. Zivilisation vs. Barbarei, Ratio vs. Irrationalität, Humanität vs. Inhumanität, Lebensfreude vs. Todessehnsucht) Letzen Endes wird ein Überlebenskampf mit dem Weltgegener aka Gegenrasse proklamiert.
    - Als „Beweise“ werden Zitate aus dem „unheiligen Buch“ der Gegenrasse präsentiert

    usw.

    Wer diese Herangehensweise internalisiert, der kann „Juden“ nur noch als „Nicht-Deutsche“ sehen, dem wird über kurz oder lang einleuchten, dass „die Juden“ ja auch eine „fremde Kultur“ mitten im „christlichen Europa“ sind. Und solche kulturellen Differenzen sind ja dann bekanntermaßen unüberbrückbar. Gegen Hetze, die sich auf Aussagen einzelner JüdInnen oder Tora-Zitate bezieht, kann so ein Mensch dann nicht mehr ablehnend antworten – das würde ja die ganze Weltsicht zerschmettern und die Verfolgung von Muslimen als ungerechtfertigt dastehen lassen.

  6. Gravatar Icon 6 steff 30. Januar 2007 um 19:30 Uhr

    1. Ahem. Der Punkt ist, das calvelli zum Beleg seiner Aussage ein Zitat des TS heranzieht, das eher als Gegenteil eines Beleges taugt.

    2. Kann sein. Ich hab aber irgendwie das Gefühl, dass dieses Missverständnis darauf basierte, dass ich nicht mitbekommen hab, dass du missverstanden hast, wessen Aussagen ich als „durchgeknallt“ bezeichnet habe.

  7. Gravatar Icon 7 nachdenklich 30. Januar 2007 um 20:37 Uhr

    zu 1.: Steff hat Recht

    zu 2.: Steff hat erneut Recht

    zu mir selbst: mehr schlafen, weniger Sachen gleichzeitig machen, besser konzentrieren

  8. Gravatar Icon 8 NeuesDeutschland 04. Juli 2010 um 22:52 Uhr

    Die Nazi-Hetze muss auf Dauer auf JüdInnen umschlagen, spätestens dann wenn die „Argumente“ sich auf breiter Front durchgesetzt haben und unangreifbarer Konsens sind. Die vorgebrachten Anti-Nazi-Argumentationen behalten ja allesamt folgendes:
    - Individuen werden Kollektiven zugeordnet, ihr Verhalten aus ihrer Ideologiezugehörigkeit abgeleitet.
    - ob das Individuum tatsächlich Anhänger der Ideologie ist, was sie daraus ableitet, etc, spielt keine Rolle, statt dessen wird die ideologische Zuschreibung rassifiziert und die Abstammung zur zentralen Kategorie
    - Zwischen den so konstruierten Kollektiven werden angeblich unüberwindliche Gegensätze herausgestellt. Die Zuschreibungen werden dichotomisiert (z.B. Zivilisation vs. Barbarei, Ratio vs. Irrationalität, Humanität vs. Inhumanität, Lebensfreude vs. Todessehnsucht) Letzen Endes wird ein Überlebenskampf mit dem Weltgegener aka Gegenrasse proklamiert.
    - Als „Beweise“ werden Zitate aus dem „unheiligen Buch“ der Gegenrasse (Mein Kampf)präsentiert

    usw.

    Wer diese Herangehensweise internalisiert, der kann „Nazis“ nur noch als „Nicht-Deutsche“ sehen, dem wird über kurz oder lang einleuchten, dass „die Nazis“ ja auch eine „fremde Kultur“ mitten im „christlichen Europa“ sind. Und solche kulturellen Differenzen sind ja dann bekanntermaßen unüberbrückbar. Gegen Hetze, die sich auf Aussagen einzelner Nazis oder Mein Kampf-Zitate bezieht, kann so ein Mensch dann nicht mehr ablehnend antworten – das würde ja die ganze Weltsicht zerschmettern und die Verfolgung von Muslimen als gerechtfertigt dastehen lassen.

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