Ehre, Heimat, Vaterland — Der Antifaschismus der SPD

In ihrem Wahn, den Makel des Nationalsozialismus aus der eigenen Geschichte zu tilgen, um sich wieder als stolze Deutsche fühlen zu können, sind hiesige Nationalisten schon immer recht einfallsreich gewesen. Mal waren es die Israelis, die „jetzt mit den Palästinensern machen, was der Hitler früher mit den Juden gemacht hat“. Mal sind es die Moslems, denen man das deutsche Erbe aufs Auge zu drücken versucht oder sie gar, in der besonders extremen Variante, für schlimmer als die Nazis erklärt.

Doch die SPD-Tante Isolde Saalmann ist jetzt auf einen ganz neuen Trichter gekommen, denn schon lange „wurmt [sie] die historische Verbindung ihrer Stadt zu Hitler“, notabene: nicht die Tatsache, dass ihre Väter und Großväter überzeugte Judenschlächter waren, sondern allein der missliche Umstand, dass Braunschweig (nomen est omen!) dem Führer 1932 einen deutschen Pass ausstellte.

Aber die Rettung naht in Gestalt des deutschen Ausländerrechts. Denn, so hat Isolde Saalmann festgestellt, Hitler war eigentlich gar kein richtiger Germane, sondern, wie der Spiegel politisch korrekt soufliert, bloß ein „Neu-Deutsche[r] mit Migrationshintergrund“. Nicht also ihre Väter warn’s, ein Immigrant ist es gewesen, der das Unheil über Isoldes Heimatstadt gebracht hat!

Was macht man aber in der BRD mit einem kriminell gewordenen „Neu-Deutschen“, der das Gastrecht seines Aufnahmelands so sträflich missbraucht hat? Richtig geraten, man erkennt ihm einfach die Staatsbürgerschaft wieder ab! Denn die steht bekanntlich nur dem wirklich und für alle Zeit zu, der förmlich mit dem Blut seiner Ahnen an der deutschen Erde klebt.

Wieder einmal zeigt sich im Konkreten, was für den sozialdemokratischen „Antifaschismus“ auch ganz allgemein gilt: gegen die Beschmutzung des deutschen Ansehens durch das kriminelle Treiben der Nazis hilft aus SPD-Sicht nur ein noch konsequenterer Nationalismus, im Fall von Isolde (nomen est omen!) Saalmann auch schon mal in Gestalt der Blut-und-Boden-Ideologie des deutschen Staatsbürgerschaftsrechts. Und so wischen die Sozis den Nazis mal wieder eins aus, indem sie ihnen zeigen, wer hier die wahren Deutschtümler sind!


11 Antworten auf „Ehre, Heimat, Vaterland — Der Antifaschismus der SPD“


  1. Gravatar Icon 1 yahya 11. März 2007 um 9:11 Uhr

    Naja, das hier liest sich etwas bemüht. V.a. ist mir völlig unverständlich, was denn jetzt schon wieder Juden und Palästinser hier sollen. Geht’s denn nicht mal einen Artikel lang ohne? Das ist doch schon zwanghaft!

    Abgesehen davon finde ich die Idee, Hitler den Pass abzuerkennen nicht unorginell und dieser Sermon hier hat für mich mehr mit Reflexen als mit Reflexion zu tun. Du nimmst hier ein isoliertes Faktoid („S. will Hitler die Staatsbürgerschaft aberkennen“) und nimmst dies als Aufhänger, um lang und breit, naja, das übliche halt, von Dir zu geben. Du befasst dich überhaupt nicht mit dem, was Du zu kritiseren vorgibst.

  2. Gravatar Icon 2 Wehrkraftzersetzer 11. März 2007 um 9:18 Uhr

    Ich glaube, Herr oder Frau yahya, dass sie die Intention des Schreibers nicht verstanden haben. Am besten erstmal einen Kaffe trinken, wach werden und alles nochmal lesen. Vielleicht ergibt es ja dann auch für Sie Sinn.

  3. Gravatar Icon 3 yahya 11. März 2007 um 11:02 Uhr

    [quote comment=“14067″]Ich glaube, Herr oder Frau yahya, dass sie die Intention des Schreibers nicht verstanden haben. Am besten erstmal einen Kaffe trinken, wach werden und alles nochmal lesen. Vielleicht ergibt es ja dann auch für Sie Sinn.[/quote]

    Been there, done that. Eine andere Intention, als halt aus beliebigem Anlass das immergleiche zu verblasen, kann ich, insbesondere mangels jeglicher substanzieller Kritik, nicht erkennen. Wie gesagt, mit dem eigentlichlichen Vorgang, den der Autor zu kritisieren meint, befasst er sich überhaupt nicht. Stattdessen hagelt es Schlagworte (Juden, Palästinser, Ehre, Vaterland etc. pp.), die geradezu herbeibeschworen werden, um sicherzustellen, dass man am Ende wieder recht hat. Ach ja, Godwin’s Law. Seufz. Das ist sowas von unoriginell, dass man sich fragt, warum es immer noch Leute gibt, die das den ganzen Tag lang betreiben.

  4. Gravatar Icon 4 David 11. März 2007 um 12:23 Uhr

    An irgend einem Punkt muss man nun mal ansetzen, jeder nun mal wo anders. Wenn die eine Strategie nun nichts mehr bringt, muss nun mal ne andere her! Aber wenn sie denkt das sie damit weit kommt, mhhhh….
    Gruß David

  5. Gravatar Icon 5 Lara 11. März 2007 um 13:32 Uhr

    Was für eine bescheuerte Idee. Abgesehen davon, dass ich nicht erkennen kann, was für einen Unterschied es macht, den österreichischen Postkartenmaler und deutschen Reichskanzler nun deutscher Reichskanzler österreichischer Staatsbürgerschaft zu nennen, frage ich mich, ob die nichts besseres zu tun hat.

    Wird sowas aus Steuergeldern bezahlt?

    Typisch auch, dass mit genau den gleichen Tricks, mit denen Deutsche Hitler die Staatsbürgerschaft verschafft haben, nun nach 70 Jahren das gleiche wieder gemacht werden soll, um sie ihm abzuerkennen.

    Ich frage mich, was sie denn dann mit den ganzen NSDAP-Mitgliedern vorhat. Auch keine Deutsche mehr? Wegen undeutschem Verhalten womöglich.

  6. Gravatar Icon 6 lysis 11. März 2007 um 14:34 Uhr

    yahya, ich hab eigentlich schon alles in der Story geschrieben und seh daher eigentlich nicht ein, auf deine Kritik einzugehen, die an dem Inhalt des Gesagten völlig vorbei geht. Trotzdem: Was du einfach nicht begreifen willst, ist, dass es dieser Frau keineswegs um eine antifaschistische Kritik an den Verhältnissen geht, die Auschwitz möglich gemacht haben und ihre Heimatstadt bis heute prägen, sondern um eine Personalisierung der Verantwortung in der Person Hitlers, den man mit Hilfe des deutschen Ausländerrechts einfach wieder aus der Volksgemeinschaft herausdefinieren möchte. Das ist nichts anderes als ein Versuch der symbolischen Reinwaschung, der Intention nach nichts anderes als das, woran Geschichtsrevisionisten seit Jahren arbeiten, wenn sie sich abmühen, die deutsche Schuld auf irgendeine Weise herauszuschaffen, um so wieder ein „ungebrochenes“ Verhältnis zu ihrer Scheißnation unterhalten zu dürfen.

  7. Gravatar Icon 7 yahya 11. März 2007 um 15:50 Uhr

    [quote comment=“14077″]yahya, ich hab eigentlich schon alles in der Story geschrieben und seh daher eigentlich nicht ein, auf deine Kritik einzugehen, die an dem Inhalt des Gesagten völlig vorbei geht. Trotzdem: Was du einfach nicht begreifen willst, ist, dass es dieser Frau keineswegs um eine antifaschistische Kritik an den Verhältnissen geht […] [/quote]

    Worum es dieser Frau im einzelnen geht und worum nicht, das weiß ich schlicht und einfach nicht. Eine fundierte Diskussion hierzu ist auf dieser Grundlage nicht möglich.

    Eine solche Aktion eröffnet selbstverständlich einen breiten Interpretationsspielraum. Ich nehme an, dass sie im Kontext der Diskussionen um die posthume Aberkennung der zahlreichen Ehrenbürgerschaften für Hitler steht.

    Jedenfalls müsste man, um zu sehen, was diese Frau sich wirklich dabei gedacht hat, sich mit ihrer Person und ihren Äußerungen auseinandersetzen. Was Du hier machst – ein isoliertes Faktum herausgreifen, plus einen billigen Namens-Flame über „Isolde“ und das ganze eingepackt in einen Wust postlinks-antideutscher Plattitüden – das hat meines Erachtens nichts von Kritik, aber viel von sich einen abwichsen. Sorry für die harsche Ausdrucksweise, aber das drängt sich mir auf.

  8. Gravatar Icon 8 lysis 11. März 2007 um 16:20 Uhr

    Geht’s dir jetzt allen Ernstes um eine Verteidigung dieser Frau als Person? (Als Politikerin muss sie das schon abkönnen!) Oder wollen wir nicht vielleicht doch über die größere symbolische Bedeutung diskutieren, die ein solcher Akt für die deutsche Erinnerungspolitik hat?

    Im Übrigen enthält der Spiegel-Artikel zahlreiche Informationen über die Motivation dieser Initiative, so wenn darauf aufmerksam gemacht wird, was Frau Saalmann denn nun eigentlich an der ganzen Sache wurmt: nämlich das schlechte Licht, das durch die nationalsozialistische Vergangenheit auf ihre Heimatstadt geworfen wird.

  9. Gravatar Icon 9 yahya 11. März 2007 um 20:32 Uhr

    [quote comment=“14082″]Geht’s dir jetzt allen Ernstes um eine Verteidigung dieser Frau als Person? [/quote]

    … nein. um diese Form der Nicht-Kritik, die sich auf Reflexe und Schlagworte beschränkt

    [quote comment=“14082″](Als Politikerin muss sie das schon abkönnen!) Oder wollen wir nicht vielleicht doch über die größere symbolische Bedeutung diskutieren, die ein solcher Akt für die deutsche Erinnerungspolitik hat?

    Im Übrigen enthält der Spiegel-Artikel zahlreiche Informationen über die Motivation dieser Initiative, so wenn darauf aufmerksam gemacht wird, was Frau Saalmann denn nun eigentlich an der ganzen Sache wurmt: nämlich das schlechte Licht, das durch die nationalsozialistische Vergangenheit auf ihre Heimatstadt geworfen wird.[/quote]

    Wenn diese da sein sollten, wären sie im einzelnen zu analysieren und zu kritisieren. Brachialrethorik und Rundumschläge der obigen Art sind genau das Gegenteil dessen (zumal der eigentliche Tatbestand praktisch nicht behandelt wird).

  10. Gravatar Icon 10 streichelzoo 11. März 2007 um 21:23 Uhr

    Plattitüden hin oder her, was gibt es zu diskutieren?
    Die Intention der „Entdeutschung“ ist ja wohl klar.
    „Wir waren’s nicht“.

    Zum Kotzen, mehr gibts da nicht zu sagen.

  11. Gravatar Icon 11 lysis 11. März 2007 um 22:10 Uhr

    yahya, wo ist jetzt eigentlich dein Punkt? Du formulierst das Ganze in einer Art Stilkritik, sagst aber zur Sache selber gar nicht aus. Im Grunde tust du genau das, was du mir die ganze Zeit vorzuwerfen beliebst: du schwallst und drückst dich um jede inhaltliche Kritik!

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