Eine ganz gute Charakterisierung des Maoismus hab ich bei Wikipedia gefunden:
Das Ziel der maoistischen Praxis ist letztendlich der industrielle Fortschritt, das Ein- und Überholen der ehemaligen Kolonialherren England und USA. Beim Lesen von Maos Schriften erscheint auch der Sozialismus nur als ein Mittel zur Erlangung des Fortschritts (siehe Zitat unten). Daher könnte man die mittlerweile fast abgeschlossene Wiedereinführung des Kapitalismus in China durch Maos Nachfolger als konsequente Verfolgung seiner Theorie interpretieren. Dieses Ziel der Industrialisierung um jeden Preis teilt der chinesische Maoismus mit dem Stalinismus, der ebenfalls die Industrialisierung auf der Basis von Diktatur und Zwangsarbeit aufbaute. Ein wichtiges, im Grunde sogar das wesentliche Ziel des Marxismus, nämlich die Emanzipation auch des einzelnen Menschen von äußeren Zwängen, ist hier aufgegeben. Verfolgte Marx noch das Ziel der „Assoziation der freien Produzenten“, so findet sich im Maoismus der einzelne unter totalem Zwang.
Da war wohl ein kleiner Trotzkist am Werk?
Übrigens:
Prominenteste Ex-Maoisten in Deutschland sind wohl die Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt und der Fußballspieler Paul Breitner.

Ich hege ja beinahe Hoffnungen, dich für unsere Kundgebung vor der chinesischen Botschaft zu interessieren: http://www.classless.org/2007/05/02/organisationstreffen-china-aktion/
Nur mal vorsichtig angefragt – nicht hauen!
Sorry, Außenpolitik interessiert mich nicht, und ich bilde mir nicht ein, als Subalternisierter Weltpolitik machen zu können. Auf Demonstrationen geh ich durchschnittlich einmal pro Jahr (1. Mai), um meine Ablehnung des Kapitalismus zu bekunden, da für geringere Ziele (Hatz IV abschaffen etc.) meine Motivation im Allgemeinen nur selten ausreicht (wenn Hartz IV abgeschafft ist, gibt’s den Kapitalismus ja immer noch! Also wozu erst gegen Hartz IV demonstrieren und nicht gleich gegen den Kapitalismus?). Ich gebe sogar zu — wenn auch mit einer gewissen Schamesröte im Gesicht —, dass ich in meinem ganzen Leben noch an keiner Antifa-Demo teilgenommen habe, aber dafür immerhin an einer Demo für ein CSU-Verbot („Das forder ich, das forderst du, das Verbot der CSU!“). Das war Mitte der 90er, nur werden solche Demos heute leider nicht mehr durchgeführt. Die Linke ist halt pragmatisch, also sozialdemokratisch geworden — und das heißt größenwahnsinnig (USA! Iran! Israel!). Da pass ich einfach nicht mehr rein.
Hältst du es in Anbetracht dessen für sehr aussichtsreich, mich für eine Anti-China-Kundgebung zu werben? Mmh, nein, ich glaub, ich muss dich enttäuschen.
Als ob irgendein anderer Staat besser wäre…
Naja, war‘n Versuch. Geht ja auch nur zum Teil um Außenpolitik und letztlich viel mehr um eine Besetzung des Begriffs Kommunismus…
Begriffe zurückerobern ist noch nie meine Sache gewesen. Sonst hätt ich das auch mit „antideutsch“ versuchen müssen. Zwecklos!
„Auf Demonstrationen geh ich durchschnittlich einmal pro Jahr…“
schilddrüsenunterfunktion halt!
Anyway, das ist der Aufruf zur China-Aktion:
http://www.classless.org/2007/05/16/aufruf/
Ich finde den Vergleich mit dem „Stalinismus“ aufgrund von Zwangsarbeit schwierig, lag doch die Stärke des „Maoismus“ -so wir ihn jetzt einmal als ideologische Ausformung einer Entwicklungsdiktatur sehen- in der tatsächlichen Mobilisierung von Massen für Kampagnen unterschiedlicher Art von geradezu utopischem Ausmaß. Ein Vergleich mit Zwangsarbeit in der Sowjetunion scheint mir da Fehl am Platz.
Ich habe mir das Zitat nun noch einmal durchgelesen und halte es dahingehend für keine „ganz gute Charakterisierung“ (Lysis) als dass die dargelegt Möglichkeit die Entwicklung der VR China als die konsequente Verfolgung einer Entwicklungsstrategie zu sehen, eine Konstruktion ist. Tatsache ist, doch -einmal davon ausgegangen in der VR China sei der Kapitalismus tatsächlich „wiedereingeführt“ worden- dass die „maoistische Praxis“ eben gerade kein Beispiel für eine dahinorientierte Entwicklung insbesondere eine Industrialisierung ist. Und Tatsache ist auch, dass die alternativ zu Mao vertretene Linie, des Liu Shaoqui zu der man auch andere als „pragmatisch“ zu betrachtende Personen wie Zhou Enlai und letzten Endes Deng Xiaoping zählen kann, diejenige ist, die die volontaristische Politik Maos mit mit tatsächlichen Entwicklungszielen wie Modernisierung (bei Mao: „gegenwärtig unmöglich“) oder einer Verbesserung der Produktionsstruktur gegenübertrat und auch, die war, die nach dem Tode Maos und den Umbrüchen bis 1978 wieder aufgenommen wurde. D.h. man hat es ganz offensichtlich mit einem Bruch zu tun.
Dass natürlich die „Emanzipation auch des einzelnen Menschen von äußeren Zwängen“ nur durch eine entsprechende ökonomischen Basis überhaupt möglich wird, sollte klar sein. In dieser Argumentation jedoch ist sie vernab der konkreten historischen Bedingungen und ähnlich utopistisch, wie die Vorstellungen eines Mao Zedong.
Die Marx-Engels-Stiftung lädt ein zur Konferenz:
China im Aufbruch – wohin?
Marburg
12./13. April 2008
Samstag, 11.00 Uhr bis 18.30 Uhr – Sonntag, 10.00 Uhr bis 14.30 Uhr
Nicht erst die jüngsten Unruhen in Tibet – deren „Timing“, wenige Monate vor den Olympischen Spielen in Peking, kaum Zufall sein dürfte –, verleihen der Frage nach den Perspektiven des Landes, in dem über ein Fünftel der Weltbevölkerung lebt, höchste Aktualität. In den letzten Jahrzehnten hat China einen stürmischen ökonomischen Aufschwung genommen. In China produzierte Waren sind auf allen Märkten der Welt präsent; gleichzeitig macht die insgesamt gestiegene Kaufkraft der chinesischen Bevölkerung China zu einem der interessantesten Absatzmärkte für die Exportindustrie der kapitalistischen Metropolen.
Aber Wirtschaftswachstum und sozialer Fortschritt gehen, wie wir aus eigener Erfahrung wissen, nicht unbedingt Hand in Hand. Was in letzter Zeit etwa über brutale Arbeitsbedingungen in chinesischen Ziegeleien und Bergwerken, über dramatische Umweltschäden im „Land der Mitte“ zu lesen war – sind das von der westlichen Propaganda hochgespielte Einzelfälle, oder ist das symptomatisch für die soziale Schieflage einer ganzen Gesellschaft?
Wohin geht die von einer kommunistischen Partei regierte Volksrepublik China? Zur Beantwortung dieser Frage soll diese Tagung beitragen.
Die ReferentInnen und ihre Themen:
Manfred Szameitat, Frankfurt a.M.: Besonderheiten des chinesischen Kapitalismus
Prof. Dr. Helmut Peters, Berlin: VR China: 30 Jahre Reform- und Öffnungspolitik
Prof. Dr. Theodor Bergmann, Stuttgart: Vergleich der Entwicklungsstrategien China – Indien
Dr. Matin Baraki, Marburg: Die Afghanistanpolitik der VR China
Ulrike Eifler, M.A., Marburg: Klassenkämpfe in China
Rolf Berthold (ehem. Botschafter der DDR in der VR China), Berlin: Ergebnisse des 17. Parteitags der KP Chinas
Wolfgang Pomrehn, Berlin: Umweltprobleme in China
Prof. Dr. Manfred Lauermann, Hannover: Kulturrevolution nach 40 Jahren: Gibt es Kontinuitäten?
R. Berthold und H. Peters werden im Rahmen ihrer Beiträge auch auf die Entwicklung in und um Tibet eingehen. Es besteht Gelegenheit zu ausführlicher Diskussion.
Download der Ankündigung als PDF: China im Aufbruch – wohin?