Stichwort Antiamerikanismus

Alan Posener, Ex-Maoist und Kommentarchef der WamS:

Der Antiamerikanismus hat eine lange und – im Gegensatz zum Antisemitismus – ehrenhafte intellektuelle Tradition, und es schadet der Diskussion und der Demokratie, wenn er tabuisiert wird.


2 Antworten auf „Stichwort Antiamerikanismus“


  1. Gravatar Icon 1 Danny O. 22. Mai 2007 um 11:15 Uhr

    posener hat einfach keinerlei ahnung von der materie; sieht antisemitismus als etwas rassistisches und verkennt den wahnhaften charakter des historischen antiamerikanismus, der die angst vor dem kapitalismus von der abstrakten auf die greifbarere ebene der konkreten abneigung gegenüber den scheinbaren kapitalismus-vorreitern bringt. nikolaus lenau hat schon 1832 eines genau gewusst: „Die Amerikaner sind himmelanstinkende Krämerseelen. Tot für alles geistige Leben, mausetot“
    antiamerikanismus ist eben kein spiegelbild des amerikanismus. l-)

  2. Gravatar Icon 2 lysis 22. Mai 2007 um 14:10 Uhr

    ja, der antiamerikanismus ist eine reaktionäre ideologie, aber posener hat recht, dass er weder ein rassismus ist noch auf der gleichen stufe wie der antisemitismus steht. er ist ebenso ärgerlich wie harmlos: eine form konservativer, gegen die modernisierung europas (!) gerichteter „kulturkritik“, die vom kapitalismus als solchem nicht reden will. stattdessen wird die zunehmende auflösung alteuropäischer traditionen, die als per se gut wahrgenommen werden, auf den schädigenden „kulturellen einfluss“ von jenseits des atlantik zurückgeführt. dies wird aber nicht am einzelnen amerikaner festgemacht, weshalb der antiamerikanismus, anders als der antisemitismus, nicht zu persönlichen angriffen auf individuen führt und es daher töricht wäre, beides auf dieselbe stufe zu heben.

    der begriff „amerikanismus“ wurde übrigens nicht nur von der katholischen kirche, sondern auch von antonio gramsci geprägt, der versucht hat, daraus eine analytische kategorie zu zimmern, die man heute als fordismus bezeichnet. entweder kennt posener gramsci nicht oder er hält die linke mittlerweile für so irrelevant, dass er sie nicht mehr erwähnen zu müssen glaubt.

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