In Vorbereitung auf eine mündliche Prüfung musste ich in drei Tagen ein kleines Exposé zum Thema „kultureller Rassismus“ verfassen. Das Thema hat sich jetzt zu „‚Kultur‘ und ‚Rasse‘ im Deutschen Kaiserreich“ verschoben. Aber damit ich das Papier nicht ganz umsonst geschrieben habe, mülle ich jetzt einfach mal meinen Blog damit zu! Vielleicht interessiert’s ja jemanden …
Pierre- André Taguieffs Essay „Die ideologischen Metamorphosen des Rassismus und die Krise des Antirassismus“1 gilt als einer der wichtigsten Beiträge zur Rassismusforschung der letzten Jahre. Thema ist ihm einerseits die Verschiebung vom biologischen zum kulturellen Rassismus sowie andererseits die Erstarrung des „kommemorativen Antirassismus“, der nicht nur unfähig sei, diese ideologischen Verschiebungen zu registrieren, sondern auch unwillens, die eigene Verstricktheit in die Modernisierung des Rassismus zur Kenntnis zu nehmen. „Kommemorativ“ nennt Taguieff diesen Antirassismus, weil er in sämtlichen Formen des Rassistischen lediglich eine Wiederkehr der nazistischen „Rassenlehre“ erkenne und sich damit blind mache gegen die neuen Formen des Rassismus.
Biologischer und kultureller Rassismus
Der klassischen antirassistischen Theorie gilt Rassismus als ein „zoologischer Materialismus“, der auf zwei Annahmen gründe: (1) der Determinierung des Sozialen und Kulturellen durch das Biologische und (2) der Ungleichheit und Hierarchisierbarkeit menschlicher Gruppen. Bereits in den 30er und 40er Jahren sei, wie Taguieff behauptet, das Konzept des Kulturrelativismus die entscheidende Waffe gewesen, um diese beiden Grundannahmen zu widerlegen und in ihr Gegenteil zu verkehren. An die Stelle eines biologischen sei ein environmentaler oder kultureller Determinismus getreten, an die Stelle der Ungleichheit die Unvergleichbarkeit oder Gleichwertigkeit der Kulturen.
Zunächst aber ist festzustellen, dass sich die UNESCO nach 1945 wesentlich darauf konzentrierte, den diese beiden Annahmen verbindenden Rassenbegriff zu widerlegen, indem sie in verschiedenen Deklarationen erstens darauf hinwies, dass es keine wissenschaftliche Grundlage gebe, um Menschen in höhere und niedere Rassen einzuteilen, und zweitens seit den 70er Jahren im Einklang mit der anthropologischen Forschung das Konzept der „Menschenrassen“ selbst für wissenschaftlich unbrauchbar, wertlos und falsch erklärte. Von dieser Warte aus galt der „wissenschaftliche Rassismus“ als ein für allemal geschlagen. Aber auch unabhängig davon wurde die Berufung auf eine biologische Ungleichwertigkeit der „Menschenrassen“ aufgrund der Gräuel des Nazi-Rassismus mehr und mehr zur Rarität.
Der Neorassismus, so konstatiert Taguieff mit Verweis auf seine Analyse der französischen „Nouvelle Droite“ und deren Vordenker Alain de Benoist, mache sich nun gerade die Kritik der Linken am Rassismus (scheinbar) zu eigen, indem er an die Stelle „rassischer“ Ungleichheit die verabsolutierte kulturelle Differenz setzt. Kulturelle Vielfalt werde, wie im multikulturalistischen Diskurs, als positiv bejaht; aber zugleich stelle man eine Phobie gegen jede Art der „Mischung“ zur Schau. Migrant_innen aus „anderen Kulturen“ gelten als nicht-assimilierbar, ihre Anwesenheit als „Überfremdung“, Massenzuwanderung als eine Form des „Ethnozids“.
Trotzdem gibt es etwas Wesentliches, das diesen neuen mit dem alten Rassismus verbindet: hier wie dort wird das Individuum darauf reduziert, eine bestimmte Totalität zu repräsentieren, sei es das „Rassen-Gefängnis“, den „Volks-Organismus“ oder den „Kultur-Kerker“. Mit der Abwertung des Individualismus („Nur das Verhalten des Einzelnen zählt, nicht seine Herkunft, Abstammung oder Hautfarbe“) gehe zugleich eine solche des Universalismus einher: es gebe keine universellen Maßstäbe, die von allen geteilt oder zumindest eingesehen werden könnten; es gebe nur die miteinander inkompatiblen Werte der einzelnen Kulturen.
Im Folgenden soll es mir darum gehen, Taguieffs Darstellung in zwei Punkten zu problematisieren: erstens indem ich die Frage aufwerfe, ob der „kulturelle Rassismus“ tatsächlich ein völlig neuartiges Phänomen darstellt, und zweitens indem ich seinen Bezug zum Universalismus untersuche: Stützen sich neorassistische Strategien außerhalb der extremen Rechten wirklich notwendig auf eine kulturrelativistische Argumentation? Oder kann man nicht umgekehrt feststellen, dass die Kulturalisierung des „Anderen“ auch und gerade mit der Universalisierung des „Eigenen“ verbunden ist?
Genealogie des deutschen Kulturbegriffs
Gerade in Deutschland ist die Behauptung von der Neuartigkeit eines differenzialistischen Kulturbegriffs relativ abwegig, stellte doch der Bezug auf die eigene „Volkskultur“ im 19. Jahrhundert den zentralen Begründungsmodus für die Herstellung eines deutschen Nationalbewusstseins dar. In Ermangelung eines präexistierenden politischen Nationalkörpers sollte „Kultur“ die Einheit der Deutschen über verschiedene Landesgrenzen hinweg verbürgen. Der von Johann Gottfried Herder geprägte völkisch-nationalistische „Kultur“-Begriff tauchte dabei etwa gleichzeitig mit dem in Deutschland von Immanuel Kant eingeführten „Rasse“-Begriff auf. Beiden ging es in letzter Instanz um die Herstellung eines spezifisch deutschen „Volksgeistes“ oder „Nationalcharakters“, der von Kant in einem klimatisch-geographisch bestimmten „Naturvermögen“, von Herder in einer hermeneutisch zu rekonstruierenden „Kulturgeschichte“ verortet wurde.
Dass Herder hier einen veritablen deutschen Sonderweg begründete, zeigt sich beispielhaft in der 1915 verfassten Polemik von Louis Dimier, der ausgerechnet für die rechtsextreme Action française eine universalistische Kritik am deutschen Kulturbegriff formulierte:
„Entweder ist die Kultur nichts, oder sie ist etwas, was die Nationen gemeinsam haben. Sie kann daher keine nationalen Kennzeichen aufweisen. Sie kann nur in der Entdeckung und Anwendung, in der Praxis und Gewohnheit der Grundsätze, die für alle Menschen gelten, bestehen. Die lokalen Vorurteile, partikulare Launen, ethnische Determiniertheit gehören nicht dazu. Es gibt also keine deutsche Kultur, es kann und wird sie nicht geben, und ebensowenig eine französische oder englische, italienische, türkische Kultur oder die der Buschmänner.“2
Spätestens mit der deutschen Reichsgründung erhielt der von Dimier kritisierte differenzialistische Kulturbegriff eine über seine nationalistischen Implikationen weit hinausreichende rassististische Bedeutung. Denn entgegen dem Selbstverständnis nationalistischer Kreise stellte sich das deutsche Kaiserreich nach 1871 keineswegs als ein „ethnisch“ homogener Nationalstaat dar. Vielmehr handelte es sich de facto um ein transnationales Empire.3 So lebten auf preußischem Territorium neben einer großen polnischsprachigen Minderheit auch eine Reihe von hybriden Bevölkerungsgruppen wie den Masuren, Kaschuben und Russisch-Litauern, die in „ethnischen“ Begriffen nicht eindeutig zuzuordnen waren.4 Durch den differenzialistischen deutschen Kulturbegriff wurden sie zu „Fremden“ im eigenen Land, denen man schließlich sogar die (gegen Ende des 19. Jahrhunderts immer bedeutsamer werdende) Staatszugehörigkeit vorzuenthalten suchte.
Spätestens mit dem Reichsansiedlungsgesetz von 1886 nahm die Politik gegenüber den polnischen Bewohnern Preußens zunehmend koloniale Züge an (Diskriminierung, Enteignung, Vertreibung). Dies konnte sowohl mit dem Herderschen Kultur- als auch mit dem Kantschen Rassebegriff gerechtfertigt werden. Im Rahmen des Rassebegriffs stellte sich die nationale Ausgrenzungspolitik als partikularistischer Kampf um „Lebensraum“ dar, in dem die „slawische Rasse“ gemäß der sozialdarwinistischen Doktrin einem überlegenen „Deutschtum“ zu weichen hätte. Gleichzeitig reklamierten die deutschen Ostmarken-Vereine aber auch eine universalistische „Kulturmission“ für sich – ähnlich wie die Briten und Franzosen im Hinblick auf ihre Kolonien von einem „Zivilisierungsauftrag“ sprachen. So konnte die deutsche Besiedlung zugleich als für die Polen selbst vorteilhaft dargestellt werden.
Dieselbe wahlweise mit dem Rasse- oder dem Kulturbegriff operierende Rhetorik wurde gegenüber den deutschen „Schutzgebieten“ in Afrika geltend gemacht. So konnte das Verbot von „Rassenmischehen“ (1905-1912) auch mit der Angst vor dem Verlust der Kultur durch die „Verkafferung“ der deutschen Siedler begründet werden. Die Frauenbünde für die Kolonien sahen ihre Aufgabe entsprechend vor allem als Kulturwahrerinnen, indem sie heiratsfähige deutsche Frauen für ein Leben in Südwestafrika zu gewinnen versuchten.5
Bereits Jahrzehnte vor der Inbesitznahme der Kolonien hatte sich dabei die Unterscheidung zwischen den europäischen „Kulturvölkern“ und den afrikanischen „Naturvölkern“ herausgebildet. Es verwundert daher nicht, dass sich die Ethnologie zunächst als eine Naturwissenschaft begriff.6 Ihre Methode bestand in der Sammlung, Vermessung und Zuordnung von Artefakten und „Negerschädeln“, nicht etwa in dem Versuch, die „geschichtslosen“ Völker zu „verstehen“.
Dies änderte sich allerdings mit der Veröffentlichung des revolutionären Standardwerks Ursprung der afrikanischen Kultur von Leo Frobenius, der mit seinem Begriff der „Kulturkreise“ nicht nur den Gegensatz zwischen Natur- und Kulturvölkern aufhob, sondern unter Verweis auf orale Traditionen auch den Mythos von der Geschichtslosigkeit der afrikanischen Völker widerlegte. Dieser egalitäre Kulturbegriff erfuhr durch die Schriften des deutschen Emigranten Franz Boas schließlich auch internationale Anerkennung und Verbreitung. Mit seinem methodologischen Postulat des „Kulturrelativismus“, wonach Kulturen nur aus sich selbst heraus zu verstehen seien und keinen allgemeinen Entwicklungsgesetzen folgten, legte Boas zugleich den Grundstein für eine Ethik des – wie Pierre-André Taguieff es nennt7 – „differenzialistischen Antirassismus“, der „Respekt vor anderen Kulturen“ fordert, ihre Vielfalt preist und jede Bewertung von außen als illegitime Übertragung eigener Werte auf den kulturell „Anderen“ verurteilt.
Differenzialistischer und universalistischer Antirassismus
Für Taguieff stellt der differenzialistische Antirassismus den Gegenpol zum universalistischen Antirassismus dar, der sich das Ziel gesteckt hat, Kategorien wie Hautfarbe, „Rasse“ oder Ethnie zu überwinden bzw. ihrer gesellschaftlichen Relevanz zu entkleiden. So geht es letzterem gerade nicht um die Wahrung des Anderen, sondern vielmehr genau umgekehrt: um die Kritik an rassistischen Praktiken der Herstellung von „Anderen“.
Taguieff zufolge reagieren beide Antirassismen auf eine spezifische, ihnen komplementäre Form des Rassismus, während sie sich der jeweils anderen Form gegenüber blind verhielten. Ob dies stimmt – ob etwa ein universalistischer Antirassismus unfähig ist, Praktiken der symbolischen Entwertung „anderer Kulturen“ oder ihrer „ethnophagen Assimilation“ zu kritisieren – wäre noch genauer zu prüfen. Zumindest aber scheint es evident, dass sich beide Antirassismen zunächst in unterschiedlichen historischen Kontexten entwickelt haben: der differenzialistische Antirassismus als implizite oder explizite Kritik an der „Kultur-“ bzw. „Zivilisierungsmission“ des Westens und den daraus abgeleiteten kolonialen Herrschaftsansprüchen sei es gegenüber den Afrikanern in den deutschen „Schutzgebieten“, wie im Fall von Leo Frobenius, sei es, wie im Falle Franz Boas‘, gegenüber den „Indianern“ und Inuit in Nordamerika. Demgegenüber hat der universalistische Antirassismus seine Wurzeln vor allem in der Kritik an der nationalsozialistischen „Rassenlehre“ und späterhin an den diskriminierenden Praktiken der „Rassentrennung“ in den USA und Südafrika.
Gleichwohl kann man heute von einer unausgesprochenen Konkurrenz beider Antirassismen etwa bezogen auf Phänomene wie das der „Ausländerfeindlichkeit“ in Deutschland sprechen. So stellte sich der staatlich-zivilgesellschaftliche Multikulturalismus der 1980er Jahre als ein differenzialistischer Antirassismus dar, der pädagogisch auf Werte wie „Vielfalt“ und „Toleranz“ setzte, während er sozialtechnologisch auf die Finanzierung von herkunftsbezogenen „Community“-
Demgegenüber war in der linken antirassistischen Praxis weiterhin ein universalistischer Antirassismus hegemonial, der beispielsweise in der Kritik an den diskriminierenden Praktiken des deutschen „Ausländerrechts“, am entwürdigenden Umgang mit Flüchtlingen in Sammelunterkünften, an der restriktiven Asylrechtspraxis, an der Abschiebung durch deutsche Behörden sowie an rassistischen Übergriffen auf Migrant_innen und Nicht-Weiße mündete. Im großen und ganzen kann man hier von einer Kritik an der Produktion von rassistischen Ausschlüssen qua Hautfarbe und Staatsbürgerschaft reden. Verhandlungen um „Vielfalt“ und „kulturelle Differenz“ spielten in diesem Diskurs dagegen so gut wie gar keine Rolle.
Kulturalisierung als rassistische Praxis
Eine Langzeitwirkung des multikulturalistischen Diskurses kann darin gesehen werden, dass er einen fundamentalen Wandel in der rassistischen Funktionsweise des deutschen Kulturbegriffs mit sich brachte. Es handelte sich jetzt nicht mehr um die Opposition: deutsche Kultur vs. kulturlose Ausländer, sondern vielmehr um die Dichotomisierung zwischen deutscher Gesellschaft und „anderen Kulturen“. Denn von „Kultur“ war nun fast nur noch im Zusammenhang mit Migrant_innen die Rede. Gerade in dem auf „Multikulti“ folgenden Leitwerte- und Integrationsdiskurs reklamierte die deutsche Gesellschaft für sich zunehmend den Besitz universalisierbarer Werte, wie etwa Demokratie, Gleichberechtigung der Frau und Toleranz gegenüber Homosexuellen. Dem standen die „patriarchalischen Kulturen“ der Einwanderer gegenüber, die als vormoderne und tradionelle Gemeinschaften konstruiert wurden. Angesichts von Topoi wie „Ehrenmord“ und „Kopftuchzwang“ erwies sich der differenzialistische Antirassismus am Ende als ein unbrauchbares Instrument, konnte man diesen Praktiken gegenüber doch schwerlich so etwas wie ein „Recht auf kulturelle Differenz“ geltend machen.
Mehr noch aber trug der „Multikulti“-Diskurs selbst dazu bei, dass das Verhalten einzelner Migrant_innen kollektiviert wurde, indem man es unter dem Rubrum „Kultur“ verhandelte. Es interessierte nicht, dass nach einer Gallup-Studie beispielsweise nur drei Prozent der Londoner Muslime „Ehrenmorde“ für moralisch legitim hielten; sobald das Phänomen als essentialistischer Ausdruck einer „anderen Kultur“ gedeutet wurde, war das Thema nicht mehr das individuelle Fehlverhalten der Täter; vielmehr wurde das gesamte Verhältnis der deutschen Gesellschaft zu den hier lebenden Muslim_innen problematisiert und auf den Prüfstand gestellt.
Gerade jedoch bei Straftaten, die gleichermaßen von „Deutschen“ und „Nichtdeutschen“ begangen werden (beide Begriffe unterliegen nach wie vor einer überwiegend ethnischen Interpretation!), fällt auf, wie sehr der Kulturbegriff dazu dient, eine rassistische Differenzproduktion anzustoßen. So werden homophobe Gewaltakte, wenn sie von Deutschen ausgehen, individualisiert bzw. als ein „normales“ gesellschaftliches Problem behandelt, während dieselben Vergehen, begangen von „Nichtdeutschen“, auf den „kulturellen Hintergrund“ der Täter bezogen werden. Entsprechend meint etwa die „Siegessäule“, ihres Zeichens die größte lesbisch-schwule Szenezeitschrift in Deutschland, dass Schwule eine Recht darauf hätten, „dass der kulturelle Background der Täter beim Namen genannt wird“,9 ohne auch nur mit einem Wort begründen zu können, worin sich die durch Migrant_innen verübten Gewalttaten denn nun von denen der deutschen Täter unterschieden.
Die renommierte NZZ geht sogar noch einen Schritt weiter und beklagt „das generelle Verschweigen der ethno-religiösen Zugehörigkeit von Straftätern“,10 ganz unabhängig ob es sich um Vergewaltigung, Raubmord oder Taschendiebstahl handelt. Der Autor rebelliert damit ganz offen gegen einen Grundsatz des Pressekodex, in dem sich die Ethik eines universalistischen Antirassismus niedergeschlagen hat: „In der Berichterstattung über Straftaten wird die Zugehörigkeit der Verdächtigen oder Täter zu religiösen, ethnischen oder anderen Minderheiten nur dann erwähnt, wenn für das Verständnis des berichteten Vorgangs ein begründbarer Sachbezug besteht. Besonders ist zu beachten, dass die Erwähnung Vorurteile gegenüber Minderheiten schüren könnte.“ Doch mittlerweile ist die „andere Kultur“ des Migranten als omnirelevant gesetzt: nichts entgeht ihr, „sie ist“, um mit Foucault zu sprechen, „überall in ihm präsent: allen seinen Verhaltensweisen unterliegt sie als hinterhältiges und unbegrenzt wirksames Prinzip“.11
Ist der Neorassismus ein Kulturrelativismus?
Vor diesem Hintergrund muss man Taguieffs Behauptung, dass der Neorassismus seiner ganzen Logik nach an eine kulturrelativistische Argumentation geknüpft wäre, grundsätzlich hinterfragen. In der Debatte über „Ausländerkriminalität“ stellt sich der „kulturelle Rassismus“ vielmehr gerade dadurch her, dass das Eigene als unmarkierte, nicht weiter problematisierenswerte Norm erscheint, während das Verhalten von Migrant_innen einem pauschalen kulturellen Othering unterliegt. Wenn die NZZ fordert, die „religiös-ethnische Zugehörigkeit von Straftätern“ nicht länger zu verschweigen, sind damit selbstverständlich nicht christliche Schweizer, sondern die als „fremd“ betrachteten Kinder von muslimischen Einwander_innen gemeint. Ihr delinquentes Verhalten wird, wo es nur geht, als Ausdruck einer abweichenden und Probleme aufwerfenden “Fremdkultur” gelesen.
Gerade bei Delikten, die sowohl von „Deutschen“ als auch von „Nichtdeutschen“ begangen werden (z.B. homophobe Übergriffe), drückt sich der „neorassistische Differenzialismus“ (Taguieff) in der Anwendung zweier asymmetrischer Interpretationsfolien aus. Mit der Begrifflichkeit von Ferdinand Tönnies könnte man diese beiden Folien als die Konzepte von Gesellschaft und Gemeinschaft bezeichnen:12 Handlungen von deutschen Tätern werden gemäß dem Gesellschaftsbegriff individualistisch erklärt (sie sind das Resultat einer persönlichen Entscheidung, erlauben keine Rückschlüsse auf einen „kollektiven Wesenswillen“ und unterliegen der Möglichkeit historischer und sozialer Varianz), während Handlungen von Migrant_innen gemäß der Logik des Kulturbegriffs als Wesensausdruck einer partikularistischen Gemeinschaft interpretiert werden (individuelles Handeln fügt sich widerspruchslos in einen homogenes Normensystem, kennt keine soziale Variation und steht stellvertretend für die Werte aller anderen Gemeinschaftsmitglieder).
Der zumindest in Deutschland hegemoniale Neorassismus lässt sich daher nicht als ein Kulturrelativismus deuten. Es scheint angemessener, ihn als eine partikularisierende Differenzproduktion zu charakterisieren, der es um die Konstruktion eines homogenen „kulturellen Anderen“ geht. Der Multikulturalismus, eine Praktik des differenzialistischen Antirassismus, lieferte dafür eine historische Steilvorlage, indem er soziale Auseinandersetzungen um Diskriminierung und gesellschaftliche Teilhabe als kulturelle Identitätskonflikte reinterpretierte, die von einem Mangel an kollektivem „Respekt“ zeugten.
Zusammenfassung und Schlussfolgerungen
Auf dieser Basis lässt sich eine grundsätzliche Kritik am differenzialistischen Antirassismus formulieren, den Taguieff zwar relativiert, aber niemals völlig preisgibt: Die Interpretation von Gesellschaften als Kulturen und d.h. partikularistischen Gemeinschaften ist ein Reduktionismus, der sein Objekt sämtlicher sozialer Widersprüche und Herrschaftskategorien entkleidet, um es künstlich zu homogenisieren und als eine undifferenzierte Totalität vorzustellen. Es war dies zunächst eine historische Selbstinterpretation des deutschen Bürgertums, das sich mithilfe des Kulturbegriffs trotz fehlender staatlicher Einheit als eine nationale Gemeinschaft imaginieren konnte. „Kultureller Rassismus“ funktionierte im Kaiserreich wesentlich durch die Ausgrenzung von heterogenen Anderen aus der „deutschen Kulturgemeinschaft“ oder – im kolonialen Kontext – durch das Absprechen von Kultur und die Konstruktion vermeintlich geschichtsloser „Naturvölker“. Seit 1900 reagierte die deutsche Ethnologie darauf, indem sie die kolonisierten Völker als gleichwertige „Kulturen“ zu beschreiben und ihre Dichtung und oralen Traditionen zu rekonstruieren versuchte. „Respekt vor anderen Kulturen“ wurde zum Gründungsethos des differenzialistischen Antirassismus. Der Multikulturalismus übertrug diesen Kulturbegriff erstmals auf migrantische Zusammenhänge in Deutschland, schuf damit aber zugleich eine Interpretationsfolie, um soziale Interessenkämpfe in Wert- und Identitätskonflikte zu verwandeln, aus denen Migrant_innen mehr und mehr als ein rückständiges, erziehungsbedürftiges und zu disziplinierendes Anderes auftauchen.
- Pierre-André Taguieff, „Die Metamorphosen des Rassismus und die Krise des Antirasssismus“. In: Ulrich Bielefeld, Hg., Das Eigene und das Fremde. Neuer Rassismus in der Alten Welt? (Hamburg 1998), 221-268. [zurück]
- Zit. n. Pierre-André Taguieff, Die Macht des Vorurteils : Der Rassismus und sein Double (Hamburg 2000), 124. [zurück]
- Philipp Ther, „Deutsche Geschichte als imperiale Geschichte. Polen, slawophone Minderheiten und das Kaiserreich als kontinentales Empire“. In: Sebastian Conrad und Jürgen Osterhammel, Hg., Das Kaiserreich transnational : Deutschland in der Welt 1871-1914 (Göttingen 2004), 129-148. [zurück]
- Birthe Kundrus, „Weiblicher Kulturimperialismus. Die imperialistischen Frauenverbände des Kaiserreichs“. In: Conrad und Osterhammel, Hg., Das Kaiserreich transnational, 213-235. [zurück]
- Andrew Zimmerman, „Ethnologie im Kaiserreich. Natur, Kultur und ‚Rasse‘ in Deutschland und seinen Kolonien“. In: Conrad und Osterhammel, Hg., Das Kaiserreich transnational, 191-212. [zurück]
- Helmut Waiser Smith, „An Preußens Rändern oder: Die Welt, die dem Nationalismus verloren ging“. In: Conrad und Osterhammel, Hg., Das Kaiserreich transnational, 149-169. [zurück]
- Vgl. Taguieff, Die Macht des Vorurteils, 338-355. [zurück]
- Vgl. Frank-Olaf Radtke, „Lob der Gleich-Gültigkeit. Die Konstruktion des Fremden im Diskurs des Multikulturalismus“. In: Ulrich Bielefeld, Hg., Das Eigene und das Fremde. Neuer Rassismus in der Alten Welt? (Hamburg 1998), 79-96. [zurück]
- Martin Reichert, „Augen zu und durch“. Siegessäule 6/2007. [zurück]
- Heribert Seifert, „Die Kampf-Blogger. Internet-Tagebücher gegen die ’schleichende Islamisierung Europas‘“. NZZ, 4. 5. 2007. http://www.nzz.ch/2007/05/04/em/articleF4V6O.html. [zurück]
- Michel Foucault, Der Wille zum Wissen : Sexualität und Wahrheit 1 (Frankfurt a. M. 1983), 58. [zurück]
- Vgl. Ferdinand Tönnies, Gemeinschaft und Gesellschaft : Grundbegriffe der reinen Soziologie (Darmstadt 2005). [zurück]

Als Nachtrag noch eine den Kürzungen zum Opfer gefallene Passage:
Großartiger Text!
Sei aber ein wenig vorsichtig mit Kant und Herder. Die haben eher mittelbar in der geschilderten Hinsicht gewirkt, Kant sowieso noch mal ganz anders als Herder, aber egal – na, so egal nun auch nicht.
Da mußten erst noch Gobineau, Lagarde und andere Wixer hinzutreten, damit’s so richtig völkisch schief ging. Ziemlich gut dargestellt findet sich dieser ideengeschichtliche Hintergrund in Helmut Berdings „Der moderne Antisemtismus“. Wo eben überdeutlich wird, daß ein rassistisch untermauerter, kulturalistisch aufgeladener Nationalismus, der immer im Kontext imperialistischer Bestrebungen stand (ab 1890 ging’s dann richtig rund), die Ursuppe war, aus der das 3. Reich dann hervorkroch. Und die strukturelle Analogie dieser Denke im Kaiserreich zu den „Pro-Westlern“ heute ist in der Tat überdeutlich …
Danke, ich werde mir das mal anschauen. Ergänzende Literaturhinweise kann ich jetzt auch am besten gebrauchen!
… kleine Ergänzung noch: Ziemlich geballt fand sich dieses Denken beim „Alldeutschen Verband“, da gibt’s auch einige Literatur drüber. Der war mein mündliches Prüfungsthema
…
Wichtig für den deutschen Kulturbegriff – vor allem der sog. Ostforschung – ab den späten 20er Jahren des 20. Jhds. ist auch der Begriff des Bodens, z.B.:
W. Kuhn, Zur Abgrenzung des deutschen Volks- und Kulturbodens, in: Deutsche Hefte für Volks- und Kulturbodenforschung 2 (1933), S. 65-71.
Auch wird in der damaligen Zeit „deutsche Kultur“ fast ausschließlich als durch bäuerliche Lebensformen getragen betrachtet. War dies eigentlich auch in anderen Staaten üblich?
Das Gerede von den „deutschen Ostsiedlern“ zur Zeit des mittelalterlichen Landesausbaus als Verbreiter einer sog. abendländischen Kultur kommt übrigens spätestens in diesem Text vor:
H. Aubin, An einem neuen Anfang der Ostforschung, in: Zeitschrift für Ostforschung.Länder und Völker im östlichen Mitteleuropa. Im Auftrage des Johann Gottfried Herder-Forschungsrates E.V. herausgegeben von H. Aubin, E. Keyser, H. Schlanger 1 (1952), S. 1-16.
Überhaupt ist die Entwicklung der deutschen Erforschung des östlichen Mitteleuropas ein interessantes Thema. Dort fungieren abwechslend Kultur, Volk, Rasse als Abgrenzungskriterien zum „Fremden“ im Osten.
Meinst du mit damaliger Zeit den NS? In Bezug auf das Deutsche Kaiserreich scheint mir das nämlich nicht unbedingt plausibel. Wenn man unter „Kultur“ überhaupt irgendetwas Konkretes verstanden hat — oft wurde der Begriff einfach nur als leerer Signifikant gebraucht, um sich selbst als Volk zu konstruieren (vgl. dazu Birthe Kundrus über den Kulturbegriff der Frauenbünde für die Kolonien) —, dann hat man sich schon eher auf die deutsche „Hochkultur“ aus der Zeit der Aufklärung (Kant, Goethe, Schiller usw.) bezogen.
Das Klischee vom deutschen Erste-Weltkriegs-Soldaten, der den „Faust“ im Tornister mit sich herumgeschleppt hätte, ist ja kein Zufall, sondern damit sollte symbolisiert werden, dass der deutsche Militarismus nichts anderes als die Verteidigung der deutschen Kultur bezweckte. Ich hatte dazu auch ein passendes Zitat, und zwar das Pamphlet jener deutschen „Kulturschaffenden“, auf welche die Action française in ihrem oben zitierten Papier antwortet. Aber das Buch, in dem das Zitat vorkommt, habe ich gerade heute an einen Freund zurückgegeben und bekomme es wahrscheinlich erst Anfang nächster Woche wieder.
In anderen Staaten (vielleicht mit Ausnahme Italiens) hat man eigentlich nicht mit diesem Kulturbegriff hantiert. Zur Rechtfertigung des Kolonialismus wurde sowohl in Frankreich als auch in England der „Zivilisations“-Begriff gebraucht.
Ja, ich weiß, aber mir geht es eigentlich eher um den Rassismus des Mainstreams als um den rechtsextremer Gruppierungen.
Meine Geschichtsprüfungen habe ich glücklicherweise schon hinter mir. Eigentlich sollte das ja eine soziologische Prüfung werden, und das Kaiserreich war anfänglich nur als Exkurs gedacht, um zu demonstrieren, dass „kultureller Rassismus“, anders als von Taguieff behauptet, keine völlig neuartige Erscheinung ist. Der Dozent hat mich wohl vor allem deshalb auf die Vergangenheit abgedrängt, weil er bei mir die Gefahr sah, dass ich das Analytische und das Politische ansonsten „zu sehr vermischen“ würde.
Dummerweise existiert auch das Problem, dass Rassismus in der Soziologie eher ein neuer und kaum bearbeiteter Gegenstand ist. Klassisch-paradigmatische Ansätze zur Erklärung von Rassismus sind extrem rar gesät, falls sie überhaupt existieren. Gottseidank hab ich heute das Buch Psychologie des Rassismus von Mark Terkessidis entdeckt und ausgeliehen, das mir in diesem Zusammenhang sehr empfehlenswert erscheint. Es endet mit dem Kapitel „Auf dem Weg zu einer Theorie des Rassismus“. Worüber ich mich prüfen lasse, ist also eigentlich ein Desiderat, das man einstweilen noch notdürftig füllen muss. Schön dumm von mir, aber es wird schon schiefgehen, bin ja schließlich nicht auf den Mund gefallen!
Für mich war ja damals meine „Vorliebe“ für die nationalen Verbände im Kaiserreich eigentlich darin begründet, daß ich die Alldeutschen gar nicht als rechtsextrem, sondern als eine Art „Extremismus des Mainstreams“ selbst verstanden habe, bei allem elitären Getue der Honoratioren. Im Flottenverband, wenn ich mich recht entsinne ja der mitgliederstärkste im Kaiserreich, wurden dann ähnliche Topoi flächendeckend wirksam. Da gibt’s ja sogar Analogien zu „Think Thanks“ heute, Pipes und Konsorten, auch wenn Medien damals anders funktionierten.
In der ganzen Antisemtismus-Forschung habe ich auch einige Ansätze gefunden gehabt, die das zumindest vorbereitet haben, was Du oben schreibst – das ist jetzt aber tatsächlich 14 Jahre her, da weiß ich schon gar nicht mehr, was ich damals so alles gelesen habe.
Habe die aber auch schon damals immer durch die Foucault-Brille gelesen. Dieser ganze Quatsch, daß irgendwelche Kapitalismuskritiker den Antisemtismus quasi erfunden hätten, den lese ich ja immer als Tarnversuch, also als Ablenkung von genau diesen Forschungen.
Mark Terkessidis sagt mir dem Namen nach was; ich meine aber, daß in den US-Cultural-Studies doch sehr viel zu dem Thema geforscht wurde? Bin jetzt so lange raus, frage aber noch mal bei meinen Freunden vom „Braunen Mob“ (eine schwarze Media-Watch-Organisation) nach, die müßten da fit sein, was Literatur betrifft …
Ich bin gerade sooo begeistert von dem Mark-Terkessidis-Buch, auch wenn ich erst einige Kapitel überflogen habe! Ich kann das wirklich nur empfehlen, zumal Terkessidis‘ Leistung gerade darin besteht, Foucault für die Rassismustheorie fruchtbar zu machen.
Ich kannte das Buch zwar schon vom Namen her, aber hab mich nicht damit beschäftigt, weil es den Titel: Psychologie des Rassismus trug. In Wirklichkeit handelt es sich aber um eine Kritik an psychologischen Rassismustheorien.
Hier mal ein Ausschnitt:
Hier das Zitat, von dem ich sprach:
Aus: „Aufruf an die Kulturwelt“, 3. Oktober 1914, Punkt 6. Zit. n. Pierre-André Taguieff, Die Macht des Vorurteils, 122 f.
Punkt 5 übrigens:
… worauf die Action française antwortet:
Du redest von Migranten als wäre das ein Beruf. Früher hieß das Flüchtling oder Wanderarbeiter. Migrant ist ein Euphemismus.
Abgesehen davon: es geht dir ja darum, dass Muslime konkret für die Widerwärtigkeiten verantwortlich gemacht werden, die im Namen des Islams mit überwältigender Regelmäßigkeit begangen werden. Um das zu fassen, musst du von realen Umständen absehen, in denen es zu einer zugegeben aktuell widerwärtigen Pauschalisierung und meinetwegen Othering kommt. Dass der Antiziganismus, der auf Schwarze gerichtete Rassismus im Gegensatz dazu keine konkreten Ursachen hat, da es kein „schwarzes“ Weltbild gibt, wohl aber eine starke islamistische Strömung, verharmlost das panaschieren im Begriff „migranten“ und kultureller Rassismus jene grundlosen Varianten ohne Realitätsbezug.
Ähnlich fraglich wäre es zu behaupten, McCarthy hätte eine Hexenjagd veranstaltet, wie das in schöner Regelmäßigkeit passiert: Die einen richten ihre Aggression gegen Schwache ein. McCarhty und die Antiislamisten jeder Couleur haben ein real feindseliges Subjekt gegenüber, das vor Waffen und Aggression starrt. Ohne Islamismus gäbe es keinen Antiislamismus, wie verkehrt der auch bisweilen stattfinden mag und ohne Sowjets hätte McCarthy kaum Chancen gehabt.
Aber ohne jeder Ideologie auf Seiten des Objekts gibt es Rassismus, etwa Antiziganismus.
Es muss also zwangshaft davon abgesehen werden, was Zivilisation ist.
Zivilisation ist ein Begriff aus der Ära des Imperialismus, der die Herrschaft über die Kolonisierten gerechtfertigt hat. So einfach ist das!
Insofern wundert mich das überhaut nicht, dass du den Begriff wiedereinführen möchtest. Du schaffst dir damit ja sozusagen als Ethnologe dein eigenes Berufsfeld!
Den Begriff im Singular zu verwenden, bedeutet übrigens nichts anderes, als Gruppen zu konstruieren, die „unzivilisiert“ und das heißt „zivilisationsbedürftig“ seien. Gerade aus dem Munde der Nachkommen der Täter von Auschwitz ist das sehr amüsant, haben die doch eigentlich hinreichend bewiesen, was man unter ihrer Zivilisiertheit zu verstehen hat!
Ein Wanderarbeiter ist ja wohl nun definitiv etwas Anderes, nämlich jemand, der pausenlos umherstreift, um neue Arbeit zu finden. Und Flucht ist ein Sonderfall von Migration. Insofern ist das absoluter Bullshit. Du hast nur insofern recht, als „Migrantischsein“ mehr und mehr zu einer symbolischen Position wird, die durch rassistische Diskurspraktiken hervorgebracht und aufrecht erhalten wird, nämlich durch die Weigerung, die Kinder von Einwander_innen aus den 60er und 70er Jahren als Teil des „Eigenen“ zu akzeptieren.
Wo steht das in dem Text?
Mit demselben Argument könntest du den antizionistischen Brandsetzern, die in den 70er Jahren aus Protest gegen die israelische Politik ein jüdisches Gemeindehaus anzünden wollten, zugute halten, sie hätten ja durchaus einen Realitätsbezug gehabt, schließlich gäbe es den Zionismus ja wirklich! Auch wenn die Juden hierzulande gar nichts mit der israelischen Politik zu tun haben.
Jetzt toppst du aber wirklich alles! Die KPUSA hatte zur Zeit McCarthys überhaupt keine reale Bedeutung, es war eine Splitterpartei. Ebenso irrational war die Jagd McCarthys auf Homosexuelle, ganz nach dem Motto: „One homosexual can pollute a government office“. Die Homosexuellen würden den Staat durch Effeminierung schwächen und somit eine kommunistische Übernahme vorbereiten! Wenn das keine Hexenjagd war, was war es dann?
Im Übrigen ist das wirklich nichts als der Versuch, Migrant_innen für den Rassismus, der ihnen entgegenschlägt, selbst verantwortlich zu machen. Sozusagen die Strategie Möllemanns, nur auf ein anderes Objekt appliziert.