Unverbesserliche Deutschtümler

Thomas Ebermann über DIE LINKE und ihr Bekenntnis zu Volk und Nation:

(via freie-radios.net)


6 Antworten auf „Unverbesserliche Deutschtümler“


  1. Gravatar Icon 1 pro_kommunismus 17. Juli 2007 um 12:17 Uhr

    Nulltens suggeriert „Deutschtümelei“ einen „übertriebenen“ Nationalismus, suggeriert also, dass man sich auch einen harmlosen Nationalismus denken kann, nach dem Motto: Deutsch ist schon ok, DeutschTUM aber böse.

    Erstens ist es immer blöd jemandem vorzuwerfen, was er NICHT tut, nämlich die Nation abzulehnen. Das blamiert sich als Kritik nämlich sofort. Da wirft man der Linken an den Kopf: „Ihr seid doch Patrioten!“. Und dann sagen die: „Genau!“. Und dann?

    Zweitens wundere ich mich sehr, wie man auf die Idee kommen kann, der Linken Nationalismus nachweisen zu wollen. Und wieso man dafür in irgendwelchen Querfrontbüchern wühlen muss. Immerhin tritt die Linke ja als ein Verein an, der sich vom deutschen Volk dazu ermächtigen lassen will, das Personal der deutschen Regierung zu stellen, die deutsche Nation (mit) zu regieren. Wie kann man angesichts dessen überhaupt auf die Idee kommen, die müssten doch eigentlich eine schlechte Meinung von der Nation haben?

    Drittens hat die Linke in ihrem Nationalismus eine Gemeinsamkeit erst in zweiter Linie mit der NPD, in erster Linie mal mit allen anderen demokratischen Parteien. Aber offenbar sind radikale Linke wie Ebermann ohne den Nazivergleich immer noch ziemlich kritikunfähig. Das heißt nicht, dass ein Vergleich wie „Ihr seid so national wie die SPD“ mehr taugen würde, auch wenn die Tatsache, dass DIESEN Vergleich niemand macht viel aussagt über das jämmerliche Verständnis von Nationalismus in der radikalen Linken. Aber man sollte nicht Nationalisten vergleichen, sondern sagen was der Scheiß am Nationalismus ist.

    Was die Linke will, nämlich das Deutschland des Jahres 2000, die deutsche Klassengesellschaft mit Sozialhilfe statt Hartz IV, das ist von vorne bis hinten ein schädlicher Scheiß für alle vom Lohn Abhängigen. Aber anstatt die Linke dafür zu zerfetzen, versucht man sie lieber moralisch zu blamieren: alles Nazis! Das ist doch arm.

  2. Gravatar Icon 2 lysis 17. Juli 2007 um 20:33 Uhr

    [quote comment=“29103″]Nulltens suggeriert „Deutschtümelei“ einen „übertriebenen“ Nationalismus, suggeriert also, dass man sich auch einen harmlosen Nationalismus denken kann, nach dem Motto: Deutsch ist schon ok, DeutschTUM aber böse.[/quote]

    Mit Suggestion ist das so eine Sache. Das scheint mir eher im Auge des Betrachters zu liegen, denn ich jedenfalls wollte so etwas auf keinen Fall „suggerieren“. Und auch dem Interview von Thomas Ebermann lässt sich das nicht entnehmen. Übrigens ist das ja genau die von ihm kritisierte Strategie der LINKEN, welche einen „gesunden“ Patriotismus von einem „übertriebenen“ Nationalismus unterscheidet, um die „nationale Frage“ — mit all ihren Rassismen und Irrationalismen — in der Linken wieder hoffähig zu machen.

    Ansonsten bin ich leider aufgrund von akutem Stress nicht in der Lage, dir eine ausführliche Antwort zu geben. Sorry!

  3. Gravatar Icon 3 MPunkt 18. Juli 2007 um 15:38 Uhr

    Naja, lysis:

    Und auch dem Interview von Thomas Ebermann lässt sich das nicht entnehmen.

    Genau das ist doch der Inhalt des Interviews, wenn sich der Ebermann z.B. darüber aufregt, dass in der Linkspartei mehr Menschen der Aussage zustimmen, dass bei Arbeitsplatzknappheit die Ausländer aus Deutschland rausgeschmissen werden sollten, als bei den Grünen. Da trennt der doch genau in einen guten, ausländerfreundlichen und in einen bösen, ausländerfeindlichen, Nationalismus. Und die Kritik an der Linkspartei ist dann, dass sie (mehrheitlich) diesem bösem Nationalismus anhänge. Klar findet der Ebermann auch den guten Nationalismus irgendwie nicht gut, weil da „eine nicht wirklich vorhandene Identität behauptet wird“* und schon weil die Linkspartei das mitmacht, erkennt er der den Ehrentitel „links“ ab (gaaaanz tolle Kritik übrigens). Wegen ihres schlechten Nationalismus belegt er sie dann aber auch noch mit dem absoluten Ehrverweigerungstitel „rechts“.

    Weil er die Linkspartei nur nach linksmoralischen Maßstäben einsortiert, geht er selbstverständlich auch an deren Fehler, ihrem Sozialdemokratismus, vorbei. Was die Linkspartei verspricht, ist doch, als gute Herrschaft, den Staatsidealismus wahrzumachen. Die greifen also eine Ideologie der Leute auf, nämlich die, dass weil sie im Kapitalismus zurechtkommen müssen, der Kapitalismus auch dafür gemacht wäre, in ihm zurechtzukommen, also er ihr Mittel wäre. Daher übersetzen sie sich ihn in eine Gemeinschaft, in der jeder seine Pflicht zu tun hat, welche mit der Nation zusammenfalle. Und wenn jeder seine Pflicht erfülle, dann wäre das auch gut für alle. An den Staat wird nun herangetragen, dass dieser dafür da sei, diese vorgestellte Gemeinschaft zu schützen, also zum einen Pflichtnichterfüllung zu verhindern und zum anderen, Pflichterfüllung zu ermöglichen. Und so kommt die Linke eben darauf, dass eine gute Herrschaft, die sie sein will, z.B. gegen Profitmaximierung vorzugehen hätte, weil das Kapital darüber seine „Pflicht“ vernachlässige, Arbeitsplätze zu schaffen. Indem sie so dafür sorgen will, dass Arbeitsplätze geschaffen werden, will sie den Leuten dann gleichzeitig auch ermöglichen, ihrer Pflicht, nämlich für einen „gerechten Lohn“ auch ein „gerechtes Tagewerk“ zu verrichten, nachzukommen. Daran lässt sich auch schon entnehmen, was eintritt, wenn dieses Ideal nicht aufgeht: dann wird nach denjenigen gefahndet, welche ihre Pflicht nicht erfüllen, damit der Staat gegen sie vorgehen kann (und die sozialdemokratische Kritik an der aktuellen Herrschaft lautet dann, dass die gar nicht gegen diese Abweichler vorgehen würde, weil sie in deren Dienst stünde, der Staat also einer der Kapitalisten wäre/ sich von „neoliberalen“ Theorien und Lobbying dumm machen ließe). Dass bei dieser nationalistischen Fahndung dann auch Ausländer in die Schusslinie geraten, weil die ja gar nicht zur vorgestellten Gemeinschaft gehören würden, denen also auch eine Pflichterfüllung und damit verbunden ein Zurechtkommen auch nicht ermöglicht werden müsse, nimmt da nicht weiter Wunder. Zumal gegen sie ja ohnehin das staatliche Urteil besteht, dass die so welche wären, die gar nicht sein Material darstellen können, was nationalistisch u.a. derart nachvollzogen wird, dass das ja ohnehin nur Faulpelze wären, die ihre Pflichten nicht erfüllen wollen.

    Das hat in der Tat auch eine Identität mit dem Rechten (was zur Kritik des Fehlers freilich nix beiträgt), nur kommen Sozialdemokraten und Nazis da aus genau verschiedenen Gründen drauf: bei den Nazis soll das Volk dem Staat dienen („Gemeinnutz geht vor Eigennutz“), weshalb der Staat darauf zu achten habe, dass ihm wirklich alle dienstbar sind, jedoch auch ihre Dienstbarkeit gegeben sein muss, welche also ggf. hergestellt zu werden hat. Mit halbverhungerten Elendsgestalten lässt sich ihr sehr ambitioniertes Staatsprogramm schließlich nicht machen. So hängen bei denen Pflichterfüllung, deren Ermöglichung und der Staat zusammen. Bei den Sozis hingegen soll, wie geschildert, der Staat dem Volk dienen, indem er den Leuten ein Zurechtkommen im Kapitalismus ermöglicht, wofür jeder (auch und gerade die Kapitalisten) auf seine angeblichen Pflichten für die nationale Gemeinschaft von Staats wegen festgelegt werden müsse.

    ***

    * Ohne das jetzt groß ausführen zu wollen, ist diese Nationalismuskritik auch nicht besonders tauglich, weil sie lediglich die Ideologisierungen der realen Gemeinsamkeit verwirft, ohne jedoch die reale Gemeinsamkeit zu beachten. Es besteht nämlich sehr wohl eine Identität zwischen den angehörigen eines Volks, nämlich die, dass sie der gleichen Herrschaft unterworfen sind. Und beim bürgerlichen Staat sind sie ihr nicht nur unterworfen, sondern auch auf sie, als bürgerliche Subjekte, angewiesen, weil sie z.B. die je anderen in der Wahl ihrer Konkurrenzmittel einschränkt und so dem bürgerlichen Subjekt das Konkurrieren erst ermöglicht. Der Ebermann erkennt diese reale Gemeinsamkeit also nicht und kann deshalb die Leute auch nicht gegen diese agitieren, sondern verbleibt lediglich auf der ideologischen Ebene, um die Rechtfertigungen, welche dieser Gemeinschaft einen höheren Sinn zusprechen sollen (Blut, Kultur, bürgerlich-revolutionäres Vorreitertum, …), als so erfunden zurückzuweisen, wie sie auch sind.

  4. Gravatar Icon 4 lysis 18. Juli 2007 um 20:42 Uhr

    Sorry, wenn ich meine nächste Prüfung hinter mir habe, diskutier ich vielleicht wieder mit. Bis dahin … muss ich das jetzt mal so stehen lassen.

  5. Gravatar Icon 5 beniflip 18. Juli 2007 um 22:20 Uhr

    naja der ebermann war ja selbst gründingsmitglied der grünen in der brd …das merkt man dann auch jetzt immernoch mit diesem gestus des entäuschten kritikers …der müsste es ja eigentlich am besten wissen das jegliche kommunisischen positionen mit der anteilnahme am demokratischen herrschaftprinzip unmöglich vereinbar sind…

  6. Gravatar Icon 6 cannon fodder 19. Juli 2007 um 18:19 Uhr

    Hier ein Gespräch, das gut zum Thema passt. Nur so zum Vergleich ;)

    http://narodnik.blogsport.de/2007/07/18/fuer-eine-emanzipative-gegenkultur/

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