Archiv für September 2007

Warum gerade die Juden?

Auch ich lern dazu. Vor zwei Jahren hab ich mir gegen den nachfolgenden Text noch den Mund fusselig geredet. Heute erscheint mir die These, dass der Begriff des Antisemitismus nur von mäßiger Erklärungsrelevanz ist, weil im Grunde jede von einer entsprechenden Fahndungsmoral als „normabweichend“ bestimmte Gruppe unter gewissen Voraussetzungen in die Position des „feindlichen Volks im Volke“ hineinbugsiert werden kann, auf einmal ziemlich plausibel. Denn ich sehe ja schließlich, welche Anstrengungen manche unternehmen, die deutschen Moslems in eine Rolle zu manövrieren, wie sie früher einmal den als Parallelgesellschaft imaginierten Juden zugewachsen war. Der Weg dahin mag noch weit sein, aber dass einige begonnen haben, ihn zu beschreiten, steht für mich außer Zweifel. (mehr…)

Justice vs. Power

Zum Thema Universalismus gibt es eine spannende Debatte zwischen Noam Chomsky und Michel Foucault, die sich 1971 vor einer niederländischen Fernsehkamera darüber stritten, ob bürgerliche Werte wie „Gerechtigkeit“ und „Befreiung der menschlichen Natur“ als Leitbegriffe einer sozialistischen Revolte taugen. Foucault weist diese Vorstellung entschieden zurück:

quetschenpaua

Da girl sets fire allen Ernstes meint, quetschenpaua aufgrund eines im Kontext der ersten Intifada geschriebenen pro-palästinensischen Liedes in toto zensieren zu müssen (und ich das als ziemlich kindisch empfinde), verlinke ich hier mal ersatzweise auf ein mp3-Verzeichnis mit 30 Liedern seines Opus. Viel Spaß!

Damals …

… als in der Jungle World noch lesenswerte Artikel erschienen!

Leeres Schlagwort Universalismus

Im Gegenteil fiele gerade einer aufgeklärten Linken eigentlich die Aufgabe zu, den Konservativen in dieser Hinsicht den Kampf anzusagen. Wo diese den angeblich drohenden Untergang des Abendlandes als Motiv ihrer Islamkritik aufbieten, müsste jene Kosmopolitismus und Universalismus gegen den politischen Islam in Anschlag bringen.

… schreibt Alex Feuerherdt in der aktuellen Jungle World. Natürlich kommt der Autor nicht auf die Idee, dass auch der politische Islam universalistisch und kosmopolitisch ist, wenn er von sich behauptet, ahistorische, für alle gültige Ideen zu formulieren.

Universalismus ist eine leere Form, und man kann darunter genauso gut den Islam, die Menschenrechte, den Kapitalismus oder das heteronormative Regime des Westens fassen. Letztlich ist es eine Frage der Macht, wer seine Vorstellungen als universell zu rahmen vermag und dadurch alles andere zu Erscheinungsweisen eines überholten „kulturellen Partikularismus“ herabdrückt — wie etwa die Taliban, als sie die Buddha-Statuen von Bamiyan in die Luft sprengten.

Wenn Feuerherdt von Universalismus spricht, dann geht es darum, für andere Menschen zu entscheiden, was gut für sie ist. Es ist das genaue Gegenteil von Kritik, die als bestimmte Negation ja gerade einen spezifischen Geltungsanspruch unterhöhlen will. Universalismus dagegen ist Fundamentalismus by another name — der Glaube an eine historisch unzerrüttbares Wahrheitsfundament, dem qua Gewalt (wieder) allgemeine Anerkennung verschafft werden müsse.

Anders als sich Alex Feuerherdt einbildet, hat er kein Monopol auf die Zurückweisung „kultureller Partikularismen“. Denn die praktiziert auch Osama bin Laden, indem er die USA zur religiösen Konversion aufruft. Wenn die Linke sich vom politischen Islam absetzen will, dann wird ihr das mit leeren Schlagwörtern wie „Universalismus“ und „Kosmopolitismus“ kaum gelingen. Globale Geltungsansprüche für seine Ideen einer guten Herrschaft kann schließlich jeder reklamieren — der Schariʿa-Fan bin Laden genauso wie der Bush-Fan Alex Feuerherdt.

Kritik an Herrschaft indessen ist nicht universalistisch, d.h. auf Ontologisierung und Verewigung gerichtet, sie ist destruktiv. Aber das werden „aufgeklärte Linke“ — die wohl irgendwo bei Locke und Montesquieu hängen geblieben sind — sicher nie kapieren.

Linke Leute ganz rechts

Komplementär zu den „Anti“deutschen geben sich die Antiimps der jungen Welt einer Verrücktheit nach der anderen hin. Highlight war letzten Monat mal wieder der reaktionäre Provokateur (und ehemalige BAHAMAS-Autor) Jürgen Elsässer mit seiner Verteidigung von Hamas und Vaterland gegen das „globalistische Empire der USA“.

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Link: sevenload.com

(via Hasenfarm)

Verschwörungstheoretiker auf großer Fahrt

Erst leugnet Klaus Blees die Existenz von Aids HIV, jetzt auch noch die von Islamophobie! Kann den Amokläufer von der „Aktion 3. Welt Saar“ noch jemand stoppen?