Veranstaltungshinweis Halle

Der „homophobe Moslem“ — eine deutsche Verdrängungsleistung

Im „Muslim-Fragebogen“, den die baden-württembergische Landesregierung 2005 entwickelte, wird die Toleranz gegenüber Homosexuellen zu jenen „westlichen Werten“ gezählt, die man von muslimischen EinwanderInnen potentiell bedroht sieht. Das überrascht – gerade aus dem Munde der CDU, die nach dem Krieg nicht einmal davor zurückschreckte, den „Homosexuellenparagraphen“ 175 in seiner verschärften Nazi-Fassung zu übernehmen, um das Lebensglück zehntausender Schwuler systematisch zu zerstören. Eine kollektive Amnesie scheint sich über die Geschichte der Homophobie in Deutschland und dem Westen ausgebreitet zu haben.

Doch auch die Wahrnehmung der Gegenwart ist davon affiziert. So heißt es in Punkt 29 des Muslim-Fragebogens: „Stellen Sie sich vor, Ihr volljähriger Sohn kommt zu Ihnen und erklärt, er sei homosexuell und möchte gerne mit einem anderen Mann zusammen leben. Wie reagieren Sie?“ Vermutlich nicht anders als 80 Prozent der deutschen Männer, die in einer repräsentativen Emnid-Umfrage von 2001 angaben, sie hätten „Probleme mit einem eigenen lesbischen oder schwulen Kind“.

Dass es sich bei dem Diskurs über „homophobe Moslems“ um einen einzigartigen Verdrängungsakt handelt, in dem sich die deutsche Gesellschaft nicht nur ihrer Vergangenheit, sondern auch der Wahrheit über ihre Gegenwart entledigt, darum soll es an diesem Abend gehen.

Termin: Di, 06.11.2007, 18:00 Uhr
Ort: Halle, Melanchthonianum, HS C

Weitere Veranstaltungen in der Reihe „kritische Interventionen“ unter www.left-action.de


6 Antworten auf „Veranstaltungshinweis Halle“


  1. Gravatar Icon 1 oktogonales Seepferdchen 05. November 2007 um 16:53 Uhr

    Wird der Vortragstext irgendwo veröffentlicht werden? Halle ist mir einfach zu weit weg(wobei ich sowieso nur weiß, dass es somewhere im Osten liegt)…

  2. Gravatar Icon 2 lysis 05. November 2007 um 17:27 Uhr

    Nee, aber vielleicht kommt nächstes Jahr ein Buch raus.

  3. Gravatar Icon 3 oktogonales Seepferdchen 06. November 2007 um 0:49 Uhr

    Sehr schade; warum wird denn an keine Veröffentlichung z.B. hier im Blog oder sonstwo gedacht? Dass Thema ist ja brandaktuell, und für alle, die nicht nach Halle zum Vortrag kommen können, wäre eine schriftliche Fassung das ideale Medium den Inhalt doch noch mitzubekommen(oder wenn es eine solche nicht geben wird – zumindest eine Audioaufzeichnung der Veranstaltung selbst).

    Und aufs vielleicht-erscheinende Buch bin ich erst recht gespannt.

  4. Gravatar Icon 4 lysis 06. November 2007 um 13:06 Uhr

    Also wahrscheinlich wird der Vortrag überarbeitet und leicht gekürzt in der INAMO erscheinen.

  5. Gravatar Icon 5 T. Albert 14. November 2007 um 15:22 Uhr

    och, das wird sich von selber wieder gerade rücken, wenn wir demnächst wieder erkannt haben werden, dass der Moslem so schwul ist wie er immer war, und darum eine Gefahr für die westlichen Werte. Es ist ja noch nicht so lange her in meinen Lebzeiten, da galt das noch.

  1. 1 Die Vertreibung aus dem Serail « critique aujourd’hui Pingback am 15. Juli 2008 um 16:19 Uhr
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