Marxismus vs. Mystizismus

Wieder mal ein großartiger Artikel von Michael Heinrich zur Kritik des …ums Ganze! Kongresses, der sich auch wohltuend abhebt vom Nostradamus-Geraune der ISF in der gleichen Zeitungsnummer. Prädikat: sehr empfehlenswert!


39 Antworten auf „Marxismus vs. Mystizismus“


  1. Gravatar Icon 1 subwave 16. November 2007 um 10:25 Uhr

    vielen dank für den hinweis. der artikel von heinrich ist in der tat hervorragend.

  2. Gravatar Icon 2 Schatten.kontrastieren 16. November 2007 um 11:05 Uhr

    Nur hat er natürlich auch keine Tipps parat, wie das mit dem Überschreiten denn versucht werden kann. Schade da wär’s ja erst spannend geworden. Das es Zeit wird in konkrete Kämpfe zu intervenieren ist nun echt ein alter Hut.

  3. Gravatar Icon 3 bikepunk 089 16. November 2007 um 13:27 Uhr

    Heinrich beklagt, dass sich die Linken am besten untereinander streiten könnten. Mit seinem Artikel macht er aber auch nicht viel anderes, in meiner Lesart. Dieses Fazit, dass es interessanter wäre sich zu überlegen wie wir in konkrete Kämpfe gscheit intervenieren können, finde ich aber richtig.

  4. Gravatar Icon 4 Juli 16. November 2007 um 13:36 Uhr

    @schatten

    willste ne anleitung mit dreischritt oder so? das wäre doch wohl ein bissel zu einfach…

  5. Gravatar Icon 5 Neoprene 16. November 2007 um 14:42 Uhr

    zu bikepunkt 089

    Erst mal stimmt es doch schon rein faktisch gar nicht, daß sich die Linken überhaupt untereinander streiten. Mit wem streitet den selbst Heinrich eigentlich ernsthaft? Nicht einmal hier im web wird doch sowas gemacht. Gruppenintern wird doch regelmäßig viel ernsthafter gestritten als mit anderen, selbst wenn die gar nicht so fürchterlich anders argumentieren. Und über die üblichen tiefen Gräben hinweg findet doch erst recht keine Debatte statt.

    Zweitens ist es ein falscher Gegensatz, wenn du sein und dein Fazit, daß „es interessanter wäre sich zu überlegen wie wir in konkrete Kämpfe gscheit intervenieren können“ einer solchen, wie ich meine notwendigen Debatte und Klärung entgegensetzst. Gerade beim „konkreten“ kommen doch in 2,3 sec die grundsätzlichen Differenzen auf den Tisch. Das kannst du doch bei jeder x-beleibigen GDL-Streik-Veranstaltung feststellen. Wäre ja auch komisch, wenn das anders wäre

  6. Gravatar Icon 6 antikapl 16. November 2007 um 17:06 Uhr

    Auch auf die Gefahr hin, mich unbeliebt zu machen (was ich ohnehin schon bin), muss ich sagen, dass ich den Artikel vom isf garnicht mal so schlecht finde. Die Zeitungszitate finde ich z.B. ziemlich gut und treffend zusammengestellt. Und auch die dargelegte Kapitalismuskritik kommt ganz nach Marx mit gehöriger Polemik daher, was mir tendenziell sogar sympathischer als Heinrichs doch teilweise recht „positivistischer“ Tonfall ist (das Wort verwende ich in Ermangelung eines vielleicht weniger „vorbelasteten“ Begriffs).
    Heinrich versteht man zwar besser, aber seine Aussagen im Artikel scheinen mir nicht sonderlich originell zu sein. Bei Heinrich klingt es immer so, als wäre er der einzige, der Marx wirklich verstanden hätte und alle anderen unwissenschaftliche Interessenten. Dabei gibt es nunmal mehr als nur eine Lesart des Marxschen Werks. Heinrich ist halt, auch wenn er es nirgendwo zugibt, von Althusser geprägt, andere mehr von Adorno oder Lenin oder was weiß ich wem. Man kann das „Kapital“, u.a. wegen der doch recht ausführlichen Analyse des Kampfs um den Normalarbeitstag als Resultat objektiver Interessenwidersprüche auch den ersten Band, meiner Meinung nach durchaus vom Standpunkt der „Klassentheorie“ aus lesen. Auf diesem Gebieten haben doch insbesondere die Situationisten ein ganz vernünftiges Verständnis ausgearbeitet. Heinrich hat Marx einfach nicht für sich gepachtet. Ich halte von der Unterscheidung „guter“ Kapital- und „schlechter“ Manifestmarx z.B. überhaupt nichts. Klar hat Marx seine Meinungen im Laufe der Zeit geändert, aber eine tagespolitische Programmschrift und ein durchdachtes „opus magnum“ lassen sich einfach nicht miteinander vergleichen.

    Ich verstehe übrigens auch garnicht, was diese Gegenüberstellung der beiden Artikel soll, die beziehen sich doch in keinster Weise aufeinander. Die Kritikpunkte, die Heinrich gegen Werttheorie und Operaismus vorbringt, tangieren die wohl eher KT-orientierte isf-position doch überhaupt nicht. Zumal der isf im Gegensatz zu Heinrich auch massig Marx-Zitate bringt.

  7. Gravatar Icon 7 Schatten.kontrastieren 16. November 2007 um 18:35 Uhr

    @Juli: Kann man natürlich so zuspitzen, aber es liegt wohl auf der Hand das das nicht gemeint war. Stimmt doch, das der Heinrich einen da ziemlich im Regen stehen lässt mit seinen Weißheiten aus dem 19. Jahrhundert.

  8. Gravatar Icon 8 lysis 16. November 2007 um 18:37 Uhr

    Na, das Spezifikum der ISF ist die Psychologisierung von Marx. Außerdem ist das Verständnis des Kapital völlig zugespitzt auf die Kategorie der Krise. Man fragt sich manchmal, ob diese Leute überhaupt noch eine Kritik am Kapitalismus hätten, wenn dieser — aus ihrer Sicht — nicht immanent auf die Katastrophe zusteuern würde. Vermutlich nicht. Und schließlich ist da diese völlig merkwürdige und einzig von der ISF vertretene Position, wonach das Kapital an sich selber unbegreiflich wäre, quasi eine einzige Realparadoxie. So heißt es in dem Text, „dass das Kapital, nur einmal ganz logisch betrachtet, eine unmögliche Produktionsweise ist“. Nun, dass das Kapital möglich ist, beweist es jetzt seit 500 Jahren. Also was soll das Ganze?

    Ganz offenbar siegt da, auch bei dir, die Freude an einer ästhetisch gelungenen Textproduktion über den Anspruch, den Gegenstand richtig zu begreifen. Und genau da ist der Punkt, wo das Ganze in den blanken Irrationalismus abgleitet.

  9. Gravatar Icon 9 classless 16. November 2007 um 21:42 Uhr

    Aber steht da nicht einfach Aussage gegen Aussage, wenn du behauptest, den Gegenstand richtig begreifen zu können und die ISF beharrt, daß sich der Kapitalismus zwar konstatieren, aber nicht logisch erfassen läßt?

  10. Gravatar Icon 10 Juli 17. November 2007 um 11:35 Uhr

    @classless

    naja, zumindest würde ich doch meinen, das die theorie, die wahrheit über den kapitalismus sei lediglich seine abschaffung (grigat) so erstmal schon rein logisch keinen sinn macht. insofern ließe sich das auch umdrehen ,-)

  11. Gravatar Icon 11 jan 17. November 2007 um 15:08 Uhr

    @lysis: Für die ISF ist der Kapitalismus eine einzige Krise, sie trennt überhaupt nicht zwischen Normalbetrieb und Krise wie das Exit/Krisis tun.

    @juli: „schon rein logisch“ ist blödsinn, weil du damit voraussetzt, dass grigat auch einen so schmalen (und positivistischen) vernunftbegriff hat wie du. mit wahrheit ist bei ihm mehr gemeint als logische plausibilität.

  12. Gravatar Icon 12 classless 17. November 2007 um 16:57 Uhr

    @jan

    Zweimal Zustimmung.

  13. Gravatar Icon 13 lysis 17. November 2007 um 21:32 Uhr

    also pass ma uff: es gibt keine widersprüche in der realität! genau das aber behauptet die isf. es soll ja das kapital deshalb nicht zu begreifen sein, weil es an sich selbst ein prozedierender widerspruch wäre. aber man kann sich noch nicht mal vorstellen, was ein widerspruch außerhalb des denkens überhaupt sein soll. das ist genau einer jener fälle, deren untersuchung sich wittgenstein hat angelegen sein lassen, in denen durch den missbrauch von sprache metaphysische scheinprobleme geschaffen werden. es ist das traurige erbe der hegelschen philosophie, dass es leute gibt, die allen ernstes glauben, dass eine logische reflexionskategorie wie „widerspruch“ in der außergeistigen wirklichkeit irgendeinen sinn machen könnte — ähnlich engels‘ absurder „dialektik der natur“, in der die blüte als „antithese“ zur knospe verhandelt wird.

    davon abgesehen verstehen die freiburger unter krise sehr wohl den „totalen zusammenbruch der reproduktion“. kann man in ihrem artikel nachlesen. ich weiß also nicht, warum du das bestreitest, lieber jan.

  14. Gravatar Icon 14 Neoprene 17. November 2007 um 22:24 Uhr

    Ein Satz wie „Der Tauschwert von Waren steht im Widerspruch zu ihrem Gebrauchswert“ macht also für dich keinen Sinn?

    Das es ganz simple Widersprüche im Sinne von Gegensätzlichkeit, Unvereinbarkeit in unserer schönen Klassengesellschaft gibt, wirst du doch zumindest zugestehen?

  15. Gravatar Icon 15 lysis 17. November 2007 um 22:39 Uhr

    Neoprene: es gibt dazu einen sehr schönen Text sowie eine weitere Replik von Ingo Elbe, der die ISF genau an dieser Stelle bei den Eiern packt. Dass eine Ware sowohl Gebrauchswert als auch Tauschwert besitzt, ist doch nie und nimmer ein logischer Widerspruch! Wo soll denn die Tatsache, dass ein Apfel gut schmeckt und dass er ’nen Euro kostet, sich widersprechen?

  16. Gravatar Icon 16 Neoprene 17. November 2007 um 22:48 Uhr

    Also, wenn du jetzt schon so eine große Kanone auffährst wie die Kategorie „Tatsache“, dann möchte ich schon einwenden, daß die Frage, ob ein Ding, hier nur aus der Klasse der Waren, also für die Versilberung produziertes Zeugs, daß nur dafür wenigstens das Versprechen von Nützlichkeit für irgendwenn mitbringen muß, auch tatsächlich „nützlich“ ist, und das Preisschild, daß deinem Apfel aufgeklebt ist, schon nicht so ganz das Gleiche an Tatsächlichem zum Ausdruck bringen. Außer du wolltest einwenden, daß die individuelle Nützlichkeit genauso vergänglich ist über die Zeit, wie der Preis oder der Wert, um es jetzt gleich ganz hoch abstrakt auzuhängen.

  17. Gravatar Icon 17 lysis 17. November 2007 um 22:53 Uhr

    Wieso soll denn ein Gegenstand nicht gleichzeitig zwei Bestimmungen haben? Du siehst es doch auch nicht als Widerspruch an, dass ein Apfel schwer und dass er rund ist!

  18. Gravatar Icon 18 Neoprene 17. November 2007 um 23:05 Uhr

    Natürlich kann jeder Gegenstand die unterschiedlichsten Bestimmungen haben. Und gerade die Eigenschaft Gebrauchswert zu sein, ist ja konkret alles Mögliche, Unterschiedliche für die meisten Menschen. Aber du weist doch auch, worauf mit der von mir zitierten These rausgewollt wird: Das die konkret nützlichen Eigenschaften von allem produziertem Zeugs bei uns doch offensichtlich nicht der Zweck der Produktion, sondern sozusagen nur notwendiges Übel sind. Wenn ein Laden daran sparen kann, und er kriegt es trotzdem an den Mann und die Frau, dann auch gut, wenn es nötig ist für eine profitable Verwertung den Gebrauchwert zu verstümmeln, auch recht, wenns ganz hart kommt, wird der ganze Kram eher untergepflügt, als daß man zuläßt, daß nützliches Zeugs die Preise kaputtmacht. Sowas wird doch immer gedacht, wenn da die Kategorie Widerspruch rausgeholt wird.

  19. Gravatar Icon 19 classless 17. November 2007 um 23:09 Uhr

    Hm, daß es in der Realität keine Widersprüche gibt, wurde von den Holmies bei ihrem Kritische-Theorie-Tribunal auch gegen Adorno und die Dialektik vorgebracht. Erinnerst du dich?

    “Mir ist nicht klar, wozu Dialektik gut ist.” Holmes darauf: “Dialektik im Denken ist nicht schlecht, aber es gibt keine Widersprüche in der Realität.”
    http://www.classless.org/2006/07/27/freunde-der-offenen-gesellschaft-vs-kritische-theorie/

    Ist jetzt gar nicht als Argument für oder gegen deine Position gedacht, die Übereinstimmung hat mich nur verblüfft.

  20. Gravatar Icon 20 lysis 17. November 2007 um 23:20 Uhr

    @Neoprene:

    Das ist ja alles richtig. Nur handelt es sich deshalb bei Gebrauchswert und Tauschwert noch lange nicht um zwei „sich logisch ausschließende Bestimmungen“, die den Gegenstand so unbegreifbar werden ließen wie sonst nur die katholische Idee der Heiligen Dreifaltigkeit! Und genau das ist ja die These der ISF: das Kapital sei nicht zu begreifen, weil es sich um einen an sich selber widersinnigen Gegenstand handle. Und das ist einfach Schmarrn!

    Dass Marxisten den Begriff des Widerspruchs in ziemlich salopper Weise gebrauchen, ist halt so. Das ist ihr hegelianisierendes Erbe, das man ruhig mal kritisch hinterfragen sollte. Mit logischen Widersprüchen hat das aber rein gar nichts zu tun. Zumindest hat außer der ISF bisher noch niemand behauptet, dass der Versuch, das Kapital zu begreifen, das gleiche wäre wie der Versuch, Gott zu begreifen, weil beide so unglaublich widersinnig wären. Und ich kann mir auch nicht gut vorstellen, dass du diese These teilst.

  21. Gravatar Icon 21 Neoprene 17. November 2007 um 23:29 Uhr

    Liber lysis, ich habe aus deinem letzten Kommentar nicht zweifelsfrei entnehmen können, wer der „du“ ist, an den du dich richtest.

    Vielleicht etwas zur Klarstellung: zumindest ich persönlich habe überhaupt kein „hegelianisches Erbe“, ich bin im engeren Sinne noch nicht mal „Marxist“, höchstens „salopp“, das kann ich leider nicht leugnen. Und vielleicht werde ich noch zum Marxisten, aber zum Marxologen werde ich sicherlich nimmermehr, also werde ich den weiten Weg zum ISF sicher nicht mehr finden.

    Und nur nebenbei, so fürchterlich schwierig war mir die Konstruktion „Gott“ nie, als daß ich nicht schon recht bald entschieden hätte, das ich die begriffen und damit beiseite gelegt habe.

  22. Gravatar Icon 22 lysis 17. November 2007 um 23:51 Uhr

    @classless: Holmie hat einfach keine Ahnung, wovon er spricht. In Adornos Verständnis ist Dialektik nämlich gerade „kein schlicht Reales: denn Widersprüchlichkeit ist eine Reflexionskategorie, die denkende Konfrontation von Begriff und Sache“ (ND, 148).

    Bei allem dialektischen Jargon, den man ihm — meines Erachtens zurecht — vorwerfen kann, hat Adorno also nie die Existenz von logischen Widersprüchen in der Realität postuliert! Es ging ihm um dialektisches Denken, nicht um eine „negative Dialektik des Kapitals“ (Dahlmann/ISF).

  23. Gravatar Icon 23 classless 18. November 2007 um 13:22 Uhr

    Diesen Gedanken nehme ich mal mit in den Tag.

  24. Gravatar Icon 24 Ware 19. November 2007 um 15:07 Uhr

    Der Artikel von Heinrich ist sein übliches inhaltsleere Geschwafel.

    Mensch antikapl, dass ich das mal erleben dürfte, mit dir einer Meinung zu sein.

  25. Gravatar Icon 25 Ware 19. November 2007 um 15:31 Uhr

    Nicht das der in der jungle world veröffentlichte Artikel viel besser ist als der Artikel von Heinrich. Aber allein der Vergleich dieser beiden mehr oder minder schlechten Artikel ist schon einen Lacher wert.

    Schuster, bleib bei deinem Original!

  26. Gravatar Icon 26 Neoprene 19. November 2007 um 15:58 Uhr

    Rein technische Frage, welchen Artikel gibt es denn von M.Heinrich, der anders ist als der in der „Jungle World“ abgedruckte, den lysis zu Anfang verlinkt hatte?

    („Der Artikel von Heinrich ist sein übliches inhaltsleere Geschwafel“, meine Rede! Leider erstmal, ohne die eigentlich selbst für so ein Urteil nötigen Argumente gleich mitzuliefern)

  27. Gravatar Icon 27 Schatten.kontrastieren 19. November 2007 um 16:27 Uhr

    @Neoprene: Ich glaube mit dem anderen Artikel war der ISF-Artikel gemeint

  28. Gravatar Icon 28 Ware 19. November 2007 um 16:28 Uhr

    Es gibt in der Tat zwei veröffentlichte Artikel in der jungle world, ich hab das übersehen. Einen von Heinrich und einen vom ISF. Zuletzt meinte ich den Artikel vom ISF.

  29. Gravatar Icon 29 GSP-Bot 19. November 2007 um 16:29 Uhr

    @ Neoprene und Ware

    Jetzt reißt Euch ma a weng zsamme! Her mit den Argumenten, warum das Zeug inhaltsleer sein soll. Es hat doch jede Menge Inhalt, der zwar verkehrt sein mag, okay. Dann sagt aber bitte doch, wo die Fehler liegen.

    Was zum Beispiel echt verkehrt, weil widersprüchlich ist:

    Die verschiedenen Gruppen und Grüppchen der radikalen Linken haben häufig die Tendenz, sich vor allem untereinander zu streiten. Inzwischen wäre aber eine Debatte darüber angebracht, wie mit der eigenen Analyse und Kritik des Kapitalismus in gesellschaftliche Kämpfe interveniert werden kann, ohne dabei bloß belehrend aufzutreten, aber auch ohne sich in Idealisierungen dieser Kämpfe zu verlieren oder sich gar irgendwelchen »Bündnispartnern« opportunistisch an die Brust zu werfen.

    Tja, wer interveniert und nicht opportunistisch sein will, der kommt ganz notwendig mit neuem Wissen in einen Kampf. Das wird kaum ohne Belehrung der Kämpfenden über dieses Wissen ablaufen; jedenfalls nicht dannm, wenn man das eigenen Wissen übers Kapital für korrekt hält.
    Blöd auch, dass hier untereinanders streiten zugunsten von Intervention aufgegeben werden soll. Als wenn man rein mit dem Etikett Links schon auf der halbwegs richtigen Seite wäre. Dass so ein Streit notwendig ist und beendet werden muss, liegt doch auf der Hand, weil sonst die Interessensgegensätze letztlich nur wieder bei der Intervention in einen Kampf auftauchen…und das soll nun besser sein?! Wohl kaum, Herr Heinrich!

  30. Gravatar Icon 30 Ware 19. November 2007 um 16:36 Uhr

    Also ich schreib noch was zum Heinrich. Muß den Text noch eingehender studieren.

  31. Gravatar Icon 31 Neoprene 19. November 2007 um 16:45 Uhr

    GSP-Bot, du hast ja recht: Gerade an dem von dir angeführten Satz hab eich mich auch schon gestoßen, ich dachte sogar schon was gepostet zu haben.

    Das Ärgerliche an Heinrichs „tiefschürfenden“ Oberflächlichkiten ist es, der konkreten Befassung mit den jeweiligen Argumenten und daraus abgeleiteten Aktionen seiner Adressaten aus dem Weg zu gehen:

    „Die verschiedenen Gruppen und Grüppchen der radikalen Linken haben häufig die Tendenz, sich vor allem untereinander zu streiten.“

    Und worum konkret streiten sie sich? Und hat da mal einer Recht und der andere Streitpartner liegt falsch? Liegen vielleicht wieder mal beide daneben? All das läßt sich doch nur konkret an einem bestimmten Artikel, einem bestimmten Flugblatt, einer konkreten Forderung, etc. abarbeiten und wenigstens für ein paar Leute mehr klären. So abstrakt „Einigkeit“ dem unproduktiven „Streit“ entgegen zu halten ist de facto die Beschönigung und Rechtfertigung des bestehenden Status Quo der Linken.

    Wieso übrigens ausgerechnet ein Lehrer, nun ja Uni-Typ, was gegen das Belehren hat, angesichts der offensichtlichen Tatsache, daß fast alle Menschen sich mit ganz falschen Argumenten in dieser falschen Welt eingerichtet haben, finde ich fast schon witzig. Aber leider ist Heinrich wahrscheinlich auch nur wieder einer, der selber gerne Lehren erteilen, aber keine Lehren ziehen will.

  32. Gravatar Icon 32 GSP-Bot 19. November 2007 um 17:14 Uhr

    @ Ware: na gut!

    @ neoprene:

    Seh ich auch so. Das ist so Manko in der Linken, was offenbar auch Heinrich mitmacht: Die Unterstellung, ALS Linker wäre man ja schon quasi rum mit der Kritik und jetzt ginge es nur noch um Strategiefragen. Und da spielt jeder dann mal Feldhügelkommandant: Die Linke hat dies/das/jenes zu tun… oder Die Linke muss sich jetzt so und so stellen…

    Da merkt man immer schon, dass die Verfasser solcher Texte regelmäßig ihren eigenen Argumenten über den Weg trauen, denn aus denen ergibt sich ja, was angesagt ist. Das ist doch auch bei Marx mehr als deutlich, um mal wieder zum Heinrich zurückzukommen. Da steht drinnen, dass der Kapitalismus ein dauerhafter Schaden für die Arbeitenden ist, weil die von dem von ihnen produzierten Reichtum nix bzw. nur einen Bruchteil haben. Daraus folgt: Wegwuppen mit allen die sich das auch nicht länger bieten lassen wollen. Und wenn das nicht viele sind, dann überzeugt man die halt, ob im Arbeitskampf oder an der Uni; wo es halt geht und die Zeit ist. Wenn nicht, dann bleibts halt so, wie es ist. :-S

    Wenn man sich allerdings nicht einig ist mit Mitstreitern oder Leuten, die in eine ähnliche Richtung wollen, dann steht halt ein Streit an, was sonst?

  33. Gravatar Icon 33 Neoprene 19. November 2007 um 17:43 Uhr

    Lieber GSP-Bot, warum streitet eigentlich gar kein genuiner GSPler (mehr) im Internet? Nur noch Verlautbarungsposaunen mannigfacher Art und eine kleine verschworene Truppe von Fans. Als wenn da alle, die sowas früher ja ab und zu auch gemacht haben, (ich hab ja mannchmal sogar Emails von welchen bekommen!) zurückgepfiffen worden wären oder sich eines Schlechteren hätten belehren lassen.

    Es ist ja wahrlich nicht so, daß die Diskussionen und Streitereien, die hier *nicht* geführt werden, statt dessen anderswo in extenso stattfinden würden. Jedenfalls habe ich in all den Jahren davon nichts mitgekriegt. Ich bin für jden Hinweis auf einen erhellenden Streit dankbar. Vielleicht gibt es ja noch ein paar Leute.

  34. Gravatar Icon 34 GSP-Bot 19. November 2007 um 18:07 Uhr

    Keine Ahnung, warum. Vielleicht halten einiges das I-net nicht für einen tauglichen Debattenraum. Ich finde den auch nicht so gut, weil man in real life mehr aufeinander eingehen und spontaner unklare Begriffe etc. besser klären kann. Für Verlautbarungsposaunen ist das Inet hingegen ganz gut! :-)

  35. Gravatar Icon 35 Neoprene 19. November 2007 um 20:46 Uhr

    Ich will jetzt nicht linguistisch daherkommen, dazu ist eh alles Wesentliche schon gesagt, selbst von der SHZ in Erlangen-Nürnberg.

    Ich versteh nur nicht, wieso das Internet immer wieder, so jetzt auch vom GSP-Bot als untauglich abgetan wird wird für Auseinandersetzungen und Klärungen. Wieso sollte denn ausgerechnet dieses technische Medium was Schlechteres sein, als jedes historisch benutzte Medium, was Leute in die Finger gekriegt haben, seit man Bücher nicht mehr von Hand abschreiben mußte?

    Es sei denn, man ist eh nur am Rausposaunen interessiert, dann reicht natürlich die Radio- und Downloadpräsenz als Ergänzung des ganz altmodischen Papierbedruckens in mannigfaltiger Art und Weise. Wenn es ums Diskutieren gehen soll, dann geht es doch erstmal um Interesse an ihr, dann und erst dann kommt die Frage, gehen wir zu dir oder gehen wir zu mir.

    Und deshalb ärgert mich die regelmäßige Behauptung, hier geht das nicht, aber von Angesicht zu Angesicht geht das prima. Wo denn?? Ich hab mein Leben lang schon manche Veranstaltung gesehen, aber der durchschnittliche GSPler ist so ungefähr der größte Diskussionsmuffel, den ich als zoon politicum kennengelernt habe. Da waren ja manche Juso-Treffen von anno dunnemals stürmischer!

    Es mag ja sein, daß manche eine Web-Diskussion noch unernster führen als eine in einem Seminarraum oder erst recht in der Kneipe nach drei Bieren, aber das liegt nicht am Medium. Hier wie bei schriftlichen Diskussionen von früher, kann man z.B. Quellen anführen, Zitate bringen oder überprüfen, auch mal weiter ausholen, problemlos auf schon mal Vorgebrachtes verweisen etc. Als ich früher interne organisierte Diskussionen miterlebt habe, da kostete das einen Heidenaufwand, all die eingereichten schriftlichen Beiträge in Heftform zu bringen und dann national oder manchmal auch international zu zirkulieren. Schon das man jetzt fast in Echtzeit mit Leuten seine Argumente austauschen kann, die weder am gleichen Tisch sitzen, noch nicht mal in der gleichen Stadt leben müssen, ist doch ein enormer Gewinn.

    Jedenfalls, wenn man einfach nur an Klärung interessiert ist. Aber nicht jede „Diskussion“ hat ja diesen Zweck.

  36. Gravatar Icon 36 Neoprene 19. November 2007 um 22:05 Uhr

    Es mag ja sein, daß es noch zwölf oder dreizehn Leute gibt, die es nicht mitgekriegt haben. Aber ansonsten ist z.B. Heinrichs Satz:

    Das heißt nicht, dass die gesellschaftlichen Kämpfe auf ewig in diesem Rahmen eingespannt bleiben müssen. Ihn zu überschreiten und »ums Ganze« zu kämpfen, ist möglich und wurde in der Geschichte auch im­mer wieder versucht. Irgendeine Notwendigkeit für eine solche Überschreitung existiert jedoch nicht. Und erst recht gibt es keine Gewähr dafür, dass es nach einer solchen Überschreitung nicht doch wieder zu einer Regression kommt.

    ein Gähner der Klasse, „kräht der Hahn auf dem Mist, ändert sich das Wetter, oder es bleibt wie es ist.

    Ein bißchen mehr kann man über das Projekt der Bolschewiki und die stürmische Geschichte der UdSSR schon sagen. Ich hab da jedenfalls schon mal was zu gelesen, was interessanter war, als solche wohlfeilen Allgemeinplätzchen, ehrlich!

  37. Gravatar Icon 37 Ware 19. November 2007 um 23:19 Uhr

    zu Heinrich

    Schon allein die Überschrift des Textes erweckt die Gemüter:

    „Die Kritik an den Voraussetzungen der eigenen Kapitalismusanalyse ist die Voraussetzung aller Kritik.“

    Da ergreift Heinrich, grundlos, dafür Partei, eigene Selbstzweifel den Vorrang zu geben vor der sachlichen Auseinandersetzung mit dem Kapitalismus. Nach dem Motto: Wer sich, noch dazu in kritischer Absicht, mit dem Kapitalismus auseinandersetzen will, der muss sich zunächst mit sich selbst auseinandersetzen. Als ob die Kritik am Kapitalismus, ob sie richtig oder falsch ist, sei maldahingestellt, sich nicht am Inhalt der Kritik, sondern an dahinterliegenden „Voraussetzungen“ des Kritik entscheiden müsste. Richtig getrennt von Inhalt einer Kritik wird eine Tugend des Untertanen das Wort geredet, denen sich der Kritiker sich erst moralisch vergewissern soll. Heinrich betont diesen Aspekt ausdrücklich, wenn er schreibt, dass die Auseinandersetzung mit den „Voraussetzungen“ von Kapitalismusanalyse „die Voraussetzung aller Kritik“ sei.

    Nur mal als Aufmerker, dass solch unsinnige Behauptungen als Aufforderung, dass immerzu an „Voraussetzungen“ der Kritik herumgedoktert werden soll, ein Privileg der marxistischen Wissenschaft ist.

    „Kapitalismuskritik, die mehr sein will als ein bloß moralisches Verurteilen, kommt ohne Analyse nicht aus.“

    Hat Heinrich schon mit der Textüberschrift sein moralisches Imperativ aufgestellt, dass jeder sich an die eigene Nase heften soll, ohne konkrete Angabe von Inhalten, knüpft er an dieser Vorgabe, eine weitere hinzu. Die Kapitalismuskritik soll kein „moralisches Verurteilen“ sein. Wie denn, wenn Heinrich noch keine Zeile über konkrete Kapitalismuskritik geschrieben hat, möchte ich meinen. Woher will Heinrich schon mit der ersten Zeile wissen dass Kapitalismuskritik notwendig „moralisches Verurteilen“ sein soll? Das Kapitalismuskritik zu einer moralischen Verurteilung des Kapitalismus führen kann, wenn sie verkehrt ausfällt, ist nicht im vorab ausgeschlossen. Wenn, dann entscheidet sich dieses Urteil an der Prüfung des Inhaltes der Kapitalismuskritik, und keineswegs als eine vorweggenommene, zur Selbstdarstellung gereichte Vorsichtsmaßnahme des Autors.

    „Am unbegriffenen Kapitalismus kann man dessen zerstörerische Folgen lediglich beklagen.“

    Wer also den methodisch in Anschlag gebrachten Ansprüchen von Heinrich nicht genügt, hat allein schon deswegen den Kapitalismus nicht „begriffen“. Anhand welcher theoretischen Leistung der Kapitalismus nicht „begriffen“ worden ist, und von wem, bleibt im dunkeln. Umgekehrt kann es sich Heinrich nicht verkneifen zu schreiben, die „zerstörerischen Folgen“ des Kapitalismus zu geißeln, die er weder benannt noch irgendwie begründen kann.

    „Diese Destruktion als eine zu kritisieren, die notwendigerweise mit der kapitalistischen Produktionsweise einhergeht, setzt ein Mindestmaß an Einsicht in das Funktionieren dieser Produktionsweise voraus.“

    Immerhin schreibt Heinrich, dass diese “Destruktion“ mit der kapitalistischen Produktionsweise einhergeht. Getrennt von jeglichem Inhalt behauptet Heinrich, dass diese „Destruktion“ notwendig mit dem „Funktionieren“ der kapitalistischen Produktionsweise einhergeht. Als ob nicht die produzierten Schäden, sondern das „Funktionieren“ des Kapitalismus Kritik verdienen würde. Was aber mit dieser „Destruktion“ zu sagen ist, ihr Inhalt und dementsprechend ihr Grund, bleibt unausgesprochen. Der Leser bleibt im dunkeln.

    „Kapitalismusanalyse ist aber keine Angelegenheit, die sich von selbst versteht.“

    Wer hat behauptet, dass sich Kapitalismusanalyse sich „von selbst versteht“, außer Heinrich selbst. Ohne Wille und Bewusstsein kann doch gar keine Kapitalismukritik von Menschen betrieben werden!

    „Daher kommt man um den Streit über die Art und Weise der jeweiligen Analyse nicht herum.“

    Jenseits aller inhaltlichen Auseinandersetzung mit dem Kapitalismus wird ein von Heinrich herbeigeredeter Methodenstreit heraufbeschworen. Bleibt abzuwarten mit wem sich Heinrich auseinandersetzen will.

    „Wer solchen Streit von vornherein als »Seminarmarxismus« denunziert und den wirklichen »Kämpfen« entgegenstellt, schottet lediglich die eigenen Voraussetzungen und Analysen von jeder kritischen Diskussion ab.“

    Heinrich bezieht, und schützt daher vorbeugend, seine künstlich herbeigeredeten Notwendigkeit des Methodenstreits gegenüber entgegenstehenden, politischen Anspruchshaltungen von Marxisten, welche wirkliche Kampfsituationen der theoretischen Arbeit des Begriffs, oder wie bei Heinrich heißt, den Methodenstreit, bevorzugen. Diese Entgegensetzung von Methodenstreit vs Kampf ist eine – herbeigeredete – Auseinandersetzung um die korrekte politische Haltung, die ein Kapitalismuskritiker einnehmen sollte. Immerhin setzt Klassenkampf, bzw. Kampf gegen den Kapitalismus, eine Einsicht in die Notwendigkeit dieses Kampfes durch die Kämpfenden selbst voraus. Wie theoretisch Wissen gegen Kampfbereitschaft einen Widerspruch begründen könnte will Heinrich jedenfalls nicht untersuchen.

    „Wenn im Dezember in Frankfurt ein Kongress über verschiedene Kapitalismusanalysen diskutieren und der Frage nachgehen will, was sie für eine emanzipatorische Praxis leisten können, so ist dies zunächst einmal zu begrüßen. Nicht zu begrüßen ist die eingeschränkte Perspektive der Veranstalter, die lediglich »Wertkritik« und »(Post-) Operaismus« einander gegenüberstellen und sie derart unkritisch charakterisieren – die eine setzt an der objektiven, der andere an der subjektiven Seite an –, dass damit nahe gelegt wird, es käme nur darauf an, diese beiden Ansätze richtig zu verbinden.“

    Heinrich möchte sich also im vorliegenden Text mit der Perspektive der „Wertkritik“ und des „(Post-)Operaismus“ auseinandersetzen. Es ist vor dem Hintergrund doch völlig schleierhaft, warum Heinrich in der Einleitung des Textes eine Auseinandersetzung zwischen theoretischer Arbeit vs Kampf heraufbeschwört, um anschließend diese Auseinandersetzung in einem Vergleich zwischen verschiedenen Theorien auflösen zu wollen. Es ist offensichtlich dass die Beschwörung der Praxis sowohl in der theoretischen Perspektive der „Wertkritik“, als auch des „(Post-)Operaismus“ theoretisch stattfindet, und deswegen kein Akt des aktiven Klassenkampfes sein kann. Will Heinrich bloß diese theoretischen Perspektiven widerlegen muss er sich also mit den theoretischen Inhalten dieser Theorien beschäftigen.

    „Das Label »Wertkritik« wurde vor allem von Robert Kurz und der Zeitschrift Krisis benutzt. Diese Position schließt die Betonung der sachlichen Herrschaft des Werts mit einem fragwürdigen Technikdeterminismus zusammen:“

    Und anschließend noch die Kritik am Operaismus:

    „Mit »(Post)Operaismus« sind vor allem die an Michael Hardt und Toni Negri anschließenden Strömungen gemeint. Dort ist es nicht die Technik, sondern die nebulöse »Multitude«, welche die Entwicklung des Kapitalismus vorantreibt und am Ende auch den Kommunismus bringen soll. Wobei dieser eigentlich schon da, aber – ganz ähnlich wie die wertkritische Zusammenbruchskrise – noch nicht so richtig sichtbar ist.“

    Da muss ich mich schon fragen, wie der „Wert“ eine „sachliche Herrschaft“ begründen könnte. Der Wert ist weder eine Person, noch setzt „er“ sich irgendwelche Zwecke und Ziele. Anstatt dass sich Heinrich schon auf diesen theoretischen Fehler beziehen würde kritisiert er einen angeblichen „Technikdeterminismus“ der wertkritischen Position.

    Und weiter:

    „Beide Richtungen gefallen sich in großen theoretischen Würfen, bei denen der analytische Ertrag aber eher begrenzt bleibt.“

    Bescheidenheit ist des Untertanen erste Tugend.

    „Den eigenen Behauptungen wird die Konfrontation mit der empirischen Wirklichkeit des gegenwärtigen Kapitalismus gerne erspart.“

    Die Mühe diese „empirische Wirklichkeit“ tatsächlich zu überprüfen, eine Aussage über sie zutreffen, und auf der Grundlage die Theorie der „Wertkritik“ und des „(Post-)Operaismus“ zu konfrontieren macht sich Heinrich nicht.
    Kritisiert Heinrich im letzten Absatz noch die „Theorielosigkeit“ der auf Praxis abzielenden linken Tendenzen, abstahiert Heinrich schon im nächsten Absatz von jeglicher „empirischer Wirklichkeit“, um ausgerechnet genau gegen diese linken Tendenzen den Vorwurf loszulassen, sie betreiben theoretische Arbeit jenseits wirklichen Bezugs auf eben diese „empirische Wirklichkeit“, auf den sie die theoretische Arbeit notwendig erst beziehen muss. Überhaupt die Existenz“ dieser „empirischen Wirklichkeit“ wird als moralischer Rechtstitel gegen die von Heinrich kritisierten Theorien hochgehalten. Jenseits wirklicher Befassung mit diesen Theorien.

    Weiter:

    „Dass in der kapitalistischen Gesellschaft Klassen existieren und somit auch Klassenkämpfe stattfinden, ist zwar richtig, aber noch keine besonders tiefschürfende Einsicht.“

    Allerdings. Denn nicht nur fehlt der Beweis für diese Aussage. Was überhaupt Klassen bzw. Klassenkämpfe sind wird von Heinrich gar nicht vorgeführt.

    „Nur im Deutschland der »sozialen Marktwirtschaft« und »nivellierten Mittelschicht« kann ein solcher Befund in den Verdacht geraten, er sei bereits links.“

    Wow, was eine „tiefschürfende Einsicht“. Im Deutschland der halluzinierenden Soziologen bestreitet Heinrich, jenseits aller theoretischer Konfrontation, dass Robert Kurz und die modernen Postoperaisten das label „links“ zu sein verdient haben könnten.

    „Auch Marx hat keineswegs als erster von »Klassen« und »Klassenkampf« gesprochen. Bürgerliche Historiker und Ökonomen taten dies lange vor ihm.“

    Dies ein Versuch Heinrichs Marx als bürgerlichen Denker zu „normalisieren“. Bewiesen wird diese „Tatsache“, dass nicht nur er von Klassen was gewusst hat schlicht inhaltsleer und tautologisch damit, dass bereits vor Marx „bürgerlichen Historiker“ und „Ökonomen“ von „Klassen“ und „Klassenkampf“ geredet haben. Marx könnte also getrost in diese erlauchte Riege der bürgerlichen Wissenschaft aufgenommen werden.

    „Nicht zufällig ist aber knapp 20 Jahre später, im »Kapital«, die systematische Behandlung der Klassen erst am Ende des dritten Bandes vorgesehen: Über die Konstitution der Klassen, über Klassenhandeln, Klassenbewusstsein lässt sich erst sinnvoll reden, wenn die spezifischen Formbestimmungen der kapitalistischen Produktionsweise dargestellt sind.“

    Was wohl bedeuten soll, Klasse, Klassenhandeln und Klassenbewusstsein auf jeden Fall nichts direkt mit den spezifischen Formbestimmungen der kapitalistischen Produktionsweise zu tun haben können. Heinrich exekutiert Kapitalismuskritik aus dem Bereich der Produktion und der ihm zugrundeliegenden ökonomischen Verkehrsformen. Z.B. die Produktion von Mehrwert, immerhin die Quelle der Profitwirtschaft im Kapitalismus fällt nach Heinrich nicht in dem Bereich der Klassenanalyse.

  38. Gravatar Icon 38 Helden Karl 19. November 2007 um 23:25 Uhr

    „Ich will jetzt nicht linguistisch daherkommen, dazu ist eh alles Wesentliche schon gesagt, selbst von der SHZ in Erlangen-Nürnberg.“

    Was steht denn in der SHZ?

    Und zu den Inet Dikussionen: Der typische GSPler ist halt kein zoon politicum! Vielleicht sind sie deshalb „Diskussionsmuffel“. Der GSP macht auch keine Politik sondern verbreitet Theorie. Unterschiedliche Welten, unterschiedliche Mentalitäten. Ist, LEIDER, so. Oder vielleicht haben alle einfach nur keine Zeit.

  39. Gravatar Icon 39 Neoprene 20. November 2007 um 10:33 Uhr

    zu Helden Karl:
    Das mit der SHZ meinst du nicht ernst, oder? Den link bei contradictio hast du sicherlich wie ich gelesen. Mittlerweile funktioniert der auch bei den RTFs der Artikel.

    Der GSP macht auch keine Politik sondern verbreitet Theorie

    Hm, ist das wirklich ein Gegensatz? Jedenfalls jetzt, wo doch auch alle Möchtergernpolitiker der revolutionären Linken nichts anderes machen (können) als Propagandablättchen mit ihren Erkenntnissen unter die nicht sonderlich geneigte Bevölkerung zu bringen?
    Und das „einfach keine Zeit“-Argument, das ist doch durchgängig immer nur vorgeschoben. Und natürlich vor allem bei Leuten, die für das, was ihnen politisch wichtig ist, ne ganze Menge an Energien aufbringen, auch zeitlich. Und so eine Truppe sind die GSPler ja doch auch.

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