Familie — Keimzelle der Gewalt

Nach der Lektüre des folgend zitierten (und schon etwas älteren) Dossiers hab ich mich tatsächlich gefragt, ob der kontinuierliche Rückgang der Mordzahlen in der BRD seit den frühen 90er Jahren etwas mit dem Anwachsen der Single-Haushalte zu tun haben könnte. Denn immerhin finden mehr als die Hälfte aller hierzulande registrierten Morde und Totschlagsdelikte im familiären Umfeld statt:

Die Familie ist nicht mehr heilig, sie offenbart sich vielmehr als ein Ort von Terror und Gewalt. Keine Woche, in der Zeitschriften und Fernsehen nicht über Quälerei, Mord und Totschlag im Eigenheim berichten. Väter in Lebenskrisen löschen Familien aus, verzweifelte Frauen nehmen ihre Babys mit in den Tod. Voyeuristisch schildern Boulevardblätter, wie ganze Sippen sich sexuell an ihren Kindern vergehen. Pflegebedürftige Alte, so ist zu lesen, werden von ihren ungeduldigen Erben gequält und vernachlässigt. Die Familie, allen im Kopf als ein Hort der Geborgenheit und Wärme, ist mit einem Mal als die gewalttätigste Institution der Gesellschaft demaskiert.

… schrieb 1995 DIE ZEIT, damals noch in ungewöhnlich radikaler Pose. Heute wird das Problem, wie könnte es anders sein, auf die „Ausländer“ respektive Moslems abgeschoben (Stichwort ‚Ehrenmorde'). Die feministische Thematisierung der bürgerlichen Kleinfamilie als Keimzelle der Gewalt ist in Zeiten von „Du bist Zuchtvieh„-Kampagnen offenbar nicht mehr besonders en vogue.


2 Antworten auf „Familie — Keimzelle der Gewalt“


  1. Gravatar Icon 1 IdrawESCAPEplans 02. Januar 2008 um 0:06 Uhr

    sehr interessanter text – da bedank ich mich mal für den tip.

  1. 1 Gefährliche Orte: Wohnungen und Bierzelte | bikepunk 089 Pingback am 09. Januar 2008 um 17:26 Uhr
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