Jungle World powered by BAMF

Wer hätte vor Jahren gedacht, dass sich „linke“ Projekte wie iz3w und Jungle World einmal aus dem Etat des deutschen Abschiebeministeriums finanzieren würden? Andererseits: vorgearbeitet haben sie (1, 2, 3), das muss man ihnen lassen!


18 Antworten auf „Jungle World powered by BAMF“


  1. Gravatar Icon 1 Schatten.kontrastieren 05. Januar 2008 um 16:21 Uhr

    Mal ganz von der inhaltlichen Ebene abstrahiert (wie unwichtig die bei manchen Fördergeldern ist, ist ja bekannt) ist es doch erstmal relativ egal von welcher staatlichen Stelle die ihr Geld bekommen. Das lenkt doch nur von der inhaltlichen Kritik ab. Ansonsten lässt sich natürlich schon fragen, wie die konkrete Förderpraxis, v.a. in ideologischer Hinsicht, ausschaut. Eine ideologische Gleichgerichtetheit versuchst du ja aufzuzeigen, das wäre ja auch zu kritisieren und nicht das abgreifen von Geld aus staatlichen Fördertöpfen.

  2. Gravatar Icon 2 lysis 05. Januar 2008 um 16:41 Uhr

    Als ob zivilgesellschaftliche Einrichtungen, die sich auf staatliche Förderung einstellen, nicht entsprechend verhalten und umstrukturieren würden! Wie naiv bist du denn? Mal was von dem Sprichwort „Wes Brot ich es, des Lied ich sing“ gehört? Meinst du, es ist Zufall, dass die Aktion 3. Welt Saar jetzt „Kompetenzzentren“ hat?

  3. Gravatar Icon 3 lysis 05. Januar 2008 um 16:49 Uhr

    Weißt du, wo „Kompetenzzentrum“ herkommt und wo es Verwendung findet? Ich geb dir mal ein Beispiel:

    Mit den Neuregelungen zur Migration und Integration wurde die Zuständigkeit für das Ausländerzentralregister (allgemeiner Datenbestand und VISA-Datei) dem BAMF als zentralem Kompetenzzentrum für Migration und Integration übertragen.

  4. Gravatar Icon 4 Schatten.kontrastieren 05. Januar 2008 um 17:01 Uhr

    Das Sprichwort kenn ich, nicht gerade das aktuellste. Mir ist nicht klar wie du zu dieser Zwangsläufigkeit kommst nur weil die ihre kommenden Projekte mit Managementtrendvokabular spicken, das kann doch auch durchaus ein instrumentelles Verhältnis sein (was es in dem konkreten Fall ja vielleicht auch nicht ist). Ich plädiere nur für eine konkrete Analyse der jeweiligen Förderpraxis anstatt einfach eine Zwangsläufigkeit zu unterstellen.

  5. Gravatar Icon 5 Schatten.kontrastieren 05. Januar 2008 um 17:07 Uhr

    Ach, Kompetenzzentrum ist doch nur einer der aktuellen Modebegriffe der ManagerInnen aller Größen. Das der nun genau da herkommen soll ist doch unwahrscheinlich.

  6. Gravatar Icon 6 lysis 05. Januar 2008 um 17:23 Uhr

    Nee, das wollte ich nicht behaupten, dass „Competence Center“ vom BAMF geprägt wurde. Mit „wo das herkommt“ meinte ich schon die Business-Welt.

    Davon aber mal abgesehen wundert mich deine Position sehr, da du dich ja mit Staatstheorien beschäftigst, und etwa auch mit Agnolis Analyse von Kooptationsprozessen. So ’ne Haltung wie deine hat man früher auch mal bei den Grünen vertreten: dass das ja nicht notwendig korrumpieren würde, wenn man sich in die Institutionen des bürgerlichen Staates begibt. Was daraus geworden ist, sieht man ja.

  7. Gravatar Icon 7 Schatten.kontrastieren 05. Januar 2008 um 18:25 Uhr

    Wenn man aus dem Beispiel der Grünen jetzt nur noch ‚Macht korrumpiert‘ lernt, dann ist man aber wieder beim naiven Anarchismus. Nur weil der Staat ein Terrain ist auf dem man sich leicht die Beine bricht… es wäre ersteinmal zu fragen woran man sich da eigentlich die Beine bricht und ob sich das nicht verhindern lässt, anstatt zu versuchen ein für alle mal alle Kämpfe auf diesem Terrain zu meiden wie das Kind die heiße Herdplatte.
    Außerdem ging’s doch schon hier gegen Agnoli, Holloway und wie sie alle heißen: http://schattenkontrastieren.blogspot.com/2007/12/nico-poulantzas-sagt.html

  8. Gravatar Icon 8 Schatten.kontrastieren 05. Januar 2008 um 18:50 Uhr

    Da sind wir ja auch gleich wieder vom Hölzchen zum Stöckchen… :)

  9. Gravatar Icon 9 lysis 05. Januar 2008 um 20:47 Uhr

    *lol* Na dann viel Glück beim subversiven Kampf im Abschiebeministerium!

  10. Gravatar Icon 10 miss taken identity 05. Januar 2008 um 21:41 Uhr

    Lysis, ich find dich da grade unfair gegenüber Schatten.kontrastieren. Sie_Er hat doch nur angemerkt, dass eine Kritik an den von der A3WS abgegriffenen Fördertöpfen eigentlich keine ist die besonders hart trifft. Die Inhalte dieser Leute wären ja auch keine anderen hätten sie die Kohle vom Bundesamt nicht. Sie könnten die halt dann nur nicht so gut verbreiten.

    Auf der anderen Seite ist das was du hier dokumentierst nur der letzte Höhepunkt einer Entwicklung die schon länger anhält, so schrieben Cafe Morgenland ja schon 2005 (unter der Überschrift „Die sieben fetten Schweine“, treffend gewählt, m.E.):

    Ein Traum geht in Erfüllung, das langersehnte Ende der dornigen Durststrecke schickt seine Omina in rauen Mengen voraus. Die deutsche Linke etabliert sich. Sie erlangt endlich den längst fälligen und redlich verdienten sicheren Platz innerhalb des deutschen Gesellschafsgefüges. Das selbstlose Warten, die große Geduld, die sich einerseits von dem eigenen standhaften Wesen oder wesenhaften Standhaftigkeit, andererseits und vor allem von der unerschütterlichen Zuversicht, von dem festen Vertrauen in das charakterliche Gepräge des deutschen Volkes nährte, wird gegenwärtig mit Anerkennung belohnt.

    Ich will ja nicht bashen, und schon gar nicht wie es die Antideutschen mittlerweile so gerne machen, auf meiner identitären Differenz zu „der Linken“ beharren, meine mich deshalb auch gleich mit. Aber von der Vorstellung, dass „die Linke“ als ganze den Anspruch hätte antirassistisch zu sein und dann noch davon, dass sie bereit wäre um diesen Anspruch einzulösen tatsächlich was zu tun, von dieser Vorstellung wäre der Abschied doch langsam fällig.
    Aber so wie die Linke das Volk nicht aufgeben will, können Linke „die Linke“ nicht aufgeben – und sind deshalb nicht bereit Konsequenzen zu fordern, weil sie den Frieden innerhalb der Szene stören. Was fehlt ist nicht die Moral oder der Anstand und der Grund für das Phänomen ist nicht irgendein korrumpierender Effekt der „der Macht“ eigen wäre, sondern, so finde ich, einfach die mangelnde (politische) Distanz zu Staatzwecken und Volk (und immer wieder, mangelndes Nachdenken). Fördertöpfe abgreifen und taktisches Verhalten schließt eine solche politische Distanz ja gar nicht zwingend aus. Sie müsste eben nur mal gewonnen werden.

  11. Gravatar Icon 11 lysis 05. Januar 2008 um 22:10 Uhr

    Nee, ich hab kein Abgrenzungsbedürfnis gegenüber „der Linken“, sondern höchstens eines gegen eine Linke, die sich mit rechten Positionen verkettet (so etwa, wenn die KONKRET für Abschiebungen eintritt, imperialistische Kriege befürwortet, die „Rassenlehre“ relegitimiert und sich an der allgemeinen Hatz auf Muslime beteiligt). Für mich steht „Linke“ aber nach wie vor nicht für eine empirisch festhaltbare Gruppe, sondern für den Anspruch, sämtliche progressiven Kämpfe miteinander zu verknüpfen in der Suche nach einer emanzipatorischen Gesellschaft. Insofern existiert die Linke nicht, sondern sie ist etwas, das es immer wieder herzustellen gilt: gegen die Rassisten von KONKRET, gegen die antiimperialistischen Volkstümler der „jungen Welt“ — und tausend andere Arschlöcher. Nein, ich hab kein Abgrenzungsbedürfnis gegenüber Linken.

  12. Gravatar Icon 12 ivo 06. Januar 2008 um 16:19 Uhr

    erstens beziehen die meisten flüchtlings- und opferberatungs-projekte, projekte gegen rechtsextremismus, gegen antisemitismus usw., sogar das bln. antifa-archiv aus staatlichen kassen gelder. meistens aus den innenmiminsterien. ohne diese zuschüsse gäbe es außer ein paar halbklandestinen antifa-gruppen überhaupt keine infrastruktur gegen rassistische gewalt und rechtsextremismus.
    zweitens bekommt die jungle world, die du dir hier als lieblingsfeindbild rausgeguckt hast, leider überhaupt keine solchen staatlichen gelder, sondern zahlt im gegenteil ordentlich steuern in staatskasse.
    drittens: willst du mit deinem post andeuten, die tatsache, dass A3WS, flüchtlingsgruppen, iz3w, projekte gegen rechtsextremismus und antisemitismus, für erinnerungsarbeit, ausstellungen, frauenprojekte, jugendzentren usw. ein paar staatliche gelder abgreifen, bedeutet, dass man mit denen nichts mehr zu tun haben darf, und dass zeitungen wie die jungle world und die graswurzelrevolution usw. keine anzeigen u.ä. von denen schalten sollten???
    viertens: ich dachte mir ja schon immer, du lebst auf einem andren planeten…
    fünftens: man kann natürlich darüber streiten, ob man staatliche fördertöpfe für emanzipatorische projekte anzapfen sollte, aber solange wir alle, ja auch du, mit unseren steuern diese kassen füllen und direkt die abschiebemaschinerie finanzieren, ist das ja wohl ziemlich lächerlich…

  13. Gravatar Icon 13 lysis 06. Januar 2008 um 17:42 Uhr

    es geht nicht nur darum, dass linke projekte staatliche gelder abgreifen, was im übrigen immer bedeutet, sich in eine, je nach umfang der förderung, mehr oder weniger große abhängigkeit zu begeben und bei bestimmten themen besser das maul zu halten. es geht konket auch darum, dass die gelder für diese broschüre vom „nationalen kompetenzzentrum für abschiebefragen“, nämlich dem bundesamt für migration und flüchtlinge, stammen. genauer: sie sind teil des schengener eu-programms „Solidarität und Steuerung der Migrationsströme“.

    und das muss man doch sagen: dem anliegen dieses programms werden sowohl die a3ws-broschüre als auch die jungle world und die iz3w voll und ganz gerecht, weshalb die förderung überaus verdient ist.

  14. Gravatar Icon 14 lysis 06. Januar 2008 um 18:06 Uhr

    ein beispiel dafür, welche ausmaße diese abhängigkeit annehmen kann: der hamburger infoladen für schwule, „hein & fiete“, verzichtete während der hetzkampagne gegen muslime in st. georg auf eine offizielle gegendarstellung zu den falschbehauptungen in der presse mit der begründung, dass der GAL-abgeordnete farid müller, der diese kampagne angestoßen hatte, möglicherweise bald ihr geldgeber sei, weshalb sie es sich nicht leisten könnten, ihm politisch in die parade zu fahren. sie beließen es daher bei einem aushang in ihren vereinsräumen, auf dem sie sich von der kampagne und den ihnen zugeschriebenen äußerungen distanzierten. in die öffentlichkeit traten sie damit freilich nicht.

    ähnliches erzählte mir die vertreterin eines vereins für huren und junkies in st. georg. sie seien von farid müller gedrängt worden, sich der antimuslimischen hetzkampagne anzuschließen. schließlich wären die moslems ja auch gegen drogen und prostitution! in wirklichkeit zieht der verein eine ganz andere politische linie: er sieht die kampagne als fortsetzung des verdrängungs- und gentrifikationsprozesses, der vor einigen jahren dafür sorgte, dass drogenkonsument_innen aus dem bezirk hinausgemobbt wurden. als nächstes seien nun eben die muslime dran, die den ärmeren teil st. georgs bewohnen. öffentlich interveniert man freilich nicht. denn schließlich ist farid müller, wenn er das direktmandat gewinnt, ihr künftiger geldgeber …

    wenn hier jemand von einem anderen planeten ist, dann bist du es, ivo!

  15. Gravatar Icon 15 cannon fodder 07. Januar 2008 um 13:30 Uhr

    Ein Problem hat man natürlich vor allem dann, wenn man notorisch in die staatliche Spendierhand beißen muss (bzw. müsste), um der Hauptaufgabe des Projektes gerecht werden zu können.

  16. Gravatar Icon 16 lysis 07. Januar 2008 um 14:13 Uhr

    was bei der a3ws (aktion 3. welt saar) natürlich der fall ist!

  17. Gravatar Icon 17 Sabine 15. Januar 2008 um 13:35 Uhr

    He, die jungle world bekommt doch gar nichts von denen! Wie kommst Du drauf!?

  18. Gravatar Icon 18 lysis 15. Januar 2008 um 13:40 Uhr

    Über Umwege schon, z.B. indem man seiner Zeitung eine BAMF-finanzierte Flugschrift beilegt und entsprechende Anzeigenpreise kassiert.

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