Serkan hat keine Chance!

Als Ende November 1992 die Großmutter und die zwei kleine Töchter der türkischen Familie Arslan in Mölln durch zwei Jungdeutsche, Michael Peters und Lars Christiansen verbrannt wurden, war Serkan gerade mal fünf Jahre alt. Er hat davon kaum etwas mitbekommen.

Er wuchs in „zerrütteten“ Verhältnissen auf. Der Vater Alkoholiker, die Mutter und die Kinder wurden geschlagen, bis sich die Mutter vom Vater trennte. Irgendwann schob der deutsche Staat den Vater in die Türkei ab, Serkan blieb „dahoam“. Wo sollte er auch hin?

Er war hier geboren und aufgewachsen – wenn es überhaupt Aufwachsen genannt werden kann, als „Kümmeltürke“ beschimpft, in der Schule gehänselt, auf der Strasse gegängelt zu werden; und vor Allem jene ewigen Hassblicke, die ihm herabwürdigend entgegengeschleudert wurden. Allein unter den Deutschen. Er landete mit 11 Jahren in einem Erziehungsheim.

Das „Erziehen“ hat gerade mal ein Jahr gedauert. Er war wieder auf der Strasse. Mal verübte er einen Autoeinbruch, mal ließ er etwas mitgehen, um so zumindest seinen Abstieg selber zu bestimmen. Und es ging so weiter. Die „Türkenbrut“, der „Kanake“, der sich nicht benimmt „in unserem Land“, wo es „früher so was nicht gegeben hat“. Er wurde so lange wie ein Stück Dreck, wie Ungeziefer behandelt, bis er soweit war; eine Wanze halt, die man jederzeit zwischen den Fingern zerquetschen kann, ohne mit der Wimper zu zucken.

Sie haben ihm nichts gelassen. Er schaffte es trotzdem, ein Stück Würde zu behalten, so als einen rettenden Strohhalm, um weiter atmen zu können: Er legte Grenzen fest, die die Anderen mit ihrem Vernichtungswahn nicht überschreiten dürften, Grenzen, innerhalb derer er lebendig wurde, und bei deren Verletzung er zurückschlug, als Nachweis dessen, dass es ihn noch gibt.

So auch am 20. Dezember in der Münchner U-Bahn.
(Weiterlesen bei Café Morgenland …)


1 Antwort auf „Serkan hat keine Chance!“


  1. 1 classless Kulla » Blog Archive » Lage: dazwischen Pingback am 14. Januar 2008 um 19:28 Uhr
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