BILD lässt die Hunde los

Seitdem der Feuilleton-Chef der ZEIT, Jens Jessen, ein paar richtige Anmerkungen zu der von Rentnern kultivierten Atmosphäre der Intoleranz gemacht hat, wütet der landeseigene Lynchmob und will ihn am liebsten am nächsten Baum aufknüpfen. Die Süddeutsche Zeitung fasst die ungefilterten Reaktionen des deutschen Netzkübels schlaglichtartig zusammen:

Angefeuert durch Bild und FAZ, tobt nun eine Welle der Empörung in Internetforen, Blogs, und Userkommentaren. Was dort zu lesen ist, ist zuweilen justiziabel: Man solle dem “Deutschland-Hasser”, diesem “hinterhältigen und verdorbenen Gesellen”, dem “charakterlosen Wurm” auf die “Fresse hauen”, den “ekelhaften Rotfaschisten” auf den “Müllhaufen der Geschichte” werfen, das “widerliche linke Schwein” in der U-Bahn so verprügeln, “dass er sich für den Rest seines Lebens von Flüssignahrung ernähren muss”. Es wird gefragt, ob man ihm “bei Gelegenheit den Schädel eintreten” dürfe, oder gefordert, dass “Schläge das Denkvermögen” erhöhen mögen und sich der “Perversling” schämen soll und schließlich wird dort gehofft, dass Jessen seinen Job verliert, “oder besser noch: Verschwinden Sie aus Deutschland. Ich klage Sie an wegen Verbrechen gegen das deutsche Volk” — und so geht das in Hunderten Kommentaren in einem fort. Es kann einem schlecht werden dabei.

(via)


10 Antworten auf „BILD lässt die Hunde los“


  1. Gravatar Icon 1 lampeAN 22. Januar 2008 um 18:08 Uhr

    broder mag den jensen nicht:

    http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,529487,00.html

    … ich mag beide nicht.

  2. Gravatar Icon 2 andreas 22. Januar 2008 um 18:29 Uhr

    an dem punkt, an dem er mit dem sender gleiwitz anfängt, habe ich zu lesen aufgehört. broder lamentiert darüber, wie diskurse in deutschland ablaufen, erwähnt aber nicht seine eigene rolle darin.

  3. Gravatar Icon 3 lysis 22. Januar 2008 um 21:58 Uhr

    Na, Broder hat seit Jahren die Rolle des Einheizers vom Dienst besetzt, wenn es darum geht, die Stimmung gegen muslimische Immigranten und ihre Kinder hochzukochen. Wen verwundert da noch diese Suada? „Ein Hetzer ist er“, um mal Willy Brandt zu zitieren, „der schlimmste Hetzer seit Geißler“.

  4. Gravatar Icon 4 Atta Troll 23. Januar 2008 um 4:20 Uhr

    „Bildungsbürger als Bla-Bla-Blockwarte“
    Henryk, da ist dir was Wahres rausgerutscht!

  5. Gravatar Icon 5 afafaf 23. Januar 2008 um 21:52 Uhr

    Zweifellos sind die Reaktionen inakzeptabel, aber die Thesen dieses Herrn sind es auch. Was ist daran „richtig“, ganze Generationen von Menschen (Rentner) in Kollektivschuldhaft zu nehmen (zumal die kategorie Rentner eine rein biologische ist, die keine ideologische Aussage enthält). Ich kennen Rentner, die weniger Vorurteile haben und aufgeschlossener sowie fähiger zur Selbstkritik sind als Lysis.

  6. Gravatar Icon 6 sebastian 24. Januar 2008 um 11:33 Uhr

    kleine anmerkung: „Rentner“ ist keine biologische kategorie, sondern eine soziale, sogar eine institutionalisierte.
    „Alter“ wäre eher eine biologische kategorie. wobei man da auch anmerken müsste, dass das alter an sich keinen sozialen sinn hat und nicht von sich aus eine relevante soziale kategorie ist. aber das führt zu weit.

    gerontophobie kann ich allerdings auch nicht gutheißen.

  7. Gravatar Icon 7 BlauerBueffel 24. Januar 2008 um 15:37 Uhr

    Natürlich ist das Video polemischer Gegenstammtisch. Aber die dort gemachten Beobachtungen kann ich teilen. Ich bin beruflich mit lebenslustigen Horden junger Menschen in öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs. Und es vergeht keine Fahrt ohne die Begegnung mit alten Menschen, deren Reaktionen völlig überzogen sind, die auf jede Lebensäußerung meiner Zöglinge mit Kopfschütteln oder lautem Zetern reagieren.

  8. Gravatar Icon 8 willyam 01. Februar 2008 um 16:04 Uhr

    Tja … irgendwie gespalten fühle ich mich gerade, nachdem ich mich ein wenig in die Debatte eingelesen habe. Andreas meinte bereits ganz recht: broder lamentiert darüber, wie diskurse in deutschland ablaufen, erwähnt aber nicht seine eigene rolle darin. Eine Matruschka größer geht eben immer. Die Presse, unterstreicht damit einmal mehr eher ihre redaktionelle Fingerfertigkeit als ihr soziales Einfühlungsvermögen. Anstelle eines Forums, dass den Stimmen der unmittelbar in diesen Milieus arbeitenden „Experten“ Gehör bietet: „Gefühlte“ Eindrücke. Ein ganz grandioses, aber meiner Meinung leider halbwegs repräsentatives Beispiel, das die Kluft zwischen intellektueller Wahrnehmung und Alltagsleben aufzeigt: Die Sendung des Philosophischen Quartetts Wie deutsch soll Deutschland sein? Vom Nutzen und Nachteil der Integration.

  1. 1 “Den gewaltigsten Gegensatz zum Deutschen bildet… // Antifa Horgau Pingback am 22. Januar 2008 um 21:56 Uhr
  2. 2 Die schweigende Mehrheit spricht // nordstadtsafari Pingback am 25. Januar 2008 um 11:28 Uhr
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