Helden unserer Zeit

Da braucht man nur mal ein Massaker mitverantwortet zu haben, schon gilt man bei (Anti-)Deutschen als ein großer Heros!


25 Antworten auf „Helden unserer Zeit“


  1. Gravatar Icon 1 classless 27. Februar 2008 um 13:40 Uhr

    Hm, interessanter Punkt, die Verehrung für Sharon beruht auf dem Massaker und ähnelt der Verehrung für Waffen-SS. (Oder habe ich da in die Überschrift bloß was reingelesen?)

  2. Gravatar Icon 2 lysis 27. Februar 2008 um 14:45 Uhr

    Worauf beruht die Verehrung Scharons als “Held” denn sonst, wenn nicht auf seiner Tätigkeit als Soldat und verantwortlicher Kommandeur im Libanon-Krieg?

    Und was du in die Überschrift hineinliest, ist mir ehrlich gesagt egal.

  3. Gravatar Icon 3 naja 27. Februar 2008 um 15:59 Uhr

    politische Mitverantwortung

    Das Massaker haben immer noch die christlichen Milizen begangen. Und was das ganze mit Ruhm und Ehre zu tun hat, weis ich auch nicht…

  4. Gravatar Icon 4 lysis 27. Februar 2008 um 16:18 Uhr

    Ja, das Massaker haben Israels Verbündete mit Duldung der IDF begangen. Wer hätte das bestritten?

  5. Gravatar Icon 5 lysis 27. Februar 2008 um 16:25 Uhr

    Mal eine kleine Geschichtsstunde:

    Leider vergisst der Autor [Matthias Küntzel], hinzuzufügen, dass Israel 1982 zuerst im Libanon einmarschiert war. Dort gab es zu diesem Zeitpunkt noch überhaupt keine Hizbollah, sondern lediglich eine säkulare PLO (bestehend aus einem bürgerlich-nationalistischen Mehrheitsflügel und mehreren marxistisch angehauchten, linksnationalistischen Fraktionen sowie einigen militaristischen Desperadogruppen in ihrem Umfeld). Um ihre Bekämpfung ging es Israel dabei, und um diesem Ziel näher zu rücken, wollte Israel die libanesisch-christliche «Falange» an die Macht bringen. Die Falange (so ihr französischer Name, die arabische Bezeichnung lautet «Kataeb» für Kampfeinheit, Phalanx) war eine Organisation, die starke Anklänge zum historischen Faschismus aufweist: Ihr Gründervater Pierre Gemayel hatte sie 1936 aus der Taufe gehoben, als er begeistert von den Olympischen Spielen in Hitlers Berlin nach Hause kam. Wer unbedingt die Kriege des Staates Israel als Remake des Zweiten Weltkriegs und antifaschistischen Kampf betrachten möchte, den stören solche Feinheiten natürlich eher. Der jüngste Sohn von Pierre Gemayel, Baschir Gemayel, wurde 1982 mit israelischer Hilfe zum Präsidenten des Libanon. Doch im September jenes Jahres wurde er bei einem Attentat getötet, bevor sein Bruder Amin Gemayel (Präsident von 1982 bis 89) seine Nachfolge im Amt antrat. Die libanesische Falange unterhielt eine bewaffnete paramilitärische Organisation unter dem Namen Forces Libanaises, die gegen Marxisten und Palästinenser kämpfte und in deren Reihen sich in den 80er Jahren auch einige französische rechtsextreme Söldner befanden.

    Im Südlibanon, wo besonders viele Angehörige der schiitischen Konfession leben, baute Israel schon seit Ende der 70er Jahre eine vor allem aus christlichen Milizionären bestehende Kollaborateursarmee unter dem Titel South Lebanon Army (SLA) auf. In der dortigen Zone wüteten die israelische Armee und die SLA noch bis Ende der neunziger Jahre in einer Weise, die die Menschenrechtsorganisation Amnesty international in ihrem Jahresbericht 1998 schreiben ließ: «Zahlreiche im Südlibanon von der SLA und den IDF (Anm.: letztere Abkürzung bezeichnet die israelische Armee) festgenommene Personen wurden entweder ohne Anklageerhebung oder Gerichtsverfahren im Khiam-Haftzentrum festgehalten oder auf israelisches Hoheitsgebiet gebracht.» Und in einem Sonderbericht von 1999 heißt es darüber: «Die Foltermethoden der israelischen Streitkräfte gegen gefangengenommene Libanesen sind offenbar noch grausamer als die vom ‘Allgemeinen Sicherheitsdienst‘ (GSS) gegen inhaftierte Palästinenser angewandte Art der Folter.“ Auch im Jahresbericht 2000 ist noch detailliert von Folterungen durch die SLA und in der damaligen israelischen «Sicherheitszone» im Südlibanon die Rede.

  6. Gravatar Icon 6 classless 27. Februar 2008 um 16:57 Uhr

    Könnte die Verehrung für Sharon nicht eher was mit jüngeren Entwicklungen zu tun haben?

    Und warum steht da jetzt sonst „Ruhm und Ehre“?

  7. Gravatar Icon 7 lysis 27. Februar 2008 um 17:02 Uhr

    „Held“ ist eine Bezeichnung, die auf Kampfesmut, Krieg und Soldatentum verweist. Niemand käme ernsthaft auf die Idee, einen Zivilpolitiker als „Helden“ zu bezeichnen.

    Und warum steht da jetzt sonst “Ruhm und Ehre”?

    Weil das die Begriffe sind, durch die sich Heldentum auszeichnet?

  8. Gravatar Icon 8 crull 27. Februar 2008 um 17:18 Uhr

    „“Held” ist eine Bezeichnung, die auf Kampfesmut, Krieg und Soldatentum verweist. Niemand käme ernsthaft auf die Idee, einen Zivilpolitiker als “Helden” zu bezeichnen.“

    - Das ist doch Quatsch. Schonmal was von z.B. „Helden des Alltags“ gehört? Damit sind ja nun auch keine Straßenschläger gemeint…

  9. Gravatar Icon 9 lysis 27. Februar 2008 um 17:27 Uhr

    „Helden des Alltags“ ist eine Metapher, die besagen soll, dass da jemand in einer konflikthaften Situation Kampfesmut bewiesen hat. Ich kenne aber keinen zivilen Präsidenten, der jemals als „Held“ bezeichnet worden wäre. Das ist so, weil der Begriff in der politischen Sprache des 20. Jahrhunderts klar militaristisch besetzt ist: durch die Figur des „Kriegshelden“.

    Scharon war General, er hat über 60 Jahre dem Militär gedient und war in verantwortlicher Stellung an mehreren Massakern beteiligt, wie zuletzt im Flüchtlingslager Dschenin. In den Augen Cliffis macht ihn das zum „Helden“, dem „Ruhm und Ehre“ gebührt. In meinen Augen urteilt so nur ein moralischer Freak.

  10. Gravatar Icon 10 crull 27. Februar 2008 um 17:44 Uhr

    Ich mag mich ja wirklich nicht über die Bedeutung und Verwendung des Wortes „Held“ streiten, zudem weiß ich nun wirklich nichts über Vorlieben und Beweggründe von Cliff Richards (wobei du wahrscheinlich recht hast, nach kurzem Blick auf seinen blog geraten).

    Aaaaaaber: Ich bin trotzdem anderer Meinung was den Gebrauch dieses Begriffs angeht! ;)

  11. Gravatar Icon 11 human 27. Februar 2008 um 21:24 Uhr

    kann mich „Adorno Schwarzenegger“ nur anschließen.

    @lysis
    Ich finde deinen Post ist ziemlich verkürzt und einseitig..
    Nichts gegen Polemik doch ich hatte gedacht da hast du mehr zu bieten…

    Helden können auch Menschen sein, die, anstatt zu kämpfen (oder wie du meinst Kampfesmut aufzeigen), nicht angreifen sondern sich zurückziehen (siehe Sharon Plan)…

  12. Gravatar Icon 12 lysis 27. Februar 2008 um 22:19 Uhr

    Scharon hat nicht das Ende der Besatzung geplant (also den international von fast allen Seiten geforderten Rückzug auf die grüne Linie), sondern nur eine neue, etwas „realistischere“ Annexionsstrategie entworfen, die auch gleich mit allerhand Härten für die palästinensische Bevölkerung verbunden war (neue Landenteignungen, Trennung von Dörfern usw. usf.). Aber darum geht es gar nicht. Es geht darum, dass es geschmacklos ist, einen Menschen, der vor einem israelischen (!) Untersuchungsausschuss der Mitverantwortung für ein Massaker schuldig gesprochen wurde, als „Helden“ abzufeiern. Und natürlich bezieht sich dieses ihm zugesprochene Heldentum auf seine vergangene Militärkarriere. Worauf denn sonst? Auf den Bau des Sicherheitszauns? Was ist denn daran heldenhaft?

  13. Gravatar Icon 13 lysis 27. Februar 2008 um 22:29 Uhr

    So, und damit die Diskussion über „Ruhm und Ehre“ mal ein Ende hat, hab ich die Aside-Überschrift jetzt geändert. Ein Vergleich Scharons mit dem „Dritten Reich“ liegt mir nämlich völlig fern, wenngleich mir seine deutschen Fans in all ihrem Zynismus gegen die Opfer von militärischen Massakern nicht in gleicher Weise über diesen Verdacht erhaben scheinen.

  14. Gravatar Icon 14 Helden Karl 27. Februar 2008 um 22:42 Uhr

    „Helden können auch Menschen sein, die, anstatt zu kämpfen (oder wie du meinst Kampfesmut aufzeigen), nicht angreifen sondern sich zurückziehen (siehe Sharon Plan)…“

    Stimmt, der Staat Israel ist ja das Paradebeispiel dafür, wie ein Staat sich seit Gründung immer mehr zurückzieht….

  15. Gravatar Icon 15 classless 28. Februar 2008 um 1:19 Uhr

    Mit der Änderung der Überschrift wäre der eine Punkt ja hinfällig – warum aber glaubst du weiterhin, der reale Grund für die Verehrung wäre dieses von Sharon begünstigte Massaker?

  16. Gravatar Icon 16 cannon fodder 28. Februar 2008 um 12:42 Uhr

    Zielführender als die kleinliche Nörgelei an der zuspitzenden Polemik von Lysis ist doch die Frage, wie Antideutsche wohl reagieren würden, wenn das ganze umgekehrt passiert wäre, wenn also palästinensische Politiker vertragsbrüchig geworden wären, ein Massaker an tausenden israelischen Zivilisten zugelassen (trotz ihrer Verantwortung für die Sicherheit dieser Menschen) und außerdem noch operative Unterstützung geleistet hätten, auf dass das Morden, Foltern und Vergewaltigen gut gelingen möge. Wäre man da auch so begeistert („Held“) und verständnisvoll („begünstigte Massaker“) oder wäre man nicht vielmehr angeekelt und voller Hass auf diese Leute. Und wieso wundert sich eigentlich niemand mehr über diese antideutschen Doppelstandards?

  17. Gravatar Icon 17 classless 28. Februar 2008 um 12:52 Uhr

    Für die Begünstigung des Massakers („fahrlässiges Unterlassen“) ist er öffentlich kritisiert und zum Rücktritt gezwungen worden.

  18. Gravatar Icon 18 cannon fodder 28. Februar 2008 um 13:28 Uhr

    Scharon ist schlichtweg verantwortlich. Die Faktenlage ist eindeutig. „Begünstigen“ und „fahrlässiges Unterlassen“ sind Euphemismen.

  19. Gravatar Icon 19 classless 28. Februar 2008 um 19:22 Uhr

    Also habe ich mich mit der Bezugnahme auf das Ergebnis der offiziellen Untersuchung verständnisvoll geäußert, weil sie mit deiner Einschätzung nicht übereinstimmt?

  20. Gravatar Icon 20 lysis 29. Februar 2008 um 7:09 Uhr

    Vom 16.-18. September 1982, während zwei Nächten und drei Tagen, wurden in den libanesischen Palästinenserlagern Sabra und Shatila zwischen 1′000 und 3′000 palästinensische Zivilisten ermordet, zumeist Frauen, Kinder und Alte. Die genaue Zahl der Opfer ist bis heute nicht bekannt.

    Die Täter stammten vor allem aus den Reihen der Forces Libanaises, einer mit Israel verbündeten christlichen Miliz. Für die Logistik des Massakers sorgte die israelische Armee, die von dem damaligen Verteidigungsminister und heutigen Ministerpräsidenten Ariel Sharon befehligt wurde.

    1982 erschütterte das Blutbad in den beiden Lagern die Weltöffentlichkeit, heute ist es (fast) vergessen. Dabei war es exemplarisch für all die Massaker, die folgten: zum Beispiel in Ruanda oder in den jugoslawischen Kriegen. Immer wieder tauchen die unbeantworteten Fragen auf: Was treibt Menschen zu derartigen Exzessen von Grausamkeit, und wie können die Täter weiterleben?

    Massaker (2005)

  21. Gravatar Icon 21 lysis 29. Februar 2008 um 7:38 Uhr

    Heldentaten unserer Tage:

  22. Gravatar Icon 22 sebastian 29. Februar 2008 um 15:22 Uhr

    „Könnte die Verehrung für Sharon nicht eher was mit jüngeren Entwicklungen zu tun haben?“

    Gedächtnisschwund bei ADs oder was? Ab wann verjähren denn so kleine Scharmützel?

  23. Gravatar Icon 23 bigmouth 29. Februar 2008 um 17:12 Uhr

    @classless: mich deucht, das nennt man polemik/sarkasmus

  24. Gravatar Icon 24 crull 05. März 2008 um 15:13 Uhr

    @ lysis: Inwiefern besteht da ein Zusammenhang zu Ruanda und Jugoslawien?

  25. Gravatar Icon 25 Kosher 11. März 2008 um 18:55 Uhr

    Zusammenhang? Beides mal haben sich bestimmte Nationalisten abgeschlachtet.

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