Archiv für Februar 2008

Neoleninismus I

In Die Tücke des Subjekts versucht sich Slavoj Žižek unter anderem an einer Art zeitgenössisch-philosophischen Aktualisierung von Lenins berühmter Sentenz: „Der Linkradikalismus ist die Kinderkrankheit des Kommunismus“. Es ist eines der Bücher, die ich rauf und runter gelesen habe und weiterempfehlen kann, obwohl ich mir nicht sicher bin, ob ich das wirklich alles teile. Anregend war es aber allemal:

Der Begriff des Ideals der égaliberté als einer realen/unmöglichen unbedingten Forderung, die mit jeder Positivierung verraten wird, eine Forderung also, die sich nur in diesen kurzen Zwischenmomenten des Macht/Polizei-Vakuums verwirklichen kann, wenn das „Volk“ sich „spontan“ außerhalb der offiziellen repräsentativen Politmaschinerie organisiert (man vergleiche die Faszination, die die „basisdemokratisch, spontan einberufenen Räte“ aus der frühen und „authentischen“ Phase der Revolution auf viele Linke ausübt), rückt die radikal-revolutionären Puristen in gefährliche Nähe zu jenen Konservativen, die versuchen, den notwendigen und unvermeidlichen Verrat oder „Rückfall in den Terror“ jedweder Revolution zu beweisen, so als ob die einzig mögliche Verwirklichung der égaliberté die Roten Khmer oder der Leuchtende Pfad seien. Man ist hier geneigt zu sagen, dass eine leninistische Politik der wahre Kontrapunkt zu dieser kantianischen marginalistischen linken Haltung ist, die auf ihrer eigenen inhärenten Unmöglichkeit beharrt. (mehr…)

jW-Kommentar …

Panorama lügt.

Antikommunismus reloaded

Dass das Kapital noch Feinde haben darf! Ungeheuerlich, so was.

Mal was Nützliches …

The Extend Firefox Winners! (via)

Hassen ohne Reue

Schon komisch, dass sich die deutschen Eliten angesichts von Ludwigshafen äußern, als hätte man sie neben der verkohlten Ruine mit einem Benzinkanister in der Hand erwischt. Die ARD verschiebt aus Gewissensbissen sogar ihren zweiten „Türken-Tatort“ (BILD); sie wird wissen warum. Nur Broder & Co. sehen keinen Grund, wegen neun verbrannter Moslems beim Zündeln eine Pause einzulegen: Da könnte man ja gleich zum Dhimmi werden!

Antideutsche Linke

Ich fürchte fast, da ist nicht mehr viel zum Abhacken:
Antideutsche Linke
(via)

Kontinuitäten deutschen Denkens

Wenn Neoliberale bloggen, liest sich das ungefähr so:

Bei Mises und Hayek kann der geneigte Leser sich ein Bild davon machen, daß das Verhängnis des 20. Jahrhunderts sehr viel damit zu tun hat, daß ausgerechnet Deutschland, das Land der Staatsvergottung par excellence, zum Ende des 19./Anfang des 20. Jahrhunderts geistiges Ausfuhrland, (oder wie man heute wohl sagen würde: „Exportweltmeister“) gewesen ist. Ganz im Banne deutschen intellektuellen Einflusses stehend, verließen schließlich auch die angelsächsischen Länder – zeitverzögert – den Weg der Freiheit und begaben sich mit Beveridge-Reformen und F.D.R.’s „New Deal“ auf die Bismarckianische Straße zur Knechtschaft.

Da das weder neu noch besonders originell ist, hat Foucault diesen Diskurs bereits vor 30 Jahren einmal gründlich durch die Mangel genommen. Hier ein Ausschnitt: (mehr…)

Neoliberalismus als „deutsche Ideologie“

Deshalb, aus diesem Grunde wollte ich die Organisation dessen untersuchen, was man das deutsche Modell und seine Verbreitung nennen könnte, wobei es natürlich klar ist, daß dieses deutsche Modell, wie ich es zu beschreiben versucht habe und wovon ich Ihnen nun einige Verbreitungsformen zeigen möchte, nicht das so oft herabgewürdigte, verbannte, öffentlich bloßgestellte und beschimpfte Modell des Bismarckschen Staates ist, der sich zum Hitler-Staat entwickelt. Das deutsche Modell, das sich ausbreitet und das in Frage steht, das deutsche Modell, das zu unserer Gegenwart gehört, das ihr unter seinem wirklichen Zuschnitt eine Struktur und ein Profil gibt, dieses deutsche Modell ist die Möglichkeit einer neoliberalen Gouvernementalität.

Michel Foucault, Vorlesung am 7. März 1979, in: Die Geburt der Biopolitik. Geschichte der Gouvernementalität II (Suhrkamp : Ffm., 2006), 269.