Archiv für Mai 2008

Urlaub auf Kuba

Obama will Reisefreiheit für US-Amerikaner.

Zucht und Integration

Der Begriff Integration ist somit eine Möglichkeit für Mehrheitsdeutsche, die Spaltung zwischen „Wir“ und „Sie“ zu vertiefen, anstatt diese zu verkleinern; er wird immer wieder als eine Form der Züchtigung benutzt (du stehst unter uns), als eine Form des Othering (du wirst niemals einer von uns sein) und als ein effektives Werkzeug der politischen Rhetorik, eben weil es nicht messbar, undefinierbar und unerreichbar ist.

—Jennifer Petzen, „Wer liegt oben? Türkische und deutsche Maskulinitäten in der schwulen Szene“. In: Ifade (Hrsg.), Insider — Outsider : Bilder, ethnisierte Räume und Partizipation im Migrationsprozess (Bielefeld : transcript, 2005), 167 f.

Palestine: it’s suppression, but not apartheid

Der Besuch des amerikanischen Ex-Präsidenten Jimmy Carter hat in der israelischen Tageszeitung Ha‘aretz eine Debatte über den Apartheids-Vergleich ausgelöst. Carter verwendete diesen historisch schwer belasteten Begriff im Titel seines letzten Buchs (Palestine: Peace not Apartheid), um auf die Unrechtssituation der Palästinenser in den besetzten Gebieten aufmerksam zu machen. Schon am 15. 4. 2008 stellten sich die Herausgeber der Ha‘aretz in ihrem Editorial, wenn auch mit vorsichtigen Worten, hinter diesen Vergleich:

Israel is not ready for such comparisons, even though the situation begs it. It is doubtful whether it is possible to complain when an outside observer, especially a former U.S. president who is well versed in international affairs, sees in the system of separate roads for Jews and Arabs, the lack of freedom of movement, Israel’s control over Palestinian lands and their confiscation, and especially the continued settlement activity, which contravenes all promises Israel made and signed, a matter that cannot be accepted. The interim political situation in the territories has crystallized into a kind of apartheid that has been ongoing for 40 years.

Zehn Tage später legte dann Yossi Sarid, Ex-Vorsitzender der linksliberalen Meretz-Partei, in seiner Kolumne noch einmal kräftig nach:

what acts like apartheid, is run like apartheid and harasses like apartheid, is not a duck — it is apartheid.

Nun hat der in Südafrika geborene und seit 1997 in Israel lebende Journalist Benjamin Pogrund, der ein viertel Jahrhundert lang für eine progressive englischsprachige Anti-Apartheids-Zeitung in Johannesburg schrieb, diesen Vergleich etwas gründlicher unter die Lupe genommen und am 4. Mai 2008 als historisch ebenso falsch wie politisch gedankenlos zurückgewiesen: (mehr…)

Quo vadis

Henryk M. Broder hält einen Vortrag vor Schweizer Rechtsradikalen, Matthias Küntzel publiziert sein Werk in einem neofaschistischen US-Verlag. Wohin des Wegs?

Austromarxistischer Neookkultismus

Im Moment hab ich ja keene Zeit zum Bloggen, aber diese Perle Mozartkugel des zeitgenössischen Wiener Avantgarde-Marxismus (siehe auch hier, hier und hier) darf ich meinen cisalpinen Leser_innen einfach nicht vorenthalten. Es deduziert … Herr Magister Gerhard Scheit:

Während der NS-Staat die Ware Arbeitskraft in der Arbeit zur Vernichtung aufgehen ließ, rechnet der Islam schon fix damit, dass die Arbeitskraft, die zur Ware wird, politisch bedeutungslos ist. […] Der Gegensatz der Ware, der Gegensatz von Tauschwert und Gebrauchswert wird am eigenen Leib aufgelöst. Das Individuum muss jederzeit bereit sein, den von ihm dargebotenen Gebrauchswert, die Arbeitskraft, auszulöschen – als Opfer, das für die Nation und umma zu bringen ist im Kampf mit jenem Gegenvolk.

Angesichts der Selbstverständlichkeit, mit der das nichtidentisches zitiert, als würde das alles irgendeinen Sinn ergeben, fällt mir als Kommentar eigentlich nur noch eines ein: „Hurz!

Wirres von der antiislamfaschistischen Front

Bat Ye‘or, PI und die christliche Rassenkunde.

Das Land der Kellerkinder

David Jones erklärt am Fall Fritzl, für zivilisierte Nationen unbegreiflich (hell, I‘m being ironic!), die postnazistische Alltagskultur der Österreicher:

When, in August 2006, the pale, haunted-looking Natascha Kampusch fled her evil captor, after eight years in an underground lair in a Viennese suburb, few questioned the assertion of Austrian officialdom: that this was an iniquity which might have occurred anywhere.

The following February, however, when it was discovered that another three children had been locked in a rat-infested hideaway for seven years in Austria’s third city, Linz — this time by their deranged mother, who also managed to conceal their disappearance with breathtaking ease — the doubts began.

And yesterday, following the latest and in many ways most chilling of all Austria’s recent domestic horror stories, there began a cacophonous demand for answers.

[…] „Three cases in one small country are just too incredible. Everyone is asking: ‚Why Austria?‘“ (mehr…)