Europa und die Heteronormalisierung der islamischen Welt
Islamische Staaten geraten durch die Verfolgung Homosexueller immer wieder in den Blickpunkt der westlichen Medien, die solche Vorfälle gern als Zeichen kultureller Rückständigkeit interpretieren. Einige Bundesländer schlugen deshalb vor, Muslime im Einbürgerungsverfahren nach ihrer Einstellung zu Homosexuellen zu befragen. Zeigen sich deklassierte Halbstarke aus Migrantenfamilien aggressiv gegenüber Schwulen, werden reflexhaft religiöse Motive unterstellt.
Dabei beschworen Homosexuelle die Kultur des „Orient“ noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts als ein tolerantes Gegenbeispiel zu den Jahrhunderten religiöser und säkularer Verfolgung in Europa. Die klassische arabische Liebeslyrik z.B. ist voll von gleichgeschlechtlichen Motiven, die man in der Literatur des „aufgeklärten“ Abendlands vergeblich sucht. Man mag kaum glauben, dass sich die Lebensweise in islamischen Gesellschaften in einer so kurzen Zeitspanne auf so einschneidende Weise geändert haben soll. Doch gerade diejenigen, die mit dem Finger auf die Homophobie der islamischen Welt zeigen, gehen jeder Erklärung dieses Wandels aus dem Weg.
Anhand zahlreicher historischer und aktueller Quellen belegt der Autor, dass die Schwulenverfolgung in Ländern wie Iran und Ägypten weniger das Relikt einer vormodernen Vergangenheit ist. Vielmehr handelt es sich um das Resultat einer gewaltsamen Angleichung an die Denkformen ihrer ehemaligen Kolonialherren, die Homosexuelle im Prozess der Modernisierung erstmals identifiziert, benannt und zum Objekt staatlichen Handelns gemacht haben. Homophobie ist eine Erfindung des christlichen Westens, die im Zuge der Globalisierung in die entlegensten Winkel dieser Welt exportiert wird.
Männerschwarm : Hamburg, Kartoniert, 168 S., EUR 16,00
(Erscheinungsdatum: Oktober 2008)
Ähm, Rezensionsexemplar?
Schick ich dir zu (oder lass dir zuschicken), wenn’s raus ist.
Cool, danke!
Hallo,
könnten wir auch ein Rezensionsexemplar bekommen? Wenn das ginge, würden wir Dir eine Adresse zukommen lassen.
Schöne Grüße aus Halle,
Christoph und Michel
http://critiqueaujourdhui.blogsport.de/
Klar, kann ich machen. Aber falls jetzt noch mehr kommen: eigentlich ist der richtige Ansprechpartner für Rezensionsexemplare der Verlag.
Lysis du hast dich zwar schon auf Eis gelegt, aber das solltest du noch sehen, das neueste von Blees:
Islam unter Naturschutz
Das kenn ich schon, aber man muss ja nicht auf jeden Rotz eingehen.
Ich werd mal versuchen ein Rezensionsexemplar zu bekommen, ich könnte es eventuell in unserem Uni-Journal oder woanders veröffentlichen.
ich will kein rezensionsexemplar, ich kaufe es. damit dieser georg sich mal was schönes kaufen kann, z.B. ein Eis.
klingt interessant ^^
Klingt durchaus interessant, gibt es noch Rezensionsexemplare?
Nu, das ist aber nicht die feine Art, die iranischen Bassidschi (@friends) als willfähriges Objekt der Homophobie des Westens zu markieren. Das ist mieses Othering, das die Sprechakte der Subalternen, ihre eigene Geschichte zum Schweigen bringen will und hinter allem Wandel nur den Einfluss des tätigen Westens auf vermeintlich statische Gesellschaften sehen will.
„deklassierte Halbstarke“ – du meinst rückständige oder in die Rückständigkeit geworfene? Wie jetzt, ich dachte, das ist gerade ein Produkt der Aufklärung, Moderne und so?
ich kann nicht-id nicht folgen.
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buch bestellt, bin schon gespannt.
off topic: ich habe noch eine frage: bei narodnik hast du mal den rassismus westdt. medien erwähnt, und dass es vergleichbares in ostdt. medien nicht gab. – glaub ich dir, kann mir das gut vorstellen. würde mich aber interessieren, ob du ne studie kennst? – und wenn ja, ob die empfehlenswert ist.