Remember 9/11

„Am 11. September vor 35 Jahren wurde Südamerikas Hoffnung brutal zerstört, die lateinamerikanischen Bürger kapitalistisch kolonialisiert, sie wurden für Jahrzehnte ihrer Bodenschätze beraubt und in den Hunger getrieben. Diese neue Weltordnung im Süden Amerikas war der Test, der später in anderen Staaten zur Anwendung kommen sollte.“ (via)


9 Antworten auf „Remember 9/11“


  1. Gravatar Icon 1 negative potential 11. September 2008 um 14:23 Uhr

    *gähn*

    Inszenierte Tabubrüche sind nicht dein Stil.

  2. Gravatar Icon 2 lysis 11. September 2008 um 18:15 Uhr

    Das ist kein inszenierter Tabubruch. Mir geht es nur furchtbar auf den Sack, wie wertlos die Leben von Menschen sind, die in der sog. Dritten Welt vernichtet wurden, verglichen mit dem ritualisierten Andenken derer, die in den USA durch einen Terroranschlag ums Leben kamen.

    Noam Chomsky hat da mal einen treffenden Vergleich gezogen: Als Clinton 1999 eine Medikamentenfabrik im Sudan bombardieren ließ, deren Zerstörung ungefähr genauso viele Opfer forderte wie der Anschlag auf das WTC, hat nicht ein Hahn danach gekräht. Demgegenüber wird an den Einsturz der Twin Towers noch heute jedes Jahr mit etlichen Sondersendungen im deutschen Fernsehen erinnert. So einmalig soll dieses Ereignis gewesen sein, dass danach nichts mehr sei wie zuvor. Dagegen gingen die Geschäfte der Welt nach der Bombennacht im Sudan weiter, als sei nichts gewesen.

    Anderes Beispiel: der belgische König hat in der Ära des europäischen Imperialismus für seinen persönlichen Profit 5 Millionen Menschen im Kongo durch Arbeit vernichten und vielen zigtausenden die Hände abschlagen lassen, wenn sie nicht parierten. Ich hab bislang erst einen Dokumentarfilm im ARTE-Nachtprogramm gesehen, der diese Kolonialverbrechen überhaupt einmal ins Bewusstsein der Leute zu rücken versuchte. Aber es ist egal, es interessiert niemanden. Es waren ja bloß „Wilde“.

    „Barbarei“ ist nicht etwa das, was die USA und Europa in den letzten hundert Jahren angerichtet haben. Nein, es ist nur das, was diese „zivilisierten“ Mächte anderswo bekämpfen.

    „Wir haben gehört, dass eine halbe Million Kinder gestorben sind,“ sagte die „60 Minutes“-Reporterin Lesley Stahl, als sie auf die Sanktionen der Vereinigten Staaten von Amerika gegen Irak zu sprechen kam. „Ich meine, das sind mehr Kinder als in Hiroshima gestorben sind. Und – und was sagen Sie, ist dieser Preis gerechtfertigt?“ Ihr Gast, im Mai 1996 noch UNO-Botschafterin der Vereinigten Staaten von Amerika Albright sagte: „Ich denke, es ist eine sehr schwere Entscheidung, aber der Preis – wir denken, der Preis ist gerechtfertigt.“

    Mir geht es ehrlich gesagt schwer auf den Senkel, wenn ich auch noch auf blogsport.de dieses „Remember 9/11″-Geseiere lesen muss, weil es die vollkommenste Heuchelei ist, die man sich vorstellen kann. Es ist nur die Auskunft darüber, dass der Autor „Weiße“ für höherwertige Wesen als „Schwarze“ hält. Denn keines der Verbrechen, die in den letzten Jahrzehnten in der sog. Dritten Welt verübt wurden, hat auch nur annähernd einen derartigen Gedenkmarathon ausgelöst wie die sicher verabscheuungswürdigen, aber in globalen Dimensionen doch keineswegs einmaligen Ereignisse in New York City.

  3. Gravatar Icon 3 negative potential 11. September 2008 um 20:12 Uhr

    Es ist nur die Auskunft darüber, dass der Autor “Weiße” für höherwertige Wesen als “Schwarze” hält.

    Aha. Du glaubst also, die Leute die im WTC ums leben gekommen sind, waren nur — oder auch nur mehrheitlich — „Weiße?

    http://labornotes.org/node/1757

    A MEMORY FOR THE WORKERS OF WINDOWS ON THE WORLD

    For the year I worked as the union representative for the 300 people who cut lettuce, baked tarts, broiled salmon, mixed drinks, washed dishes, waited tables, and set up banquets on the top two floors of the World Trade Center, they were my comrades and friends in a struggle to make this a better world for all.

    The workers at Windows on the World came from Bangladesh, Syria, Iran, Puerto Rico, Dominican Republic, Haiti, Mexico, Cuba, Algeria, Ivory Coast, the United States. These are just a few of the countries that I can remember. I imagine that many of them were at work at 9 am this morning. I used to visit the night shift as they left and the day shift as they arrived between 7 and 8.

    This group of people taught me what it means to listen, to care, and to struggle. I will not forget the day a dishwasher named Robert Williams hugged me with watery eyes and shouted, „We did it!“ after 120 of his co-workers defended his job and stopped the abuse of a mean-spirited supervisor.

    To my sisters and brothers at Windows: thank you for teaching me much about myself and about the world we live in. May our country have the courage to look at ourselves and our wrongs before we point the finger at others.

    Tony Perlstein
    Former Organizer
    HERE Local 100

  4. Gravatar Icon 4 lysis 11. September 2008 um 22:27 Uhr

    Ich hab „Weiße“ wohlweislich in Anführungszeichen geschrieben. Es geht hier um eine Subjektposition und nicht um die Hautfarbe. Meine These ist die, dass der Tod kolonialrassistisch entwerteter Subjekte den Leuten hier schlicht und einfach am Arsch vorbeigeht. Und dafür gibt es tausende Belege.

    Ein Ereignis wie 9/11 wird aus der globalen Gewaltgeschichte medial herausgehoben, nicht weil es einen singulären Charakter gehabt hätte (tatsächlich ist jedes Massaker einmalig), sondern weil deren Opfer einmal nicht dort lebten, wo diese Gewalt als normal angesehen oder gar als „gerechtfertigter Preis“ (Albright) imperialistischer Politik betrachtet wird.

    Die Story ist eine Stellungnahme gegen den furchtbaren Gedenkkitsch, der sich um das Datum „9/11″ entspannt und lediglich darauf zielt, die Gewalt, die von den imperialistischen Nationen ausgeht, unsichtbar zu machen, ja mehr noch: sie moralisch ins Recht zu setzen. So als wären im „Krieg gegen den Terror“ nicht längst mehr Menschen verreckt als in den Twin Towers von New York City. Und ich könnte mich nicht erinnern, dass dieser Leute einmal öffentlich gedacht worden wäre.

  5. Gravatar Icon 5 andreas 12. September 2008 um 20:56 Uhr

    in belgisch-kongo wurde arbeitern bereits die hände abgeschlagen, wenn sie das arbeitssoll nicht erfüllten.

  6. Gravatar Icon 6 lysis 12. September 2008 um 22:54 Uhr

    Siehe Kongogräuel

  7. Gravatar Icon 7 XXX 16. September 2008 um 15:29 Uhr

    Weißt du noch, wo du warst, als die Nachricht vom Angriff auf die Zillingstürme durch die Medien ging? Ich weiß es noch ganz genau, saß im Büro und wollte grade Feierabend machen, habe dann im Autoradio auf dem Weg nach Hause alles verfolgt und dann sofort den fenrseher angemacht. In der Nacht schlief ich dann ziemlich schlecht.

    Was ich sagen will ist: Der 9.September ist in ganz anderer Weise in den medien präsent gewesen, als die von Lysis angeführten anderen Beispiele Chile, Sudan usw. Man kann den Medien vielleicht einen Vorwurf machen, baer nicht „den Leuten hier“. Wer ist das eigentlich? Bitte keine rassistischen Verallgemeinerungen.

    Was den Kongo betrifft, sollte man auch erwähnen, dass es bereits im 19. Jahrhundert eine Protestbewegung gegen König Leopold von Belgien gegeben hat, die schließlich zur Abschaffung der Kolonie führte, s. http://www.amazon.de/Schatten-%C3%BCber-Kongo-Adam-Hochschild/dp/3499613123/ref=sr_1_3?ie=UTF8&s=books&qid=1221571310&sr=1-3

    Und noch eine Frage: Was hat man sich unter „Subjektposition“ vorzustellen?

  8. Gravatar Icon 8 lysis 17. September 2008 um 20:19 Uhr

    Es stimmt, dass es gegen die mörderischen Zustände im Kongo internationale Proteste gab, aber die führten nicht etwa zur Entkolonialisierung, sondern bloß zur Veräußerung des Kongo (der zuvor Privatbesitz des Königs gewesen war) an den belgischen Staat. Die Ausbeutung via Sklavenarbeit ging unvermindert weiter, nur das Händeabhacken wurde abgeschafft.

  1. 1 Zum Gedenken an den 11. September « infovs Pingback am 11. September 2008 um 21:14 Uhr
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