Kritik im Handgemenge

taz-Debatte: „Rufmord und rassistische Hetze“ (via lizas welt)


19 Antworten auf „Kritik im Handgemenge“


  1. Gravatar Icon 1 eisprinzessin 17. September 2008 um 15:30 Uhr

    „Oder Isaak Deutscher und andere Juden, die mit Israel nicht viel am Hut hatten?“
    - Michal Bodemann –

    „Wenn ich in den Zwanziger- und Dreißigerjahren europäische Juden beschworen hätte, nach Palästina zu gehen, statt gegen den Zionismus zu argumentieren, hätte ich vielleicht geholfen, ein paar Menschenleben zu retten, die später in Hitlers Gaskammern ausgelöscht wurden“
    - Isaac Deutscher -

    grtz.

  2. Gravatar Icon 2 lysis 17. September 2008 um 20:12 Uhr

    Ich finde die Vermischung von Antirassismus und Israelkritik auch scheiße. Aber der Kritik von Bodemann an der Heuchelei von Broder und seiner in letzter Instanz „antisemitisch“ gefärbten Moslemhetze kann ich mich voll anschließen.

  3. Gravatar Icon 3 andreas 17. September 2008 um 22:01 Uhr

    ich glaube nicht, dass man das so fein-säuberlich trennen kann, lysis. oder gibt es etwa keinen zhg. zwischen broders rassismus und seinen attacken gg. jüd. (u. nicht-jüdische) kritiker israelischer politik? übrigens, warum ist kritik an isr. politik immer gleich „israelkritik“?

  4. Gravatar Icon 4 lysis 17. September 2008 um 22:32 Uhr

    Denn die Rhetorik vom „jüdischen Selbsthass“ und von „antisemitischen Antizionisten“ […] ist Teil eines größeren deutschen und europäischen Narrativs, nach dem „der Islam“ eine Gefahr für die westliche Welt sei […].

    Sorry, aber den Zusammenhang, der da künstlich in einen Satz gepresst wird, muss mir erstmal einer erklären. Der Artikel tut es jedenfalls nicht.

    Klar fällt das in der Person Broders zusammen. Aber das heißt doch nicht, dass es auch sachlich miteinander verbunden wäre.

    Bei Broder mag da ein psychologischer Konnex bestehen — nach dem Motto: Die Palästinenser sind die Feinde Israels, die Palästinenser sind Moslems, also trete ich verbal auf (türkische) Moslems in Deutschland ein. Aber für diese Brücke braucht man schon eine ziemlich verrückte Denkungsart, zumal die Türkei ein langjähriger Verbündeter Israels ist, was Broder aber nicht daran hindert, gegen deren (ehemalige) Bürger offensiv zu hetzen.

    Broder betreibt salonmäßig das, was auch fanatisierte Idioten tun, wenn sie Juden in Deutschland für die Politik des Staates Israel attackieren. Von der Struktur her zeugt das von einem antisemitischen Charakter, der ausschließlich in imaginären Kollektiven denkt, nur dass Broder sich aufgrund eigener Involviertheit für seine Ressentiments ein passendes Ersatzobjekt gesucht hat.

  5. Gravatar Icon 5 scheckkartenpunk 17. September 2008 um 23:09 Uhr

    Vor allem in Deutschland kann der Antisemitismus-Vorwurf tödlich sein,…

    aha, wieviele todesopfer gab es denn bis jetzt? ich hab dazu nichts gefunden.

    (dass PLO und Hamas eine stupide Politik machen, steht auf einem anderen Blatt)

    na zum glück machen die nur eine stupide politik, die nicht so tödlich ist wie ein antisemitismus-vorwurf vor allem in deutschland. da kommt der broder gerade recht, damit dann endlich von israelischer apartheidpolitik gesprochen werden darf, „Wenn Vergleiche zu Nazimethoden tabu sind“.

    bei aller kritik an broder, aber der artikel selbst ist doch nicht besser.

  6. Gravatar Icon 6 andreas 17. September 2008 um 23:14 Uhr

    DIESEN einen satz habe ich auch nicht ganz verstanden. aber das ist nicht die einzige stelle, wo die „vermischung“ begründet wird.

    kann sein, dass es keinen ursächlichen zusammenhang zw. deligitimierung/diffamierung von kritik an israelischer politik und islamophobie gibt. broder ist aber jedenfalls nicht der einzige, der das verquickt.

  7. Gravatar Icon 7 lysis 17. September 2008 um 23:16 Uhr

    @scheckkartenpunk: Also dass „tödlich“ in diesem Fall metaphorisch gebraucht wird — im Sinne eines „sozialen Tods“ —, muss ich dir jetzt sicher nicht erklären.

    Mich ärgert einfach das Gegeneinander-Ausspielen der Themen Islamophobie und Israelfeindschaft, deren gedankenlose Vermischung Bodemann von Broder, lizas welt und ähnlichen Knalltüten reflexhaft übernimmmt.

  8. Gravatar Icon 8 scheckkartenpunk 17. September 2008 um 23:20 Uhr

    ja genau darauf wollte ich auch hinaus. der macht es doch nicht viel anders.

  9. Gravatar Icon 9 lysis 17. September 2008 um 23:27 Uhr

    Ja, er betreibt dasselbe Spiel, Antisemitismus und Islamophobie gegeneinander auszuspielen, nur genau andersherum. Dieses Spiel ist aber sowohl für Juden als auch für Moslems gefährlich. Nur die Hetzer profitieren davon als lachende Dritte.

  10. Gravatar Icon 10 lysis 18. September 2008 um 0:01 Uhr

    Vor allem in Deutschland kann der Antisemitismus-Vorwurf tödlich sein, und so hüten sich viele Juden wie Nichtjuden davor, den Mund aufzumachen.

    lizas welt argumentiert ähnlich, wenn er den Islamophobie-Begriff zurückweist: dieser sei ja nur ein Maulkorb für „Islamkritiker“. Und das obwohl sich die Leute im Umkreis von PI selbst stolz als „Islamophobiker“ bezeichnen, genau wie die Nazis früher den Begriff des Antisemiten ganz bewusst für sich in Anspruch nahmen.

  11. Gravatar Icon 11 andreas 18. September 2008 um 0:23 Uhr

    sehr originell, leser-kommentare, die schon in der taz stehen, hier nochmal zu recyclen, „punk“

    der artikel beginnt mit der klage von fr. hecht-galinski gg. broder, der ihr ja „israelfeindlichkeit“ u. ä. unterstellt hat. in weiterer folge geht der autor auf broders islamophobie ein. das wäre in meinen augen noch keine unzulässige vermischung oder ein „gegeneinander-ausspielen“

  12. Gravatar Icon 12 lysis 18. September 2008 um 1:20 Uhr

    Ich finde, er hätte es an der Person Broders oder lizas welt festmachen sollen: dass diese Leute einer unerträglichen Doppelmoral folgen, wenn sie einerseits unter jedem Stein nach einem Antisemiten suchen, aber gleichzeitig selbst zu den größten Ressentiment-Schleudern überhaupt zählen. Wenn sie einerseits den Islamophobie-Begriff als „Maulkorb“ für Islamkritiker bezeichnen, aber gleichzeitig den Antisemitismus-Vorwurf für ihre Verteidigung der israelischen Politik gegenüber den Palästinensern in einer Art und Weise funktionalisieren, die es riskiert, dass man ihn bald nicht mehr ernst nehmen kann.

    Damit hätte man die spezifische Heuchelei dieser Leute offengelegt, ohne die Themen sachlich miteinander zu vermischen. Denn man sollte nicht ganz vergessen, dass die meisten Islamophobiker wie Hans-Peter Raddatz, Udo Ulfkotte, Filip Dewinter und Theo van Gogh — und ebenso die schlimmsten islamfeindliche Parteien Europas wie Pro-NRW, Front National, Elsace d‘abord und FPÖ — zugleich prononciert antisemitische Positionen vertreten.

    Zur gleichen Zeit hat sich der von Bodemann gleichauf mit Broder kritisierte Zentralrat der Juden, und hier besonders Stephan Kramer, als Mitgliedsorganisation des European Jewish Congress für die Errichtung einer europaweiten Forschungsstelle gegen Antisemitismus und Islamophobie ins Zeug gelegt. Dies zeigt, dass man die islamophobe Strömung um Henryk M. Broder und — in europäischer Verlängerung — Alain Finkielkraut und Leon de Winter mitnichten als repräsentativ für den Diskurs israelsolidarischer Juden in Europa betrachten kann.

    Deshalb finde ich die Vermischung dieser beiden Themen bei Bodemann nach wie vor ärgerlich und extrem kontraproduktiv.

  13. Gravatar Icon 13 Kosher 18. September 2008 um 8:21 Uhr

    Es ist doch völlig bekloppt die Aussage eines resignierten Trotzkisten wie Isaac Deutscher zu nehmen, der jahrzehntelang auf die Weltrevo mit Trotzki zusammen hinarbeitete und am Ende frustriert und ausgebrannt war. Gerade ihn als Kronzeugen zu nehmen, wenn er im Alter keinen Erfolg (!) in seinem Handeln sieht, zeigt doch wieder nur: Leute, ihr dürft hier nichts kritisieren und nur konstruktiv mitarbeiten. Das seht ihr an eurem eigenen Scheitern. Wobei es fraglich ist, ob der Deutscher viel mehr Erfolg in der rettung von Leben gehabt hätte. Denn: die Zionisten hatten besseres zu tun, als sich um die Rettung ihrer „Volksgenossen“ zu kümmern: Nationbuilding. Vgl. Tom Segev, Die Siebte Million.

    So kann mans auch machen…ich kotze.

  14. Gravatar Icon 14 andreas 18. September 2008 um 10:25 Uhr

    dass ulfkotte oder f. de winter antisemitisch im sinn von antijüdisch sind (bzw. sich in jüngeren jahren so geäussert hätten), wage ich zu bezweifeln.

  15. Gravatar Icon 15 scheckkartenpunk 18. September 2008 um 11:54 Uhr

    @andreas: originalität ist also deine kritik an meinem kommentar? na wenn du sonst nichts dazu zu sagen hast – damit kann ich leben.

  16. Gravatar Icon 16 lysis 18. September 2008 um 14:29 Uhr

    @andreas: Ulfkotte hat sogar (und ich sage das jetzt so vorsichtig, um einer seiner üblichen Klagen aus dem Weg zu gehen) einen antisemitisch deutbaren Roman mit dem bezeichnenden Titel „Gencode J“ geschrieben:

    In „Gencode J“ geht es um Pesterreger, die allein Juden verschonen und die der israelische Geheimdienst Mossad in Londoner U-Bahnen streut (der von Ulfkotte erfundene Mossad-Chef Abraham Meir ist ein Rassist reinsten Wassers).

    Da können sich selbst antisemitische Verschwörungstheoretiker, die ähnlichen Scheiß zu 9/11 fabuliert haben, noch ein Brot abschneiden! Allerdings ist die Idee, dass Juden Brunnen vergiften und so die Pest unter die Leute tragen, jetzt auch nicht wirklich neu …

  17. Gravatar Icon 17 lysis 18. September 2008 um 14:50 Uhr

    Und zu Filip Dewinter und dem Vlaams Belang siehe: Die jüdische Gemeinschaft antwortet dem Vlaams Belang (PDF).

  18. Gravatar Icon 18 andreas 18. September 2008 um 15:19 Uhr

    hm, ja. das jüdische magazin greift de winter allerdings nicht wegen seiner islamophobie an, sondern wegen den nazi-resten und -verbindungen seiner partei. diese liebdienerei („Die jüdische Gemeinschaft muß vor dem VB keine Angst haben. Wir sind Eure
    besten Freunde. Wir befinden und gemeinsam in einem Krieg gegen den Islam.“) bleibt eine tatsache und soll von jüdischer seite auch schon anders aufgenommen worden sein. (im „umgekehrten“ fall wird dann von „kruden allianzen“ gesprochen und ein buch darüber verfasst). siehe dazu auch http://www.monde-diplomatique.de/pm/2002/12/13.mondeText.artikel,a0075.idx,22

  1. 1 unkultur » Blog Archive » Da sozialisiert der Soziologie: Internetmillieu Pingback am 17. September 2008 um 22:36 Uhr
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