Archiv für Oktober 2008

Zur Lehre vom Ressentiment

Ein feiner Trick: das System zu kritisieren soll denen vorbehalten bleiben, die an ihm interessiert sind. Die anderen, die Gelegenheit haben, es von unten kennenzulernen, werden entwaffnet durch die verächtliche Bemerkung, daß sie verärgert, rachsüchtig, neidisch sind. Sie haben „Ressentiment“.
Demgegenüber sollte niemals vergessen werden, daß man ein Zuchthaus in keinem Fall und unter gar keinen Umständen kennenlernen kann, wenn man nicht wirklich und ohne Verkleidung als Verbrecher fünf Jahre dort eingesperrt war mit der Gewißheit, daß die goldene Freiheit, nach der man sich in diesen fünf Jahren sehnt, in einem nachträglichen Hungerleben besteht.
Es wirkt wie ein stillschweigendes Abkommen der Glücklichen, daß man über diese Gesellschaft, die weitgehend ein Zuchthaus ist, nur diejenigen als Zeugen gelten lassen will, die es nicht verspüren.

Kain und Abel

Die Geschichte von Kain und Abel ist die mythologisierte Erinnerung an eine Revolution, an eine Befreiungsaktion der Sklaven gegen ihre Herren. Die Ideologen deuteten den Aufstand sogleich als Produkt eines Ressentiments: „— und es verdroß den Kain sehr, und es sank sein Antlitz.“
Sollte die biblische Erzählung aber wörtlich zu nehmen sein, so hätte Kain jenen Begriff erfinden können, als das Blut Abels zum Himmel schrie: „Höre nicht auf dieses Schreien; es schreit aus Ressentiment.“

Aus: Max Horkheimer, Dämmerung.

Schadenfreudige ISF?

Ich zitiere ja ungern Antideutsche, aber in diesem Fall kann ich’s mir nicht verkneifen:

Denn mit inniger Genugtuung liest man Schlagzeilen wie: »Finanzmanager in Kalifornien tötet sich und seine Familie« (FAZ, 8. Oktober 2008). Dass der kommende Untergang des Kapitals im Nervenzusammenbruch, als suizidaler Amoklauf einiger (viel zu weniger) seiner Funktionäre sich antizipiert, das ist gar nicht so übel – schade nur, dass die Charaktermasken des Kapitals in ihrer Mehrheit so empfindsam nicht sind, als dass man auf die Schirrmachers, Ackermanns, Merkels hoffen dürfte.

Ob jetzt wieder einer „struktureller Antisemitismus“ schreit?

Sein Beileid jedenfalls sollte man sich, wenn man Kommunist ist, eher für diese Leute reservieren:

»Bei der Verteilung von Almosen an Arme sind in Indonesien (…) 22 Menschen zu Tode gekommen. Dutzende wurden im Gedränge um die Nahrungsmittelpakete verletzt. (…) Mehrere tausend Menschen drängten sich vor dem Haus eines reichen Geschäftsmannes in Pasuran in Ostjava, als dieser Päckchen an Bedürftige verteilen ließ … Die Menschen in der ersten Reihe wurden gegen die Gitter gedrängt, wo sie erdrückt wurden. Die Päckchen hatten einen Wert von umgerechnet je 2,25 Euro.«

Buchbesprechung

In „Rosige Zeiten“ ist jetzt die erste Rezension zum jüngst im Männerschwarm-Verlag erschienenen Buch Die Vertreibung aus dem Serail erschienen. Außerdem gibt es in Halle am 5. November die erste öffentliche Buchpräsentation. Weitere Termine in Leipzig, Berlin und Bielefeld folgen.

Antisemitismusverharmloser II

Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn verharmlost den NS-Antisemitismus, sieht in den Bonzen „die neuen Juden“. Als ob nicht zu deren Schutz der Antisemitismus erst erfunden worden wäre!

Killer Cola

via ascetonym:
Boycott Coca Cola

Lachnummer Sarah Palin

Die besten Hockey-Mum-Clips auf Saturday Night Live: 1234  

Katholische Nazi-Website spricht von „mongoloiden Abfallmenschen“

Die als katholisches Nachrichtenportal getarnte Nazi-Website kreuz.net spricht in einem ihrer jüngsten Artikel zur Abtreibungsdebatte von „lebensunwerte[n] mongoloide[n] Abfallmenschen“ und stellt sie der Geburt „rassenreine[r] Kinder“ und „Volksgenossen“ gegenüber. Die „Abschlachtung“ ersterer dürfe das Leben letzterer nicht gefährden, so die Quintessenz des anonymen Autors.

In Österreich scheint diese neuartige Synthese von Katholizismus und Nazi-Ideologie im Umkreis von FPÖ (17,5%) und BZÖ (10,7%) mittlerweile ausgesprochen populär zu sein. Dies zeigt nicht nur der Fall des katholischen Nazi-Fundamentalisten Ewald Stadler, der in seinem Land für eine positive Neubewertung der NS-Zeit wirbt. Komisch, dass sich die Antifa damit scheinbar noch nie befasst hat. (Oder gibt’s sowas da unten überhaupt nicht mehr?)

Nekrolog auf einen Lebenden

Pscht, der Führer spricht!