Katholische Nazi-Website spricht von „mongoloiden Abfallmenschen“

Die als katholisches Nachrichtenportal getarnte Nazi-Website kreuz.net spricht in einem ihrer jüngsten Artikel zur Abtreibungsdebatte von „lebensunwerte[n] mongoloide[n] Abfallmenschen“ und stellt sie der Geburt „rassenreine[r] Kinder“ und „Volksgenossen“ gegenüber. Die „Abschlachtung“ ersterer dürfe das Leben letzterer nicht gefährden, so die Quintessenz des anonymen Autors.

In Österreich scheint diese neuartige Synthese von Katholizismus und Nazi-Ideologie im Umkreis von FPÖ (17,5%) und BZÖ (10,7%) mittlerweile ausgesprochen populär zu sein. Dies zeigt nicht nur der Fall des katholischen Nazi-Fundamentalisten Ewald Stadler, der in seinem Land für eine positive Neubewertung der NS-Zeit wirbt. Komisch, dass sich die Antifa damit scheinbar noch nie befasst hat. (Oder gibt’s sowas da unten überhaupt nicht mehr?)


41 Antworten auf „Katholische Nazi-Website spricht von „mongoloiden Abfallmenschen““


  1. Gravatar Icon 1 bikepunk 089 19. Oktober 2008 um 22:02 Uhr

    Gibts in Ö ne Antifa? Naja, da unten arbeiten z.B. seit Jahren Gruppen aus der radikalen Linken zu christlichen Lebensschützern, und der ganzen Bagagge. Hierzulande wurde das erst or ganz kurzem wieder in den linken Horizont hineingehieft. Insofern finde ich den Diss an die Genoss_innen da unten nicht angebracht.

  2. Gravatar Icon 2 alter 20. Oktober 2008 um 12:05 Uhr

    Alter. Soll „als katholische Seite getarnte Nazipage“ deine Kritik sein? Erinnert mich an „der linksextremistische Türkenfritz Schramma“ von PI (nicht von der Aussage, aber der Vermittlung)

    Ist doch arm.
    Lern doch erstmal das Christentum richtig zu kritisieren, bevor du überall sofort NAZIS siehst.
    Das macht die katholische Scheiße halt aus: Schnittmenge mit Faschisten.

  3. Gravatar Icon 3 lysis 20. Oktober 2008 um 14:33 Uhr

    alter, das ist doch einfach nur noch blöd, was du schreibst. Welcher Demokrat bezeichnet denn Menschen mit Down-Syndrom als „mongoloide Abfallmenschen“? Und seit wann gehören völkische Ideologie und eugenischer Rassismus zur offiziellen katholischen Soziallehre?

  4. Gravatar Icon 4 miss taken identity 20. Oktober 2008 um 15:26 Uhr

    Und seit wann gehören völkische Ideologie und eugenischer Rassismus zur offiziellen katholischen Soziallehre?

    Das scheint mir der springende Punkt zu sein. Die sind halt nicht einfach nur kreuz-katholisch. Die verbinden das sogar mit Sachen, die mit der offiziellen katholischen Lehre nicht vereinbar sind. Da scheint mir die Bezeichnung „faschistisch“ schon angebracht.

  5. Gravatar Icon 5 bigberta 21. Oktober 2008 um 21:30 Uhr

    Die Grünalternative Jugend in Österreich hat 1998(1) ein Buch herausgebracht, „der Schoß ist fruchtbar noch“, wo sie sich mit den Kontinuitäten zwischen NSDAP und FPÖ beschäftigt. So ein wenig habe ich den Eindruck, daß der österreichische Faschismus a priori etwas „katholischer“ war, als der deutsche. Und war er sehr katholisch, dann stand er im Gegensetz zum deutschen: http://de.wikipedia.org/wiki/Austrofaschismus

    Übrigens: wenn allzu schnell die Bezeichung „Nazi“ fällt, dann ist das oft nicht erhellend; einige der Neuen Rechten versuchen, ihre Theorien ohne oder gar in Abgrenzung zu den Nazis hinzukriegen. Denn die seien links gewesen. – Lacht da wer?

  6. Gravatar Icon 6 R 26. Oktober 2008 um 14:45 Uhr

    Kreuz.net unterhält Kontakte zu Altermedia, der deutschen Neonaziwebseite aus der harten Kameradschaftsszene. Ich hab Kreuz.net Artikel dort gesehen, und umgekehrt landen Altermedia-Artikel häufig im offenen Bereich bei Kreuz.net.
    Im Impressum heißt es vieldeutig:
    ‚“Sodalicium for ‘Religion and Information – 1018 E. Mariposa Ave – El Segundo, CA 90245-3114 – U.S.A.“ Zu Deutsch: „Kameradschaft für ‘Religion und Information“ mit Sitz in El Segundo, einem Vorort von Los Angeles in Kalifornien.‘ (http://kreuts.net/wordpress/?page_id=2)
    Die Webseite ist antisemitisch, rassistisch, verharmlost die NS-Zeit und andere historische Spielarten des Faschismus (Falance, Francismus, Mussolini-Faschismus, Legion Erzengel Michael/Eiserne Garde usw.).
    Meines Wissens ist es ein „Metapo“-Projekt, welches aus dem Umfeld der Rechten aus dem Munier-Verlagskreis, zusammen mit (Ex-)Redaktueren der Jungen Freiheit und radikalen rechten Kreisen aufgezogen wurde. Die Übergänge sind fließend, allerdings werden Hinweise darauf gerne von den bürgerlichen Apologeten der Neuen Rechten relativiert.
    Es ist einfach so, die Rechtsradikalen grenzen sich nicht mehr ab, oder es wurde versäumt sie effektiv abzugrenzen. Sie knüpfen mit der Querfrontstrategie an linke Inhalte an, z.B. die Autonomen Nationalen, und mit der „Neue Rechte“-Taktik verwischen harte Rechtsradikale die Grenze (gab es sie je?) zwischen Rechtskonservatismus und Rechtsradikalismus. Vielleicht ist es im letztgenannten Fall auch umgekehrt, die alte „Neue Rechte“ (die mittlerweile auch schon ihre Jahre auf dem Buckel hat) hat den Anschluss an sowohl Rechtskonservatismus hier und Rechtsradikalismus dort gesucht – und gefunden. Jedenfalls gibts den „alten“ Naziskin immer seltener, die Mischformen (Querfront, Neue Rechte) immer häufiger. Und dabei ist z.B. der Begriff Neue Rechte nicht so zu verstehen, dass das eine „gemäßigtere Rechte“ sei, sondern besagt lediglich, dass einige rechte Inhalte fallengelassen wurden, andere (egal welcher Radikalitätsstufe) aber beibehalten wurden – es sind immer noch Rechte und genauso radikal wie vorher, nur vermeintlich „cleverer“.
    Heute kann der Neonazi aus der Nachbarschaft Hitler verehren, eine schwarze Fahne mit Stern schwenken und linke Musik hören, das ist kein Widerspruch mehr – Ergebnis der Querfrontstrategie. Heute kann ein Faschist der Mussolini, Codreanu oder Franco verehrt sich frei im konservativen Milieu bewegen, gegen Demokratie, „Libertinage“ und gegen den Sozialstaat sowie wettern, gutbürgerlich in die Kirche gehen (hat Franco auch gemacht) und sich ohne aber mit okkultistischem Mummenschanz beschäftigen (die neurechte Zeitschrift „Sezession“, die vom Rechtsradikalen Götz Kubitschek herausgegeben wird, beschwört sowohl „christliche Werte“ wie sie Werbung für Bücher über den Satanisten „Aleister Crowley“ gemacht hat – die gutbürgerlichen Abonnenten, z.B. Priester der schismatischen, d.h. von der römisch-katholischen Kirche abgespaltenen, Piusbruderschaft stört das nicht), in der Schickeria In-Disco zu schwarzer Musik (Hip Hop, R&B) tanzen und danach im Internet über „minderintelligente Neger“ hetzen, die geheime jüdische Weltmacht beschwören aber mit reinem Gewissen verkünden man sei ja überhaupt kein Antisemit usw.usw.
    Der heutige radikale Neurechte liest völkisch-rassistische Literatur, FAZ, hört linksalternative Musik, studiert die politischen Theorien der verschiedenen faschistischen Richtungen zwischen 1918 und 1945, unterhält Kontakte zur NPD, studiert die rassetheoretische Werke des SS-Artztes Hans F.K. Günther und weist jeden Vorwurf der Rechtsradikalität von sich – und bekommt auch noch Schützenhilfe aus dem „bürgerlichen Lager“, v.a. aus Junge Union und RCDS. Das sind alles Tatsachenberichte hier.
    Genauso wie der Querfrontler/ANler erst Mein Kampf liest und dann Rudi Dutschke, den roten Stern trägt und zuhause die Hakenkreuzflagge an der Wand hängen hat – oder vergleichbare ultranationalistische und rechte Symbole.
    Und die Neue Rechte ist kein Richtung für sich alleine, sondern (vor allem jüngere) Vertreter unterhalten fast immer auch sowohl bürgerliche wie rechtsradikale Kontakte, beschäftigen sich mit beiden Literaturen und politischen Aktivitäten, sind sowohl hier wie dort aufzufinden. Im Ergebnis kommen radikale bürgerliche Rechte bzw. bürgerliche Rechtsradikale heraus.

  7. Gravatar Icon 7 bikepunk 089 26. Oktober 2008 um 19:59 Uhr

    @R:
    Das ist eine ziemlich treffende Beschreibung des neurechten Spektrums, die du a geliefert hast. Bis auf ein Detail: Nazis verwenden zwar oft und gerne links besetzte Symbolik, aber darin eher die schwammigen Sachen. Also schwarze Blöcke oder Che Guevara shirts, die viel Raum zur Interpretation lassen. Rote Sterne habe ich bei ANs noch nicht gesehen. Statt Mimikry mit linken Symbolen findest du hier eher versteckte NS-Bezüge, etwa das Antifa-Emblem bei dem in der roten Fahen eine weisser Kreis ist – in dem dann nur noch das Hakenkreuz fehlt.

  8. Gravatar Icon 8 Subtext 27. Oktober 2008 um 15:39 Uhr

    @ Bikepunk:

    Da ignorierst du aber gerade großzügig die Tatsache, dass Nazis vermeintliche oder tatsächlich linke Symbolik nicht nur aus taktischen oder modischen Gründen übernehmen, sondern weil sie darin wirklich ihre Inhalte wiederfinden. Gerade die alt-antiimperialistische sog. Linke bietet da in ihrer völkischen Denke reichlich Anknüpfungspunkte.

    Nazis sind wirklich gegen den Kapitalismus, weil sie ihn negativ überwinden wollen. Und sie „machen [nicht nur] auf sozial“, sondern für sie stellt sich wirklich eine „soziale Frage“. Nämlich die nach dem sozialen Stand der Mitglieder einer biologistisch-rassistisch definierten Volksgemeinschaft.

    Dementsprechend können Nazis eben doch rote Fahnen, oder von mir aus auch Sterne, tragen, weil sie sich dabei als die „wahren Sozialisten“ fühlen. Und auch das ist ein „Tatsachenbericht hier“.

  9. Gravatar Icon 9 R 27. Oktober 2008 um 18:48 Uhr

    Also ich hab definitiv schon Sterne gesehen (teilweise umrahmt von Zahnrädern und anderen Symbolen der Arbeiterklasse), kann aber sein, dass es nicht die rote Sterne waren sondern eine andere Farbe.

  10. Gravatar Icon 10 lysis 27. Oktober 2008 um 21:15 Uhr

    @subtext: „Nazis wollen den Kapitalismus überwinden“. So ein Blödsinn. Wenn ich das schon höre! Der Nazismus ist die organisierte Pseudorevolution zur Rettung der bürgerlichen Eigentumsverhältnisse vor dem Bolschewismus gewesen. Der NS hat die kapitalistische Produktionsweise nicht angerührt. Was laberst du da von „negativer Aufhebung“? Es ist der tiefste Sinn des NS gewesen, den Kapitalismus dadurch zu bewahren, dass der Protest der Arbeiterklasse umgelenkt und auf ein Ersatzobjekt verschoben wurde: die Juden. Die symbolischen Anleihen bei der Linken waren von daher nur logisch. Schließlich ging es den Nazis darum, das Proletariat für eine faschistische Pseudorevolution zu begeistern, um es im selben Maße von einer tatsächlichen Revolution abzuhalten. Der Nazismus lässt sich ohne seinen Antibolschewismus überhaupt nicht denken. Das ist genauso irre, als wollte man den NS erklären, ohne von Rassismus und Antisemitismus überhaupt zu sprechen.

    Und im Übrigen war der Nazismus ein imperialistisches Projekt par excellence. Manche haben ihn sogar als eine Form des „nachholenden Imperialismus“ beschrieben, der seine kolonialen Strebungen, im Unterschied zu den Engländern, auf Osteuropa richtete, weshalb er gegenüber den Arabern eine äußerlich antiimperialistische Rhetorik anstimmen konnte, die aber doch wohl nie ernst gemeint war! Das zu leugnen und ihn stattdessen mit antiimperialistischen Bewegungen in einen Sack zu stecken, die sich vom Joch kolonialer Herrschaft befreien wollten, ist einfach nur bescheuert. Ich finde sogar, diese irre „anti“deutsche Sichtweise, die du dir offenbar von dem Rechtspopulisten Justus Wertmüller abgeschaut hast, trägt bereits offene Züge des Geschichtsrevisionismus.

  11. Gravatar Icon 11 Subtext 28. Oktober 2008 um 0:59 Uhr

    Dein Schubladendenken verbaut dir den Zugang zu einer inhaltsbezogenen Auseinandersetzung.
    Ich würde mich nicht als antideutsch bezeichnen und bin schon gar kein Freund von Wertmüller. Ich hoffe, damit ist dieser identitäre Schmu hier erstmal abgehakt.

    Wenn du von einer „organisierten Pseudorevolution zur Rettung der bürgerlichen Eigentumsverhältnisse vor dem Bolschewismus“ schreibst, so unterstellst du der historischen nationalsozialistischen Bewegung oder aber zumindest ihren Eliten, ihre Inhalte gar nicht wirklich gemeint, sondern vielmehr planvoll ganz andere Ziel verfolgt zu haben.

    Wie ordnest du bei deiner „organisierten Pseudorevolution zur Rettung der bürgerlichen Eigentumsverhältnisse vor dem Bolschewismus“ die Tatsache ein, dass der Antisemitismus bis zur Ermordung von Träger_innen von Arbeitskraft in den Vernichtungslagern führte? Wohin in diesem kühl durchdachten Volksverführungsplan gehört der Fakt, dass selbst, als die Kapazitäten dringend an den Fronten gebraucht worden wären, das Morden weiter ging – bis zum bitteren Ende?

    Die Aufkommen des modernen Antisemitismus, biologistischen Rassismus und Nationalismus gegen Ende des 19. Jahrhunderts im frisch zusammengeschweißten Kaiserreich – war das auch schon Teil dieses Plans?

    Ich habe die These aufgestellt, dass Nazis ihrer Ideologie nach den Kapitalismus tatsächlich (negativ) überwinden wollen. Wie das im historischen NS real aussah wäre eine getrennt zu diskutierende Frage, zu der ich mich hier bislang aber auch noch nicht positioniert habe.

    Ihr Verständnis vom Kapitalismus ist ein notwendig Falsches, da sie durch ihn entstandene Schädigungen auf vermeintlich schuldige Personen abwälzen, für die historisch eingeschrieben in erster Linie die Jüdinnen und Juden in Frage kamen. Der „Antikapitalismus“ der Nazis ist immer ein fetischisierter (vgl. Moishe Postone – Antisemitismus und Nationalsozialismus).

    Die Hauptbezugspunkte der alt-antiimperialistischen sog. Linken hatten leider mit Antikolonialismus nichts zu tun. Warum die USA und Israel nämlich Kolonialmächte sein sollen, das hätte ich dann doch gerne mal schlüssig hergeleitet.

  12. Gravatar Icon 12 lysis 28. Oktober 2008 um 2:29 Uhr

    Entschuldige, das ist doch blanker Unsinn! Die Nazis haben außer der Arisierung jüdischen Besitzes, der auch gleich wieder in deutsche Privathände gelegt wurde, und der politisch motivierten Enteignung und Ausbürgerung Thyssens — ihres ehemaligen Finanziers, der ab 1934 bestimmte Aspekte des NS zu kritisieren wagte — keinen einzigen Schritt unternommen, die Besitzverhältnisse zu ändern oder gar, was man gemeinhin unter Sozialismus versteht, die Produktionsmittel zu vergesellschaften. (Wohlgemerkt hätte das die Sache auch nicht besser gemacht hat, aber es zeigt, wie wenig die Nazis mit Sozialismus oder Antikapitalismus am Hut hatten.) Die Vernichtung der Juden geschah sogar unter aktiver Beteiligung privatkapitalistischer Großkonzerne wie IG Farben. Außerdem zerschlug der Faschismus die Gewerkschaften, senkte die Arbeitslöhne und deportierte die Arbeiterführer in die Konzentrationslager. Wo siehst du denn da bitteschön den Versuch einer „negativen Aufhebung des Kapitalverhältnisses“? Da ist nichts „aufgehoben“ worden — vielleicht mit Ausnahme der Klasse für sich, die zwangsweise in der Deutschen Arbeitsfront (DAF), dem NS-Einheitsverband von „Arbeitnehmern“ und „Arbeitgebern“, aufging:

    Die DAF sollte die deutschen Arbeiter in das neue „Dritte Reich“ integrieren und damit ihren bisherigen Organisationen den Boden entziehen. Bis auf eine Anzahl junger arbeitsloser Arbeiter, von denen die meisten der SA beitraten, war die deutsche Arbeiterschaft gegen die politische Ideologie des Nationalsozialismus immun geblieben. Vor 1932 hatte auch die NS-Betriebszellenorganisation (NSBO) nur geringe Erfolge. […] Anfang April [1933] übertrug Hitler Robert Ley die Aufgabe, die wilden Aktivitäten der NSBO zu beenden und die Gewerkschaften zu zerschlagen. Ley beauftragte die NSBO, SA, SS und Gauleiter mit einer Aktion gegen die Gewerkschaftsführer, die daraufhin am 2. Mai in ganz Deutschland festgenommen wurden.

    Obwohl jeder Arbeitnehmer zur Kontrolle ein Arbeitsbuch haben musste und es eine Verordnung gab, einen Beitrag von jedem Arbeiter direkt vom Lohnkonto abzuziehen, bejahten die Arbeiter und Angestellten die DAF: Die Sicherheit des Arbeitsplatzes und die Reglementierung aller Schichten bewirkte eine psychische Egalisierung, welche von unteren Sozialklassen als positiv bewertet wurde.

    Die Nazis dachten doch niemals auch nur im Traum daran, die bestehenden Eigentumsverhältnisse anzurühren! Hätte das Großkapital sie wohl sonst finanziert? Überleg dir das doch mal, Mister!

    Bei aller notwendigen Kritik am sog. Arbeiterbewegungsmarxismus: man muss nicht das Kind mit dem Bade ausschütten. So verkehrt ist das dann auch wieder nicht, was historische Marxisten über den Faschismus geschrieben und gesagt haben. Dass sie die Eigendynamik von Ideologien komplett unterschätzten und alles schön funktionalistisch einzuordnen versuchten, ist ja eine richtige Kritik. Aber das Gegenteil eines Irrtums ist noch lange nicht die Wahrheit, sondern meist nur ein weiterer Irrtum.

  13. Gravatar Icon 13 lysis 28. Oktober 2008 um 3:09 Uhr

    Die Aufkommen des modernen Antisemitismus, biologistischen Rassismus und Nationalismus gegen Ende des 19. Jahrhunderts im frisch zusammengeschweißten Kaiserreich – war das auch schon Teil dieses Plans?

    Hallo? Diese Ideologien stammen alle aus der Ära des deutschen Imperialismus. Und dieser ist nicht nur nach meiner, sondern auch nach Auffassung etablierter Historiker primär als ein „Sozialimperialismus“ zu begreifen. D.h. er verfolgte nicht so sehr den Zweck, sich an den Kolonien materiell zu bereichern (schon Bismarck wusste, dass diese ein „Luxus“ bleiben würden, den man sich erstmal leisten können muss!). Er hatte vielmehr zum Ziel, das Protestpotential in der Arbeiterschaft aufzusaugen und es in „Rassen-“ und „Nationalstolz“ auf die überseeische Unternehmungen in Afrika zu verwandeln.

    Tatsächlich erlebte die Sozialdemokratie den ersten schmerzhaften Einbruch in ihrer Geschichte, als sie sich 1906 weigerte, im Reichstag den Kriegskrediten für die militärische Vernichtung der Nama („Hottentotten“) zuzustimmen (siehe „Als die SPD in Afrika die Wahl verlor“). Wie man weiß, lernte sie daraus und bewilligte 1914 ohne Zögern die geforderten Kriegskredite für den Ersten Weltkrieg.

    D.h. konkret auf deine Frage: Ja, der Sozialimperialismus mit seinem komplementären Rassendünkel verfolgte schon in der Kaiserzeit vor allem ein Ziel — die Integration der „gefährlichen Klassen“ in den deutschen Staat. Und dabei hatte schon Bismarck keine Probleme, diesen Dreck, den er für die herrschende Klasse veranstaltete, als „Sozialismus“ auszugeben — sich also der symbolischen Sprache der Arbeiterbewegung zu bedienen, derweil er sie mit allen ihm zu Gebote stehenden Mitteln bekämpfte:

    Bismarck selbst hatte keine Bedenken, seine paternalistische Wirtschaftspolitik als eine Art Sozialismus darzustellen, und Bücher wurden über den „monarchischen Sozialismus“, den „Bismarck’schen Sozialismus“ usw. geschrieben.

    Wenn die Rechte von Sozialismus spricht, dann muss man schon ein hartgesottener Dummkopf sein, um das beim Wort zu nehmen.

  14. Gravatar Icon 14 bigmouth 28. Oktober 2008 um 9:40 Uhr

    ihr redet mir teils aneinander vorbei. kleiner hinweis: vielleicht solltet ihr zwischen ideologischen aussagen und objektiven taten differenzieren. und dann vielleicht zwischen nazis im 3. reich und heute. letztere scheinen mir, so wie ich das mitkriege, das mit dem sozialismus teilweise schon ernster zu meinen.

  15. Gravatar Icon 15 ascetonym 28. Oktober 2008 um 11:17 Uhr

    Was kriegst du denn mit, bigmouth?

    http://www.kandidatenwatch.de/npd-788-641.html

  16. Gravatar Icon 16 R 28. Oktober 2008 um 15:47 Uhr

    Das denke ich nicht. Es gibt sicher zur Proll-Naziszene Anknüpfpunkte, weil die Proll-Nazis eben Prolls, Proletarier, Arbeiter(kinder) sind, wenn auch mit mehrheitlich falschem Klassenbewußtsein. Das sind zwar die nach außen auffälligsten, aber eben nicht die eigentlichen Rechten. Die eigentlichen Rechten sind die ursprünglichen, bürgerlichen Rechten, denn die rechte Ideologie bedient letztlich deren objektive Interessen. Da wären: Konkurrenz (was hat das mit Antiimperialismus zu tun?), Egoismus/Gruppenegoismus, Zucht bzw. Ruhe und Ordnung als Konformität in der bürgerlichen Rollenerwartung, Elitedenken, Abwertung anderer zur Aufwertung des eigenen Zugehörigkeitsschemas (Nation, Rasse, sonstwas), individualistisches Leistungsdenken welches den gesellschaftlichen Charakter des Arbeitsprozesses ignoriert (Arbeitsteilung, Kooperative Produktion, gesellschaftlicher Moment innerhalb des Wertgesetzes)…
    Rassismus ist übrigens auch nur EIN Erklärungsmuster, um die Ausbeutung und Unterdrückung anderer Menschen zu rechtfertigen (übrigens eines, das mit Antiimperialismus und internationaler Solidarität im krassen Widerspruch steht), heute – nachdem der alte Rassismus zumindest weitgehend diskreditiert ist – werden andere Rechtfertigungen nachgeschoben, statt „Minderwertigkeit der Rasse“ heißt es heute: Menschenrechte vs. Islam, Friedensintervention, an westlichen Werten soll die Welt genesen (freilich ist nicht humane Emanzipation gemeint o.ä., sondern der enthistorisierte, undialektische und metaphysisch erstarrt-verkürzte, verdinglichte Fetisch der alten Aufklärungsinhalte – ausgestopfte Tierpuppen der alten emanzipatorischen Bewegungen, als sie noch lebendige Kämpfe um BESSERUNG und FORTSCHRITT waren, noch nicht reaktionär gewendet um scheinheilig Menschen damit zu unterdrücken). Rein (pseudo)wissenschaftliche Rassetheorien haben noch niemanden zu Unterdrückungshandlungen veranlasst, es ging schon immer um Profitinteressen. Vergleich: Es geht auch niemand Tiere töten, nur weil diese gegenüber dem Menschen unterlegen („minderwertig“) sind, sondern nur wenn jemand einen Vorteil, einen Nutzen, d.h. im Kapitalismus vor allem: einen Profit daraus schlagen kann, tötet jemand Tiere.
    Rassismus ist Teil des bürgerlichen Überbaus im Kapitalismus. Und heute sucht man händeringend nach einem Ersatz, und der Antiislamismus wurde als so eine „sozialpartnerschaftliche“, „volksgemeinschaftliche“ (äh, „westliche Werte-gemeinschaftliche“) Ersatzlösung präsentiert, die Rechts und Links gegen die Profitkonkurrenten einen sollte (die Rechten, weil sie Ausländer hassen, die Linken, weil die Ausländer ja rückständig sind und „westliche Errungenschaften“ nicht teilen – ach ja, als ob der Bürgerliche, der diese Errungenschaften heute imperialistisch in Stellung bringt, ursprünglich für diese Errungenschaften gerungen hätte, z.B. für den Feminismus; Dagegen vielleicht, so wie er sie heute von innen imperialistisch korrumpiert).

    PI-News & Pro-Partei vertreten Positionen, die der antideutschen Position relativ nahe kommt, jedenfalls was Internationale Politik, Umgang mit dem Islam, Zuwanderung/Integration, Israel, USA und teilweise auch den Kapitalismus selbst angeht. Die alten Idole der Antideutschen, z.B. Broder, praktieren teils offen mit diesen „Eurofaschisten“.
    Die Vordenker der Anti-Islambewegung in den USA und GB sind fast alles angebliche „Ex-Linke“, Ex-Trotzkisten, Ex-Neotrotzkisten, sozusagen das angelsächsische Pendant zu den deutschen Antideutschen. Deren Klassenstruktur zu nahezu 100%: Bourgeoisie, Petite-Bourgeoisie. Noch fragen?

  17. Gravatar Icon 17 Subtext 29. Oktober 2008 um 16:36 Uhr

    @ Lysis:

    Entschuldige, das ist doch blanker Unsinn! Die Nazis haben außer der Arisierung jüdischen Besitzes, der auch gleich wieder in deutsche Privathände gelegt wurde, und der politisch motivierten Enteignung und Ausbürgerung Thyssens — ihres ehemaligen Finanziers, der ab 1934 bestimmte Aspekte des NS zu kritisieren wagte — keinen einzigen Schritt unternommen, die Besitzverhältnisse zu ändern oder gar, was man gemeinhin unter Sozialismus versteht, die Produktionsmittel zu vergesellschaften.

    Was man „gemeinhin“ unter Sozialismus zu verstehen hat, ist wegen dem diffusen Charakter des Begriffs gar nicht definierbar.

    In beachtlichen Teilen lässt sich der NS vermutlich als Staatskapitalismus beschreiben. Dort agiert der Staat zwar überaus regulativ, bleibt dabei aber in seiner Rolle als „ideeller Gesamtkapitalist“ (Engels).

    Gleichzeitig gibt es aber auch Phänomene im NS, die sich nicht nur mit der Logik der Profitmaximierung nicht erklären lassen, sondern ihr sogar entgegen laufen. Beispiele dafür habe ich in meinem letzten Beitrag angeführt.

    Natürlich hat dem staatlicherweise zwangsmonopolisierten Kapital z.B. die Zwangsarbeit geholfen. Die „Arisierungen“ hatten ihre Nutznießer und in den KZ’s ging die Verwertung soweit, aus der Haut der Ermordeten noch Seife, aus den Haaren Stoffe herstellen zu wollen.

    Die Ermordung von Arbeitskräften eben nicht in erster Linie nach Leistungskriterien (die Selektionen waren ja erst der zweite Auswahlschritt nach der Entscheidung dafür, wer zu deportieren sei) ist aber ein Widerspruch zum gesamtkapitalistischen Interesse.

    Stellenweise hat das das Kommando so den Markt ausgestochen und sich das Primat der Ökonomie über die Politik ins Gegenteil verkehrt.

    Zudem habe ich oben den Widerspruch zwischen dem ideologischen Anspruch und der historischen Wirklichkeit aufgemacht. Die Ideologie der historischen NS-Bewegung wie der Neo-Nazis richtet sich gegen das, was sie in ihrem falschen Bewusstsein als Kapitalismus verstehen. Ein Teil von deren Eliten mag da realpolitischer gewesen sein bzw. sein. Aber sicher nicht der einfache SA-Schläger oder Stiefel-Neonazi. Und das bei einer realen bzw. gewollten Gesellschaftsform, zu deren Funktionsnotwendigkeiten die Mobilisierung der Massen gehört.

    Da ist nichts “aufgehoben” worden — vielleicht mit Ausnahme der Klasse für sich, die zwangsweise in der Deutschen Arbeitsfront (DAF), dem NS-Einheitsverband von “Arbeitnehmern” und “Arbeitgebern”, aufging

    Auch das stützt die These eines zumindest partiellen regressiven Antikapitalismus im historischen NS. Die Volksgemeinschaft mag zunächst nur eine imaginierte Verschweißung der Klassen gewesen sein, eine Verschleierung der real existenten Gegensätze. Im Mordkollektiv und in der durchmilitarisierten deutschen Gesellschaft hat sie sich in Teilen aber durchaus realisiert.

    Dass sie die Eigendynamik von Ideologien komplett unterschätzten und alles schön funktionalistisch einzuordnen versuchten, ist ja eine richtige Kritik.

    Die du in deinen Ausführungen über Rassismus und Antisemitismus im deutschen Kaiserreich aber leider durchgehend ignorierst.

    Es ist richtig, dass der Staat das Aufkommen dieser Ideologien für sich zu nutzen wusste.
    Aber weder ein Wilhelm Marr, der als ein möglicher Urheber des Wortes Antisemitismus gilt, noch ein Heinrich Treitschke waren ferngesteuerte Marionetten oder kühle strategische Köpfe. Sie haben eben durchaus selber den Müll geglaubt, den sie produzierten. Und der ergab sich eben aus ihrer fetischisierten Wahrnehmung von negativen Folgen des Kapitalismus (z.B. im Rahmen der Gründerkrise, die von vielen Zeitgenoss_innen als „große Depression“ wahrgenommen wurde).

    @ R:

    Ich habe wenig Lust, auf eine so dermaßen platte vulgärmarxistische Pseudoanalyse einzugehen.
    Immerhin hast du am Schluss deines Textes zur Unterhaltung beigetragen:

    Die Vordenker der Anti-Islambewegung in den USA und GB sind fast alles angebliche “Ex-Linke”, Ex-Trotzkisten, Ex-Neotrotzkisten, sozusagen das angelsächsische Pendant zu den deutschen Antideutschen. Deren Klassenstruktur zu nahezu 100%: Bourgeoisie, Petite-Bourgeoisie. Noch fragen?

    Was glaubst denn du, was z.B. bei einer Analyse der Klassenstruktur des GSP rauskommen würde? Scheiß Imperialisten.

  18. Gravatar Icon 18 Subtext 29. Oktober 2008 um 16:40 Uhr

    @ Lysis:

    Magst du bitte was mit der Formatierung von meinem letzten Beitrag unternehmen und dann diesen hier löschen? Ich hatte gehofft, der Quote-Tag würde auch für mich als Nicht-Admin-User funktionieren.

  19. Gravatar Icon 19 abdel kader 29. Oktober 2008 um 19:48 Uhr

    Die “Arisierungen” hatten ihre Nutznießer und in den KZ’s ging die Verwertung soweit, aus der Haut der Ermordeten noch Seife, aus den Haaren Stoffe herstellen zu wollen.

    Das mit der Seife steht zwar bei Postone, ist aber ein Gerücht (das Gerücht lautet eigentlich auch, dass Seife aus dem Körperfett gemacht wurde).

    Profitmaximierung ist bei Genoziden nur in Ausnahmefällen ein Motiv und auch bei kapitalistischen Verhältnissen zielt nicht jede einzelne menschliche Handlung darauf. Alles kein Beleg für die Bahamas-These von der „negativen Aufhebung“.

  20. Gravatar Icon 20 bigmouth 30. Oktober 2008 um 0:16 Uhr

    subtext, du musst htrml verwenden, also „blockquote“ in den spitzen klammern

  21. Gravatar Icon 21 bigmouth 30. Oktober 2008 um 0:56 Uhr

    so:

  22. Gravatar Icon 22 lysis 30. Oktober 2008 um 9:30 Uhr

    Was man “gemeinhin” unter Sozialismus zu verstehen hat, ist wegen dem diffusen Charakter des Begriffs gar nicht definierbar.

    So kann man sich natürlich auch aus der Diskussion stehlen! Tatsache ist, dass der Sozialismusbegriff durch die marxistische Arbeiterbewegung einen klar umrissenen Inhalt hatte. Der Faschismus versuchte, wie Bismarck, diesen hochemotionalen Begriff den Linksparteien zu entwenden, um die Arbeiter affektiv an sich zu binden (was ihm allerdings größtenteils misslang; er blieb strukturell eine kleinbürgerliche Bewegung mit lumpenproletarischem Anhang). Inhaltlich vertrat er das genaue Gegenteil, nämlich das Interesse der Großbourgeoisie an der Verhinderung eines sozialen Umsturzes. Dies deckte sich auch mit den Ängsten des Kleinbürgertums, das sich vor dem Kommunismus genauso fürchtete wir vor seiner ökonomischen Deklassierung durch Inflation und Wirtschaftskrise. Deshalb musste der Jude beides sein: Kommunist und raffgieriger Spekulant in einem. Die Nazi-Ideologie ist also nicht einfach nur Folge einer verkehrten und fetischisierten Wahrnehmung der Verhältnisse; sie ist Ausdruck des klassenspezifischen Bedürfnisses kleinbürgerlicher Schichten, sich sowohl vom Bolschewismus als auch vom angelsächsischen Liberalismus abzugrenzen und sein Heil stattdessen in einem hierarchisch geordneten Ständestaat zu suchen — ein Staat, der das paradoxe Versprechen macht, den Kapitalismus ohne die krisenhafte Anarchie des Warenmarkts zu organisieren. Das ist es, was die Nazis unter „Sozialismus“ verstanden, und was der lächerlichen Form entspricht, in der Bismarck und die „Kathedersozialisten“ diesen Begriff gebrauchten.

    Mit der klassischen linken Vorstellung von Sozialimus als Überwindung von Klassenherrschaft und Vergesellschaftung der Produktion hat das — du wirst es endlich einsehen müssen — nichts zu tun.

    In beachtlichen Teilen lässt sich der NS vermutlich als Staatskapitalismus beschreiben. Dort agiert der Staat zwar überaus regulativ, bleibt dabei aber in seiner Rolle als “ideeller Gesamtkapitalist” (Engels).

    Wo ist jetzt der Unterschied zum gewöhnlichem Kapitalismus. Tritt der Staat hier etwa nicht „überaus regulativ“ in Erscheinung? Einen Kapitalismus ohne staatliche Regulation gibt es nicht. Insofern dürftest du mit dieser Definition jeden Kapitalismus als Staatskapitalismus bezeichnen.

    Gleichzeitig gibt es aber auch Phänomene im NS, die sich nicht nur mit der Logik der Profitmaximierung nicht erklären lassen, sondern ihr sogar entgegen laufen.

    Wie abdel bereits deutlich gemacht hat, gibt es diese „Phänomene“ auch in „normalen“ kapitalistischen Staaten. Nimm einfach mal so etwas völlig Unfaschistisches wie die Intensivmedizin für Komapatient_innen: das widerspricht doch jeder Logik der Profitmaximierung! Da haben die Nazis tatsächlich sehr viel ökonomischer gedacht, als sie in den Schulen ausrechnen ließen, was Behinderte und chronisch Kranke dem Staat täglich kosten und was man damit alles anstellen könnte. Wer also folgt dem ökonomischen Kalkül da radikaler? Die Demokraten oder die Faschisten?

    Die Ermordung von Arbeitskräften eben nicht in erster Linie nach Leistungskriterien (die Selektionen waren ja erst der zweite Auswahlschritt nach der Entscheidung dafür, wer zu deportieren sei) ist aber ein Widerspruch zum gesamtkapitalistischen Interesse.

    Es ist doch überhaupt nichts Ungewöhnliches, dass bürgerliche Nationen Projekte unterhalten, die dem gesamtkapitalistischen Interesse völlig zuwiderlaufen. Ich hab bereits den Kolonialismus erwähnt, von dem Bismarck schon vorab wusste, dass er ein Minusgeschäft bleiben würde — ein „Luxus“, den sich die Nationen gönnen, um ihr Prestige zu steigern. Auch der Vietnamkrieg war ein rein ideologisches Projekt, für das der amerikanische Staat sich und seine Wirtschaft ganz schön in Unkosten gestürzt hat. Ich glaube, du hast da eine etwas sehr ökonomistische Vorstellung von der Funktionsweise des Staates und seiner Rolle in der bürgerlichen Gesellschaft. Der Staat ist noch immer „relativ autonom“ und kein bloßer Ausschuss der Kapitalisten zur Verwaltung ihrer Geschäfte. Ganz anders: Für den Staat ist die Ökonomie erst mal nur ein Mittel, um Steuern einzunehmen und seine Macht auszubauen; erst dadurch, dass diese Einnahmen von einer gelingenden Kapitalakkumulation abhängen, wird er zum ideellen Gesamtvertreter der Kapitalistenklasse und ihrer Herrschaft über die Arbeiter, die im Kapitalismus ja niemals direkt ausgeübt wird.

    Stellenweise hat das das Kommando so den Markt ausgestochen und sich das Primat der Ökonomie über die Politik ins Gegenteil verkehrt.

    Das ist in jeder Kriegswirtschaft so. Auch in den USA dominierte das Primat der Politik über die Ökonomie, als es darum ging, Deutschland militärisch niederzuringen. Auch dort durften während des Zweiten Weltkriegs nur noch kriegswichtige Güter produziert werden; „das Kommando“ stach den Markt aus. Wo ist da die Besonderheit?

    Zudem habe ich oben den Widerspruch zwischen dem ideologischen Anspruch und der historischen Wirklichkeit aufgemacht. Die Ideologie der historischen NS-Bewegung wie der Neo-Nazis richtet sich gegen das, was sie in ihrem falschen Bewusstsein als Kapitalismus verstehen. Ein Teil von deren Eliten mag da realpolitischer gewesen sein bzw. sein. Aber sicher nicht der einfache SA-Schläger oder Stiefel-Neonazi. Und das bei einer realen bzw. gewollten Gesellschaftsform, zu deren Funktionsnotwendigkeiten die Mobilisierung der Massen gehört.

    Es würde dir vielleicht helfen, wenn du statt dem ganzen AD-Müll auch mal die klassischen marxistischen Faschismustheorien zur Kenntnis nehmen würdest, die hinreichend verdeutlichen, dass die Beteiligung des Lumpenproletariats am Faschismus in keinerlei Widerspruch zu dessen antirevolutionärem Charakter steht: „August Thalheimer betont in [seiner] Theorie das Gleichgewicht zwischen den Klassen, welches für ihn die Machtergreifung durch den Faschismus ermöglicht. Im Werk von Marx und Engels gibt es keine eigene Faschismustheorie; der Begriff wurde zu ihrer Zeit noch nicht verwendet. Nach Ansicht mancher Theoretiker, wie z.B. August Thalheimer, finden sich solche Ansätze aber in Marx‘ Darstellung des Bonapartismus. Demnach wären die Faschisten mit ihrem Anhang deklassierter oder von der Deklassierung bedrohter Massen in einer klassenkämpferischen Pattsituation — ähnlich wie Napoléon III. und sein lumpenproletarischer Anhang nach der Februarrevolution 1848 — relativ unabhängig von der Bourgeoisie an die Macht gelangt, obwohl sie objektiv deren Interessen der Verhinderung einer Revolution verträten. Thalheimer definierte Faschismus als ‚politische Unterwerfung aller Massen, einschließlich der Bourgeoisie selbst, unter die faschistische Staatsmacht bei sozialer Herrschaft der Groß-Bourgeoisie und der Großgrundbesitzer‘.“

  23. Gravatar Icon 23 R 30. Oktober 2008 um 13:00 Uhr

    Was denn für ’ne Erheiterung? So ziemlich jeder der in der Arbeiterbewegung aktiv ist, in leninistischen Parteien oder in den Gewerkschaften, nahezu jeder vertritt die Ansicht, dass der GSP/MG nicht nur eine petty-bourgeoise Gruppenstruktur hat, sondern auch eine petty-bourgeoise Theorie verfolgt. Das Ergebnis ist folgend ein Fehlen jeglicher Praxis, Idealismus und abstrakte Theorielastigkeit, Mangel an einer praktikablen Revolutionstheorie (Realisierung der proletarischen Maximalforderung), null Verständnis für die alltäglichen Kämpfe der Arbeiter (Minimalforderung), keinerlei Kontakten zu anderen linken Gruppen und aktuellen sozialen Kämpfen (Mindeslohn, politisches Streikrecht…), keinerlei Kontakten zu anderen Organisationen international… – gewiss, innerhalb der bürgerlichen Linken sind sie eine der besten Gruppen, relativ noch die progressivsten, trotzalledem eben noch fehlerbehaftet, flawed.

    Du hast, glaube ich, den Marxismus nicht umfänglich begriffen, zumindest deine Einlassung bezeugen deinerseits ein unglaublich plattes Veständnis des Zusammenhangs von gesellschaftlichem Überbau und ökonomischer Basis bzw. Bewußtsein und Klassenlage / sozialer Lage.
    Wie? Das Bewußtsein ist dir nicht sozioökonomisch abhängig, weil beim GSP Kleinbürger im Universitätshinterzimmer abstrakt und ohne praktischen Bezug Marx lesen?? Aber Marxismus ist kein Kathedersozialismus.
    Noch besser: Der NS war für dich sozialistisch, weil wenn nicht, die NS-Elite ihre Inhalte nicht wirklich „gemeint“ haben müsste, „planvoll“ andere „Ziele“ verfolgt haben müsste. Nach dem selben Argumentiermuster ist der Irre in der Anstalt wirklich Napoleon, weil wenn nicht, er was anderes gemeint haben müsste, andere Ziele haben müsste. Dämmert dir was?

    Wer sagt es gäbe keine (ökonomisch abhängigen) Interessen, der sagt der Arbeitslose oder Niedriglohner den gleichen Vorteil von Globalisierung, Sozialabbau, Übervorteilung im gewerkschaftlichen Arbeitskampf usw. wie der kapitalistische Nutznießer, der Gewinner des Systems und der herrschenden Verhältnisse, das ist antimarxistisch. Was du – ziemlich billig wie ich finde – als Vulgärmarxismus denunzierst (der Begriff beschreibt in Wahrheit den mechanizistischen Ökonomismus innerhalb der alten Sozialdemokratie), das ist der originäre Kommunismus, den aber manche Schönwetter(post)marxisten nur nicht verstanden haben.

  24. Gravatar Icon 24 R 30. Oktober 2008 um 13:11 Uhr

    Trotz des Bedenkens ein wenig zu viel geschrieben zu haben:

    Was man “gemeinhin” unter Sozialismus zu verstehen hat, ist wegen dem diffusen Charakter des Begriffs gar nicht definierbar.

    Eine Diffusität des Begriff behauptest du, ohne einen Beweis zu führen. Spielt auch keine Rolle: Die Interessen der Ausgebeuteten als materielle Sache selbst sind in Wahrheit nicht diffus, die Möglichkeiten der praktischen Umsetzungen nicht unendlich beliebig. Ergo ist auch nicht beliebig, was Sozialismus sein kann.

    Deine Aussage ist wahrscheinlich einem überzogenen Verständnis von Positivismus in der Epistemologie geschuldet, die unmarxistisch ist. 1. Es gibt dazu ettliche Aussagen von Karl Marx selber, angefangen mit dem Manifest der Kommunistischen Partei (http://www.mlwerke.de/me/me04/me04_459.htm#Kap_III), 2. der Marxismus hat eine materialistische und dialektische Erkenntnistheorie, die – aufbauend auf der systematischen Erfahrung der Praxis, und anders als der quasi-idealistische Positivismus – definitive Aussagen hervorbringt. Für einen Marxisten bzw. wissenschaftlichen Kommunisten ist das also sehr wohl möglich.

    NS vermutlich als Staatskapitalismus… Dort agiert der Staat zwar überaus regulativ, bleibt dabei aber in seiner Rolle als “ideeller Gesamtkapitalist”

    Staatskapitalismus impliziert für mich, dass weiterhin kapitalistische Mittel angewendet werden, weiterhin Kapital existiert, weiterhin Mehrwert ausgebeutet wird, aber die Betriebsmittel in den Händen des Staates liegen, der eben als Staatskapitalist den Mehrwert einstreicht. Die Theorie vom ideellen Gesamtkapitalisten überschneidet sich mit den anderen Theorien, ist aber dennoch different vom Staatskapitalismus, der wieder gegenüber dem staatsmonopolistischen Kapitalismus verschieden ist. Sowohl abstrakt-vergleichend betrachtet, wie historisch und ökonomisch von ihren konkreten Entwicklungsprozessen und Hintergründen, aus denen sie sich heraus entwickeln, können/müssen die 3 unterschieden werden.
    Du kannst auch nicht von „der NS“ sprechen, weil der sich über die 12 Jahre seiner Herrschaft ständig stark verändert hat, v.a. im Krieg. Natürlich gabs im Krieg eine Kommandowirtschaft, natürlich laufen die inneren Widersprüche der kapitalistischen Produktionsmethode darauf hinaus, „laissez faire“ zu eleminieren, und im Krieg beschleunigt sich der Prozess durch Zuspitzung der Verhältnisse. Der Widerspruch des Krieges, durch die enorme Beanspruchung die Zersplitterung der freien Marktteilnehmer durch Zusammenfassung aufzuheben, ist abstrakt kein Wesensmerkmal des NS oder Faschismus, und schon gar kein stabilisierendes. Kollektivierung hebt letztendlich die gegenseitige Konkurrenz, und damit eine wichtige Vorraussetzung der (früh)bürgerlichen Ideologien auf. Damit ist der Sozialismus keinesfalls erreicht, denn die Betriebsmittel sind immernoch nicht in Arbeiterhand usw. Kriegskollektivierungen stellen eine Zuspitzung der inneren Widersprüche des Kapitalismus dar, die im positiven Fall eine soziale Revolution begünstigen können oder im negativen Fall die „Volksgemeinschaft“ für den Imperialismus ausrichtet, wobei die Volksgemeinschaft dann für den „sozialen Frieden“ den ausgebeuteten Surplus aus kolonial oder neokolonial (z.B. durch finanzkapitalistische Kontroll- und Ausbeutungsstrukturen) dependenten Ländern braucht. Das wäre eine Variante des Imperialismus.

    Gleichzeitig gibt es aber auch Phänomene im NS, die sich nicht nur mit der Logik der Profitmaximierung nicht erklären lassen, sondern ihr sogar entgegen laufen.

    Das hast du irgendwie falsch verstanden. Die Gesetze des Kapitalismus wirken nicht immer direkt.

    Kapitalismus und freier Markt sind anarchisch. Niemand weiß, was hier und jetzt exakt am profitabelsten ist – anders ausgedrückt: was innerhalb des Kapitalismus konkret am nützlichsten ist. Das gilt vor allem für die Phase der freien Konkurrenz, aber auch noch (wenn auch weniger) für die sog. Spätphasen (ideeller Gesamtkapitalist, StaMoKap).
    Verschiedene Akteure, Konzerne, Marktteilnehmer, individuelle bürgerliche Charaktermasken konkurrieren mit verschiedenen Ansätzen („approaches“) im Leben um den größten Vorteil, die Nutzenmaximierung. Nicht jeder setzt sich mit seinem Ansatz, seinem „Humankapital“, seiner Geschäftsidee, seiner Theorie am Markt oder im Leben gegen seine Konkurrenten durch – der NS ist eben auch ein historisch gescheiterter Ansatz, das darf man nicht vergessen. Die verschiedenen Charaktermasken handeln dabei nach objektiven Interessen (werden konkret durch den Markt und die bürgerl.-kapitalist. Gesellschaft für ihre jeweiligen Handlungen belohnt oder bestraft, was ein Korrektiv zur faktischen Realisierung der objektiven Interessen ist), aber nicht notwendigerweise sind die objektiven Interessen und die objektiven Gesetze („Logik des Kapitalismus“) immer subjektiv allen Akteuren bewußt, also was sie da weshalb tun, oder was weshalb nützlich ist oder nicht. Die Verwirklichung des Kapitalismus geschieht auch durch „trial and error“! Der eine Bürger mag sein „wirtschaftlich sinnvolles/rationales“ Verhalten subjektiv mit „westlichen Werten“ erklären (aber wie haben die sich herausgebildet?), oder mit „christlichen Tugenden“ (vgl. Rolle des Protestantismus bei der Herausbildung des Kapitalismus bei Max Weber), oder mit „moderner Dynamik am globalen Arbeitsmarkt“ oder sonstwie – all diese Bewußtseinsinhalte sind letztlich gesellschaftlich abhängig, und die Gesellschaft ist ökonomisch abhängig. Es führt zu weit, das hier weiter auszuführen. Nur die wenigsten Individuen kennen jedenfalls die modernsten ökonomischen Theorien der wirtschaftswissenschaftlichen Klassik oder Neoklassik (alias Neoliberaismus), aber alle sind letztlich – auch gezwungenermaßen – „homo oeconomicus“, denn ökonomisch nachteiliges Verhalten wird durch Verlust, letztlich Bankrott, bestraft – nicht sofort, aber über einen historischen Zeitraum setzt sich das profitableste („kapitalisischste“) Verhalten durch, die „Profitlogik“ im linksalternativen Jargon, auch das subjektive Bewußtsein dafür steigt – nenn es Klassenbewußtsein. Natürlich befindet sich der Kapitalismus längst über dem Zenit, es gibt Krisen, z.B. die jetzige Bankenkrise, die der weiteren Verankerung des Kapitalismus entgegen wirken und letztlich – in einer revolutionären Situation – zur Überwindung es Kapitalismus führen könnten.

    Die „Logik der Profitmaximierung“ (ein Gesetz aus der Basis der kapitalistischen Formation) wirkt nicht unmittelbar und überall in der Gesellschaft, sondern wird durch die Handlungen von Menschen erst vermittelt, v.a. durch den Markt selber (durch Profit oder Verlust – falsches d.h. nicht marktkonformes Verhalten wird mittelfristig durch Pleite selektiert), aber auch durch die Politik, durch Erziehung, Presse, Literatur, Fernsehen, Meinungsfabrikation jeder Form, Gesetzgebung, Rechtsprechung etc.etc. Diese Dinge sind sozusagen der Transmissionsriemen zwischen dem Bewußtsein und den Handlungen des Individuums (in der oberen Schichtung der Gesellschaft sind das die Kapitalisten bzw. die Politiker und Manager des Finanzkapitals) und der „Profitlogik“, d.h. den Gesetzen der kapitalistischen Ökonomie.
    Auf Grund ihrer soziale Lage entsteht aber in den ausgebeuteten Schichten auch das gegenteilige Bewußtsein, das ist das revolutionäre Bewußtsein, das Klassenbewußtsein für sich des Proletariats. Bei Intellektuellen ist es meist ein anderer Mechanismus, aber das ist eine andere Sache.

    Die Ermordung von Arbeitskräften … ist aber ein Widerspruch zum gesamtkapitalistischen Interesse.

    Niemand sagt, dass der NS stets ökonomisch sinnvoll gehandelt hat. Dennoch sind Antisemitismus im Speziellen und Rassismus im Allgemeinen zu weiten Teilen Ergebnis sozioökonomischer Widersprüche. Grund: Wenn ein anderer meinen Interessen nicht im Wege steht, dann bekämpfe ich ihn auch nicht. Die Ursache von einander ausschließenden Interessen sind u.a. Warenwirtschaft und private Aneignung der überindividuell/gesellschaftlich produzierten Güter, aber auch überkommene religiöse, Moral- und Wertvorstellungen usw. (Kampf der Kulturen ist zumindest eine Motivation für die Rechten). Auch im „Kampf der Kulturen“ sind die Interessenswidersprüche von der gesellschaftlichen Entwicklungshemmung durch Reakionäre und Konservative bedingt. Die „Bewahrungsinteressen“ des Bürgertums würden sich nie so lange halten können, wenn ihnen nicht harte materielle Finanzinteressen zugrunde liegen würden.

    Im NS und Faschismus wurde, auch radikalisiert durch die deutsche Niederlage im 1. Weltkrieg, auch radikalisiert durch die bürgerlichen Ängste vor der jungen Sowjetunion, die Konkurrenz auf der Ebene der entwickeltsten Nationalstaaten, d.h. die imperialistische Konkurrenz extrem zugespitzt.

    Du argumentierst etwas abstrakt und scheinst mir die Historische Dialektik nicht richtig verstanden zu haben.
    1. Der erwähnte Unterschied zwischen der gesellschaftlichen Überstruktur und der ökonomischen Formation an der Basis: Du unterstellst, dass die kapitalistischen Gesetze an der ökonomischen Basis direkt und 100% unmittelbar auf die sich über sie erhebende Gesellschaft auswirken – kein Individuum (oder Unternehmen, oder Staat) könne sich wirtschaftlich fehlverhalten. Das ist natürlich quatsch, die kapitalistische Logik, die ökonomischen Gesetze wirken nicht unmittelbar auf das Bewußtsein – sie sind vielen nicht bekannt, aber der Kapitalismus tangiert sie dennoch täglich. Es gab immer schon Moralvorstellungen, Gesetze usw. die ökonomisch völlig sinnlos sind, die mit der Produktionsform im Widerspruch stehen, d.h. im Laufe der Zeit historisch negiert werden. Das ist etwas, das viele Bürgerliche nicht verstehen: Kapitalismus ist, wie alles, eine materielle Erscheinung in der Zeit (Geschichte), d.h. Kapitalismus entwickelt sich (dialektisch). Er ist nicht „metaphysisch“, unveränderlich, schon fix-und-fertig sobald der Begriff mit den 12 Buchstaben (K.A.P.I.T.A.L.I.S.M.U.S.) aufs Papier geschrieben werden kann. Der GSP hat übrigens exakt dieses Problem, so einen gewissen Idealismus, vom „Begriff“ bzw. einer rein gedanklichen „Definition“ statt von der materiellen Wirklichkeit auszugehen. Noch mehr gilt das für Kritische Theorie, Wertkritik, und am meisten für Antideutsche.
    2. Dass Elemente der alten Gesellschaft in der neuen Gesellschaft überleben. Teilweise könnte man sie entfernen, hat es aber versäumt (Religion, Umgangsformen, Gesetzesvorschriften), teilweise ist es unmöglich (Sprache, Mathematik usw.).
    Teile des Antisemitismus sind aus früheren Gesellschaftsformen übernommen. Es ist auch ein Wesensmerkmal der bürgerlichen Gesellschaft, nach einer revolutionären Phase (in Humanismus&Aufklärung, 1789, bis vllt. 1848) heute reaktionär geworden zu sein. Die Ursachen dafür sind klar, eine radikale Gesellschaftskritik würde die eigene Machtbasis unterminieren, eine radikale Gesellschaftstransformation sowieso, die bürgerliche Gesellschaft ist also eine qualitativ erstarrte Gesellschaft, strukturell konservativ und reaktionär. Der Marxismus meint, dass sie revolutionär überwunden werden muss.

    Stellenweise hat das das Kommando so den Markt ausgestochen und sich das Primat der Ökonomie über die Politik ins Gegenteil verkehrt.

    Das nennt man auch Krieg, was da ablief. Du begehst schon wieder den Fehler, Kapitalismus als ein widerspruchsfreies, starres Phänomen zu betrachten, das immer so zu sein hat wie es uns die neoliberalen Apologeten verkaufen wollen. Du musst den NS aber historisch einordnen, da wären gewesen: Wirtschaftskrise, die Interessen der deutschen Schwerindustrie an einer intensiven Rüstung, die Nichtfinanzierbarkeit dieser gigantischen Rüstung – die einen Angriffskrieg wenn nicht erzwang dann zumindest nahelegte, die Bewußtseinsformen der Individuen, Klassen und Schichtungen, das Revanchedenken der meisten Deutschen für die Niederlage im 1. Weltkrieg: der aber hatte seine Ursachen im Imperialismus alter Schule, Kolonialismus, Konkurrenz der Kolonialmächte, rassistische Herren(menschen)kultur aufgrund der Unterdrückung vor allem der Nichtweißen in den abhängigen Kolonien, überhaupt das Grundschema der Marktwirtschaft: Wir gegen Euch, Gewinner vs. Verlierer, gewinnen ist alles und der Verlierer landet im Elend, was dieser „verdient“ hat, weil er ja der Schwächere war, weil die „neutrale“ Markt so entschieden hat, oder einfach die „Leistung“ usw. – diese Denken wurde eingeübt, wird eingeübt, und lässt sich leicht auf die Konkurrenz der Nationen übertragen, und nach dem 1. WK kamen eben schnell Revanchewünsche auf…
    Im Imperialismus bestimmt nicht mehr allein der „laissez faire“-Markt die Abläufe, sondern die Gesetzmäßigkeiten der imperialen Konkurrenz selbst gewinnen immer mehr an Bedeutung. Das kann mensch mit Marx nur bedingt, mit Lenin sehr leicht erklären.

    Die Ideologie der historischen NS-Bewegung wie der Neo-Nazis richtet sich gegen das, was sie in ihrem falschen Bewusstsein als Kapitalismus verstehen

    Sie richtet sich stärker gegen den Kommunismus und jede Form der Gleichheit oder Gleichbehandlung, und zumindest bei den konservativen Rechten richtet sie sich auch gegen jede Art des Fortschritts (dieser reaktionäre Einfluss ist auch im NS sehr stark). Der Kampf gegen Kapitalismus äußerte sich im NS als Kampf gegen „Plutokratie“ oder gegen „raffendes Kapital“, dem das „schaffene Kapital“ gegenübergestellt wurde. Der Gegner ist für den NS also nicht der Kapitalismus als System, der Kapitalismus insgesamt, sondern Feind sind jene Elemente des Kapitalismus, die den eigenen wirtschaftlichen Interessen im Wege stehen – d.h. der ökonomische Konkurrent, ggf. die weiter entwickelten (d.h. fortschrittlicheren) Formen des Kapitalismus, gegenüber denen der deutsche Kleinbürger ins hintertreffen zu geraten drohte, z.B. gegenüber dem „internationalen“ Kapitalismus, verortet im Judentum. Das ist kein echter Antikapitalismus, und noch weniger ist es Sozialismus. Die Gleichsetzung: NS = eine Variante des Sozialismus ist mithin ein bürgerliches Denunziations- und Ablenkungsschema, nur typisch, dass es von Antideutschen und vergleichbaren Gruppen reproduziert wird.

    Die ökonomischen Gesetzmäßigkeiten und ihre weiteren Implikationen werden vom NS – typisch für das reaktionäre Spät(klein)bürgertum – sowieso geleugnet.

    Im Mordkollektiv und in der durchmilitarisierten deutschen Gesellschaft hat sie sich in Teilen aber durchaus realisiert.

    Das ist aber historisch nicht stabil, weil es den objektiven Interessen der Arbeiter und aller „unteren Schichten“ zuwiderläuft. Und solange es stabil ist, weckt es den Antiimperialismus all der Völker oder Gruppen, die von so einem Imperialismus unterdrückt werden.
    Auch daran sieht man, dass der NS und allgemein der Faschismus kein Sozialismus war, sondern „bestenfalls“ ein Sozialimperialismus.

    ergab sich eben aus ihrer fetischisierten Wahrnehmung von negativen Folgen des Kapitalismus

    Das ist eben Spätkapitalismus, un darin eine der Bewußtseinsformen davon, ein (rechtsradikaler) Ansatz innerhalb der spätbürgerlichen Theoriebildung. Und damit absolut etwas, das die bürgerliche Gesellschaft (manchmal der Staat) – meinetwegen als ideeller Gesamtkapitalist – hervorbringt, um eben jenen Gesamtkapitalismus zu schützen.

  25. Gravatar Icon 25 lysis 30. Oktober 2008 um 18:28 Uhr

    @Subtext:

    Die Volksgemeinschaft mag zunächst nur eine imaginierte Verschweißung der Klassen gewesen sein, eine Verschleierung der real existenten Gegensätze. Im Mordkollektiv und in der durchmilitarisierten deutschen Gesellschaft hat sie sich in Teilen aber durchaus realisiert.

    Das bestreitet doch überhaupt gar keiner. Aber das hat mit einer „Aufhebung des Kapitalismus“ nicht die Bohne zu tun. Davon können doch Kapitalisten nur träumen: dass Arbeiter ihr Klassenbewusstsein mit sofortiger Wirkung einstellen und sich als organischer Teil einer Volks- und Betriebsgemeinschaft imaginieren, in der jeder seinen angestammten Platz hat.

    „Dass sie die Eigendynamik von Ideologien komplett unterschätzten und alles schön funktionalistisch einzuordnen versuchten, ist ja eine richtige Kritik.“

    Die du in deinen Ausführungen über Rassismus und Antisemitismus im deutschen Kaiserreich aber leider durchgehend ignorierst.

    Ja, weil ich eine Gegenposition zu deinem Quark einnehmen muss. Eigendynamik von Ideologie bedeutet nämlich nicht, dass sich in ihr keine Klasseninteressen mehr niederschlagen. Denken ist immer interessiert (siehe Nietzsche). Ich denke in der Regel keine Sachen, die meinen Interessen zuwiderlaufen, sondern solche Dinge, die — wie immer auch vermittelt — meinen Bedürfnissen entsprechen. Natürlich ist es auch möglich, dass ich mich über meine Bedürfnisse täusche oder fälschlich annehme, etwas sei in meinem Interesse, während in Wirklichkeit das Gegenteil der Fall ist. Außerdem verfügt jeder Mensch auch über konkurrierende Interessen. Trotzdem erkennst du den kleinbürgerlichen Klassencharakter des Antisemitimus daran, dass der Jude in dieser Ideologie sowohl als Bolschewist wie auch als liberaler Demokrat konstruiert wird; sowohl als verlumpter Habenichts wie als raffgieriger Spekulant. Das Kleinbürgertum wollte sich eben von beidem abgrenzen und hat diese widersprüchlichen Bestimmungen auf die Juden übertragen. Der Antisemitismus war auch schon im Feudalzeitalter eine Kompromissbildung, die es erlaubte, sich über Ausbeutung zu mokieren, ohne die Ausbeuter tatsächlich angreifen zu müssen. Der Antisemitismus ist eine Verschiebungsleistung, die die Kritik an den Herrschenden umlenkt auf ein ethnisches Ersatzobjekt. Der moderne Ausländerhass funktioniert ganz genauso.

    Es ist richtig, dass der Staat das Aufkommen dieser Ideologien für sich zu nutzen wusste.
    Aber weder ein Wilhelm Marr, der als ein möglicher Urheber des Wortes Antisemitismus gilt, noch ein Heinrich Treitschke waren ferngesteuerte Marionetten oder kühle strategische Köpfe.

    Nein, aber es waren Vertreter ihrer Klasse. Und Hermann Goedsche, den du nicht erwähnst, der aber die literarische Vorlage für die „Protokolle der Weisen von Zion“ verfasst hat und damit den modermen Antisemitismus wie kaum ein zweiter prägte, war tatsächlich nichts anderes als ein agent provocateur der preußischen Geheimpolizei.

    Sie haben eben durchaus selber den Müll geglaubt, den sie produzierten.

    Das heißt aber nicht, dass dieser Müll nicht ihre Interessen widerspiegelte.

    Und der ergab sich eben aus ihrer fetischisierten Wahrnehmung von negativen Folgen des Kapitalismus (z.B. im Rahmen der Gründerkrise, die von vielen Zeitgenoss_innen als “große Depression” wahrgenommen wurde).

    Aber diese Fetischisierung hatte einfach sehr viel damit zu tun, dass sich die Kleinbürger aufgrund ihrer Klassenlage keinen Aufschluss über die wirklichen Gründe der Krise geben wollten. Sie konnten dem Kapitalismus nicht die Schuld geben, weil sie damit der von ihnen bekämpften Arbeiterbewegung und dem Marxismus recht gegeben hätten. Deswegen lag eine Verschiebungsleistung, wie sie der Antisemitismus zur Verfügung stellte, ideologisch nahe. Er befriedigte ihre Interessen, von denen Leute wie du nicht mehr reden wollen.

  26. Gravatar Icon 26 Subtext 01. November 2008 um 16:42 Uhr

    Schön, dass ihr euch die Zeit für so ausführliche Beiträge genommen habt. Einen Großteil eurer welterklärerischen Munition habt ihr aber in die Luft geballert.

    Wenn ihr meine Beiträge kritisieren wollt, solltet ihr sie genauer lesen, anstatt mir Aussagen zu unterstellen, die ich nie getätigt habe.

    Hier noch einmal zum Mitdenken:

    * Ich schrieb: „Die ‚Arisierungen‘ hatten ihre Nutznießer und in den KZ’s ging die Verwertung soweit, aus der Haut der Ermordeten noch Seife, aus den Haaren Stoffe herstellen zu WOLLEN.“ Das entscheidende Wort ist hervorgehoben.

    * Ich habe nie behauptet, der NS hätte etwas „mit der klassischen linken Vorstellung von Sozialimus als Überwindung von Klassenherrschaft und Vergesellschaftung […] zu tun“ (Lysis).

    * Meine Ausführungen zum mindestens partiell staatskapitalistischen Charakter des NS sind in der Tat ein Widerspruch zu jener mir untergeschobenen These. Schön, dass ihr das auch gemerkt habt. Gleichzeitig hab ich versucht, Phänomene zu beleuchten, dir mir im Widerspruch zu einem kapitalistischen Wesen zu stehen scheinen. Impliziert ist die These einer Gesellschaft, die in Teilen, aber nicht mehr vollständig als kapitalistische beschreibbar ist. Mein Stand der Analyse ist dort noch nicht allzu weit fortgeschritten. Trotzdem warte ich bisher auf schlüssig durchgeführte Gegenbeweise.
    (Staatskapitalismus definiert als Form des Kapitalismus, in dem der Staat den Markt nicht nur reguliert, sondern seine Gesetzmäßigkeiten zu bedeutenden Teilen durch das Kommando ersetzt. Ich habe auch nicht geschrieben, dass diese Eigenschaft eine exklusive des NS sei)

    * Die Zerstörung des Kapitalismus habe ich der alten und neuen Nazi-Ideologie als Absicht, nicht dem historischen NS als Fakt unterstellt. Ich habe weiter geschrieben, dass das Verständnis des Kapitalismus ein falsches ist, der Antikapitalismus nur ein fetischisierter.

    * Die vermeintliche Vernichtung des Wertes in Gestalt der Jüd_innen war kein Nebenprojekt des NS. Es war vielmehr einer seiner wichtigsten Zwecke, der da dem gesamtkapitalistischen Interesse entgegen lief. Er war nicht Mittel zur Verblendung der Massen, sondern Zweck.

    * Ich habe weder die Existenz von Klassen, noch deren Interessenswidersprüche geleugnet.

    * Ich habe den Akteuren im Kapitalismus kein zwangsweise vorhandenes subjektives Bewusstsein über ihre objektiven Interessen und Gesetze unterstellt.

    Die These, das „Denken [sei] immer interessiert“, könnte ein brauchbarer Ansatz sein. Ich werde das für mich näher untersuchen.

  27. Gravatar Icon 27 abdel kader 01. November 2008 um 18:54 Uhr

    Ich schrieb: “Die ‘Arisierungen’ hatten ihre Nutznießer und in den KZ’s ging die Verwertung soweit, aus der Haut der Ermordeten noch Seife, aus den Haaren Stoffe herstellen zu WOLLEN.” Das entscheidende Wort ist hervorgehoben.

    Das Gerücht über die Seife ist dennoch falsch, da auch die Absicht dazu nicht bestand.
    Fakt ist aber, dass nicht nur der ganze Besitz der in Auschwitz Ermordeten an sich gerissen wurde, sondern auch ihre Körper ausgeschlachtet wurden. So wurden Zahngold, Prothesen und eben auch Haare systematisch gesammelt:

    According to a Museum guide book, entitled „Auschwitz 1940 – 1945,“ which was first published in 1995, the Soviet Army found about 7,000 kilograms of human hair, packed in paper bags, when they liberated the camp. This was only a fraction of the hair cut from the heads of the murdered Jews; the rest of the hair had been sent to the Alex Zink company in Bavaria to be made into various products.
    http://www.scrapbookpages.com/auschwitzscrapbook/tour/Auschwitz1/Auschwitz11.html

    Diese Tatsachen sprechen aber nicht für deine These:

    Die vermeintliche Vernichtung des Wertes in Gestalt der Jüd_innen war kein Nebenprojekt des NS. Es war vielmehr einer seiner wichtigsten Zwecke, der da dem gesamtkapitalistischen Interesse entgegen lief.

    Auschwitz war nicht die Vernichtung des Werts, sondern die der Juden.
    Dazu ein paar gesammelte Kommentare von mir aus dieser Diskussion

    (…)
    Obwohl ich denke, dass Marx‘ Theorie des Fetischismus (K I „Fetischcharakter der Ware und sein Geheimnis“, K III „Die Trinitarische Formel“) etwas zur Erklärung von modernem Antisemitismus beitragen kann, frage ich mich, was dieser Verweis auf Marx an dieser Stelle zu suchen hat.
    Marx Analyse über die kapitalistische Produktionsweise, im Speziellen die der Zirkulation, hier zu nennen würde ja bedeuten, dass die Antisemiten in den marxschen Analysekategorien denken würden. Die Kapitalismuskritik von Marx kann jedoch „nur“ dazu beitragen, die antisemitischen Welterklärungen zu widerlegen, nicht aber das antisemitische Denken selbst erklären.
    Deshalb finde ich die Logik, die Moishe Postone der Shoah in „Nationalsozialismus und Antisemitismus“ unterstellt auch so absurd. Zu sagen „Auschwitz war eine Fabrik zur Vernichtung des Werts“ würde ja bedeuten, dass Adolf Eichmann das Kapital gelesen hat.
    (…)
    Ich glaube aber kaum, dass sich die Nazis das Ziel gesetzt haben, den (Tausch-)Wert oder „das Abstrakte“ zu vernichten, auch dann nicht wenn sie irgend ein Alltagsverständnis davon hatten.

    Detlev Claussen (2005:146) dazu:

    Die Identifikation von Zirkulation- logisch mit Geld, historisch mit Juden- folgt nicht aus der Analyse der Zirkulation wie Postone unterstellt(…)

  28. Gravatar Icon 28 Subtext 02. November 2008 um 15:20 Uhr

    Das Gerücht über die Seife ist dennoch falsch, da auch die Absicht dazu nicht bestand.

    Ich habe noch einmal nachrecherchiert und muss dir da nun recht geben.

    Auschwitz war nicht die Vernichtung des Werts, sondern die der Juden.

    Auch hier hast du ungenau gelesen. Die Vernichtung des Wertes in Gestalt der Jüd_innen war eben nur (s.o.) „vermeintlich“.

    Zu sagen “Auschwitz war eine Fabrik zur Vernichtung des Werts” würde ja bedeuten, dass Adolf Eichmann das Kapital gelesen hat.

    Da hast du etwas falsch verstanden. Der Antisemitismus der Nazis speiste sich nach Postone aus der Wut gegen das Abstrakte, dem sie die Konkretion von Blut und Maschine entgegen stellten. Zu deinem Missverständnis heißt es bei „Antisemitismus und Nationalsozialismus“:

    Bestimmte Formen kapitalistischer Unzufriedenheit richteten sich gegen die in Erscheinung tretende abstrakte Dimension des Kapitals in Gestalt des Juden, und zwar nicht etwa, weil die Juden bewußt mit der Wertdimension identifiziert worden waren, sondern vielmehr deshalb, weil durch den Gegensatz seiner konkreten und abstrakten Dimensionen der Kapitalismus selbst so erscheinen konnte. Deshalb geriet die ‚antikapitalistische‘ Revolte zur Revolte gegen die Juden. Die Überwindung des Kapitalismus und seiner negativen Auswirkungen wurde mit der Überwindung der Juden gleichgesetzt.

    Der Antisemitismus im NS war dabei in erster Linie nicht eine Strategie der Herrschaftssicherung, sondern sich selbst Zweck genug.

    „Daß die Demonstration seiner ökonomischen Vergeblichkeit die Anziehungskraft des völkischen Heilmittels eher steigert als mildert, weißt auf seine wahre Natur: es hilft nicht den Menschen, sondern ihrem Drang nach Vernichtung. (…) Gegen das Argument mangelnder Rentabilität hat sich der Antisemitismus immun gezeigt. Für das Volk ist er ein Luxus.“ (Horkheimer/Adorno – Elemente des Antisemitismus)

  29. Gravatar Icon 29 abdel kader 02. November 2008 um 19:09 Uhr

    “Daß die Demonstration seiner ökonomischen Vergeblichkeit die Anziehungskraft des völkischen Heilmittels eher steigert als mildert, weißt auf seine wahre Natur: es hilft nicht den Menschen, sondern ihrem Drang nach Vernichtung. (…) Gegen das Argument mangelnder Rentabilität hat sich der Antisemitismus immun gezeigt. Für das Volk ist er ein Luxus.” (Horkheimer/Adorno – Elemente des Antisemitismus)

    Ich verstehe nicht, wie sich das Zitat auf das von mir gesagte bezieht.
    Du kannst auch nicht mit Horkheimer/Adorno für Postone argumentieren, denn dieser sagt in „Nationalsozialismus und Antisemtismus“ selbst, dass die „Studien zum autoritären Charakter“ die Shoah nicht erklären können und dass Aufsätze wie Die Juden und Europa nicht brauchbar dazu sind. Dasselbe gilt für die Arbeiten Friedrich Pollocks.

    Warum die These, das nationalsozialistische Vernichtungsprogramm sei eine Form von „unbewußtem“ (Postone) Antikapitalismus völlig falsch ist, erkläre ich in den nächsten Tagen nochmal, wenn ich Zeit habe.

  30. Gravatar Icon 30 Subtext 03. November 2008 um 13:21 Uhr

    Das Adorno-Zitat bezieht sich auf den Hang zu ökonomistisch-funktionalistischen Erklärungsversuchen des Antisemitismus durch unsere Mitdiskutant_innen.

  31. Gravatar Icon 31 lysis 03. November 2008 um 21:15 Uhr

    Als ob der sozialpsychologische Schmarren von Adorno, der den Faschismus mit der „vaterlosen“ Gesellschaft erklärt, eine Alternative wäre…

  32. Gravatar Icon 32 Subtext 04. November 2008 um 19:49 Uhr

    In welchem Text macht er das?

  33. Gravatar Icon 33 lysis 04. November 2008 um 20:09 Uhr

    Ich glaube, das wird erstmals in „Studien zu Autorität und Familie“ (1936) entwickelt und findet sich dann in verschiedenen Aufsätzen wieder. Insbesondere bildet es den theoretischen Hintergrund der „Studien zum autoritären Charakter“ (1950). Siehe auch hier!

    Faschismus quasi aus der Familiensoziologie entwickelt — die dümmste Faschismustheorie, die ich kenne!

  34. Gravatar Icon 34 che2001 12. November 2008 um 23:35 Uhr

    A propos Antifa: Something total different, aber es dürfte dich interessieren:

    http://che2001.blogger.de/stories/1264998

    http://che2001.blogger.de/stories/1266837

  35. Gravatar Icon 35 che2001 17. November 2008 um 10:08 Uhr

    @Warum die USA und Israel nämlich Kolonialmächte sein sollen, das hätte ich dann doch gerne mal schlüssig hergeleitet.
    --- Was bitte ist das, was sich in den Westbanks anspielt Anderes als ein klassischen Kolonialkonflikt?

  36. Gravatar Icon 36 Subtext 17. November 2008 um 13:16 Uhr

    Na los, leite das bitte mal her.

  37. Gravatar Icon 37 che2001 17. November 2008 um 16:17 Uhr

    Israel ist ein Siedlerstaat, begründet von eingewanderten Menschen, deren gesellschaftliches Entwicklungsniveau sich von dem der z.T. vertriebenen und z.T. unterworfenen Einheimischen wesentlich unterscheidet. Alle Konflikte in Israel/Palästina selbst (was nicht identisch ist mit den Konflikten mit den arabischen Nachbarn und schon gar nicht deren religiös-ideologischer Funktionalisierung) sind Konflikte um die Verteilung von Lebenschancen, um Brunnen, Weideflächen, Bauland usw., und die Situation der Palis unterscheidet sich dabei gar nicht allzusehr von der arabischen AlgerierInnen in der französischen Kolonialzeit.

    Ich habe da viel von meinem früheren Kommilitonen, Genossen und Historiker-Kollegen Gadi Algazi aus Terl Aviv gelernt, also lasse ich am Besten ihn zu Wort kommen.

    http://www.nahost-politik.de/friedensbewegung/taayush.htm

  38. Gravatar Icon 38 Negative Potential 18. November 2008 um 12:45 Uhr

    Über die Genealogie des Sozialismusbegriffs:

    http://www.marxists.org/deutsch/archiv/draper/1966/2seelen/

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