Archiv für November 2008

Slavoj Žižek: Use Your Illusions

Gegen linke Desillusionierer vom Schlage Judith Butlers, die anlässlich Obamas historischen Wahlsiegs vor falschen Hoffnungen und einem „kritiklosen Überschwang“ der Gefühle warnte, da diese vermutlich schon bald enttäuscht würden, erinnerte Slavoj Žižek in einem Online-Artikel vom 14. November in der London Review of Books an die geschichtliche Macht von Illusionen und die Naivität des politischen Realismus. Hier einige Auszüge:

Noam Chomsky called for people to vote for Obama ‘without illusions’. I fully share Chomsky’s doubts about the real consequences of Obama’s victory: from a pragmatic perspective, it is quite possible that Obama will make only some minor improvements, turning out to be ‘Bush with a human face’. He will pursue the same basic policies in a more attractive way and thus effectively strengthen the US hegemony, damaged by the catastrophe of the Bush years.

There is nonetheless something deeply wrong with this reaction – a key dimension is missing from it. Obama’s victory is not just another shift in the eternal parliamentary struggle for a majority, with all the pragmatic calculations and manipulations that involves. It is a sign of something more. This is why an American friend of mine, a hardened leftist with no illusions, cried when the news came of Obama’s victory. Whatever our doubts, for that moment each of us was free and participating in the universal freedom of humanity. […]

Obama’s victory is a sign of history in the triple Kantian sense of signum rememorativum, demonstrativum, prognosticum. A sign in which the memory of the long past of slavery and the struggle for its abolition reverberates; an event which now demonstrates a change; a hope for future achievements. The scepticism displayed behind closed doors even by many worried progressives – what if, in the privacy of the voting booth, the publicly disavowed racism will re-emerge? – was proved wrong. One of the interesting things about Henry Kissinger, the ultimate cynical Realpolitiker, is how utterly wrong most of his predictions were. When news reached the West of the 1991 anti-Gorbachev military coup, for example, Kissinger immediately accepted the new regime as a fact. It collapsed ignominiously three days later. The paradigmatic cynic tells you confidentially: ‘But don’t you see that it is all really about money/power/sex, that professions of principle or value are just empty phrases which count for nothing?’ What the cynics don’t see is their own naivety, the naivety of their cynical wisdom which ignores the power of illusions. (mehr…)

Trennungsstrich gezogen

junge Welt, 17. 11. 2008:

Mit dem Ausschluß eines antideutschen Verlags endete in Nürnberg die 13. Linke Literaturmesse

Mit einem klaren Beschluß der Mehrheit aller Aussteller endete am Sonntag die 13. Linke Literaturmesse in Nürnberg: Der Verlag »Ça ira« wird künftig ausgeschlossen. Die anderen Verlage wollen es sich und ihrem Publikum nicht länger zumuten, daß auf dem Messestand von »Ça ira« die »antideutsche« Zeitschrift Bahamas ausliegt. Sie empfinden es auch als unverfroren, wie leichtfertig anderen Linken in Veranstaltungen und Publikationen dieses Verlages Antisemitismus vorgeworfen wird. Die Aussage, die RAF sei »der verlängerte Arm der SS« gewesen, sei nach einhelliger Meinung der Höhepunkt der Geschichtsklitterung gewesen. Im Vorfeld der Messe war »Ça ira« darüber hinaus unverhohlene Sympathie für einen Krieg gegen den Iran vorgeworfen worden.

Solidarität mit Karl Pfeifer

Plant der Chefideologe des deutschnationalen Flügels der FPÖ, Andreas Mölzer, eine Neuauflage seiner Kampagne gegen den mittlerweile 80-jährigen Journalisten, Antifaschisten und Holocaust-Überlebenden Karl Pfeifer? Wird ihn die österreichische Justiz — in Missachtung eines Beschlusses des EGMR — abermals dabei unterstützen? BigBerta weiß mehr und fordert uns, über alle inhaltlichen Differenzen, zur Solidarität.

Lesestoff zu antimuslimischem Rassismus (AMR)

Gruppe soziale Kämpfe: „Antimuslimischer Rassismus von oben und von unten. Über die Kulturalisierung sozialer Gegensätze im Neoliberalismus“.

Europa und die Heteronormalisierung der islamischen Welt

Leipzig: Vortrag und Diskussion

Islamische Staaten geraten durch die Verfolgung „Homosexueller“ immer wieder in den Blickpunkt der Medien, und wenn sich hierzulande deklassierte Halbstarke aggressiv gegenüber Schwulen zeigen, fragt man reflexhaft nach ihrem „kulturellen Hintergrund“. Dabei ist die klassische türkische und arabische Liebeslyrik voll von gleichgeschlechtlichen Motiven, die man in der Literatur des „aufgeklärten“ Abendlands vergeblich sucht.

Angesichts dieses Widerspruchs zeichnet der Referent die Konzepte mann-männlicher Liebe und Lust in christlichen und muslimischen Gesellschaften vergleichend nach. Er zeigt den historischen Anteil des Westens an der Formierung antihomosexueller Diskurse in der islamischen Welt und belegt, dass auch in Deutschland – trotz aller gegenwärtigen Liberalität – von einer Auflösung des heteronormativen Korsetts keine Rede sein kann.

Leipzig
Fr., 21. Nov. 2008, 19 Uhr
Hochschule für Grafik und Baukunst (HGB)
Wächterstr. 11, Raum 2.41
Veranstalter: Antira-Referat des StudentInnenRates der Universität Leipzig

Berlin
Do., 11. Dez. 2008, 16 Uhr
Freie Universität Berlin
Habelschwerdter Allee 45, Hörsaal 2
Veranstalter: Allgemeiner Studierendenausschuss (AStA) & Schwulenreferat

Die Infamie der Ägypter

Eine weitere Rezension zum Buch Die Vertreibung aus dem Serail ist nun in Gigi Nr. 58 erschienen: Die Infamie der Ägypter.

Rassisten beunruhigt

Deutsche Nazis kommentieren die US-Wahlen.

Exit Polls …

Key statistical voting groups for Obama (52.6%):

  • Black: 95%
  • Liberal: 88%
  • Jewish: 76%
  • Gay/Lesbian/Bi: 70%
  • Hispanic: 66%
  • Aged 18-29: 65%
  • Working-class: 59%
  • Female: 55%

Key statistical voting groups for McCain (46.1%):

  • Conservative: 78%
  • Mormon: 76%
  • Protestant: 59%
  • White: 55%
  • Rural: 52%
  • 60 and older: 51%
  • Male: 49%

Vgl. auch Türkische Wähler: Wo die CDU unter fünf Prozent liegt.