Archiv für Dezember 2008

Gesellschaftkritischer Offenbarungseid

Rüdiger Lohlker, Professor für Orientalistik an der Universität Wien und in dieser Funktion gegenwärtig mit der Erforschung von Islamismus und dem Aufkommen dschihadistischen Denkens befasst, rezensiert in der aktuellen Ausgabe der „Wiener Zeitschrift für die Kunde des Morgenlandes“ (WZKM) den 2008 von den beiden Österreichern Thomas Schmidinger und Dunja Larise herausgegebenen Sammelband Zwischen Gottesstaat und Demokratie, ein Werk, bei dem es sich — zumindest dem im Untertitel formulierten Anspruch nach — um ein „Handbuch des politischen Islam“ handeln soll.

Warum es diesen Anspruch nicht erfüllt, erklärt Lohlker ausführlich, über viele Seiten hinweg, an zahllosen, dem Band entnommenen Einzelbeispielen, in denen sich teils eine krasse Unkenntnis des Gegenstands, teils eine für ein Handbuch völlig unangemessene Neigung zum Tendenziösen und Pamphlethaften offenbart. Mehr noch aber zeigt sich in dem Werk ein gerade für linke Autor_innen — und als solche sollen sich Schmidinger und Larise nach wie vor verstehen — verblüffender Mangel, die eigene, „aufgeklärte“ Gesellschaft (Österreich!) noch kritisch ins Visier zu nehmen.

Die Folge ist eine Totalverschiebung jeglicher denkbaren Kritik an Verhältnissen, die für den Alpenstaat ganz und gar konstitutiv sind, wie Homophobie, Antisemitismus und politischer Konservatismus, auf den religiösen Anderen in Gestalt muslimischer Klein- und Kleinstverbände, die trotz ihrer oftmals moderaten Position auf dem Abweg einer „Hermeneutik des Verdachts“ samt und sonders in eine ideologische Nähe zur ägyptischen Muslimbruderschaft gerückt werden. Lohlker: (mehr…)

Aufruhr von MigrantInnen in Griechenland

Neben einer unvollständigen Chronik der Morde an MigrantInnen und Flüchtlingen in Griechenland seit 1996 hat Café Morgenland verdienstvoller Weise auch eine Erklärung des Zentrums albanischer Einwanderer in Athen zu ihrer Beteiligung an den Riots der letzten Wochen ins Deutsche übertragen: Diese Tage sind auch unsere…

Nach der Ermordung von Alexis Grigoropoulos, erleben wir eine beispiellose Situation der Aufruhr, ein Überlaufen der Wut, das nicht enden will. Avantgarde in diesem Aufbegehren sind die Schüler, die mit unlöslichem Pathos und mit einer ursprünglichen Spontaneität, alle Vorgaben umgekippt haben. Du kannst nicht, etwas was du nicht kontrollieren kannst stoppen, du kannst nicht, etwas, was spontan unter Bedingungen abläuft, die du nicht verstehst, organisieren. Das ist die Schönheit dieser Rebellion.

Die Schüler machen Geschichte und überlassen es anderen, sie ideologisch einzuordnen und niederzuschreiben. Die Strassen, die Initiative, das Pathos, sind die Ihren. Im Rahmen der allgemeinen Mobilisierung, deren Treibkraft die Schülerprotesten sind, findet auch eine massive Teilnahme der MigrantInnen der zweiten Generation sowie vieler Flüchtlinge statt. Die Flüchtlinge gehen auf die Strasse ohne eine besondere Organisierung, mit einer Spontaneität und Wut, die ihre Mobilisierung kennzeichnet. Momentan sind sie der militanteste Teil der MigrantInnen in Griechenland. Sie haben, so oder so, kaum was zu verlieren.

Die Kinder von MigrantInnen mobilisieren sich massenweise und militant hauptsächlich im Rahmen der Schüler- und Stundenten-Aktionen oder im Rahmen der Organisationen der Linken und der Linksradikalen. Sie sind der am stärksten integrierte und der mutigste Teil der MigrantInnen. Sie unterscheiden sich von ihren Eltern, die gesenkten Hauptes nach Griechenland kamen, als ob sie für ein Stück Brot bettelten. Sie sind Teil der griechischen Gesellschaft, da sie keine andere kennengelernt haben. Sie betteln nicht, sie fordern militant gleiche Rechte mit ihren griechischen Mitschülern. Gleiche Rechte auf der Strasse, gleiche Rechte in den Träumen. Für uns, die organisierten MigrantInnen, ist es ein zweiter französischer November 2005. Wir hatten nie die Illusion, dass, wenn die Wut der Leute überläuft, wir sie steuern könnten. Trotz der vielen Kämpfe, die wir all die Jahre geführt haben, konnten wir nie einen solchen massiven Widerstand zustandebringen. Nun ist die Zeit, dass die Strasse spricht. Der unüberhörbare Schrei gilt den 18 Jahren der Gewalt, Unterdrückung, Ausbeutung und Erniedrigung. (Weiterlesen …)

Stotternde Stalinisten

Propaganda vs. Wissenschaft: Alan Posener über Küntzel, Heni, Weinthal und ihre konzertierte Schlammschlacht gegen das Berliner Zentrum für Antisemitismusforschung.

Drogenparadies ADF

Hey, ihr Hübschen: Hugs, not Drugs! ♥

Terminerinnerung

Do, 11. Dez ’08, 16 Uhr, FU Berlin, Hs. 2 (Rost-/Silberlaube): Europa und die Heteronormalisierung der islamischen Welt

Rassenphilosemitismus

Der AntiSemitismusforscher Clemens Heni erklärt Juden, 63 Jahre nach dem Ende der Nürnberger Gesetze, kurzerhand wieder zur „Rasse“:

Judaism embraces both a race and a religion, whereas Islam is strictly a religion…

schreibt er in der Jerusalem Post, die diesem schmählichen deutschen Rassenphilosemitismus damit auch noch publizistische Weihen erteilt.

(Nebenbei bedient Heni auch wieder die alte Propagandalüge, Islamophobie sei „a word invented by the Islamic Republic of Iran“, aber das fällt dagegen schon gar nicht mehr ins Gewicht.)