Rassenphilosemitismus

Der AntiSemitismusforscher Clemens Heni erklärt Juden, 63 Jahre nach dem Ende der Nürnberger Gesetze, kurzerhand wieder zur „Rasse“:

Judaism embraces both a race and a religion, whereas Islam is strictly a religion…

schreibt er in der Jerusalem Post, die diesem schmählichen deutschen Rassenphilosemitismus damit auch noch publizistische Weihen erteilt.

(Nebenbei bedient Heni auch wieder die alte Propagandalüge, Islamophobie sei „a word invented by the Islamic Republic of Iran“, aber das fällt dagegen schon gar nicht mehr ins Gewicht.)


4 Antworten auf „Rassenphilosemitismus“


  1. Gravatar Icon 1 Roger Kint 11. Dezember 2008 um 1:41 Uhr

    Die Formulierung „race and religion“ ist im amerikanischen Sprachgebrauch für das Judentum durchaus nicht ungewöhnlich und wird auch als Selbstbezeichnung häufig so gebraucht („I‘m an atheist but ethnical jewish“ – aus einem Interview mit einem linken New Yorker Electroprojekt).
    Das bedeutet nicht, dass sie nicht zu kritisieren wäre, der extrem konstruierte Nazivergleich wirkt aber vor diesem Hintergrund sehr zwanghaft. Unsinnig ist der bemühte Vergleich allein deshalb, weil die Nürnberger Gesetze sicher nicht den englischen Begriff „race“ aus dem Sprachgebrauch der „noughties“ enthielten, sondern den deutschen Begriff der „Rasse“ aus den Dreißigern. Und selbst dieser wurde nicht ohne weiteres so auf die Juden angewandt, die ja in den Augen der Nazis gerade k e i n e Rasse unter vielen waren. Auch das kann jeder wissen, der den Antisemitismus nicht zwanghaft als eine Spielart des Rassismus sehen w i l l, und deshalb alarmistisch den Adolf auspackt, wenn eine recht gebräuchliche englische Formulierung im Text eines Freundes Israels auftaucht.

    mfG

  2. Gravatar Icon 2 lysis 11. Dezember 2008 um 10:45 Uhr

    Die Formulierung “race and religion” ist im amerikanischen Sprachgebrauch für das Judentum durchaus nicht ungewöhnlich und wird auch als Selbstbezeichnung häufig so gebraucht (”I’m an atheist but ethnical jewish” – aus einem Interview mit einem linken New Yorker Electroprojekt).

    Hier liegt wohl eine kleine Verwechslung vor. Die Begriffe „racial“ und „ethnic“ sind nicht austauschbar. Ethnicity bezeichnet die Zugehörigkeit zu einer „Kultur- und Sittengemeinschaft“ mit präferentieller Endogamie (von gr. ethnos, „Sitte, Brauch, Umgang“), aber keine sogenannte Rassenzugehörigkeit. Race bezeichnet dagegen die Hautfarbe eines Menschen und orientiert sich dabei sehr wohl an gängien Rassentheorien des 19. Jahrhunderts (Weiße werden etwa als „Kaukasier“ bezeichnet, wo man sich im Grunde an den Kopf schlagen muss!).

    In den amerikanischen Fragebögen, in denen nach race gefragt wird, steht „Jewish“ aber genauso wenig zur Auswahl wie „Muslim“, „Hindu“ oder „Christian“. Das sieht da höchstens der Ku Klux Klan so.

    […] sondern den deutschen Begriff der “Rasse” aus den Dreißigern. Und selbst dieser wurde nicht ohne weiteres so auf die Juden angewandt, die ja in den Augen der Nazis gerade k e i n e Rasse unter vielen waren.

    Das kommt davon, wenn die antideutsche Theorie die Empirie überlagert. Selbstverständlich waren die Juden für die Nazis eine „Rasse“. Siehe Adolf Hitlers berühmtesten Ausspruch, nämlich die öffentliche Annoncierung der Judenvernichtung: „Wenn es dem internationalen Finanzjudentum in und außerhalb Europas gelingen sollte, die Völker noch einmal in einen Weltkrieg zu stürzen, dann wird das Ergebnis nicht der Sieg des Judentums sein, sondern die Vernichtung der jüdischen Rasse in Europa!“

    Über das Verhältnis von Antisemitismus und Rassismus hab ich damit noch überhaupt nichts gesagt. Aber dass der Rassenantisemitismus ein Subkomplex des Rassismus ist oder mit diesem zumindest eine strukturierende Verbindung eingegangen ist (eine Verbindung, die absolut entscheidend für die rassische Vernichtungspolitik der Nazis war, weil damit die früher gegebene Option einer „Konversion“ oder „Assimilation“ entfiel), wird wohl kaum ein vernünftiger Mensch bestreiten.

  3. Gravatar Icon 3 andreas 11. Dezember 2008 um 11:44 Uhr

    ich glaube, das problem mit dem begriff „islamophobie“ ist nicht, dass er gelegentlich vorgeschoben wird um legitime kritik abzuwimmeln, das werden auch entsprechende begriffe anderer kollektive. sondern, dass er nahelegt, dass es hier tatsächlich nur um die feindschaft gegenüber einer religion geht, wie eben auch dort in der jer. post behauptet wird. tatsächlich geht es dabei um vorurteile und hetze gegen menschen aus dem „nahöstlichen“ raum, die keineswegs nur an deren religion festgemacht wird. es geht um bilder und stereotypen, die weit vor die entstehung des modernen islamismus zurückgehen. wenn etwa in IT-foren rund um den irak-krieg poster (die gerade noch die amerikanische version, der krieg sei zum wohle der iraker, wiedergegeben haben) das „niederbomben der kameltreiber“ bejubeln, kann man kaum von einer auseinandersetzung mit einer religion reden und das ganz ungeachtet der tatsache, dass das irakische baath-regime geradezu eine bastion gegen (sunnitischen od. schiitischen) islamismus war oder dass am beginn der entwicklung der baath-ideologie ein syrischer christ stand. (entsprechende „argumentationen“ gab/gibt es nicht nur in irgendwelchen foren, sondern auch auf „höherem niveau“). weiters bedeutet „islamophobie“ auch (bzw. sollte der begriff miteinschliessen), dass eben nicht nur moslems sondern auch christen, drusen, yaziden oder zoroastrier und ggf. sogar juden zielscheibe sind (bzw. aus dem selben sentiment heraus abgelehnt werden), sofern sie auf der „falschen“ seite stehen oder auch ihre hautfarbe zu dunkel ist. umgekehrt mag für einen „islamophoben“ ein bosnischer moslem oder ein deutscher konvertit ungeachtet deren auffassung und ausübung ihrer religion ausserhalb seiner „zielgruppe“ stehen.

  4. Gravatar Icon 4 bigmouth 11. Dezember 2008 um 14:30 Uhr

    es stimmt aber wohl, dass „race“ im englischen einen etwas anderen klang hat

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