Aufruhr von MigrantInnen in Griechenland

Neben einer unvollständigen Chronik der Morde an MigrantInnen und Flüchtlingen in Griechenland seit 1996 hat Café Morgenland verdienstvoller Weise auch eine Erklärung des Zentrums albanischer Einwanderer in Athen zu ihrer Beteiligung an den Riots der letzten Wochen ins Deutsche übertragen: Diese Tage sind auch unsere…

Nach der Ermordung von Alexis Grigoropoulos, erleben wir eine beispiellose Situation der Aufruhr, ein Überlaufen der Wut, das nicht enden will. Avantgarde in diesem Aufbegehren sind die Schüler, die mit unlöslichem Pathos und mit einer ursprünglichen Spontaneität, alle Vorgaben umgekippt haben. Du kannst nicht, etwas was du nicht kontrollieren kannst stoppen, du kannst nicht, etwas, was spontan unter Bedingungen abläuft, die du nicht verstehst, organisieren. Das ist die Schönheit dieser Rebellion.

Die Schüler machen Geschichte und überlassen es anderen, sie ideologisch einzuordnen und niederzuschreiben. Die Strassen, die Initiative, das Pathos, sind die Ihren. Im Rahmen der allgemeinen Mobilisierung, deren Treibkraft die Schülerprotesten sind, findet auch eine massive Teilnahme der MigrantInnen der zweiten Generation sowie vieler Flüchtlinge statt. Die Flüchtlinge gehen auf die Strasse ohne eine besondere Organisierung, mit einer Spontaneität und Wut, die ihre Mobilisierung kennzeichnet. Momentan sind sie der militanteste Teil der MigrantInnen in Griechenland. Sie haben, so oder so, kaum was zu verlieren.

Die Kinder von MigrantInnen mobilisieren sich massenweise und militant hauptsächlich im Rahmen der Schüler- und Stundenten-Aktionen oder im Rahmen der Organisationen der Linken und der Linksradikalen. Sie sind der am stärksten integrierte und der mutigste Teil der MigrantInnen. Sie unterscheiden sich von ihren Eltern, die gesenkten Hauptes nach Griechenland kamen, als ob sie für ein Stück Brot bettelten. Sie sind Teil der griechischen Gesellschaft, da sie keine andere kennengelernt haben. Sie betteln nicht, sie fordern militant gleiche Rechte mit ihren griechischen Mitschülern. Gleiche Rechte auf der Strasse, gleiche Rechte in den Träumen. Für uns, die organisierten MigrantInnen, ist es ein zweiter französischer November 2005. Wir hatten nie die Illusion, dass, wenn die Wut der Leute überläuft, wir sie steuern könnten. Trotz der vielen Kämpfe, die wir all die Jahre geführt haben, konnten wir nie einen solchen massiven Widerstand zustandebringen. Nun ist die Zeit, dass die Strasse spricht. Der unüberhörbare Schrei gilt den 18 Jahren der Gewalt, Unterdrückung, Ausbeutung und Erniedrigung. (Weiterlesen …)