Psychologie des Amoklaufs – Amoklauf der Psychologie

Winnenden: Dichtung und Wahrheit


18 Antworten auf „Psychologie des Amoklaufs – Amoklauf der Psychologie“


  1. Gravatar Icon 1 Thiel Schweiger 28. März 2009 um 12:11 Uhr

    Am Ende seines Textes wird Huisken aber ziemlich reformistisch:

    „Den Gedanken, eine Schule, die es den Schülern so schwer macht, einmal prinzipiell auf den Prüfstand zu stellen, wird abgewiesen.“

    Dabei ist ja nicht die Schule und die Selbstbewussteinsideologie selbst das Problem, sondern die Gesellschaft, die eine solche Form von Erziehung und Ideologie benötigt, um laufen zu können. Mich wundert, dass Huisken das in seinem Text nicht deutlicher pointiert.

    Der Text liest sich gerade durch diesen Schluss so, als ginge es darum, das Selbstbewusstsein und die Schule abzuschaffen. Vom Kapitalismus ist da keine Rede mehr.

    Da enthält das Pohrt-INTERVIEW (also eine ganz andere Textform als ein geschlossenes Essay) meines Erachtens stärkere Verweise auf den allgemeinen ges. Hintergrund solcher Akte. Dem dann das Label „Dichtung“ anzuheften finde ich gerade angesichts der gravierenden Mängel des Textes von Huisken vollkommen unangebracht.

    Und überhaupt – was denn nun an dem einen Text so „dichterisch“ sein soll und was an dem anderen „wahr“, warum sich beides ausschließen soll, bleibt völlig im Dunkeln. Das ist nicht mal Polemik, sondern einfach nur dümmlich.

    Die bösen Dichter und die guten Pächter der sg. „Wahrheit“ (die sie ja freilich definieren – da sie ja eben deren Pächter sind, solange der Pachtvertrag nicht ausläuft) – eine lächerliche Dichtonomie, die noch jeder Spießbürger so unterschreiben würde. Genausogut hättest du das Gedicht „Todesfuge“ von Paul Celan und einen GSP-Text über den Nationalsozialismus, versehen mit denselben Kennzeichnungen, gegenüberstellen können. Paul Celan war ja wirklich ein – womöglich auch noch „antideutscher“* (BÖSE!) – Volltrottel. Mit Wechselkursen und anderen Realitäten wollte er sich nie beschäftigen, er wollte ja lieber dichten…

    Also echt – Diss auf Stammtischniveau. Kein Inhalt, fragwürdige Wertungen. Das ist weder Dichtung noch Wahrheit.

    * „Der Tod ist ein Meister aus Deutschland“ – antideutsche, rassistische Hetze oder was?

    ****

    Klarstellung: natürlich will ich nicht behaupten, Pohrt wäre in seinem Gefasel irgendwie mit Celan vergleichbar. Ich wollte nur die Absurdität dieser Wertung aufzeigen. Denn daran hakt es nämlich – unter Dichtung scheint scheinbar für dich alles zu laufen, was irgendwie „unklar“ ist. Ein recht eigenwillige Definition. Dann wären ja mathematische Formeln, die kein uneingeweihter checkt, auch „Dichtung“ und „dichterische“ Texte, deren Intention klar ist, keine „Dichtung“. Vielleicht kommt jemandem, der mit Pohrts Theorien vertraut ist, dessen Reden klarer vor als Huiskens Text.
    Die Leute, die die „Wahrheit“ gepachtet haben, haben anscheinend auch die „Klarheit“ gleich mit übernommen und bauen jetzt Häuser und Hotels drauf.
    Einte gute Analyse dazu bietet übrigens Proust an einer Stelle in „A la recherche…“. Aber halt, das ist ja Dichtung, ich bitte vielmals um Vergebung für mein Denkverbrechen, verbrenne alle meine Bücher und kaufe mir nur noch GSP-Heftchen, damit auch mir endlich Einleuchtung zu Teil wird und ich dichterische Ergüsse wie „Das wahre Horror-Video läuft im Hauptprogramm zur besten Sendezeit. Wir sehen eine Welt der lebenden Leichen.“ nicht mehr für voll nehme. Solche Aussagen kann ja nur ein Irrer machen, da ist doch nichts, aber auch rein garnichts wahres dran!

    Für die Kategorie „Wahrheit“ gilt ähnliches …

  2. Gravatar Icon 2 eisprinzessin 28. März 2009 um 12:23 Uhr

    wahrheit ist ein großes wort.

    grüße.

  3. Gravatar Icon 3 Lyzis Welt 28. März 2009 um 13:51 Uhr

    „Dichtonomie“

    :d

  4. Gravatar Icon 4 lysis 28. März 2009 um 14:32 Uhr

    Der Text liest sich gerade durch diesen Schluss so, als ginge es darum, das Selbstbewusstsein und die Schule abzuschaffen. Vom Kapitalismus ist da keine Rede mehr.

    Da enthält das Pohrt-INTERVIEW (also eine ganz andere Textform als ein geschlossenes Essay) meines Erachtens stärkere Verweise auf den allgemeinen ges. Hintergrund solcher Akte.

    Der platitüdenhafte Verweis auf das „falsche Ganze“ ist kein Qualitätssiegel und auch kein Beleg dafür, dass die Argumentation tatsächlich stimmt. Vielmehr kommt es darauf an, den Zusammenhang auch plausibel aufschlüsseln zu können, wenn man nicht im Bereich des bloßen Meinens und Dafürhaltens, polemisch gesagt: der linken Dichtung, verbleiben möchte.

    Ich denke, dass Huiskens Text sehr wohl auf den gesellschaftlichen Hintergrund verweist, ohne das plakativ mit dem K-Wort herauskehren zu müssen. Denn was anderes ist die Einrichtung eines Verhältnisses allseitiger Konkurrenz denn die Vorbereitung auf ein Leben für den Markt?

    Und überhaupt – was denn nun an dem einen Text so „dichterisch“ sein soll und was an dem anderen „wahr“, warum sich beides ausschließen soll, bleibt völlig im Dunkeln. Das ist nicht mal Polemik, sondern einfach nur dümmlich.

    Merci, aber vielleicht liegt es daran, dass dir die subtile Ironie bei meiner Wahl des Dichter-Zitats entgangen ist? Nun, vielleicht ist es auch etwas zu insidermäßig. Zur Aufklärung trage ich deshalb dieses Video nach: eine historische Auseinandersetzung zwischen Wolfgang Pohrt und Karl Held, die es aufgrund ihres parodistischen Potentials in alten X-berg-Kreisen zu einiger Berühmtheit gebracht hat.

    Die bösen Dichter und die gutaen Pächter der sg. „Wahrheit“ (die sie ja freilich definieren – da sie ja eben deren Pächter sind, solange der Pachtvertrag nicht ausläuft)

    Ich halte Dichtung mitnichten für illegitim, wenngleich sie eher der ästhetischen Unterhaltung als der Aufklärung von Sachverhalten dient. Trotzdem steckt auch in dem emphatischen Wahrheitsbegriff, den ich zitiert habe, ein Körnchen Sarkasmus. Denn genau dies: sich selbst als „Pächter“ der Wahrheit aufzuspielen, d.h. Richter und Partei in einer Person sein zu wollen, wenn man mit anderen streitet, werfe ich manchen meiner GSP-Mitdiskutanten schon seit Jahr und Tag vor.

    Kurioses Beispiel aus der virtuellen Realität: jemand, der seine Linkkategorien allen Ernstes mit Überschriften versieht wie: „was hier steht, stimmt“, „was hier steht, ist zum Teil richtig“ und „was hier steht, ist zwar total verkehrt – ich verlink es aber trotzdem“ (das jüngste Beispiel für diesen absonderlichen Habitus findet sich übrigens, wenn ich mal so frei sein darf, ihn zu „outen“, bei der Bahamas-GSP-Chimäre Wendy, unserem letzten Züchtungserfolg auf blogsport.de :-P ).

  5. Gravatar Icon 5 Sigmund 28. März 2009 um 14:47 Uhr

    „Der Text liest sich gerade durch diesen Schluss so, als ginge es darum, das Selbstbewusstsein und die Schule abzuschaffen. Vom Kapitalismus ist da keine Rede mehr.“

    Welches Selbstbewusstsein und welche Schule, glaubst du denn, kritisiert H.? Der Anerkennungswahn ist doch einer, der sich auf die verdoppelte Konkurrenz in Schule bezieht, den gibt es so nur kapitalistisch. Oder hältst du irgendetwas an Schule oder Selbstbewusstsein für rettenswert?
    Dagegen der Schmalspurdichter W. Pohrt:
    „Um Triebabfuhr geht es dabei sicher auch. Viel wichtiger, vielleicht sogar lebenswichtig aber ist es, einen Verlust aufzufangen, den Verlust des Glaubens an die Menschheit und die Welt.“

    Weil Pohrt seinen „Glauben“(!) an die Menschheit verloren hat, also sein enttäuschtes Ideal gegen die Wirklichkeit hochhält, dichtet er seinen Frust kurzerhand in alle Amokläufer hinein, auch wenn die dessen „Glauben“ gar nicht für wichtig halten.

    „Das ist dann der Punkt, wo die Gewaltphantasien einsetzen müssen. Sie versprechen eine Welt, wo wirklich einmal die Letzten die Ersten wären und uns die Ausbeuter nicht später als bewunderte Wohltäter begegnen. So können die Gewaltphantasien den Glauben an die Menschheit retten und vor der fürchterlichsten Verzweiflung schützen. Bei den Jungen von Meißen und Bad Reichenhall konnten sie es nicht.“ (W. Pohrt)

    Wir fassen zusammen: Pohrt entdeckt Gewaltphantasien als Heilmittel gegen die von ihm erfundene Verzweiflung und braucht sich deswegen über Sinn und Zweck von Gewalt keine Gedanken mehr zu machen. Die ist nämlich vorher schon als Triebabfuhr und missglückte Verzweiflungstat zurechtgedeutet. Psyyycho!

  6. Gravatar Icon 6 lysis 28. März 2009 um 15:55 Uhr

    Mit Wechselkursen und anderen Realitäten wollte er sich nie beschäftigen, er wollte ja lieber dichten…

    Offensichtlich kennst du das Video schon! :)

    Aber dann versteh ich’s erst recht nicht, dass du jedes halbironische Zitat gleich für bare Münze nimmst.

  7. Gravatar Icon 7 Thiel Schweiger 28. März 2009 um 17:58 Uhr

    Achso, ich dachte schon, du würdest das wirklich Ernst meinen, wie es auf den ersten Blick wirkt – man kann ja nie wissen.

    Meine Kritik war auch an sich eher gegen den GSP als gegen dich gemünzt, wie man unschwer erkennen kann. Ich weiß ja, dass du „etwas“ andere Positionen vertrittst – aber eben auch, dass du Leute wie Pohrt nicht so leiden kannst (den ich auch garnicht in Schutz nehmen will, ich fand das Interview jetzt auch nicht wirklich erhellend).

    Zu Huisken:

    Natürlich merkt, wer ein Fünkchen Ahnung von Kapitalismuskritik hat, gleich, wo der Hase in seinem Text läuft und kann den Zusammenhang herstellen. Ich hab ja auch garnichts dagegen, „partikulare“ Texte zu schreiben, die sich nur einem speziellen Thema widmen und nicht gleich „aufs Ganze“ gehen.
    Aber sein Fazit ist halt dann doch, dass man irgendwie die Schule reformieren soll.

    Das kann doch nicht „die Wahrheit“ sein. ;)

  8. Gravatar Icon 8 ascetonym 28. März 2009 um 18:23 Uhr

    Aber sein Fazit ist halt dann doch, dass man irgendwie die Schule reformieren soll.

    Allerdings Pech für dich, dass davon irgendwie gar nichts im Text steht. Aber als echter Revoluzzer denkt man sich den Schulreformismus einfach dazu, wenn ein Autor wie H. linke Floskeln der Sorte „Die Gesellschaft ist schuld! Kapitalismus abschaffen!“ verweigert und stattdessen erklärt was Sache ist bei bürgerlicher Aus- und Einbildung. Ansonsten noch viel Spass bei der linken Persönlichkeitspflege, da Du ja zum Inhalt des Huisken-Textes und zu dem was Sigmund dir geschrieben hat nichts weiter beitragen möchtest.

  9. Gravatar Icon 9 lysis 28. März 2009 um 20:26 Uhr

    Ich weiß ja, […] dass du Leute wie Pohrt nicht so leiden kannst

    Das stimmt so nicht. Sein letztes Buch FAQ z.B. hat mir, als ein dichterischer Denkanstoß, ja als eine Art soziologischer Aphorismensammlung, eigentlich ganz gut gefallen. Und das gilt für vieles, das ich von Pohrt kenne. Was ich aber überhaupt nicht leiden kann, ist diese – gerade für Antideutsche charakteristische und dort völlig überhand nehmende – schlüprige Art adornitischer Theoriebildung, die meint, im Namen des „Antipositivismus“ auf jegliche Belege pfeifen zu können, oder sie gleich selbst dazu erfindet; die sich mehr auf ihr sprachliches Stilbewusstsein einbildet, als darauf, das Gesagte argumentativ einholen zu können. Mit einem Wort: diese spekulative Blase in der linken „Theorie“, die einfach nicht platzen will.

    Nehmen wir mal Pohrts Behauptung in FAQ, Liebe sei eine Errungenschaft des bürgerlichen Individualismus. Diese blöde, eurozentrische Behauptung könnte ich mit tausend historischen Beispielen widerlegen. Das Traurige aber ist, dass nach solchen Belegen überhaupt nicht mehr gefragt wird – weder von Pohrt noch seinen Leser_innen. Es reicht in der Linken die Originalität einer These völlig aus, sie zu glauben; ihr empirischer Wahrheitsgehalt ist demgegenüber nicht nur zweitrangig, sondern nachgerade verzichtbar. Man will schließlich nicht den kleinkarierte Spießer mimen, der sowas auf den Prüfstand wissenschaftlicher Falsifizierbarkeit stellt. Wie anders sonst könnte man sich die anhaltende Begeisterung der Linken für Sigmund Freud erklären?

  10. Gravatar Icon 10 Thiel Schweiger 28. März 2009 um 22:41 Uhr

    @ ascetonym:

    Ich zitiere den letzten Absatz:

    „Die umgekehrte Entscheidung trifft jener Anhänger der realitätsentrückten Selbstsicht, der aus derselben Erfahrung heraus den Beschluss fasst, „es denen einmal ordentlich zu zeigen, dass ich wertvoll bin!“ „Denen“, das sind die vorgesetzten Erwachsenen, die ihn zu „seinem Besten“ traktieren. Von Selbstzweifel ist hier keine Spur. Im Gegenteil. Es offenbart sich dann, ganz der Logik des Selbstbewusstseins folgend, dass Tötung und Selbsttötung nahe beieinander liegen können. Es gleicht deswegen der Installierung von Tretminen, wenn ein ums andere Mal gefordert wird, die Schule müsse den Schülern, „die es etwas schwerer haben“, Gelegenheiten zum Auftanken ihres Selbstbewusstseins bieten. Den Gedanken, eine Schule, die es den Schülern so schwer macht, einmal prinzipiell auf den Prüfstand zu stellen, wird abgewiesen. Dann soll man sich aber nicht wundern, wenn demnächst erneut junge Menschen, deren Kopf randvoll ist mit unbewältigten Lebens- und Anerkennungsproblemen, meinen, der Welt mit Gewalt Beweise ihres „Potentials“ abliefern zu müssen.“

    Also wenn ich einfach mal so am Morgen die SZ aufschlagen und das lesen würde, würde ich erstmal auf den Gedanken kommen, der Autor meint, man soll an der Schule, nicht am System irgendwas verändern.

    @ Lysis:

    Okay, alles klar. Mein erstes comment ist auch wirklich etwas arg polemisch ausgefallen, ich hab mich da einfach in nen Diss reingesteigert, weil ich dachte, das wäre wörtlich zu nehmen. (Was nicht heißt, dass ich falsch finde, was ich geschrieben habe. Der Kontext war nur etwas verfehlt.)

    Bin einfach mit dem falschen Fuß zuerst aufgestanden oder so. ;)

    Zu Pohrt: Ja, das finde ich auf jeden Fall richtig, was du schreibst. Oft fehlt da der argumentative Gehalt wirklich, das ist auch kein gutes Extrem.

  11. Gravatar Icon 11 Sigmund 28. März 2009 um 23:34 Uhr

    „der Autor meint, man soll an der Schule, nicht am System irgendwas verändern“

    Du bastelst einen falschen Gegensatz, die Schule ist doch nichts außerhalb vom „System“. Diese öffentliche Anstalt ist doch gerade in D für die Vorauslese in Sachen Arbeitsmarkt zuständig, außerdem sagt der Autor sogar, was der „systematische“ Bezug ist, immerhin war die Schule samt Insassen ja nicht zufällig das Ziel:

    „Es darf nicht verwundern, dass sich eine Anzahl junger Menschen beiderlei Geschlechts findet, die sich diesen im Schulsystem vergegenständlichten Fehlschluss zu eigen machen, sich selbst entweder als Versager oder umgekehrt als Sieger fühlen und entsprechend aufführen. Sie huldigen einem Kult des Selbstbewusstseins, der es inzwischen bis zum Erziehungsziel gebracht hat.“ (F.H.)

  12. Gravatar Icon 12 lysis 29. März 2009 um 0:00 Uhr

    @Sigmund. Kleiner Tipp: Wenn du nicht ständig deine Mail-Adresse ändern würdest, müsste ich dich nicht jedes Mal neu freischalten.

  13. Gravatar Icon 13 Sigmund 29. März 2009 um 11:51 Uhr

    ich vergess die immer :">

  14. Gravatar Icon 14 bigmouth 29. März 2009 um 12:13 Uhr

    es stimmt aber: eine klare antikapitalsitische stoßrichtung des huisken-textes wird erst dann richtig deutlich, wenn man die positione, die huisken anderswo vertritt, eh schon kennt. das ist denke ich dem erscheinungsort zuzuschreiben

  15. Gravatar Icon 15 negative potential 29. März 2009 um 14:08 Uhr

    Was ich aber überhaupt nicht leiden kann, ist diese – gerade für Antideutsche charakteristische und dort völlig überhand nehmende – schlüprige Art adornitischer Theoriebildung, die meint, im Namen des „Antipositivismus“ auf jegliche Belege pfeifen zu können

    Naja, gilt aber nicht nur für Adorniten und Antideutschen. Ich finde z.B. Judith Butler und ihre Fans sind auch intellektuell unredlich. Gender und Subjektivität sind irgendwie „konstruiert“. OK, und wie? Verweise auf Peudowissenschaftler wie Lacan sind auch keine Empirie.

    Ich habe auch nichts gegen dichten, ich finde es soll aber immer als solches gekennzeichnet werden (hast du auch getan in diesem Fall).

  16. Gravatar Icon 16 lysis 29. März 2009 um 18:07 Uhr

    Da trägst du bei mir Eulen nach Athen. Ich hab auch schon diverse Male angemerkt, dass ich die Ahistorizität des ganzen „Queer Theory“-Ansatzes – gerade auch im Kontrast zu Foucault, bei dessen deutender Aneignung Butler einem grundlegenden Missverständnis aufsitzt – zum Haare raufen finde.

    Trotzdem gibt es da noch eine kleine Differenz: Butler ist Philosophin. Und Philosophie ist, wie Mathematik, eine empirielose Wissenschaft, weil sie noch vor aller Erfahrung die Bedingungen der Möglichkeit von Erfahrung untersucht. Das kann man unseren „Antipositivisten“ aber nicht zugute halten.

  17. Gravatar Icon 17 negative potential 30. März 2009 um 21:25 Uhr

    Butler ist Philosophin.

    Adorno eigentlich auch.

    Jus‘ sayin‘.

  18. Gravatar Icon 18 lysis 30. März 2009 um 23:03 Uhr

    Wirft ihm ja auch keiner vor, wenn seine philosophischen Werke, wie die Negative Dialektik, empirielos sind. Das Problem ist eher, dass es sich dabei um schlechte Philosophie handelt. Ich sag nur mal: die Analogisierung von Begriff und Tausch – das ist Humbug! Sprache ist Begriff + Syntax. Ohne Begriffe wäre Sprechen gar nicht möglich. Aber vielleicht ist Adorno da ja noch radikaler als die Anarchoprimitivisten?

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