Warum die Manns Horkheimer und Adorno hassten – und das mal völlig zurecht!

„Diese beiden Lumpen!“ Es brach aus ihm heraus. Er wisse, was er sage, ergänzte Golo Mann seine Beleidigung, die er 1989 in einem Fernsehinterview gegen die damals schon verstorbenen Begründer der Frankfurter Schule, Theodor W. Adorno und Max Horkheimer, vorbrachte. So kannte man ihn gar nicht: Der freundliche, scheue, seine Worte wägende Historiker und Schriftsteller, der mit seiner „Deutschen Geschichte“ (1958) und der Wallenstein-Biographie (1971) ein Millionenpublikum damit erstaunt hatte, dass man dem trockenen Stoff der Geschichte so unerhört fesselnde und stilistisch brillante Bücher abringen kann. Und dann diese Entgleisung. In der Tat ist sie nur nachvollziehbar, wenn man die ganze Geschichte kennt, die, nach Jahrzehnten, zum verbalen Ausbruch vor laufender Kamera führte; eine Intrigengeschichte – und die Geschichte einer großen Feindschaft.

Mehr zu Adornos intrigantem Schwulenhass und die Familienrache Erika Manns in der FAZ vom 29. 3. 2009!


63 Antworten auf „Warum die Manns Horkheimer und Adorno hassten – und das mal völlig zurecht!“


  1. Gravatar Icon 1 Entdinglichung 15. Mai 2009 um 10:50 Uhr

    Golo Mann … na ja, hier mag er vielleicht einen richtigen Punkt getroffen haben aber der Kram den er 1977 so abgelassen hat disqualifiziert ihn eigentlich vollständig

  2. Gravatar Icon 2 lysis 15. Mai 2009 um 11:06 Uhr

    Etwa so vollständig, wie sich Adorno und Horkheimer disqualifiziert haben, als sie Golo Mann, weil er insgeheim (!) homosexuell lebte, bei seinem potentiellen Dienstherren denunzierten und für „untragbar als Lehrer der akademischen Jugend“ erklärten?

    Dass du das zu relativieren versuchst, indem du auf Golo Manns Antikommunismus Bezug nimmst (und das obwohl Horkheimer und Adorno in dieser Hinsicht Fleisch von seinem Fleische waren!), ist bereits an sich infam und völlig indiskutabel.

    Aber was Horkheimer und seine politischen Ansichten angeht: hat der sich etwa nicht disqualifiziert, als er aus blankem Kommunistenhass den Vietnamkrieg rechtfertigte? Oder seine abstruse Rechtfertigung der Pillenenzyklika des Papstes – ein Vollidiot war er doch genauso wie der, den er hinterrücks wegen seiner Homosexualität denunzierte!

    Dass Golo Mann ihnen zu konservativ erschien, war wohl kaum der Grund, dass sie seine Berufung verhinderten. Denn dasselbe Schicksal ereilte immerhin auch Jürgen Habermas, von dem Horkheimer in einem Brief ausdrücklich schrieb, er sei ihm „zu links“ – obwohl er doch nur ein bürgerlicher Liberaler war. Aber das reichte dem Alten schon!

  3. Gravatar Icon 3 schorsch 15. Mai 2009 um 12:08 Uhr

    Dieser ganze FAZ-Artikel, der irgendwo zwischen biographischer Notiz und boulevardmäßigem Enthüllungsjournalismus dümpelt, scheint einerseits langweilige Unbedeutsamkeiten und Klischees dokumentarisch zu bedienen, stellt aber andererseits implizit die Frage nach dem Zusammenhang von persönlichem Lebenslauf und dem intellektuellen Wirken einer Person. Das geht über die Reflexion persönlicher Befindlichkeiten im Gestus eins Personenkultes hinaus und ist bedenkenswert.
    Es ist wirklich abscheulich, dass Horkheimer und Adorno (im harmlosesten Fall) die öffentliche Schwulenfeindlichkeit aktivieren, damit diese über einen Einzelnen hereinbricht, der ihnen nicht genehm war. „Intriganterie“ hatten Horkheimer und Adorno im Institut für Sozialforschung bereits bestens erprobt. Allerdings entspricht es glaube ich den Tatsachen, auch hier die übergeordnete Position Horkheimers zu betonen, der – sofern ich das richtig Überblicke – zeitlebens autoritär-psychologisch den schwachen Adorno an sich binden wollte und für Adorno durchaus eine Befehlsinstitution war. Adorno – davon zeugt der Briefwechsel zwischen Adorno und Horkheimer – spurte. Da der Brief, dessen Existenz nicht nachweisbar ist und in dem es heißt „Mann sei homosexuell und damit untragbar als Lehrer der akademischen Jugend“, stammt ja offenbar von Horkheimer; und ich nehme an, Adorno hat ihm mal wieder den Diener gemacht. Dieses Verhalten steht für Vieles; auch dafür, dass die beiden Philosophen der Totalität keinesfalls wie Säulenheilige enthoben und in Schuldzusammenhänge verstrickt waren. Ob dadurch Adornos Philosophie wirklich zum homophoben Gedankenwerk wird, würde ich bezweifeln.

  4. Gravatar Icon 4 lysis 15. Mai 2009 um 12:26 Uhr

    Adornos Werk ist aber durchsiebt mit homophoben Einsprengseln. Ein englischer Blogbeitrag dazu hier: „Adorno: gay“.

    Ja, und mir geht’s darum, diese Säulenheiligen zu stürzen, weil ich die autoritäre Idolatrie, die sie in der „anti“deutschen Linken erfahren, nicht ertragen kann. Ein Personenkult, wie er hier vorliegt, muss so lange verletzt und gekränkt werden, bis die Reflexion wieder einsetzt.

  5. Gravatar Icon 5 Entdinglichung 15. Mai 2009 um 12:30 Uhr

    es ging mir hier nicht um Relativierung sondern um das Prinzip, dass der Feind meines Feindes nicht mein Freund ist … dass Golo Mann natürlich (wie jedeR andereR) gegen den konkreten homophoben (rassistischen, antisemitischen, sexistischen, etc.) Angriff (egal von wem dieser kommt) verteidigt werden muss bzw. dass die Angreifer dafür auf den Deckel bekommen müssen sollte klar sein … zur latenten bis manifesten Homophobie in der Frankfurter Schule denke ich, dass da neben dem ganzen gesellschaftlich grassierendem Kram v.a. auch Elemente der Psychoanalyse, welche zwischen „normal“ und „annormal“ unterscheiden, stilbildend waren

  6. Gravatar Icon 6 lysis 15. Mai 2009 um 12:49 Uhr

    Auf eine besondere Pikanterie in dieser Frage möchte ich dann doch noch verweisen: die verklemmte und durch schiere Angst verbogene Liebesbeziehung zwischen „Dorni“ (Erika Mann) und Kracauer.

    „Niemand darf den Brief sehen“, fleht Siegfried Kracauer seinen Freund Theodor W. Adorno an. 85 Jahre danach darf jeder diesen Liebesbrief eines 34-jährigen Redakteurs an einen 19-jährigen Studenten lesen. Niemand hat Kracauer, der 1966 starb, und Adorno, der 1969 starb, gefragt, ob ihre geheime Liebschaft an die Öffentlichkeit gelangen solle.

    […]

    Gewiss drängt sich sogleich zu Beginn des Bandes die biografische Sensation auf, dass Kracauer und Adorno in den ersten Jahren ihres Umgangs die Grenze der Freundschaft zur Liebe überschritten, wenngleich sie die Grenze zur Sexualität respektierten. „Ein Verhältnis haben wir doch nicht“, tröstet oder klagt Kracauer, der mit dem wohlbehüteten Sohn einer gutbürgerlichern Familie eine Geheimkorrespondenz unterhält.

  7. Gravatar Icon 7 schorsch 15. Mai 2009 um 12:57 Uhr

    Den Blogtext werde ich mir mal durchlesen.

    „Ein Personenkult, wie er hier vorliegt, muss so lange verletzt und gekränkt werden, bis die Reflexion wieder einsetzt.“

    Falls das gegen mich gemünzt war, hast du mich falsch verstanden: ich bin mit deinem Satz ganz und gar einverstanden und ich halte diese Personenkult auch für völlig reaktionär und denkfeindlich. Allerdings weiß ich nicht, ob die Kränkung und vor allem der Impuls zur Reflexion auf dem Schauplatz des Persönlichen gelingen kann, weil sie den Maßstab des Persönlichen unter anderem Vorzeichen reproduzieren würde.

  8. Gravatar Icon 8 lysis 15. Mai 2009 um 13:43 Uhr

    Nein, das war nicht auf dich gemünzt. Und diese persönliche Ebene führe ich nur deshalb ein, weil schwule Adorno-Fans wie Kunstreich und Dannecker die Homophobie ihres Vorbilds notorisch schönzufärben versuchen und dabei nicht wahrhaben wollen, dass es sich keineswegs um eine besonders ausgefuchste theoretische Position mit einem versteckten „dialektischen“ Kniff handelt, den man nur verstehen und entbergen müsse, sondern um ein plattes Ressentiment – eine tiefsitzende, aus Verdrängung resultierende Abneigung gegen alles Homosexuelle, die Adorno sogar in seine privaten Beziehungen mit hinein schleppte.

    Kevin S. Amidon untersucht das etwa am Verhältnis zum Komponisten Alban Berg, der selbst möglicherweise bisexuell, dessen Schwester lesbisch und dessen (von Adorno als „unvergesslich schön“ beschriebener) Schwager schwul waren – eine Konstellation, die den Frankfurter in seiner Zeit in Wien außerordentlich beschäftigte, ja beunruhigte und verstörte, weil ihm das so notdürftig verdrängte gleichgeschlechtliche Begehren derart massiv auf den Leib rückte. (Siehe Amidon, „What happens to Countess Geschwitz? Revisiting Homosexuality in Horkheimer and Adorno“. New York Journal of Sociology 1/2008.)

    Amidon macht auch klar, dass dies nicht völlig ohne Relevanz für Adornos Philosophie ist, weil es, ironisch genug, zeigt, wie sehr er bereit war, das Nichtidentische am Leben anderer Individuen über die Klinge seiner abstrakt-allgemeinen Begriffe springen zu lassen. Adorno machte keine Ausnahmen, was seine Homophobie betraf: Die Beziehung zu Berg konnte er nur unter der Prämisse aufrechterhalten, dass er dessen Bisexualität in einem Artikel, der erst nach seinem Ableben veröffentlicht werden durfte, rigoros abstritt und verleugnete.

    Dass sich Adornos Schüler Hans-Jürgen Krahl zu einem selbsthassenden Schwulen entwickelte, ist von daher kein Zufall: Wenn er Adorno nicht missfallen wollte, musste er bereit sein, in seiner Dissertation noch seine eigene Homosexualität öffentlich zu denunzieren. Das erwarteten die Frankfurter von ihm! Und dem kam er, sehr zu seiner Schande, tatsächlich nach. – So wie heute Kunstreich dieser Forderung Gehör schenkt, obwohl sein Übervater gar nicht mehr lebt, um ihre Erfüllung zu kontrollieren.

    Ein trauriges Testament aus einer – für gleichgeschlechtliche Liebe – traurigen Zeit.

  9. Gravatar Icon 9 Dora 15. Mai 2009 um 16:36 Uhr

    Durch persönliche Kränkungen oder Verletzungen schiebst du garantiert nicht die Reflexionen an, die du den ADs anempfiehlst. Außerdem ist es nicht so, dass der Personenkult ein Fall von Nicht-Reflexion wäre, was man an deiner psychologischen Besprechung von „Übervätern“ bemerkt.

    Mir gehr es allerdings nicht um den persönlichen Angriff, wenn ich an dir kritisiere, dass du den Personenkult bestätigst mit deiner Fokussierung auf die Person Adorno. Ich will das Argument „Sexist“ angreifen, insofern es fürs Schlechtmachen der Person steht, zuungunsten einer Prüfung seiner Gesellschaftskritik.

    Wenn Adornos Rassismus über seine Homophobie oder Verachtung für Negermusik hinaus theoretisch von Bedeutung ist, ist es auch jenseits davon kritisierbar. Ansonsten gerät die Kritik an Homophobie ihrerseits zur Schlüssellochperspektive, Adorno ausgerechnet wegen seines sexistischen Privatlebens zu verteufeln – der Grundfehler seiner Theorie und dessen, was ADs herunterbeten, ist jedenfalls ein anderer.

  10. Gravatar Icon 10 Hork 15. Mai 2009 um 17:09 Uhr

    Golo Mann, der Antisemit, im Original:

    „Es ist heute überaus heikel, überaus gefährlich von jüdischer Schuld zu sprechen, weil das Schicksal, das die Juden getroffen hat, einer Schuld die einzelne Juden haben oder nicht haben mögen, keinen Augenblick als adäquat erscheinen darf, weil hier von Schuld nicht in dem Sinne gesprochen werden darf, als ob es eine Schuld wäre, der dann die Strafe entsprochen hätte. […] Nicht ein irgendwie verständliches Strafgericht hat sie getroffen, viel eher etwas, das aus der Perspektive des Opfers einer blinden Naturgewalt zu vergleichen wäre. Da es aber doch Menschen gewesen sind, sogenannte vernunftbegabte Wesen, welche die Öfen von Auschwitz geplant und angeheizt haben, so bleibt uns die Frage, warum sie es taten, wie sie es tun konnten, gestellt. Dabei aber kann man wenigstens versuchsweise nicht völlig absehen von der Vorgeschichte und vom Charakter der Opfer.“

    gefunden auf: http://hsozkult.geschichte.hu-berlin.de/rezensionen/id=6237

  11. Gravatar Icon 11 lysis 15. Mai 2009 um 18:12 Uhr

    @Dora: Äh, Sexismus? Ich hab kein Wort über Sexismus verloren! Wenn du Homophobie unter Sexismus subsumierst, dann hab ich damit ein Problem. Ich halte das nämlich keineswegs für dasselbe, ja noch nicht einmal für sonderlich verwandte Dinge.

    Im Übrigen hab ich meine inhaltliche Kritik an Adorno in diesem Blog schon mehrfach angedeutet, aber ich weiß nicht, warum ich über homophobe Übergriffe schweigen sollte, ja warum die Thematisierung dieser Übergriffe einer „Schlüssellochperspektive“ gleichkommt. Es ist doch keine Privatsache, jemanden als Homosexuellen zu denunzieren, um zu verhindern, dass er auf eine Uni-Stelle berufen wird!

    @Hork: Mir ist die Person Golo Manns ziemlich gleichgültig. Aber dass er ein „heimlicher Antisemit“ gewesen sei – immerhin hat er im Unterschied zu Adorno nicht durch ideologische Anpassung im Nazi-Reich zu überwintern versucht, war also kein „durch Judentum verhinderter Faschist“ (Adorno) –, berechtigt wohl kaum, ihn mit Hilfe homophober Vorurteile zerstören zu wollen.

    Die Handlungsweise von Horkheimer und Adorno macht es nicht besser, dass Golo Mann schrullige Ansichten über die Gründe des Antisemitismus hatte. Das gegeneinander aufzurechnen, ist infam. Oder willst du jetzt mit offener Homophobie gegen heimliche Juden-Antipathie kämpfen?

  12. Gravatar Icon 12 hork 15. Mai 2009 um 19:24 Uhr

    „immerhin hat er im Unterschied zu Adorno nicht durch ideologische Anpassung im Nazi-Reich zu überwintern versucht“

    und worin soll diese anpassung bestanden haben?

  13. Gravatar Icon 13 lysis 15. Mai 2009 um 19:34 Uhr

    im verfassen nationalsozialistisch gestimmter musik-rezensionen? in der tatsache, dass er das verbot des „negerjazz“ durch die nazis begrüßte?

  14. Gravatar Icon 14 hork 15. Mai 2009 um 19:46 Uhr

    wie auch immer: du addierst sowieso nur wie irgendwelche feuilletonistischen reliquiensammler aus dem kulturressort der faz anektotenmaterial zusammen. damit schrumpft der erkenntnisgewinn auch tendeziell auf null: ganz als ob solche individuellen verfehlungen, irgendetwas über adornos kritische theorie aussagen würden. vielleicht publizierst du deine adorno-“kritik“ künftig einfach hier: hXXp://www.jungefreiheit.de/Single-News-Display.144+M52c5ab637d2.0.html =))

  15. Gravatar Icon 15 Arschkrebs (2.0/compatible) 15. Mai 2009 um 20:08 Uhr

    @hork
    Hehe, hork hätte man nicht besser bestellen können. Das Beste ist, dass er wahrscheinlich kein Fake ist.

  16. Gravatar Icon 16 Hork 15. Mai 2009 um 20:36 Uhr

    „Ja, wo ist denn das Argument?“ (GSP)

  17. Gravatar Icon 17 lysis 16. Mai 2009 um 3:13 Uhr

    Ich wüsste nicht, dass man aus der Frankfurter Schule Erkenntnisgewinne erzielen kann. Das ist doch nur eine Haltungs- und Stilphilosophie, die das Projekt kritischer Gesellschaftstheorie nicht eine Bohne nach vorne gebracht hat.

    In vielerlei Hinsicht sind Horkheimer und Adorno nur zweitklassige Epigonen, die auf den Schultern von Riesen standen und Dinge wiederholten, die von anderen lange vorher gedacht und meist auch besser begründet worden waren. Dies trifft insbesondere auf die „Kritik der instrumentellen Vernunft“ und die dystopische Perspektive einer „Verwalteten Welt“ zu, die natürlich nur ein schaler Abklatsch von Max Webers Bürokratisierungsthese und seiner Metapher vom „stahlharten Gehäuse der Hörigkeit“ ist.

    Obwohl das so offen auf der Hand liegt, hat das meines Wissens bisher nur einer ausgesprochen: Michel Foucault, der die Frankfurter Schule in einer seiner Vorlesungen als Linksweberianer bezeichnet und damit ziemlich treffend eingeordnet hat. Dieser unbestreitbare Zusammenhang mit Webers Herrschaftssoziologie wird im Grunde bloß dadurch verschleiert, dass Horkheimer und Adorno diesen liberal-konservativen Intellektuellen, vom dem sie all ihre basalen Theorien über den abendländischen Rationalisierungsprozess bezogen hatten, nie eines einzigen Zitates würdigten, sondern das Ganze gleichsam als ihren ureigenen Gedanken ausgaben, so als hätte Weber nie ein Wort über die Entleerung und Formalisierung der Vernunft in der bürgerlich-kapitalistischen Moderne verloren. Dabei stammt selbst das Motiv des „Aushalten-Könnens“ und messianischen Wartens noch von ihrem beschwiegenen Heidelberger Vorbild!

    Der Blog Khrushchev in Love formuliert das ja auch ziemlich treffend:

    Adorno wasn’t an original thinker, I think, though he was a brilliant synthesizer

    Man möchte hinzufügen, dass Adorno auch über eine scharfe Beobachtungsgabe und ein musikalisches Sprachvermögen verfügte. Am Projekt, ein neues Paradigma kritischer Gesellschaftstheorie zu begründen – gleichsam so etwas wie eine Reformulierung des Marxismus „auf der Höhe der Zeit“ –, wie es Horkheimer noch 1937 großspurig angekündigt hatte, sind die beiden aber kläglich gescheitert. Dafür reichte ihre theoretische Einbildungskraft nicht hin.

    Im Grunde war ihr kreatives Vermögen in den 40er Jahren mit dem – unbestreitbar geniale Züge tragenden – Kulturindustriekapitel aus der Dialektik der Aufklärung und den zusammen mit Leo Löwenthal verfassten „Elementen des Antisemitismus“ bereits zum Rande ausgeschöpft, der Zenit ihres Schaffens überschritten. Was dann kam (sieht man von den musiktheoretischen Schriften ab, über die ich mir kein Urteil erlauben kann), war nur noch jämmerlich. Horkheimer hatte wenigstens die Größe, nichts mehr von Bedeutung zu publizieren. Aber Adorno konnte es nicht lassen, sich mit einem nachgeschobenen philosophischen „Hauptwerk“ – der Negativen Dialektik – selbst zu kompromittieren.

    Dass Adorno viele schöngeistige Bewunderer, aber keine ernstzunehmenden Schüler hatte, die je über das Niveau sprachlicher Mimikry hinausgelangt und daher anderes als bloß flüchtige Teilnehmer in einem virtuellen Adorno-Ähnlichkeitswettbewerb gewesen wären, hat objektive Gründe, die in der Qualität seines philosophischen Werks selbst zu suchen sind: die Negative Dialektik ist schlechte Erkenntnistheorie im allereinfältigsten Sinne, welche die Scharfsinnigkeit eines philosophischen Zeitgenossen wie Wittgenstein nie auch nur annähernd erreicht hat.

    Es wäre wohl besser gewesen, Adorno hätte sich als Spezialist auf seine wohl nach wie vor bleibenden kulturtheoretischen Arbeiten beschränkt statt gleich das „letzte Universalgenie“ geben zu wollen. Denn als Philosoph war und ist Adorno eine Katastrophe, auch wenn das viele Linke nicht allzu gerne hören.

  18. Gravatar Icon 18 schurz 16. Mai 2009 um 12:10 Uhr

    „Wenn Rachsucht ihr Antrieb ist, wenn Ressentiment das Argument ersetzt, dann zeigt sich darin eine geistige Faulheit des Kritikers.“

    und wer rausfindet was das sowohl mit dem in der faz geschriebenen artikel, als auch mit dem von k. geschriebenen zu tun hat, bekommt ein „bravo“ von mir:)>-

  19. Gravatar Icon 19 ascetonym 16. Mai 2009 um 16:33 Uhr

    @schurz/hork

    Ach, wie niedlich… willst du jetzt etwa dazu übergehen den FAZ-Schreiberling schlecht zu machen? Das ist für den Mist den Adorno da betrieben hat, und der lysis‘ Thema war, allerdings genauso irrelevant wie die Person Golo Manns. Übrigens, indem Adorno letzteren als Schwuchtel denunziert hat, hat er eben keinen einzigen Satz dieses deutschen Historikers kritisiert. „Denkfaul“ und „rachsüchtig“ ist in diesem Fall eher die Seite der Teddie-Apologeten.

  20. Gravatar Icon 20 schurz 16. Mai 2009 um 17:24 Uhr

    naja eigentlich soll dies ja horkheimer gemacht haben und die ganze „argumentation“ wird ausschließlich gestützt durch die aussagen des hitler biographen joachim fest.

    zumindest ich habe in den briefwechseln von horkheimer und adorno aus dieser zeit nichts derartiges über golo mann gefunden.
    erstaunlich mit was für leuten sich herr k. gemein macht, um die kritische theorie zu erledigen. aber hier ergibt sich wahrlich eine ähnlichkeit zu herrn k. aus wien und dessen umgang mit der wahrheit.
    :-?

  21. Gravatar Icon 21 negative potential 16. Mai 2009 um 17:28 Uhr

    Ich wüsste nicht, dass man aus der Frankfurter Schule Erkenntnisgewinne erzielen kann. Das ist doch nur eine Haltungs- und Stilphilosophie, die das Projekt kritischer Gesellschaftstheorie nicht eine Bohne nach vorne gebracht hat.

    „If we were to look outside of France for something corresponding to the work of Cavaillès, Koyré, Bachelard and Canguilhem, it is undoubtedly in the Frankfurt School that we would find it.“ – Michel Foucault, Introduction to Georges Canguilhem, _The Normal and the Pathological_

    „Die für die Genese der neuen Marx-Lektüre wohl bedeutendste Quelle ist in der kritischen Theorie Frankfurt Provenienz auszumachen, die von den Texten und Seminaren Max Horkheimers und Theodor W. Adornos über die Arbeiten Alfred Schmidts bis hin zu den Beiträgen von Helmut Reichelt und Hans-Georg Backhaus reicht.“ – Ingo Elbe, _Marx im Westen_

  22. Gravatar Icon 22 bigmouth 16. Mai 2009 um 19:04 Uhr

    bei letzterem kann man da aber wohl eher ne katalysator-funktion sehen. die neue marxlektüre verdankt der kritischen theorie die entstehung in dem sinne, dass da die leute sich in seminaren trafen. aber inhaltlich wohl eher wenig

  23. Gravatar Icon 23 Arschkrebs (2.0/compatible) 16. Mai 2009 um 19:25 Uhr

    zumindest ich habe in den briefwechseln von horkheimer und adorno aus dieser zeit nichts derartiges über golo mann gefunden.

    *lol* Bist du der Nachlassverwalter von Adorno und Horkheimer, oder warum glaubst dir ein Urteil über den Briefwechsel anmaßen zu können. Als wenn solche Briefe in den gesammelten Briefwechseln, die für die Identitätsstiftung der Jünger da sind, veröffentlich würden.

  24. Gravatar Icon 24 schurz 16. Mai 2009 um 19:53 Uhr

    ja mit joachim fest ist das natürlich alles bewiesen:-" lügen ist das eine, so dumm zu sein, die lügen zu glauben das andere.

  25. Gravatar Icon 25 Arschkrebs (2.0/compatible) 16. Mai 2009 um 20:04 Uhr

    Es gibt jedenfalls keinen Grund dir zu glauben. Das ist jetzt klar.

  26. Gravatar Icon 26 lysis 16. Mai 2009 um 20:30 Uhr

    @negative potential: Ja, komischerweise fängt Elbe bei seiner Rekonstruktion des Einflusses der Kritischen Theorie auf die Neue Marx-Lektüre aber nicht mit Horkheimer und Adorno an, sondern mit Alfred Schmidt. Horki und Dorni hatten zu dem Thema nicht viel zu sagen.

    Und was Foucault angeht: ich mein, ich treib doch hier keinen Ersatzkult. Aber wenn schon, dann sollte man nicht ganz unterschlagen, dass es von ihm auch einige kritischen Zeilen zu den Frankfurtern gibt. Kann ich ja mal bei Gelegenheit raussuchen. :)>-

    Um es aber noch mal klarzustellen: ich hab gar nichts dagegen, wenn sich jemand auf die Kritische Theorie Frankfurter Provenienz bezieht. Das könnte ich mir selbst auch vorstellen, obgleich es dort zu meinen Arbeitsgebieten nicht das Geringste zu holen, sondern höchstens etwas ideologiehistorisch einzuordnen gibt (was natürlich auch spannend sein kann!).

    Man darf bestimmte Kritik nicht mit vollständiger Ablehnung verwechseln. Ich hab ja bereits gesagt, dass ich das Kulturindustriekapitel in der Dialektik der Aufklärung recht genial finde und auch den „Elementen des Antisemitismus“ etwas abgewinnen kann. Aber anderes halte ich für kompletten Unfug, und dazu gehört die Negative Dialektik, die einer der Gründe gewesen ist, warum ich mich irgendwann kopfschüttelnd von der Kritischen Theorie abgewandt habe. Ein unglaublich dummes Buch, zumindest was seine Kernthese angeht, derzufolge es eine Analogie, ja mehr noch: ein von Adorno wohlweislich nie ausgeführtes Ableitungsverhältnis zwischen dem Begriff als abstrahierender Denkform und dem bürgerlichen Warentausch gäbe – eine historisch unhaltbare Behauptung, die ja dann bei Bruhn konsequent in der Ablehnung jeder logisch stringenten theoretischen Begriffsbildung mündet!

    Nimmt man zur Ablehnung von Theorie und ihrer Ersetzung durch „Dialektik“ (als ein von Bruhn und Adorno als alogisch und widersprüchlich vorgestelltes Aussagensystem) zugleich die Diffamierung des Empirismus zugunsten subjektiver (= methodisch nicht kontrollierter) Erfahrung hinzu, hat man eine Wissenschaftsfeindlichkeit und einen Irrationalismus vor sich liegen, die man in meinen Augen nicht mehr unwidersprochen hinnehmen kann. Die Konsequenzen dieses gefährlichen Irrationalismus kann man denn auch regelmäßig in einer Berliner Quartalszeitschrift begutachen, die unter Berufung auf Adornos Amoklauf gegen Empirie und formale Logik die Wirklichkeit durch ihren rassistischen Wahn ersetzt hat.

    Das Schlimme an der Aufkündigung des Postulats theoretischer Widerspruchsfreiheit und faktischer Überprüfbarkeit ist die damit verbundene Immunisierung gegen jede mögliche Kritik. Und hatte nicht Adornos Homophobie genau diese widerwärtige Struktur? Ein unkontrolliertes, aus subjektiver Spekulation gewonnenes Vorurteil zu sein, das sich noch nicht einmal die Mühe machte, sich einen überzeugenden logisch-empirischen Begründungszusammenhang zu geben. Man soll es wohl einfach glauben, weil Adorno es geschrieben hat!? Und diese ganzen autoritätshörigen schwulen Stiefellecker, von Krahl über Dannecker bis Kunstreich, die ihre Frankfurter Säulenheiligen a priori von jeder Kritik auszunehmen gewillt sind, tun das auch noch: Sie suchen sich in nacheilendem Gehorsam einen spekulativen Argumentationsmodus, in dem Adornos sporadisch geäußerte Ressentiments gegen alles „Homosexuelle“ auf einmal einen tieferen emanzipatorischen Sinn erhalten. Entschuldige, aber darf ich das lächerlich finden?

    Meines Erachtens hilft da nur noch eines: „Kill their idols!“ Und dem bin ich hierdurch hoffentlich ewas näher gerückt.

  27. Gravatar Icon 27 negative potential 17. Mai 2009 um 1:00 Uhr

    „autoritätshörigen schwulen Stiefellecker“ — ist das nicht der Titel von einem Bruce LaBruce film über die Epigonen der Frankfurter Schule?

  28. Gravatar Icon 28 lysis 17. Mai 2009 um 1:25 Uhr

    Du meinst sicher diesen Film! ;))

  29. Gravatar Icon 29 bigmouth 17. Mai 2009 um 3:20 Uhr

    *lol* Bist du der Nachlassverwalter von Adorno und Horkheimer, oder warum glaubst dir ein Urteil über den Briefwechsel anmaßen zu können. Als wenn solche Briefe in den gesammelten Briefwechseln, die für die Identitätsstiftung der Jünger da sind, veröffentlich würden.

    du müsstest ne zensur erst mal belegen. afaik wurde nicht mal in der MEW zensiert – und die udssr hatte bestimmt mehr interesse an nem guten bild ihrer säulenheiligen als irgendwelche frankfurter nachlassverwalter

  30. Gravatar Icon 30 lysis 17. Mai 2009 um 3:30 Uhr

    Anfang der 60er Jahre haben sich Horkheimer und Adorno sicher ganz viele Briefe geschrieben, wo sie doch in derselben Stadt lebten und am selben Institut lehrten …

  31. Gravatar Icon 31 panxita 17. Mai 2009 um 15:53 Uhr

    Bei der ganzen diskussion um adornos werk und person scheint mir doch ein bißchen in den hintergrund zu rücken, dass die antideutsche lesart von adorno doch auch nur bestimmte aspekte von ihm berücksichtigt und anderen gegenüber dagegen sehr blind ist. mir fällt zum beispiel öfter mal der extrem positive bezug auf die aufklärung, unter diffarmierung der romantik, auf. da fällt es aus ad sicht dann auch mal schwer adornos verehrung für hölderlin mit in den eigenen theoretischen rahmen zu übernehmen.
    kein wunder.
    ich stimme dem verweis auf die übernahmen von webers theorien in der frankfurter schule durchaus zu, würde sie aber noch durch andere übernahmen ergänzen. lese die dialektik der aufklärung eigendlich wie die versuchte übernahme typisch romantischer aufklärungskritik, vernutzung des menschen durch die maschine, blinde logik, scheinfreiheit in der kleinbürgerlichkeit, in einen aufklärerischen rahmen.
    oftmals wird ja unterschwellig über die frage entschieden, ob denn der nationalsozialismus seine wurzeln in der romantik hätte, oder in der aufklärung. es wäre an sich eine überlegung wert ob es sinnvoll ist, die frage so zu stellen. bei adorno allerdings bin ich mir noch nicht einmal sicher an welcher seite er runterfallen würde, war doch die judenvernichtung für ihn eine gerade sich durch ihre rationalität auszeichnende grausamkeit.
    das erbe, das adorno von der romantik mitschleppt, zeigt sich dann auch wieder schön in der von lysis kritisierten stellenweise krassen irrationalität von adornos werk. ich glaube aber trotzdem nicht, das ein kurzer verweis auf fehlende empirie dieser durchaus komplexeren argumentationsweise gerecht wird.
    ich muss gestehen, dass ich mich eigendlich gar ncith so sehr mit der deutschen romantik auskenne, sondern einfach nur so eine wage vermutung habe, das da geschichtsphilosophisch viele stricke zusammenlaufen. es würde mich also interessieren ein paar mehr komentare und positionen dazu zu hören.

  32. Gravatar Icon 32 panxita 17. Mai 2009 um 15:56 Uhr

    oups, das sollte novalis heißen und nicht hölderlin.

  33. Gravatar Icon 33 subwave 17. Mai 2009 um 18:50 Uhr

    Das Schlimme an der Aufkündigung des Postulats theoretischer Widerspruchsfreiheit und faktischer Überprüfbarkeit ist die damit verbundene Immunisierung gegen jede mögliche Kritik.

    es mag ja sein, dass das ein schlimmes resultat ist. aber theorie kann nie widerspruchsfrei sein, bzw. die widerspruchsfreiheit ist nie zu beweisen. das is rein mathematisch/logisch nicht möglich. falsch allerdings ist daraus abzuleiten – wie bruhn das tut – das man auf widerspruchsfreiheit gleich ganz scheissen kann.

  34. Gravatar Icon 34 cannon fodder 17. Mai 2009 um 20:03 Uhr

    Versteh ich nicht. Seit wann muss denn da was bewiesen werden? Die Widerspruchsfreiheit ist doch nur ein Kriterium, dass man zur Überprüfung anlegen kann. Sobald eine Theorie als widersprüchlich entlarvt wird, ist sie halt erledigt.

    Man kann „Wissen“ auch dadurch entsorgen, in dem die Anforderungen an Erkenntnis ins Unerreichbare schraubt.

  35. Gravatar Icon 35 bigmouth 17. Mai 2009 um 23:03 Uhr
  36. Gravatar Icon 36 subwave 18. Mai 2009 um 0:14 Uhr

    bigmouth: exactly.

    cannon: aber es ist in der logik der sache angelegt, das die theorie widersprüchlich ist. so muss mit ihr umgegangen werden. wer annimmt seine theorie sei in allen fällen widerspruchslos ist ein idiot. theorien können einen gewissen bereich der widerspruchslosigkeit haben, mehr aber nicht. umgekehrt bringt ein widerspruch nicht die ganze theorie zu fall, es zeigt sich im widerspruch nur, dass eine theorie eben nicht allgemein gilt. wenn es physiker nicht einmal schaffen eine theorie des universums zu zimmern die konsistent ist, wie will man dergleichen von einer theorie der gesellschaft erwarten?

  37. Gravatar Icon 37 mti 18. Mai 2009 um 2:20 Uhr

    wenn es physiker nicht einmal schaffen eine theorie des universums zu zimmern die konsistent ist, wie will man dergleichen von einer theorie der gesellschaft erwarten?

    Was will man auch mit einer „Theorie der Gesellschaft“, mal so ganz im Allgemeinen?

  38. Gravatar Icon 38 Arschkrebs (2.0/compatible) 18. Mai 2009 um 5:10 Uhr

    Naturwissenschaftler fangen dann aber auch nicht an zu schwafeln und denken sich trotzdem irgendwelche Theorien des Universums aus, sondern arbeiten unter anderem mit Empirie und grenzen die Bereiche ein, in denen ihre Theorie gilt und verwerfen Theorien auch mal wieder, wenn dass dann eben mal nicht hinhaut. Das ist natürlich der Idealfall, aber auch anerkanntes Leitbild.

    Vielleicht habe ich da bisher von den Geisteswissenschaftlern immer zu viel erwartet, aber ich ging schon davon aus, dass gesellschaftliche Erkenntnistheorien auch den Zustand der Gesellschaft erklären können sollen. Wenn dann Widersprüche mit der Realität auftreten, muss man prüfen, ob die Theorie Mist ist, oder unter welchen Umständen (unter welchen Bedingungen und Annahmen) sie gilt, also den Bereich eingrenzen, und nicht einfach auf Widerspruchsfreiheit scheißen und alle, die völlig zu recht auf offensichtlichen Widersprüchen rumreiten, als renitente Idioten bezeichnen.

  39. Gravatar Icon 39 subwave 18. Mai 2009 um 19:09 Uhr

    @arschkrebs: „falsch allerdings ist daraus abzuleiten – wie bruhn das tut – das man auf widerspruchsfreiheit gleich ganz scheissen kann. “

  40. Gravatar Icon 40 kaputt 18. Mai 2009 um 19:54 Uhr

    „Dass Adorno viele schöngeistige Bewunderer, aber keine ernstzunehmenden Schüler hatte, […]“

    „Ja, komischerweise fängt Elbe bei seiner Rekonstruktion des Einflusses der Kritischen Theorie auf die Neue Marx-Lektüre aber nicht mit Horkheimer und Adorno an, sondern mit Alfred Schmidt. Horki und Dorni hatten zu dem Thema nicht viel zu sagen.“

    Ja watt denn nu?

  41. Gravatar Icon 41 lysis 19. Mai 2009 um 2:34 Uhr

    Mit Widersprüchen brauchst du mir gar nicht erst zu kommen! Das ist ja voll der Identitätszwang, den du hier ausübst… :d

  42. Gravatar Icon 42 negative potential 19. Mai 2009 um 10:02 Uhr

    lysis,

    you got pwned!

    :x

  43. Gravatar Icon 43 negative potential 19. Mai 2009 um 10:07 Uhr

    Lysis sagt übrigens auch ständig, dass Althusser und Lacan selber nichts viel zu sagen hätten, aber viele begabte Schüler hatten (z.B. Aglietta und Regulationsschule, Slavoj Zizek).

    Er kann sich aber nicht dazu bringen, dasselbe über Adorno und Horkheimer einzuräumen, weil das würde ja bedeuten, überhaupt etwas positives über die Frankfurter Schule zu sagen.

  44. Gravatar Icon 44 Nörgler 20. Mai 2009 um 23:27 Uhr

    Die Existenz des durch Hörensagen unzureichend belegten Briefs einmal unterstellt: Muß ich die „Ästhetische Theorie“ und die „Negative Dialektik“ jetzt schlecht finden, weil H/A schwerkritikable Dinge taten, wobei sie freilich den Rahmen der akademisch üblichen Verkehrsformen keineswegs überschritten. Professoren sind so: Wo es um Reputation, Grandiosität, Gewicht, Einfluß und Eitelkeiten geht, und darum geht es immer, ist die Marginalisierung von Skrupeln das Mittel der Wahl. Das macht üble Taten nicht besser. Es hindert jedoch Versuche, H/A zu solitären Monstern zu machen.

    Zurück zu meiner Eingangsfrage, die sich auch andersherum stellen läßt: Wie wir alle wissen, ist Lysis so ohne Fehl und Tadel, dass selbst Jesus ganze Scheiben von ihm sich hätte abschneiden können. Muß ich nun dieser Lichtgestalt nur wegen ihrer persönlichen Eigenschaften den Unsinn glauben, Adorno sei ein Max Weber-Plagiator, der den Namen des Plagiierten listig verschweigt? Ich kann das nicht glauben, allein schon wegen der Bekanntheit des angeblich Plagiierten. Und ich kann es weiterhin nicht glauben, wenn ich neben anderen Stellen jene Passage ausgerechnet in der von Lysis wild befuchtelten „Negativen Dialektik“ kenne, in der Adorno Weber nicht nur nennt, sondern sich ausführlich und positiv auf ihn bezieht. Dazu sollte man jedoch wenigstens bis Seite 165 gelesen haben. Die „Negative Dialektik“ ist zugegeben nicht einfach, und sie erfordert gewisse Kenntnisse des Gebietes, auf dem sie sich bewegt.
    Lysis wäre nicht der erste Leser, dessen Zorn sich nicht gegen den Inhalt, sondern nur dagegen richtet, dass er ihn nicht verstanden hat.

    Auch mit Kants Unterscheidung von empirischem und intelligiblem Charakter scheint Lysis, wie mit der erkenntniskritischen Tradition insgesamt, nicht hinreichend vertraut. Verfehlungen der Person führen deren geistige Produktion nicht automatisch ebenfalls in die Verdammnis. Die Unfähigkeit zu dieser Unterscheidung wirft ihrerseits einen Schatten auf die Integrität des empirischen Charakters dessen, der diese Unterscheidung nicht zu treffen vermag. Der Versuch, das Werk mit dem Leben zu diskreditieren, läßt Lysis nicht gut aussehen.

  45. Gravatar Icon 45 lysis 21. Mai 2009 um 0:17 Uhr

    Ach, Alter, dass man Person und Werk voneinander trennen muss, schreib ich seit Jahr und Tag. Siehe zuletzt hier!

  46. Gravatar Icon 46 Thiel Schweiger 21. Mai 2009 um 0:28 Uhr

    Teddy und Max standen vielleicht auf den Schultern von Riesen, aber vielleicht blickten sie gerade deshalb weiter als sie.

    Also dieser ganze Thread ist wirklich lächerlich: zuerst wird Kritik auf reiner Personenebene artikuliert, dann wird Foucault zitiert, obwohl der sich doch bekanterweise auch sehr lobend über die Frankfurter geäußert hat, und dann einmal den beiden jede Bedeutung aberkannt und später dann wieder einzelne Schriften in höchsten Tönen gelobt …

    Vielleicht ist es einfach gleichgültig, ob nun Adorno ein blödes Buch geschrieben oder eine blöde Tat begangen hat – wen interessiert das?

    Der wahre Held ist ohnehin Marcuse. ;)

  47. Gravatar Icon 47 lysis 21. Mai 2009 um 2:14 Uhr

    Man könnte an Adorno übrigens auch das Festhalten an einem Hegelschen Konzept der „expressiven Totalität“ (Althusser) kritisieren, aber dazu ist mir die Lust vergangen, zumal mir Adorno schon seit Jahren kaum noch etwas bedeutet.

    Mich stört nur die Übergriffigkeit und Verve, mit der seine Fans gegen alles, was außerhalb des beschränkten Horizonts seiner „Frankfurter Schule“ liegt, öffentlich zu Felde ziehen, ohne deren Beschränktheit selbst wahrzunehmen.

    Dazu kommt die Heuchelei, mit der etwa Foucaults außertheoretische Verfehlungen in Sachen Iran bloßgestellt und zur Abfertigung seines Werks funktionalisiert werden, während man sich Kommentare zu Adornos infamer Homophobie, die eben nicht nur sein Privatleben, sondern auch markante Stellen seines Œuvres durchzieht, genervt verbittet und als unstatthafte Kritik an der empirischen Person zurückweist (die einem als solche selbstverständlich egal sein kann, aber den meisten Fans nicht ist).

    Aber hatte ich überhaupt vor, damit eine Aussage über den Wert von Adornos Werk zu fällen? Sicher nicht. Mir ging es um einen beiläufigen Kommentar zu Kunstreichs apologetischer Behauptung, dass „entgegen landläufigem Vorurteil […] Foucault autoritär, Adorno hingegen keineswegs homophob“ gewesen sei. Auf theoretischer Ebene hab ich das schon verschiedene Male auseinander genommen, indem ich die ideologische Struktur von Adornos Homophobie herauszuarbeiten versuchte (siehe hier!). Und nun fällt mir, ganz wider Erwarten, auch noch ein empirischer Beleg in den Schoß!

    Warum sollte ich mir entgehen lassen, das noch einmal gehörig breit zu treten? Wo das Schicksal so gütig zu mir ist, diesen hundsgemeinen Artikel in meine schlechten Hände zu legen? Wie dumm müsste ich sein, es nicht zu benutzen? Ihr erwartet einfach zu viel Großherzigkeit von mir. So selbstlos bin ich nicht!

  48. Gravatar Icon 48 Nörgler 21. Mai 2009 um 15:56 Uhr

    Jessas, was ein Wirrkopf.

  49. Gravatar Icon 49 lysis 21. Mai 2009 um 18:34 Uhr

    Tschisäs, was ein Argument!

  50. Gravatar Icon 50 che2001 21. Mai 2009 um 19:23 Uhr

    @“Aber hatte ich überhaupt vor, damit eine Aussage über den Wert von Adornos Werk zu fällen? Sicher nicht. Mir ging es um einen beiläufigen Kommentar zu Kunstreichs apologetischer Behauptung, dass „entgegen landläufigem Vorurteil […] Foucault autoritär, Adorno hingegen keineswegs homophob“ gewesen sei“ --- Direkter kann man gar nicht mehr ausdrücken, dass man in der Absicht, einen versprengten Sektierer, den niemand liest zu kritisieren, vorsichtshalber das Kind mit einer kompletten Badeanstalt ausschüttet.

  51. Gravatar Icon 51 lysis 21. Mai 2009 um 20:12 Uhr

    Wieso schüttet man die Badeanstalt aus, wenn man auf homophobe Ereignisse in ihr verweist? Es ist ja unglaublich, wie idealisiert Adorno euch erscheinen muss, wenn der kleinste Fehler oder Makel auf seiner Weste ihn für euch zum Fallen zu bringen droht. Ihr vertraut seinem Werk ja offenbar selbst nicht, wenn ihr alles an die Integrität der empirischen Person knüpft.

    Dass ich mit der Badeanstalt darüber hinaus nicht viel anfangen kann, weil das Bassin auf mich den Eindruck macht, eher so etwas wie ein Planschbecken zu sein, aus dem ich mit der Zeit herausgewachsen bin, war nicht der Ausgangspunkt dieser Story. Es ist aber etwas, das anzumerken ich mir in der Diskussion die Freiheit genommen habe. Das nachzuvollziehen erwarte ich von niemandem, aber dass man sich darüber ernsthaft schockiert zeigen kann, überrascht mich dann doch.

    Nicht alle mögen im selben Becken schwimmen! Für meine Bahnen jedenfalls ist das Grand Bassin Abgrund denkbar ungeeignet. Und das ganz unabhängig von seinem homophoben Bademeister.

  52. Gravatar Icon 52 hartmut 21. Mai 2009 um 22:40 Uhr
  53. Gravatar Icon 53 lysis 22. Mai 2009 um 0:31 Uhr

    Hartmut, wahrscheinlich hast du recht und ich sehe das zu sehr aus einer provinziell innerlinken Perspektive. Für die Konservativen ist es wohl eher ein interessiertes Stochern in den altbekannten Irrtümern progressiver Bewegungsgeschichte, um von ihrer eigenen heterosexistischen Vergangenheit und Gegenwart nicht sprechen zu müssen. Richtig abgeschmackt wird es allerdings, wenn man die Hetze von nach rechtsaußen konvertierten ehemaligen Bahamas-Anhängern liest, die auch hier wieder eine schöne Gelegenheit wittern, sich als Homocons zum Kanonenfutter gegen alles (wie auch immer gebrochen) Linke und Emanzipatorische zu machen – ihrem zweitwichtigsten Hassobjekt gleich nach den in Deutschland lebenden Moslems und „Kanaken“.

    Da möchte man Adorno ernstlich beispringen, denn der konnte, im Gegensatz zu unseren Homocons, wenigstens noch etwas schreiben, das nicht vollständig im Ressentiment aufging:

    Weil dem physiologischen Verdacht Balzacs die Bürger Verbrecher sind […] – deshalb sind ihm die Verbrecher und Ausgestoßenen Menschen. Das erklärt vielleicht, daß er die Homosexualität […] der Literatur entdeckte. Angesichts des unwiderstehlich sich durchsetzenden Tauschprinzips mochte er von der geächteten, vorweg hoffnungslosen Liebe etwas wie deren unverstümmelte Gestalt sich erträumen […]

    Adorno, Noten zur Literatur, „Balzac-Lektüre“, 142.

  54. Gravatar Icon 54 John Dean 22. Mai 2009 um 0:35 Uhr

    Ich halte es für durchaus erstrebenswert, den Sockel, auf den Adorno gestellt wird, abzuflachen. Seine Erkenntnistheorie (ist es überhaupt eine in sich schlüssige Theorie?) ist mir fremd, viele seiner Behauptungen und Schlussfolgerungen, ganz allgemein, sind mir zu apodiktisch, zu willkürlich – oft nur akademischer Bluff.

    Und dennoch: Adorno kann mit Gewinn gelesen werden. Mag das meiste von ihm eher Literatur denn Wissenschaft sein – das, was übrig bleibt, und sei es zur Anregung, hat immer noch viel Wert.

    Ähem – ich denke, für die an Theorie interessierte Linke dürfte Hannah Ahrendt deutlich ergiebiger sein als Adorno.

    (Antideutsche sehen das anders – aber, hey, ist das nicht ziemlich egal? Denn, wer so reaktionär und am Sozialen letzlich desinteressiert ist, wie dies bei vielen Antideutschen der Fall ist, dessen „politische Theorie“ (lol) ist, egal welche Vorbilder zur Selbst-Autorisierung antideutscher Argumentationen herangezogen werden: stets ganz ohne Wert)

    Pardon.

    Im Ernst: Ich bin viel zu links, um antideutsche Theoriebildung (aka: geschwurbeltes Gefasel) ernst nehmen zu können. Antideutsche sind in letzter Konsequenz doch nur die willigen Helfer eines radikalisierten Kapitalismus.

    (Das sage ich als Linksliberaler)

    Die zur Selbstautorisierung dienende Adorno-Verkultung ausgerechnet seitens der Antideutschen ist insofern (also: wegen der antideutsch-immanenten sozialen Blindheit) ein besonders hässlicher wie unpassender Witz.

    P.S.
    Ich bin am überlegen, ob die Bildung einer bloggenden Hannah-Ahrend-Lesegruppe
    a) eine gute Idee wäre und zugleich
    b) den finstersten Zorn von Antideutschen herauf beschwören würde.

  55. Gravatar Icon 55 hartmut 22. Mai 2009 um 18:59 Uhr

    Hi Lysis

    danke für Deine fairen Bemerkungen. Ich hatte jetzt mit Senge gerechnet (darauf gehofft? harhar ;-) )

    Zur sache: Es missbehagt mir immer, wenn persönliche Verfehlungen das Konzept widerlegen sollen.

    Immanuel kant war zweifellos ein Rasist und Antisemit. Was erwartet man von einem 1724 geborenen Kleinbürgersohn? ich finde vielmehr großartig, wieviel VORurteile Kant hinter sich gelassen hat, als er als schon alter Mann pro franz. Revolution votierte…

    Mann war Antisemit. Adorno war es. Tucho war es. Sogar Kaleko war es, und Arendt war es vermutlich auch. Alle nach heutigen Maßstäben beurteilt. Und nun? Ich finde es richtig, diese Erkenntnisgrenzen von Leuten, die ihrer Zeit verhaftet waren so, wie wir unserer, wertfrei zur Debatte zu stellen, aber ich finde es, ganz ehrlich, zum Kotzen, daraus Anklägerei zu entwickeln.

    Mein Lieblingsbeispiel: Thomas Mann. Mann hat sich im 33er tagebuch nicht entblödet, als reifer, gebildeter Mann wie folgt zu protokoll zu geben: Dass die Nazis die Justiz „entjudeten“, sei schlussendlich vielleicht kein Schade… Soweit Manns erlauchte Erkenntnisse. Mann hat in seinen BBC_Reden den Judenmord mehrfach/vielfach erwähnt, Himmler hat ihn durchgeführt. Es stört mich einach, dass manche zwischen Mann und Himmler keinen Unterschied mehr machen. Darum ging es.

    lg

  56. Gravatar Icon 56 hartmut 22. Mai 2009 um 19:02 Uhr

    @ John dean:

    zur bloggenden Arendt-Gruppe: ich habe auch schon drüber nachgedacht.

  57. Gravatar Icon 57 hartmut 22. Mai 2009 um 19:59 Uhr

    axo, john dean: „antideutsche theorienbildung“ ist natürlich auch herzallerliebst. theorienbildung? können die das übrhaupt? wäre mir neu! Wenn ich mit antideutschen zu tun hatte, waren sie nie etwas anderss als das, was sie qua natur sind: strunzdumm, gewaltbereit nach unten, schleimscheisser der mächtigen. Charakterlumpen durch die Bank, zu jeder Doessecker-Lüge bereit…

  58. Gravatar Icon 58 bigmouth 22. Mai 2009 um 21:10 Uhr

    Mann war Antisemit. Adorno war es. Tucho war es. Sogar Kaleko war es, und Arendt war es vermutlich auch. Alle nach heutigen Maßstäben beurteilt.

    bei 3 der 5 wwüsste ich schon gern, woran du das festmachen willst. Kaleko sagt mir nix

  59. Gravatar Icon 59 cannon fodder 22. Mai 2009 um 22:32 Uhr

    Du Hartmut – zwischen (meinetwegen polemischer) Kritik und dumpfem Ressentiment ist immer noch ein Unterschied.

    PS: Übrigens sehr intelligent, dass mit dem „qua natura“.

  60. Gravatar Icon 60 lysis 23. Mai 2009 um 0:04 Uhr

    Zur sache: Es missbehagt mir immer, wenn persönliche Verfehlungen das Konzept widerlegen sollen.

    Ich weiß nicht, warum mir das immer wieder vorgeworfen wird. Das habe ich nicht getan! Für mich ist ein ganz praktischer Grund, auf Adornos Homophobie herumzureiten, der, dass es eine schleichende Neurezeption seiner Aussagen zu diesem Thema gibt. Lies z.B. den unsäglichen Kunstreich-Artikel in dem ebenso unsäglichen Sammelband Mit Freud : Psychoanalyse und Gesellschaftskritik!

    Und es ist ja keineswegs so, dass die These vom „inneren Zusammenhang“ zwischen Homosexualität und Faschismus, die Adorno von Wilhelm Reich und Erich Fromm apodiktisch aufgegriffen und phrasenhaft weitertradiert hat – jene These, die Maxim Gorki am 23. Mai 1934 in der Prawda schreiben ließ: „Rottet die Homosexuellen aus, und der Faschismus ist verschwunden!“ –, dass diese These die Linke je ganz verlassen hätte.

    Einer solchen Neurezeption möchte ich unter anderen von Anfang an einen Riegel vorschieben, weil ich keine Lust habe, mich mit den theoretischen Archaismen aus dem Arsenal einer politisierten Psychoanalyse zu befassen. (Klaus Mann hat das übrigens schon vor einem dreiviertel Jahrhundert in einem fast vergessenen Artikel getan. Er schrieb 1934 in den Europäischen Heften als Antwort auf Gorki: „Man ist im Begriffe, aus ‚dem Homosexuellen‘ den Sündenbock zu machen – etwa ‚den Juden‘ der Antifascisten.“)

    Vor kurzem hat mich ein griechischer Genosse angeschrieben und mich darauf aufmerksam gemacht, dass dieses Motiv gerade auch wieder in der griechischen Linken zirkuliert. Wie gesagt, es ist nie ausgestorben, aber die Ironie ist, dass es in Deutschland nun ausgerechnet von schwulen Adorniten wie Kunstreich wieder ausgregraben wird, um die islamische Welt als strukturell homo- respektive bisexuell und daher (!) autoritär, paranoid und misogyn zu brandmarken. (Er kann sich das als Schwuler offenbar leisten, jeder andere würde dafür aufs Maul bekommen.)

    Mag sein, dass sich die Beschäftigung mit dem Thema eher einer Privatfehde zwischen mir und Herrn Kunstreich verdankt und dass Adorno dabei völlig unangemessen in Mitleidenschaft gezogen wird. Er gerät gleichsam zum Kollateralschaden meiner etwas hämischen Gegenoffensive. Ich würde ihn in diesem Schachspiel aber nicht als Bauern opfern, wenn er mir noch Grundlegendes bedeuten würde.

    Den Artikel werde ich trotzdem bald offline stellen, weil ich ja sehe, wie das manche Menschen persönlich kränkt, die ihn ganz anders – und nicht so regressiv lesen wie unsere „anti“deutschen Kameraden.

    Ich hab bei vielen Sachen, die ich in einem Anflug von Wut und Groll poste, hinterher ein schlechtes Gewissen, empfinde sie als ungerecht und versuche, sie nachträglich zu relativieren. Nur weil ich persönlich mit Adorno nichts mehr anzufangen weiß, heißt das ja nicht, dass dies ein verallgemeinerbares Urteil wäre.

  61. Gravatar Icon 61 hartmut 23. Mai 2009 um 6:58 Uhr

    neinnein, nicht offline stellen, ist ja völlig richtig, mit diesem artikel anzuregen. dein ansatz ist ja richtig ich habe mich eben nur um nebenaspekte gekümmert.

    die Debatte Klaus-Mann/Gorki kannte ich noch dumpf, obwohl ich selber hetero bin. allerdings wusste ich nicht, wie tief diese debatte in der schwulen-szene geführt wird. besten dank für die belehrung. übrigens gebe ich dir da recht. das gesabbel von den schwulen faschistischen männerbünden fand ich immer albern. die waren (fast) alle hetero, ende im gelände. ein einfacher tatbestand, der dem pseudo-subtilen analysieren hart, aber herzlich den wind aus den segeln nimmt. faschistische schwulen-ABWEHR-Männerbünde trifft es ja wohl eher.

    @ bigmouth zum antisemitsmus (nach heutigen maßstäben)

    - Tucho über Börsianer: „Die Frommeren gehen außerdem in die Synagoge“
    - Adornos Jubelrezensionen sind bekannt.
    - Über Thomas Manns salonantisemitismus müssen wir nicht reden.
    - Arendt: Siehe Brief an Jaspers aus Jerusalem (Eichmann-Prozess), wo sie die israelische Gesellschaft hierarchisch einteilt: ganz oben steht dann „bestes deutsches Judentum“, ganz unten das schmutzige Ostjudentum. Ein übler Brief.
    - Kaleko (irrsinnig gute Großstadtdichterin 20er Jahre, selber Jüdin) in einem Gedicht: Ihr Cousin hätte ihr früher so herrlich die Welt gezeigt – jetzt sei er nur noch Börsenzocker…(ich gehe mal davon aus, dass ihr fiktiver Cousin auch Jude war)

    So ist das, wenn man Kind seiner Zeit ist. Werfe ich den Genannen zunächst nicht vor, aber man muss das wissen.

    Böll schrieb mal irgendwas von „Negern“ (in seinen frühen Schriften). Je nun…

  62. Gravatar Icon 62 Semisemit 23. Mai 2009 um 9:37 Uhr

    Dümmer gehts nimmer! Jetzt soll schon ein abschätziges Wort über die Börse Antisemitismus sein? Womöglich ist jedes kritische Wort im Verdacht Judenfeindschaft zu sein, wenn es nicht vom Rabbi kommt.

  63. Gravatar Icon 63 hartmut 23. Mai 2009 um 23:33 Uhr

    „Jetzt soll schon ein abschätziges Wort über die Börse Antisemitismus sein?“

    Hä?

    Natürlich ist ein (sehr angebrachtes) abschätziges Wort über die Börse kein Antisemitismus. Die objektiv unwahre Behauptung, die Zocker dort seien alles Juden (bzw Konnotationen, die solches nahelegen), ist es aber sehr wohl.

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