Das System katholische Kirche, oder:
La mala educación

Dublin (AFP) — Ein tausende Seiten starker Bericht über die Qualen von Mädchen und Jungen in Einrichtungen der katholischen Kirche erschüttert Irland. Prügel und der sexuelle Missbrauch vor allem von Jungen waren in diesen Häusern seit den 30er Jahren an der Tagesordnung, wie aus der Studie hervorgeht. […]

Die Kinder hätten jeden Tag aufs Neue in Angst vor Schlägen gelebt, heißt es in dem Bericht, den die irische Regierung vor neun Jahren in Auftrag gegeben hatte. Ein „Klima der Angst“ habe in den meisten Einrichtungen geherrscht, schreiben die Verfasser des 2500-seitigen Dokuments. In Einrichtungen für Mädchen habe es auch sexuellen Missbrauch gegeben, allerdings nicht systematisch. Die Täter konnten demnach „über einen langen Zeitraum unentdeckt“ handeln. Den Opfern sei nicht geglaubt worden, sie seien der Verdorbenheit bezichtigt und oft schwer bestraft worden.

Die Studie wirft Kirche und Staat in Irland vor, die Augen vor den Zuständen in den Einrichtungen verschlossen zu haben. Jeder gemeldete Missbrauch sei von der Kirche als Einzelfall und verschwiegen behandelt worden. Bestenfalls seien die Täter versetzt, zum Schutz der Minderjährigen dagegen sei nichts getan worden. In den wenigen Fällen, in denen das Erziehungsministerium von sexuellem Missbrauch erfahren habe, sei auch vom Staat der Mantel des Schweigens über die Vorfälle gebreitet worden.

Im einzelnen heißt es in der Studie weiter, der Missbrauch von Jungen habe von „unangemessenen Berührungen“ bis hin zur Vergewaltigung gereicht. In Jungenschulen seien die Schüler schon für geringe Vergehen „lange und übermäßig“ körperlich bestraft worden – Ziel sei „soviel Qual wie möglich“ gewesen.


13 Antworten auf „Das System katholische Kirche, oder:
La mala educación“


  1. Gravatar Icon 1 Printe 22. Mai 2009 um 19:33 Uhr

    Was soll man dazu sagen… furchtbar.

  2. Gravatar Icon 2 Bernd 24. Mai 2009 um 19:38 Uhr

    Das Schlimme daran ist, dass es immer wieder vertuscht und „als Einzelfall“ hingestellt wird. Während sonst die Presse in durchaus großeren Ausmaß aufschreit wenn sexuelle Straftaten bekannt werden, geschieht dies im Kirchenumfeld praktisch kaum.
    Ich glaube, dass gerade in internatsartigen Einrichtungen die Gefahr von körperlichen bis hin zu sexuellen Mißhandlungen leider immer groß ist – aber solange hier nicht wirklich eine wirksame Kontrolle stattfindet (und eine öffentliche Berichtserstattung wäre der erste Schritt), gibt es ja kaum eine Chance hier Abhilfe zu schaffen.

  3. Gravatar Icon 3 lysis 24. Mai 2009 um 22:33 Uhr

    Ich glaub kaum, dass man das mit „Internat“ erklären kann. Wohl eher mit der notorischen Sexualfeindschaft der katholischen Kirche, die dann in sowas umschlägt!

  4. Gravatar Icon 4 Cali 25. Mai 2009 um 2:31 Uhr

    Und in sowas:

    „Wenn die Seele fehlt, wenn die Afrikaner sich nicht selbst helfen, kann diese Geisel nicht mit der Verteilung von Kondomen beseitigt werden. Im Gegenteil, es besteht das Risiko, das Problem zu vergrößern. Die Lösung kann nur mit einem doppelten Engagement gefunden werden: Das erste ist die Hu­ma­nisierung der Sexualität, das heißt eine geistige und menschliche Erneuerung, die eine neue Art des Umgangs mit sich bringt. Und das zweite eine wahre Freundschaft auch und vor allem mit den Leidenden.“

    Wie sehr die Redaktion Bahamas auf diesen Scheiß abfährt, dokumentiert sie in ihrem aktuellen Editorial. Die Anfeindung der sexuellen „Moderne“, welche die RB mit ihren Ergüssen stets dem „Islam“ vorwürft, geht mit der Parteinahme für den sexual – und fortschrittfeindlichen Papst Benedikt XVI und seinen Äußerungen über die „Humanisierung der Sexualität“ hinsichtlich von Aids in Afrika, zweifelsohne einher.

  5. Gravatar Icon 5 Heinz 25. Mai 2009 um 12:29 Uhr

    „Sexualfeindschaft der katholischen Kirche, die dann in sowas umschlägt“

    „Umschlagen“ find ich nicht ganz richtig. Es stimmt zwar, dass die Kirche mit ihrer Auflage den Sex betreffend allen möglichen Spinnereien Vorschub leistet, aber Kindesmissbrauch ist nicht allein auf Religiösität zurückzuführen, sonst wären die ungläubigen Gewalttäter schwer zu erklären. Vielmehr scheinen derlei Allmachtsfantasien, Sadismus usw. unmittelbar mit dem bürgerlichen Bewusstsein zusammenzuhängen, Schädigungen anderer mit dem eigenen Nutzen zu verwechseln.

  6. Gravatar Icon 6 lysis 25. Mai 2009 um 13:27 Uhr

    Das tritt in der katholischen Kirche aber schon recht gehäuft in Erscheinung, und das übrigens nicht nur in Internaten, obwohl die herrschaftliche Verfügung über das Menschenmaterial da natürlich besonders ausgeprägt ist.

    Da ich kein Psychologe bin, kann ich dir das nicht erklären, aber mir erscheint der Zusammenhang zwischen dem, was da von der Kirche dämonisiert, und dem, was von Klerikern in abgespaltener, ich-fremder Form als „Sadismus“ ausgelebt wird – in der Einheit von Bestrafung und qua Bestrafung entwendetem Genuss –, doch recht offenkundig.

  7. Gravatar Icon 7 Arschkrebs (2.0/compatible) 25. Mai 2009 um 14:13 Uhr
  8. Gravatar Icon 8 Heinz 25. Mai 2009 um 17:18 Uhr

    Dass v.a. Katholen ein beknacktes Verhältnis zum Sex fördern und Kinderschänder auch einem dazu passenden Wahn fröhnen, erklärt noch keinen Zusammenhang zwischen beidem. Es sei denn, du wolltest im Stil der Sudie, der Bild-Zeitung oder South-Park den „Skandal“ aufdecken, dass in der Kirche Dinge passieren, die man dieser Institution, bzw. ihren Mitarbeitern nicht zutrauen soll.

  9. Gravatar Icon 9 Cali 25. Mai 2009 um 20:22 Uhr

    Als ob der Kindsmissbrauch kein Ausdruck eines „beknackten Verhältnisses zum Sex“ sein würde. Es ist durchaus denkbar, dass die Härte der sexuellen Entsagung gegen sich selbst als eine Form der Rache, in dem an Knaben praktizierten sexueller Sadismus wiederkehrt. Es hat jar gar niemand behauptet, dass es „allein“ daran liegen würde.

  10. Gravatar Icon 10 Arschkrebs (2.0/compatible) 26. Mai 2009 um 22:11 Uhr

    diesmal nicht lustig, leider echt:
    http://www.youtube.com/watch?v=9jHqndf9Kx4

  11. Gravatar Icon 11 lysis 27. Mai 2009 um 1:43 Uhr

    „Kinderschänder“ ist nun wirklich ein kurios altertümlicher Begriff, den man eher in der Kirche als aus dem Mund aufgeklärter Leute erwarten würde. Er stammt aus dem antiken Verständnis von Vergewaltigung als „Entehrung“ einer unbescholtenen Frau, von der man erwarten darf, dass sie sich aus Scham über den Verlust ihrer Ehrbarkeit und aus Respekt vor ihrer Familie oder ihrem Mann das Leben nimmt.

    Dass solche reaktionären Vorstellungshorizonte im Begriff des „Kinderschänders“ gänzlich unreflektiert weiterleben, zeugt davon, wie antiemanzipatorisch und demagogisch der ganze Diskurs aufgebaut ist. Nicht die Gewalt ist das Thema, sondern die Praktizierung einer gesellschaftlich nicht approbierten Form der Sexualität. Und damit befindet sich dieser Begriff ganz und gar im Fahrwasser der katholischen Ideologie, auch wo er sich subjektiv gegen deren Institutionen zu richten vermeint.

  12. Gravatar Icon 12 Heinz 27. Mai 2009 um 11:15 Uhr

    Den ersten Teil deiner Sprachkritik teile ich, aber du hast mein Zitat (z.B. von hier: http://www.bild.de/BILD/news/2009/05/25/vergewaltigung-kinderschaender/lockt-10-jaehrige-ins-gebuesch.html) ja gar nicht missverstanden als Kritik an „Entehrung“. Im Gegenteil: Du hast jetzt sogar einen Zusammenhang aufgezeigt zwischen Ideologie und der daraus folgenden Praxis. Den vermisse ich bei der Studie.

    Deine Kritik an „Antiemanzipatorischem“ finde ich nicht nur zu schwammig. Du fällst hinter deine Analyse des Ideals, was in „Kinderschänder“ steckt, zurück, wenn du ausgerechnet die moralische Verurteilung wieder an deinem Ideal von Emanzipation misst. Der Bild-Zeitung vorzuwerfen, sie sei „antiemanzipatorisch“ finde ich etwas matt, weil deren Ideologieproduktion nicht bloß in mangelhafter Aufklärung besteht.

  13. Gravatar Icon 13 Gregor Samsa 28. Mai 2009 um 11:06 Uhr

    Es ist gut, daß hier auch über methodischen Mißbrauch von Kindern in Irland berichtet und diskutiert wird, doch sind solche Fälle auch in der Alt-BRD zu Hauf dokumentiert.
    „Schläge im Namen des Herrn“ heißt ein Buch eines Betroffenen, den man als g. minderbemittelt diskreditiert, der für die Zwangsarbeit noch nicht mal sozial versichert wurde. Es ist der üble Zusammenhalt zwischen staatlichen und kirchlichen „Fürsogerorganisationen“, der laut einer Ausstellung überhaupt für die ersten KZ-Opfer vor Juden u. a. gesorgt hat. „Überflüssige“ die durch die WWK und WWI zu Stadtstreichern, Trippelbrüdern, geworden sind. Die Kinder, die nach dem WWII nur mit Mutter aufgewachsen sind, wurden oft von Nachbarn denunziert, die Diakonie hat sie abgeholt. Dann ging es denen wie dem Fischer von der Loreley: „…und ward niemehr geseh‘n.“

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